Nitroprussid

Wirkstoff
Nitroprussid
Handelsname
Nipruss®
ATC-Code
C02DD01
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Nitroprussidnatrium wirkt an der Muskulatur der präkapillaren Arteriolen und der venösen Kapazitätsgefäße dilatierend. Die tonusherabsetzende Wirkung auf Venen und Arterien ist etwa gleich ausgeprägt. Die Venodilatation bewirkt venöses Pooling mit der Abnahme der Vorlast des Herzens und Senkung erhöhter Füllungsdrücke. Die arterioläre Dilatation führt zur Senkung des Blutdrucks, Abnahme des peripheren arteriellen Widerstandes und Senkung der Nachlast des Herzens. Nitroprussidnatrium führt zur Dilatation der großen Koronararterien.

Pharmakokinetik bei Kindern

Keine Informationen

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Hypertensive Krise
    • Intravenös
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Keine Arzneispezialität für Kinder in Österreich zugelassen

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Präparate im Handel

Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung 60 mg pro Ampulle 

Nitroprussid ist im Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung in Form von Nitroprussidnatrium-Dihydrat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Nitroprussidnatrium-Dihydrat.

Umrechung: 60 mg Nitroprussidnatrium-Dihydrat entsprechen 53 mg Nitroprussidnatrium wasserfrei

Anwendungshinweis:

Zur intravenösen Anwendung. Die Infusion von Nitroprussid erfolgt intravenös über eine Infusionspumpe oder einen Infusomat.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Das Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung enthält: -

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

 

 

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Dosierungen

Hypertensive Krise
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [3]
      • Initialdosis: 0,5 - 2,5 microg./kg/Minute, Dauerinfusion.
      • Erhaltungsdosis: Alle 3-5 Minuten titrieren, bis der gewünschte Blutdruckwert erreicht ist, bis zu 3 - 8 microg./kg/Minute, Dauerinfusion.
        • Unter intensivmedizinscher Überwachung verabreichen. Die Infusionsgeschwindigkeit gegen Ende der Infusion schrittweise reduzieren. 

        Nitroprussid wird in eine dosisabhängige Menge Cyanid umgewandelt. Die maximale Kapazität zur Pufferung von Cyanid wird bei maximaler Infusionsgeschwindigkeit bereits nach 1 h erreicht. Die maximale Infusionsgeschwindigkeit muss so kurz wie möglich angewandt werden (siehe Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern).

         

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Keine Dosisanpassung erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Keine Dosisanpassung erforderlich
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Normale Dosierung, jedoch nicht länger als 48 h anwenden, ansonsten Thiocyanatspiegel bestimmen
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Normale Dosierung, jedoch nicht länger als 48 h anwenden, ansonsten Thiocyanatspiegel bestimmen
Klinische Konsequenzen

Nitroprussid wird im Gewebe und in den Erythrozyten rasch in Cyanogen (Cyanidradikal) umgewandelt. Dieses wird in der Leber zu Thiocyanat umgewandelt, das mit dem Urin ausgeschieden wird. Therapeutische Plasmakonzentration von Thiocyanat: 6-30 mg/L; toxische Plasmakonzentration von Thiocyanat > 50 mg/L (bei Nierenfunktionsstörungen)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufigkeit nicht bekannt: Hellrotes venöses Blut. Metabolische Azidose, Lactatanstieg, Appetitlosigkeit, Hypothyreose. Psychose. Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Palpitationen. Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Nervosität, Tinnitus, Miosis, Hyperreflexie, Verwirrtheit, Halluzinationen, Krämpfe, Paralyse, Koma. Schwere Hypotension, Rebound-Effekt. Hypoventilation, verminderte Sauerstoffaufnahme, respiratorische Paralyse. Hypoventilation, verminderte Sauerstoffaufnahme, respiratorische Paralyse. Schwächegefühl, unzureichende Blutdrucksenkung, Tachyphylaxie und Toleranzentwicklung (häufiger bei Jüngeren im Vergleich zu Älteren); Reaktionen an der Applikationsstelle (z.B.: Schmerz, Hautrötung, Jucken). Cyanid Intoxikation, Thiocyanat Intoxikation

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Kompensatorische Hypertension verursacht durch z.B. Aortenisthmusstenose oder arteriovenöse Shunts
  • Lebersche Optikusatrophie
  • Tabakamblyopie
  • Vitamin B12-Mangel
  • metabolische Azidose
  • Hypothyreose
  • intrapulmonale arteriovenöse Shunts

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Unter intensivmedizinischer Überwachung verabreichen. CAVE: Akkumulation von Cyanid. Cyanid wird in der Leber zu Thiocyanat metabolisiert, das über die Nieren ausgeschieden wird. Therapeutische Plasmakonzentration von Thiocyanat: 6-30 mg/L;  toxische Plasmakonzentration von Thiocyanat > 50 mg/L (bei Nierenfunktionsstörungen). Nicht länger als 48 h anwenden. Aufgrund der Bildung toxischer Metabolite nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion verabreichen. Instabil unter Lichteinfluss.

Bei einer Infusionsgeschwindigkeit über 2 microg./kg/min kann nicht mehr das gesamte Cyanid in Thiocyanat umgewandelt werden. Bis zu einer Gesamtmenge von 500 microg./kg Nitroprussid wirkt Methämoglobin noch als Puffer. Danach beginnt Cyanid zu akkumulieren, was zu einer Intoxikation führt. Das bedeutet, dass bei einer Infusionsgeschwindigkeit von 8 microg./kg/min eine Intoxikation bereits nach einer Stunde eintritt. Die Folgen einer Intoxikation sind sehr schwer und können tödlich verlaufen.

Im Falle einer Cyanid-Intoxikation kann Natriumthiosulfat verabreicht werden, das Cyanid ebenfalls in Thiocyanat umwandeln kann. 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

MITTEL MIT WIRKUNG AUF DIE ARTERIELLE GEFÄSSMUSKULATUR

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Referenzen

  1. Heijden, van der AJ et al, Werkboek Kindernefrologie [Arbeitsbuch Kindernephrologie], VU Uitgeverij, 2010, 2. Auflage
  2. Exela Pharma Sciences, LLC, Prescribing information Nipride RTU, www.fda.gov, 2017, Maart
  3. Shenoi RP, Timm N; COMMITTEE ON DRUGS; COMMITTEE ON PEDIATRIC EMERGENCY MEDICINE., Drugs Used to Treat Pediatric Emergencies, Pediatrics., 2020, 145(1), e20193450 (PMID: 31871244.)
  4. Altamedics GmbH, SmPC Nipruss 60 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung (140246) 11-2021, aufgerufen am 23.04.2024, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 14 Mai 2024 12:31: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung