Lisdexamfetamin

Wirkstoff
Lisdexamfetamin
Handelsname
Elvanse®
ATC-Code
N06BA12
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
    • Oral
      • <6 Jahre: Off-label
      • ≥6 Jahre: On-label 

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Hartkapseln 30 mg, 50 mg, 70 mg

Die Hartkapseln enthalten Lisdexamfetamindimesilat. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Lisdexamfetamindimesilat.

Die Hartkapseln können mit oder ohne gleichzeitige Nahrungsaufnahme eingenommen werden. Die Hartkapsel kann auch geöffnet und der gesamte Inhalt auf eine weiche Speise wie Joghurt oder in ein Glas Wasser oder Orangensaft geleert, damit vermischt und sofort verzehrt bzw. getrunken werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die verfügbaren Präparate enthalten: - 

Pharmakodynamik

Bei den Amfetaminen handelt es sich um nicht zu den Katecholaminen gehörende sympathomimetische Amine mit ZNS-stimulierender Aktivität. Lisdexamfetamin ist ein pharmakologisch inaktives Prodrug. Nach oraler Gabe wird Lisdexamfetamin rasch resorbiert und zu Dexamfetamin hydrolysiert, welches für die Aktivität des Arzneimittels verantwortlich ist. Der Mechanismus der therapeutischen Wirkung von Amfetamin bei ADHS ist nicht vollständig aufgeklärt; es wird jedoch angenommen, dass er auf eine Blockade der Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin in das präsynaptische Neuron und eine vermehrte Freisetzung dieser Monoamine in den extraneuronalen Raum zurückzuführen ist. Lisdexamfetamin bindet in vitro nicht an die für die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin verantwortlichen Stellen.

Pharmakokinetik

Lisdexamfetamin: Tmax (6-12 Jahre, nüchtern): ca. 1 Stunde, Dexamfetamin: Tmax (6-12 Jahre, nüchtern): 3,5 Stunden

Dosierungen

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Oral
    • Hartkapsel
      • 6 Jahre bis 18 Jahre
        [1] [4]
        • Initialdosis: 20 - 30 mg/Tag in 1 Dosis
        • Erhaltungsdosis: Je nach klinischer Wirkung und Verträglichkeit ist die Initialdosis in wöchentlichen Abständen um 10 bis 20 mg zu erhöhen. Bis zu 30 - 70 mg/Tag in 1 Dosis, max: 70 mg/Tag.
        • Behandlungsdauer: Die Behandlung muss beendet werden, wenn sich die Symptome nach einer geeigneten Dosisanpassung über einen Zeitraum von einem Monat nicht bessern. Beim Auftreten einer paradoxen Verschlechterung der Symptome oder anderer unzumutbarer unerwünschter Ereignisse muss die Dosis reduziert oder das Arzneimittel abgesetzt werden. Bei langfristiger Anwendung sollte mindestens jährlich der Nutzen überprüft und behandlungsfreie Zeitabschnitte, vorzugsweise in den Schulferien eingelegt werden, um das Verhalten der Patienten ohne medikamentöse Behandlung zu beurteilen. 
        • Die Dosis sollte individuell angepasst und die niedrigstmögliche Dosis sollte verordnet werden.

          Lisdexamfetamin sollte von Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder von Ärzt*innen mit Erfahrung in der Anwendung von Lisdexamfetamin bei Kindern und Jugendlichen verordnet werden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Eine Anpassung der Dosis ist nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Eine Anpassung der Dosis ist nicht erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Maximale Dosis: 50 mg pro Tag
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeine Empfehlung kann nicht gegeben werden.

PSYCHOSTIMULANZIEN, MITTEL ZUR BEHANDLUNG DER ADHS UND NOOTROPIKA

Zentral wirkende Sympathomimetika

Atomoxetin

Strattera®, diverse Generika
N06BA09

Methylphenidat

Ritalin®, Concerta®, Medikinet®, diverse Generika
N06BA04
Xanthin-Derivate

Coffein

Peyona®
N06BC01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Sehr häufig (≥ 10%): verminderter Appetit, Wachstumsverzögerung und Gewichtsabnahme (besonders bei Kindern), Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen (besonders bei jüngeren Kindern)

Häufig (1-10 %): Aggression (besonders bei jüngeren Kindern), Angst, Depression (besonders bei Jugendlichen), Tic (besonders bei jüngeren Kindern), Affektlabilität, Schwindel, Unruhe, Tremor, Somnolenz, Tachykardie, Palpitationen, Dyspnoe, Mundtrockenheit, Durchfall, Obstipation, Übelkeit, Erbrechen (besonders bei Kindern), Hautausschlag (besonders bei jüngeren Kindern), Reizbarkeit, Müdigkeit, Zerfahrenheit, Fieber (besonders bei Kindern)

Gelegentlich (0,1-1%): Überempfindlichkeit, Agitiertheit, Logorrhoe, Dysphorie, Euphorie, Manie, psychomotorische Hyperaktivität, Zähneknirschen, Dermatillomanie, Manie, Halluzinationen, Dyskinesie, Dysgeusie, Synkope, verschwommenes Sehen, Mydriasis, Kardiomyopathie, Raynaud-Syndrom, Hyperhidrose, Urtikaria, Schmerzen in der Brust, Blutdruckanstieg

Außerdem berichtet: Anaphylaktische Reaktionen, psychotische Episoden, Krampfanfall, QTc-Intervall-Verlängerung, eosinophile Hepatitis, Angioödem, Stevens-Johnson-Syndrom

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

verminderter Appetit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Agitiertheit, Angst, verminderte Libido, Affektlabilität, psychomotorische Hyperaktivität, Zähneknirschen, Schwindel, Unruhe, Tremor, Tachykardie, Palpitationen, Dyspnoe, Durchfall, Obstipation, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Hyperhidrose, erektile Dysfunktion, Schmerzen in der Brust, Reizbarkeit, Müdigkeit, Zerfahrenheit, Blutdruckanstieg, Gewichtsabnahme, Synkope

Folgende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

anaphylaktische Reaktionen, psychotische Episoden, Krampfanfall, QTc-Intervall-Verlängerung, eosinophile Hepatitis, Angioödem, Stevens-Johnson-Syndrom

 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen sympathomimetische Amine
  • Gleichzeitige Anwendung von Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmern) oder Anwendung innerhalb von 14 Tagen nach Behandlung mit MAO-Hemmern
  • Hyperthyreose oder Thyreotoxikose
  • Erregungszustände
  • Symptomatische Herz-Kreislauf-Erkrankung
  • Fortgeschrittene Arteriosklerose
  • Mittelschwere bis schwere Hypertonie
  • Glaukom

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

  • Wachstumsverzögerung: Körpergröße, Gewicht und Appetit sollten vor Therapiebeginn und anschließend mindestens alle sechs Monate dokumentiert werden.
  • Blutdruck und Puls sollten vor Therapiebeginn, bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle sechs Monate in einer graphischen Darstellung dokumentiert werden.
  • Eine Beurteilung aktueller psychiatrischer Begleiterkrankungen sollte vor Therapiebeginn erfolgen. Die Entwicklung neuer oder die Verschlechterung bereits bestehender psychiatrischer Erkrankungen ist bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle sechs Monate und bei jedem Kontrolltermin zu erfassen.
  • Die Patienten sollten hinsichtlich des Risikos von Zweckentfremdung, Fehlgebrauch und Missbrauch von Lisdexamfetamin überwacht werden.
  • Der Nutzen muss mindestens einmal jährlich neu bewertet werden. Dies geschieht indem der Arzt behandlungsfreie Zeiträume einlegt (vorzugsweise in den Schulferien) um das Verhalten ohne medikamentöse Behandlung zu beurteilen.

(SmPC Elvanse)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Potenzial zu Missbrauch, Fehlgebrauch, Abhängigkeit und Zweckentfremdung: Patienten mit Drogenmissbrauch oder-abhängigkeit in der Vorgeschichte sollten Stimulanzien nur mit Vorsicht verschrieben werden
  • Bei Patienten mit vorbestehenden psychotischen Störungen kann die Anwendung von Stimulanzien die Symptome von Verhaltens- und Denkstörungen verschlimmern.
  • Besondere Vorsicht ist bei der Anwendung von Stimulanzien zur Behandlung von ADHS bei Patienten mit bipolaren Begleiterkrankungen geboten, da bei solchen Patienten Bedenken wegen einer möglichen Auslösung eines gemischten/manischen Schubs bestehen.
  • Die Anwendung von Lisdexamfetamin verlängert bei einigen Patienten das QTc-Intervall. Es sollte mit Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit einer Verlängerung des QTc-Intervalls, bei Patienten, die mit Arzneimitteln behandelt werden, welche das QTc-Intervall beeinflussen, und bei Patienten mit relevanter vorbestehender Herzerkrankung oder Elektrolytstörung.
  • Zur Minimierung des Risikos einer möglichen Überdosierung durch die Patient*innen ist die geringste sinnvoll mögliche Menge von Lisdexamfetamin zu verordnen bzw. abzugeben.
  • Stimulanzien können auch bei Patienten ohne anamnestisch bekannte Krampfanfälle und ohne EEG-Hinweise auf Krampfanfälle in der Vorgeschichte die Krampfschwelle herabsetzen. Wenn die Anfallshäufigkeit zunimmt oder neue Anfälle auftreten, sollte das Arzneimittel abgesetzt werden.
  • Bei Patienten mit vorbestehenden psychotischen Störungen kann die Anwendung von Stimulanzien die Symptome von Verhaltens- und Denkstörungen verschlimmern; besondere Vorsicht ist bei Patienten mit bipolaren Begleiterkrankungen geboten, da bei solchen Bedenken wegen einer möglichen Auslösung eines gemischten/manischen Schubs bestehen. Vor Behandlungsbeginn mit einem Stimulans sollten Patienten mit depressiven Begleitsymptomen ausreichend untersucht werden, um festzustellen, ob bei ihnen ein Risiko für eine bipolare Störung besteht; unter der Behandlung neu auftretende psychotische oder manische Symptome, z. B. Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Manie bei Kindern und Jugendlichen ohne anamnestisch bekannte psychotische Erkrankung oder Manie, können durch Stimulanzien in üblichen Dosierungen hervorgerufen werden. Wenn solche Symptome auftreten, sollte an einen möglichen kausalen Zusammenhang mit dem Stimulans gedacht und ein Abbruch der Therapie in Erwägung gezogen werden; Stimulanzien können aggressives oder feindseliges Verhalten hervorrufen. Die Patienten sollten zu Beginn der ADHS-Behandlung auf ein neu oder verstärkt auftretendes aggressives oder feindseliges Verhalten hin überwacht werden; Kinder und deren Familien sind vor der Anwendung von Stimulanzien klinisch auf Tics und das Tourette-Syndrom zu untersuchen.Über plötzliche Todesfälle, Schlaganfall und Myokardinfarkt wurde bei Erwachsenen berichtet, die Stimulanzien in den üblichen Dosen bei ADHS einnahmen. Erwachsene mit schwerwiegenden strukturelle Herzanomalien, Kardiomyopathien, schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzkrankheit oder anderen schwerwiegenden Herzerkrankungen sollten generell nicht mit Stimulanzien behandelt werden;
  • Stimulanzien können einen Anstieg des durchschnittlichen Blutdrucks und der durchschnittlichen Herzfrequenz hervorrufen. Vorsicht ist geboten bei der Behandlung von Patienten, deren Grunderkrankungen durch Blutdruck- oder Herzfrequenzanstiege negativ beeinflusst werden könnten, z. B. bei denjenigen mit vorbestehender Hypertonie, Herzinsuffizienz, kürzlich durchgemachtem Myokardinfarkt oder Kammerarrhythmie.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Ascorbinsäure und andere Substanzen, die eine Ansäuerung des Urins bewirken, steigern die Ausscheidung von Lisdexamfetamin im Urin und verkürzen dessen Halbwertszeit 
  • Natriumhydrogencarbonat und andere Substanzen sowie Zustände (eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, ferner Harnwegsinfektionen und Erbrechen), die eine Alkalisierung des Urins bewirken, vermindern die Ausscheidung von Lisdexamfetamin im Urin und verlängern dessen Halbwertszeit 
  • Monoaminooxidasehemmer: Lisdeamfetamin sollte während oder innerhalb von 14 Tagen nach der Gabe von Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmern) nicht angewendet werden, da es sonst zu einer vermehrten Freisetzung von Noradrenalin und anderen Monoaminen kommen kann 
  • Serotonerge Arzneimittel: bei gemeinsamer Gabe mit serotonergen Arzneimitteln wie Selektive-Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen 

  • Amfetamine können die Wirksamkeit von blutdrucksenkenden Arzneimitteln abschwächen 

  • Neuroleptika (z.B. Haloperidol, Chlorpromazin): hemmen die zentral stimulierende Wirkung von Amfetaminen durch Blockade von Dopamin- und Noradrenalin-Rezeptoren
  • Die anorektischen und stimulierenden Wirkungen von Amfetaminen können durch

    Lithiumcarbonat gehemmt werden.

  • Linezolid: kann den hypertensiven Effekt von Lisdexamfetamin verstärken.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Shire Pharmaceutical Contracts Ltd., SmPC, Elvanse 20/30/40/50/60/70 mg Hartkapseln (93471.00.00), 12/17
  2. Uptodate: UpToDate®, Pediatric Drug information: Lisdexamfetamin Lexicomp® Topic 10143 Version 164.0, accessed 01/19
  3. Gerlach M, Mehler-Wex C, Walitza S, Warnke A, Wewetzer C., Neuro-/Psychopharmaka im Kindes- und Jugendalter: Grundlagen und Therapie. , Springer-Verlag Berlin Heidelberg , 2016, 3.Auflage
  4. Shire Pharmaceuticals Ireland Limited, SmPC Elvanse (RVG 124498) 10-05-2019, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  5. Shire Pharmaceuticals Ireland Limited, SmPC Elvanse Hartkapseln 30/50/70 mg (136851-53), aufgerufen am 08.06.2021, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 24 September 2021 13:33: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung