Calciumgluconat

Wirkstoff
Calciumgluconat
Handelsname
diverse Generika
ATC-Code
A12AA03
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Akute Hypocalcämie; Konvulsionen infolge Hyperphosphatämie/Hypocalcämie
    • Intravenös
      • On-label
  • Calcium-Erhaltungsdosis bei total parenteraler Ernährung (TPE)
    • Intravenös
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Injektionslösung 10%

Allgemein

Die 10%-ige Injektionslösung Calciumgluconat B. Braun enthält einen Calcium-Gesamtgehalt von 0,23 mmol/ml (=2,25 mmol/10 ml). Dieser setzt sich zusammen aus dem Hauptwirkstoff Calciumgluconat (0,21 mmol/ml) und Calcium-D-saccharat-Tetrahydrat (0,02 mmol/ml).

Pharmakodynamik

Calcium spielt sowohl für die Funktionsfähigkeit von Nerven und Muskeln, als auch für die Muskelkontraktion, Herzfunktion und Blutgerinnung eine wichtige Rolle. Physiologisch wird die Calciumkonzentration im Plasma bei 2,25-2,62 mmol/l gehalten. 40-50% des Plasmacalciums sind an Albumin gebunden.

Pharmakokinetik

Es sind keine pharmakokinetischen Daten bei Kindern bekannt.

Dosierungen

Akute Hypocalcämie; Konvulsionen infolge Hyperphosphatämie/Hypocalcämie
  • Intravenös
    • Neugeborene
      [6]
      • 0,45 mmol/kg/Dosis, in 30 Minuten.
      • Entspricht 2 ml/kg der 10% Lösung. Unter EKG-Überwachung verabreichen

    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [6]
      • 0,023 - 0,225 mmol/kg/Dosis, einmalig.
      • Übliche altersabhängige Initialdosis einer 10% Lösung:

        3 Monate 0,4-0,9 ml/kg
        6 Monate 0,3-0,7 ml/kg
        1 Jahr 0,2-0,5 ml/kg
        3 Jahre 0,4-0,7 ml/kg
        7,5 Jahre 0,2-0,4 ml/kg
        12 Jahre 0,1-0,3 ml/kg
        > 12 Jahre 10 ml/Dosis

         

Calcium-Erhaltungsdosis bei total parenteraler Ernährung (TPE)
  • Intravenös
    • Frühgeborene Gestationsalter < 37 Wochen
      [7]
      • In den ersten Tagen nach der Geburt: 0,8-2 mmol/kg/Tag (= 32-80 mg/kg/Tag)
        Wachsende Frühgeborene: 1,6-3,5 mmol/kg/Tag (= 64-140 mg/kg/Tag)

    • Reifgeborene und Kinder 0 Monate bis 7 Monate
      [7]
      • 0,8 - 1,5 mmol/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • = 32-60 mg/kg/Tag 
        Je nach Calciumspiegel.

    • 7 Monate bis 1 Jahr
      [7]
      • 0,5 mmol/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • = 20 mg/kg/Tag 
        Je nach Calciumspiegel.

    • 1 Jahr bis 18 Jahre
      [7]
      • 0,25 - 0,4 mmol/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • = 10-16 mg/kg/Tag
        Je nach Calciumspiegel.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

CALCIUM

Calcium

Calciumcarbonat

Maxi-Kalz®
A12AA04

Calciumlactogluconat

diverse Generika
A12AA20
Calcium, Kombinationen mit Vitamin D und/oder anderen Mitteln

Calciumcarbonat-Colecalciferol (Kombinationspräparat)

Calciduran Vit D3®, Maxi-Kalz Vit D3®, CalDVita®, diverse Generika
A12AX

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Kardiovaskuläre und andere systemische Nebenwirkungen können als Symptome einer akuten Hypercalcämie infolge von intravenöser Überdosierung oder zu rascher intravenöser Injektion auftreten: Bradykardie, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Vasodilatation, Kreislaufkollaps (möglicherweise tödlich), Hitzewallungen, Übelkeit, Erbrechen, Hitzegefühl, Schwitzen, Schmerzen und Erythem an der Injektionsstelle, Gewebsnekrosen bei Extravasation

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

Intravenös:

  • Hypercalcämie
  • Hypercalciurie
  • Vergiftung mit herzwirksamen Glykosiden
  • Therapie mit herzwirksamen Glykosiden:
    • mit der einzigen Ausnahme einer zwingenden Indikation zur intravenösen Calciumgabe zur Behandlung schwerer, unmittelbar lebensbedrohlicher Symptome der Hypocalcämie, falls sicherere Alternativen nicht verfügbar sind und eine orale Calciumgabe nicht möglich ist

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Gefahr der Reaktion mit Phosphat bei total parenteraler Ernährung. Gefahr der Hypomagnesiämie, präexistierend oder infolge des zugeführten Calciums. 

Ausschließlich langsame intravenöse Injektion oder Infusion (beide nach Verdünnung), um ausreichend niedrige Zufuhrgeschwindigkeiten zu erzielen und Gewebereizungen oder Nekrosen infolge versehentlicher Extravasation zu vermeiden. Die intravenöse Zufuhrgeschwindigkeit sollte bei Kindern und Jugendlichen 5 ml pro Minute einer 1:10 verdünnten Calciumgluconat 10% Lösung nicht übersteigen. Intramuskuläre Injektionen sind bei pädiatrischen Patienten zu vermeiden (SmPC).

Es wurden nach intravenöser Verabreichung Fälle von schwerwiegenden Reaktionen aufgrund von Calcium-Ceftriaxonpräzipitaten in der Lunge und den Nieren bei (frühgeborenen) Neugeborenen im Alter von weniger als einem Monat verzeichnet (SmPC).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Applikation unter Therapie mit Herzglykosiden: Überwachung der Herzfunktion, alle Möglichkeiten einer Notfallbehandlung kardialer Komplikationen müssen verfügbar sein.
  • Vorsicht bei Patienten mit Nephrokalzinose, Herzerkrankungen, Sarkoidose und Therapie mit Epinephrin.
  • Vorsicht bei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion.
  • Eine langsame intravenöse Applikation von Calciumsalzen vermindert das Risiko einer peripheren Vasodilatation oder einer verminderten Herzleistung. Eine Überwachung der Herzfrequenz oder EKG-Kontrolle sollte während der Applikation durchgeführt werden.
  • Während der Behandlung ist der Patient auf Calciumablagerungen im Gewebe und seine Calciumbilanz zu überwachen.
  • Plasmaspiegel und Calciumausscheidung im Urin sind während hochdosierter parenteraler Calciumzufuhr zu überwachen.
  • Keine Applikation ins Fettgewebe, da Calciumgluconat dort zu Abszessen, Nekrosen und Gewebeverhärtungen führen kann.
  • Extravasationen müssen vermieden werden, da es zu lokalen Gewebereizungen, nachfolgend auch zu Hautablationen oder Gewebenekrosen kommen kann.
  • Eine hochdosierte Einnahme von Vitamin D ist zu vermeiden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen bei intravenöser Applikation:

  • Ceftriaxon bindet Calcium. Tödlich verlaufende Reaktionen mit Calcium-Ceftriaxon-Ausfällungen in den Lungen und Nieren von Früh- und Neugeborenen, die jünger als 1 Monat waren, sind aufgetreten. Ceftriaxon darf bei Patienten jeden Alters nicht gleichzeitig mit intravenös verabreichten calciumhaltigen Lösungen verabreicht und vermischt werden. Die Lösungen können jedoch nacheinander verabreicht werden (ab einem Alter von >28 Tagen), nachdem die Infusionsleitung gründlich gespült worden ist. Ceftriaxon ist kontraindiziert bei Neugeborenen (bis 28 Tage), die eine intravenöse Calcium-Behandlung oder calciumhaltige intravenöse Lösungen benötigen (oder voraussichtlich benötigen werden).
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von intravenösem Calcium mit Herzglykosiden kann deren Toxizität verstärkt sein. Die gleichzeitige Anwendung ist bis auf schwere, unmittelbare Symptome einer lebensbedrohlichen Hypocalcämie, wenn keine sicheren Alternativen verfügbar sind, kontraindiziert.
  • Die Wirkung von Calcium-Antagonisten kann abgeschwächt werden.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Noordam C et al, Werkboek Kinderendocrinologie [Arbeitsbuch Kinderendokrinologie], digitale Veröffentlichung auf www.nvk.nl (nur für Mitglieder), 2010
  3. Kamps WA et al, Werkboek ondersteundende behandeling kinderoncologie [Arbeitsbuch Supportive Therapie in der Kinderonkologie], VU Uitgeverij, 2005
  4. B. Braun Melsungen AG, SmPC Calciumgluconaat (RVG 32248) 22-10-2015, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  5. TEVA, SmPC (RVG 52036) 11-04-2016, www.geneesmiddelinformatiebank.nl
  6. B. Braun, SmPC Calciumgluconat B. Braun 10% Inj.lsg. (1-26230), 10/2015
  7. Mihatsch W, et al, ESPGHAN/ESPEN/ESPR/CSPEN guidelines on pediatric parenteral nutrition: Calcium, phosphorus and magnesium, Clinical Nutrition, 2018, 37, 2360-2365

Änderungsverzeichnis

  • 05 Februar 2020 14:56: Neue Monographie "Calciumgluconat"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung