Azithromycin

Wirkstoff
Azithromycin
Handelsname
Zithromax®
ATC-Code
J01FA10
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Infektionen
    • Oral
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label
  • Erhaltungstherapie bei Infektionen mit P. Aeruginosa bei Cystischer Fibrose
    • Oral
      • Off-label
  • Frühe lokalisierte Lyme-Borreliose (Erythema migrans oder Lymphozytom)
    • Oral
      • Off-label
  • Prophylaxe nach Zeckenbiss
    • Oral
      • Off-label
  • Streptokokken- Pharyngitis
    • Oral
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label
  • Chlamydia trachomatis Infektion
    • Oral
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label
      • >10 mg/kg/Dosis: Off-label
  • Ambulant erworbene Pneumonie, einschließlich Legionärskrankheit
    • Intravenös
      • Off-label
  • Beckenentzündung (PID)
    • Intravenös
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Filmtabletten 500 mg
Infusionslösung 500 mg
Trockensaft 200 mg/5ml

Allgemein

Azithromycin liegt in den peroral anzuwendenden Darreichungsformen als Mono- oder Dihydrat vor. In den Parenteralia liegt es als Dihydrat vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich jeweils auf Azithromycin. Die perorale Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Der bittere Nachgeschmack von Suspensionen kann durch das Nachtrinken von Fruchtsaft direkt nach der Einnahme vermieden werden.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Darreichungsform Stärke Problematische Hilfsstoffe
AZITHROMYCIN +pharma® Filmtabletten 500 mg Lactose
AZITHROMYCIN 1A® Filmtabletten 500 mg Sojalecithin
AZITHROMYCIN Arcana® Filmtabletten 500 mg Sojalecithin
AZITHROMYCIN Arcana® Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 200 mg/5 ml Aspartam, Saccharose
AZITHROMYCIN Genericon® Filmtabletten 500 mg Lactose
AZITHROMYCIN Sandoz® Filmtabletten 500 mg Sojalecithin
AZITHROMYCIN Sandoz® Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 200 mg/5 ml Aspartam, Saccharose
AZITHROMYCIN Stada® Filmtabletten 500 mg Sojalecithin
AZITHROMYCIN Stada® Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 200 mg/5 ml Aspartam, Saccharose
ZITHROMAX® Filmtabletten 500 mg Lactose
ZITHROMAX® Trockensaft 200 mg/5 ml Saccharose

Die Fachinformationen wurden 05/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

 

Pharmakodynamik

Makrolid-Antibiotikum; Azithromycin bindet reversibel an das bakterielle Ribosom, dadurch kommt es zu einem Abbruch der Proteinbiosynthese.

In der Regel empfindliche Spezies: Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Chlamydophila pneumoniae, Chlamydia trachomatis, Legionella pneumophila, Mycobacterium avium, Mycoplasma pneumoniae

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwwendung darstellen können: Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes, Ureaplasma urealyticum

Von Natur aus resistente Spezies: Staphylococcus aureus – Methicillin-resistente und Erythromycin-resistente Stämme, Streptococcus pneumoniae – Penicillin-resistente Stämme, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella spp., Bacteroides fragilis Gruppe

Pharmakokinetik

Die Bioverfügbarkeit liegt bei 30-40%. Die terminale Halbwertszeit von Azithromycin liegt bei Kindern (6 Monate - 16 Jahre alt) zwischen 55 – 65 h [Stevens 1997, Jacobs 2005].

Dosierungen

Gehe zu:

Bakterielle Infektionen
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 500 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: 3 Tage
      • Alternatives Behandlungsschema: 10 mg/kg/Tag, maximal 500 mg/Tag an Tag 1, gefolgt von 5 mg/kg/Tag, maximal 250 mg/Tag an Tag 2-5.

Erhaltungstherapie bei Infektion mit P. Aeruginosa bei cystischer Fibrose
  • Oral
    • < 25 kg
      [6]
      • 10 mg/kg/Dosis 3 x pro Woche: Mo-Mi-Fr.
    • 25 bis 40 kg
      [1] [6]
      • 250 mg/Dosis 3 x pro Woche: Mo-Mi-Fr.
    • ≥ 40 kg
      [1] [6]
      • 500 mg/Dosis 3 x pro Woche: Mo-Mi-Fr.
Früh lokalisierte Lyme-Borreliose (Erythema migrans oder Lymphozytom)
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [3] [13]
      • 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 500 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: AT: 2x für jeweils 3 Tage im Abstand von einer Woche
Prophylaxe nach Zeckenstich
  • Oral
    • < 8 Jahre
      [3] [17]
      • 10 mg/kg/Dosis, einmalig. Maximale Einzeldosis: 500 mg/Dosis.
      • > 8 Jahre:  Doxycyclin

        Eine Prophylaxe kann in Betracht gezogen werden, wenn die Zecke länger als 24 Stunden auf der Haut war und mit der Prophylaxe innerhalb von 72 Stunden nach Entfernung der Zecke begonnen wird. 

Streptokokken Pharyngitis
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2] [8]
      • 10 - 20 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 500 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: 3 Tage
Chlamydia trachomatis
  • Oral
    • Neugeborene
      [4] [14]
      • 20 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer: 3 Tage
    • ≥ 1 Monat und < 45 kg
      [4] [14]
      • 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Behandlungsdauer: 5 Tage
      • In dieser Altersgruppe wird die Anwendung von Erythromycin empfohlen.

    • ≥ 1 Monat und ≥ 45 kg
      [4] [14]
      • 1.000 mg/Dosis, einmalig.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

MAKROLIDE, LINCOSAMIDE UND STREPTOGRAMINE

Makrolide

Clarithromycin

Klacid®, diverse Generika
J01FA09

Erythromycin

Erythrocin®
J01FA01
Lincosamide

Clindamycin (oral/intravenös)

Dalacin®, diverse Generika
J01FF01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Bei oraler Verabreichung treten häufig leichte Magen-Darm-Beschwerden auf.

Nach Anwendung von Azithromycin bei Neugeborenen (Behandlung in den ersten 42 Tagen nach der Geburt), wurden Fälle von kindlicher hypertrophischer Pylorusstenose (IHPS) berichtet.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Diarrhoe, Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Abnahme der Lymphozyten, Anstieg der Eosinophilen, Abnahme der Bicarbonatspiegel im Blut, Anstieg der Basophilen, Monozyten und Neutrophilen, Schmerzen und Entzündung an der Injektionsstelle.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Erythromycin, gegen andere Makrolid- oder Ketolid-Antibiotika oder andere Bestandteile des Arzneimittels.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Dosis ist bei Kindern mit reduzierter Leberfunktion anzupassen.

Die Suspension und die Tabletten können eventuell mit der Nahrung eingenommen werden. Nach Verabreichung der Suspension kann einem bitteren Nachgeschmack vorgebeugt werden, indem direkt nach der Einnahme Fruchtsaft getrunken wird.

Die Anwendung von Makroliden bei Kindern ist in den ersten 2 Wochen nach der Geburt mit einem stark erhöhten Risiko für Pylorusstenosen verbunden (relatives Risiko (RR): 29,8). Die Anwendung von Makroliden bei Kindern zwischen 14 und 120 Tagen führt zu einem dreifach erhöhten Risiko (RR: 3,24). Aus diesem Grund muss Azithromycin bei Kindern unter 4 Monaten zurückhaltend verschrieben werden. Die Eltern und das Pflegepersonal sollten aufgefordert werden, ihren Arzt zu kontaktieren, wenn es zu Erbrechen oder Irritationen beim Füttern kommt. 

Die Wirksamkeit und Sicherheit der Prophylaxe gegen eine Mycobacterium avium-intrazelluläre complex (MAC)-Infektion bei Kindern wurde nicht festgestellt.

Der Umfang verfügbarer Daten zur Anwendung bei Kindern unter 1 Jahr ist beschränkt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Azithromycin wird hauptsächlich hepatobiliär eliminiert. Beim Auftreten von  Symptomen einer eingeschränkten Leberfunktion sollten Leberfunktionstests/Leberuntersuchungen durchgeführt werden und gegebenenfalls die Therapie mit Azithromycin abgebrochen werden.
  • Bei niereninsuffizienten Patienten mit einer glomerulären Filtrationsrate <10 ml/min sollte Azithromycin mit Vorsicht eingesetzt werden, da eine Erhöhung der Azithromycin-Konzentrationen um 33% beobachtet wurde.
  • Neurologische und psychiatrische Erkrankungen: Vorsicht bei der Anwendung in dieser Patientengruppe.
  • Unter einer Behandlung mit Makroliden einschließlich Azithromycin wurden Verlängerungen der kardialen Repolarisation und des QT-Intervalls beobachtet. Das Risiko für kardiale Arrhythmien und Torsade de pointes ist demnach erhöht. Die Andwendung von Azithromycin sollte bei bestehender Hypokaliämie und/oder Hypomagnesiämie, Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, schwerer Herzinsuffizienz, Co-Medikation mit QT-verlängernden Medikamenten und angeborener oder erworbener QT-Verlängerung vermieden werden.
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe und pseudomembranöse Colitis sind unter Azithromycin aufgetreten.
  • Allergische Reaktionen (Angioödem, Anaphylaxie), schwere Hautreaktionen (TEN, Steven-Johnson-Syndrom) und Arzneimittelexantheme mit Eosinophilie und systemischen Symptomen wurden berichtet.
  • Eine Verschlechterung der Symptome einer Myasthenia gravis und das erstmalige Auftreten eines Myasthenie-Syndroms wurden bei Patienten unter einer Azithromycin-Therapie berichtet.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Substanzen, die das QT-Intervall verlängern: Azithromycin sollte nicht gemeinsam mit anderen Wirkstoffen angewendet werden, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern, wie z.B. gewissen Neuroleptika (Haloperidol), Domperidon, Amiodaron oder H1-Antagonisten (Dimetinden)
  • P-Glykoprotein-Substrate: Azithromycin hemmt das p-Glykoprotein (p-GP). Dadurch kann es zu erhöhten Spiegeln von p-GP-Substraten (u.a. Digoxin, Cholchicin, Edoxaban, Everolimus) kommen
  • Ciclosporin: Die Cmax und die AUC0-5 von Ciclosporin können bei zeitgleicher Anwendung signifikant erhöht sein. Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) von Ciclosporin ist anzuraten
  • Erhöhte Digitoxin-Spiegel bis in den toxischen Bereich sind möglich. Die zeitgleiche Anwendung sollte vermieden oder gegebenfalls der Spiegel von Digitoxin monitiert werden. Auf Symptome einer Intoxikation ist zu achten

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.
     

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Hartwig NC, et al, Vademecum Pediatrische Antimicrobiële Therapie [Vademecum pädiatrische antimikrobielle Therapie], 2005
  2. Phizer BV, SPC Zithromax (RVG 14999) 13-4-2016, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl, Geraadpleegd 28 okt 2016
  3. CBO, Richtlijn Lymeziekte [Leitlinie Lyme-Borreliose], www.cbo.nl, 2013, 71-85
  4. de Vries, HJC et al, Richtlijn SOA voor de tweede lijn, Nederlandse Vereniging voor Dermatologie en Venereologie (NVDV) [Leitlinie Sexuell übertragbare Krankheiten, Sekundärversorgung, Niederländische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (NVDV)], www.huidarts.info, 2012, 61
  5. Lund M. , Use of macrolides in mother and child and risk of infantile hypertrophic pyloric stenosis: nationwide cohort study. , BMJ, 2014, 348, g1908
  6. Saiman L et al., Azitromycin in patients with cystic fibrosis chronically infected with Pseudomonas Aeruginosa, JAMA, 2003 Oct 1, 290(13), 1749-56
  7. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557) (für Wechselwirkungen), https://www.univadis.at/, 03/2019
  8. Sandoz, SmPC Azithromycin Sandoz 200 mg/5 ml Trockensaft (1-27052), https://www.univadis.at/, 08/2018
  9. Pfizer, SmPC Zithromax 500 mg i.v. Plv. z. Herst. e. Inf.lsg. (1-24636), https://www.univadis.at/, 06/2018
  10. Dr. Friedrich Eberth, SmPC Azithromycin ADOH 500 mg Plv. f. e. Konz. z. Herst. e. Inf.lsg. (138515), https://www.univadis.at/, 09/2018
  11. Stevens, RC, et al., Pharmacokinetics of azithromycin after single- and multiple-doses in children, Pharmacother, 1997, 17(5), 874-80
  12. Jacobs, RF, et al., Pharmacokinetics of intravenously administered azithromycin in pediatric patients, Pediatr Infect Dis J, 2005, 24(1), 34-9
  13. Arznei und Vernunft, Leitlinie Antiinfektiva – Behandlung von Infektionen, http://arzneiundvernunft.at/DE/Home.aspx, 2010
  14. Österreichische Gesellschaft für STD und dermatologische Mikrobiologie, Leitlinien zur Therapie der klassischen Geschlechtskrankheiten und Sexually Transmitted Infections, http://www.oegstd.at/leitlinien.php, 2018
  15. Pfizer, SmPC Zithromax 500 mg Ftbl. (1-21939), https://www.univadis.at/, 06/2018
  16. Thalhammer, F, et al., Azithromycin-related toxic effects of digitoxin, Br J Clin Pharmacol, 1998, 45, 91-2
  17. Wichers IM et al, NHG Behandelrichtlijn Tekenbeet en erythema migrans, 2017, April

Änderungsverzeichnis

  • 21 August 2019 11:31: Neue Monographie "Azithromycin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung