Minocyclin

Wirkstoff
Minocyclin
Handelsname
Udima®, diverse Generika
ATC-Code
J01AA08
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Infektionen
    • Oral
      • <8 Jahre: Off-label
      • ≥8 Jahre: On-label
  • Schwere Akne vulgaris
    • Oral
      • <8 Jahre: Off-label
      • ≥8 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Kapseln 50 mg

Allgemein

Minocyclin liegt je nach Darreichungsform als Hydrochlorid oder Hydrochlorid-Dihydrat vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Minocyclin in Reinform. Minocyclin sollte zu einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden. Die zeitgleiche Einnahme von Eisen-, Calcium-, Aluminium- und Magnesium-Präparaten, Antacida sowie Milch oder Milchprodukten sowie die Einnahme im Liegen oder vor dem Schlafengehen sollte dabei vermieden werden.

 

Pharmakodynamik

Minocyclin gehört zur Gruppe der Tetrazyklin-Antibiotika und wirkt bakteriostatisch durch Hemmung der Proteinbiosynthese in der Wachstumsphase der Bakterien.

In der Regel empfindliche Spezies: Actinomyces israelii, Listeria monocytogenes, Staphylococcus aureus (inkl. Methicillin-resistenter Stämme), Tropheryma whippelii, Bartonella henselae, Borrelia burgdorferi, Burkholderia cepacia, Burkholderia mallei, Burkholderia pseudomallei, Brucella spp., Francisella tularensis, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Pasteurella multocida, Vibrio parahaemolyticus, Yersinia enterocolitica, Propionibacterium acnes, Chlamydia trachomatis, Chlamydophila pneumoniae, Chlamydophila psittaci, Ehrlichia spp., Leptospira spp., Mycoplasma hominis, Mycoplasma pneumoniae, Rickettsia spp., Treponema pallidum, Ureaplasma urealyticum

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Campylobacter jejuni

Von Natur aus resistente Spezies: Proteus spp., Pseudomonas aeruginosa

Pharmakokinetik

Keine Information
 

Dosierungen

Bakterielle Infektionen
  • Oral
    • 8 Jahre bis 12 Jahre
      [1] [6] [8]
      • Initialdosis: 4 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 200 mg/Tag.
      • Erhaltungsdosis: 2 - 4 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen, max: 200 mg/Tag.
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [6] [8]
      • Initialdosis: 200 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: 100 - 200 mg/Tag in 1 - 2 Dosen.
Schwere Akne vulgaris
  • Oral
    • 8 Jahre bis 18 Jahre
      [6]
      • 100 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Nach Rückgang der inflammatorischen Phase kann die Erhaltungsdosis auf 50 mg in 1 Dosis pro Tag oder 100 mg alle zwei Tage gesenkt werden, wenn der klinische Effekt dies rechtfertigt.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

TETRACYCLINE

Tetracycline

Doxycyclin

Oraycea®, Vibramycin®, Vibravenös®
J01AA02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, selten pseudomembranöse Colitis und Staphylokokken-Enteritis; negative Beeinflussung von Knochen und Zähnen bei Kindern. Intrakranielle Hypertonie (Fraser 2012). In einem Fallbericht wurde Rhabdomyolyse beschrieben (Kempeneers 2013).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Allergische Reaktionen: generalisierte Exantheme, Erytheme, Hautjucken, Urtikaria und Asthma, Erythema exsudativum multiforme, fixes Arzneimittelexanthem an den Genitalien und anderen Körperregionen und eine Serumkrankheit-ähnliche Reaktion mit Fieber, Lymphadenopathie, Blutbildveränderung mit Leber- und Nierenbeteiligung, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen. Zentralnervöse Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Kopfschmerzen treten signifikant häufiger als bei anderen Tetrazyklinen auf. Des weiteren Sodbrennen, Magendruck, Erbrechen, Meteorismus, Fettstühle, leichte bis schwere Durchfälle, Stomatitis, Glossitis, Ösophagitis und Pruritus ani. Gelenksbeschwerden (Polyarthritis du Polyarthralgie) mit negativem Rheumafaktor, Fieber, Müdigkeit, Exanthem und Lymphadenopathie.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Kinder unter 8 Jahren

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber Tetrazyklinen
  • Schwere Funktionsstörungen der Leber

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Behandlung von Kindern zwischen 8–12 Jahren nur erwägen, wenn Alternativen nicht wirksam oder kontraindiziert sind. Zwischen Tetrazyklinen untereinander besteht Kreuzhypersensitivität und Kreuzresistenz. Die Ablagerung in wachsendem Zahngewebe kann zur permanenten Verfärbung der Zähne führen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Vorsicht bei leichter bis mäßiger Leberfunktionsstörung, gleichzeitiger Anwendung anderer hepatotoxischer Arzneimittel und in Kombination mit Alkohol
  • Die antianabole Wirkung von Tetrazyklinen kann zu einem Anstieg der BUN - Werte führen.
  • Vorsicht bei schwerer Niereninsuffizienz, da ein erhöhtes Risiko für Azotämie, Hyperphosphatämie und Azidose besteht.
  • Selten ist autoimmune Hepatotoxizität, das Neuauftreten sowie die Exazerbation eines bestehenden systemischen Lupus erythematodes beobachtet worden.
  • Vorsicht bei Patienten mit Myasthenia gravis, Tetrazykline wirken schwach neuromuskulär blockierend.
  • Es besteht Kreuzhypersensitivität und Kreuzresistenz zwischen Tetrazyklinen.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen aller Schweregrade können auftreten.
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe, pseudomembranöse Colitis und Staphylokokken-Enteritis sind unter Minocyclin beobachtet worden.
  • Hyperpigmentierung ist vor allem bei Langzeitanwendung möglich.
  • Minocyclin wirkt photosensibilisierend; UV-Bestrahlung ist während der Therapie zu vermeiden.
  • Permanente Erblindung in Folge einer intrakraniellen Hypertonie ist aufgetreten.
  • Bei Langzeittherapie bzw. bei wiederholter Anwendung sollen regelmäßige Kontrollen des Blutbildes, der Leber- und Nierenfunktion durchgeführt werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Aluminium-, Calcium- und Magnesium-Salze in Antazida sowie Eisenpräparate, medizinische Kohle und Colestyramin, Milch- und Milchprodukte können die Resorption von Minocyclin beeinträchtigen. 2-3 Stunden Abstand vor und nach der Einnahme von Minocyclin wird empfohlen.
  • Kurz vor, während oder nach einer Isotretinoin- oder Acitretin-Therapie soll von einer Behandlung mit Minocyclin Abstand genommen werden. Grund ist das jeweilig erhöhte Risiko der beiden Arzneistoffe eine intrakranielle Hypertonie zu verursachen.
  • Tetrazykline können die bakterizide Wirkung von Penicillinen antagonisieren.
  • Die Kombination mit Methoxyfluran kann zu Nierenversagen führen.

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Mylan, SPC Minocycline (RVG 22153), www.cbg-meb.nl, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h22153.pdf
  2. Fraser CL et al. , Minocycline-induced fulminant intracranial hypertension. , Arch Neurol. , 2012 , Aug;69(8):, 1067-70
  3. Garner SE et al. , Minocycline for acne vulgaris: efficacy and safety., Cochrane Database Syst Rev., 2012 , Aug 15;(8):, CD002086
  4. Kempeneers D et al., Rabdomyolyse op zowel isotretinoïne als minocycline in de behandeling van acne vulgaris bij een 15-jarige jongen, Ned Tijdschr. Derm. Venereol., 2013, Mei; 23(5), 275-277
  5. Dermapharm, SmPC Udima 50 mg Kps. (1-20149), https://www.univadis.at/, 05/2018
  6. Stada, SmPC Minostad 50 mg Kps. (1-22027), https://www.univadis.at/, 04/2013
  7. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557) [siehe Wechselwirkungen], https://www.univadis.at/, 03/2019
  8. Aurobindo, SmPC Minocycline (RVG 22098) 09-11-2018, www.geneesmiddelinformatiebank.nl

Änderungsverzeichnis

  • 27 August 2019 11:38: Neue Monographie "Minocyclin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung