Atenolol

Wirkstoff
Atenolol
Handelsname
Tenormin®, diverse Generika
ATC-Code
C07AB03
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen <18 Jahren:

  • Hypertension, supraventrikuläre Arrhythmien, Marfan-Syndrom
    • Oral
      • Off-label
  • Hämangiom
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen
Filmtabletten 25 mg, 50 mg, 100 mg
Tabletten 50 mg, 100 mg

Allgemein

Filmtabletten und Tabletten enthalten Atenolol in der Reinform. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich demnach auf Atenolol. Die Einnahme erfolgt vor den Mahlzeiten.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
ATEHEXAL® Filmtabletten 50/100 mg Lactose
ATENOLOL 1A Pharma® Filmtabletten 50/100 mg Lactose
ATENOLOL Stada® Tabletten 50/100 mg Lactose

 

Die Fachinformationen wurden 12/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Atenolol ist ein β1-selektiver Betablocker, wobei die Selektivität mit steigender Dosis abnimmt. Atenolol hat weder membranstabilisierende, noch intrinsisch sympathomimetische Eigenschaften. Nach der Gabe sinkt die Herzfrequenz, die Erregungsleitung im AV-Knoten nimmt ab, und die maximale Kontraktionskraft ist reduziert, so dass die Herzarbeit verringert wird und der Sauerstoffverbrauch des Herzens sinkt. Atenolol wirkt dadurch antianginös, antihypertensiv und antiarrhythmisch.

Pharmakokinetik

Die Eliminationshalbwertszeit bei Kindern über 5 Jahren beträgt durchschnittlich zwischen 3,5 – 7 Stunden (Buck et al), bei Neugeborenen zwischen 10,5 – 34,6 Stunden (Rubin et al).

Dosierungen

Arterielle Hypertonie, supraventrikuläre Arrhythmien, Marfan-Syndrom
Hämangiom

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
50 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 12 bis 24 Stunden
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Es kann keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden

BETA-ADRENOZEPTORANTAGONISTEN

Beta-Adrenozeptorantagonisten, nichtselektiv

Propranolol

Hemangiol®, Inderal®
C07AA05

Sotalol

diverse Generika
C07AA07

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Dyspnoe, Akrozyanose, Provokation von Herzinsuffizienz oder Hypoglykämie (ohne Symptome: Vorsicht bei Diabetes-Patienten) und Albträume. Zentrale Nebenwirkungen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Bradykardie, kalte Extremitäten, gastrointestinale Störungen, Müdigkeit, bei Patienten mit Diabetes mellitus kann es zur Verschlechterung der Stoffwechsellage kommen, ein latenter Diabetes mellitus kann in Erscheinung treten, hypoglykämische Zustände nach längerem strengem Fasten oder schwerer körperlicher Belastung; Warnzeichen einer Hypoglykämie oder Thyreotoxikose (z.B. Tachykardie, Tremor) können verschleiert werden, Störungen im Fettstoffwechsel (Verminderung des HDL-Cholesterins und Erhöhung der Triglyceride im Plasma), Schlafstörungen, Konjunktivitis, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Erhöhung der Transaminasen-Werte, Hypomagnesiurien, reversibler Anstieg der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) im Serum, Benommenheit, Parästhesien, Schläfrigkeit, Schwindel, leichte Kopfschmerzen, Sehstörungen, Herzinsuffizienz (zum Teil dosisabhängig), Hypotonie (zum Teil dosisabhängig), Synkopen; atrioventrikuläre Überleitungsstörungen (meist Folge einer sehr hohen Dosierung), Bronchospasmen (zum Teil dosisabhängig), vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation, Schmerzen und Krämpfe im Bauchraum, Mundtrockenheit, allergische Hautreaktionen (Erythem, Pruritus, photoallergisches Exanthem, Purpura, Urtikaria und Fieber) , übermäßiges Schwitzen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschte Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Sinusbradykardie, AV-Block, Hypotonie und Asthma

Kontraindikationen

  • Bradykardie
  • schwere Atemwegserkrankungen mit bronchospastischer Komponente
  • Gleichzeitige Anwendung von Monoaminooxidasehemmern (MAO-Hemmer) (Ausnahme: MAO-B-Hemmer).

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei gleichzeitiger Anwendung von Verapamil (Isoptin) ist aufgrund des Risikos von Herzrhythmusstörungen große Vorsicht geboten. Bei Hypertonie mit niedriger Dosis beginnen und je nach Blutdruck steigern. Nach sechs Monaten kann versucht werden, die Dosis zu halbieren. Atenonol stets ausschleichend absetzen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Diabetikern sind die Blutzuckerwerte in kürzeren Abständen zu überwachen. Anzeichen einer Hypoglykämie können maskiert werden (weniger bei kardioselektiven Betablockern wie Atenolol).

  • Die klinischen Anzeichen einer Thyreotoxikose können verschleiert werden.

  • Bei Patienten mit Phäochromozytom darf die Verabreichung erst nach Blockade der α-Rezeptoren erfolgen. Der Blutdruck sollte sorgfältig überwacht werden.

  • Atenolol sollte ausschleichend abgesetzt werden.

     

  • Atenolol kann sowohl die Sensitivität gegenüber Allergenen als auch die Schwere von anaphylaktischen Reaktionen steigern. Vorsicht bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen in der Anamnese sowie bei gleichzeitiger Hyposensibilisierungstherapie.

     

  • Atenolol kann bei Patienten mit bronchospastischen Atemwegserkrankungen einen Anstieg des Atemwegwiderstandes verursachen. Deshalb sollten diese Patienten im Allgemeinen keine Betablocker erhalten. Obwohl dieses Risiko aufgrund der Kardioselektivität geringer ist, sollte Atenolol nur mit äußerster Vorsicht und in der niedrigstmöglichen Dosis angewendet werden.

     

  • Atenolol kann Leberschäden verursachen, eine regelmäßige Kontrolle der Leberfunktionsparameter wird empfohlen.

  • Unter Betablocker-Therapie kann thrombozytopenische oder nicht thrombozytopenische Purpura auftreten.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Schwere Hypotonie, Bradykardie, AV-Block, Asystolie und Herzinsuffizienz können bei gleichzeitiger Anwendung von Betablockern und Calciumkanalblockern mit negativ inotroper Wirkung (z.B. Verapamil, Diltiazem), vor allem bei Patienten mit beeinträchtiger Ventrikelfunktion und/oder sinuatrialen oder atrioventrikulären Überleitungsstörungen auftreten. Weder Betablocker noch Calciumkanalblocker dürfen innerhalb von 48 Stunden nach Absetzen des anderen Wirkstoffes verabreicht werden. Die Kombination wird in bestimmten Fällen aufgrund des synergistischen Effekts bewusst eingesetzt und wird vorzugsweise klinisch angepasst.
  • Klasse I Antiarrhythmika (z.B. Disopyramid) und Amiodaron können die Wirkung auf die atriale Überleitungszeit potenzieren, was zu einem negativ inotropen Effekt führt.
  • β-2-Mimetika wie Salbutamol und Atenolol können einander in ihren Wirkungen antagonisieren.
  • Der Blutdruckanstieg bei Absetzen von Clonidin kann durch Betablocker verstärkt werden. Bei Beendigung einer Kombinationstherapie mit Clonidin ist zuerst Atenolol und dann Clonidin ausschleichend abzusetzen.
  • α-2-Agonisten wie Rilmenidin, Clonidin, Guanfacin oder Methyldopa können die AV-blockierende Wirkung der Betablocker verstärken.
  • Die Langzeitanwendung von NSAIDs (wie Indometacin, Ibuprofen usw.) kann die blutdrucksenkende Wirkung von Atenolol herabsetzen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

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Änderungsverzeichnis

  • 11 April 2020 16:05: Neue Monographie "Atenolol"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung