Sulfasalazin

Wirkstoff
Sulfasalazin
Handelsname
Salazopyrin®
ATC-Code
A07EC01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA)
    • Oral
      • ≥6 Jahre: On-label
  • Colitis Ulcerosa mit Gelenkschmerzen
    • Oral
      • On-label
  • Proktitis

    • Rektal

      • Off-label 

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, Tabletten, Filmtabletten: bei chronisch entzündlichen Dickdarmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Divertikulitis, Proktitis, Stumpfkolitis;

Kinder:
bei entzündlichen Darmerkrankungen: In der akuten Phase 40-60 mg pro kg Körpergewicht und Tag aufgeteilt in mehrere Einzeldosen. Eine Dosis von über 10 Filmtabletten sollte nur in besonders schweren Fällen verordnet werden.

Zur Rezidivprophylaxe bei Colitis ulcerosa: Kinder: 20-30 mg/kg Körpergewicht und Tag aufgeteilt in mehrere Einzeldosen

(SmPC Salazopyrin Tabletten)

Oral, Filmtabletten: juvenile idiopathischer Oligoarthritis (Enthesitis-assoziierte Arthritis) ab dem 6. Lebensjahr, die auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und/oder lokale Glukokortikoidinjektionen nicht ausreichend angesprochen haben bzw. Kinder mit juveniler idiopathischer Polyarthritis und polyarthritischer Spondarthritis ab dem 6. Lebensjahr (Enthesitisassoziierte Arthritis), die auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) nicht ausreichend angesprochen haben: Die Tagesdosis sollte 50 mg/kg KG betragen, üblicherweise maximal 2 g am Tag, aufgeteilt in 2 Einzeldosen. In den ersten 3 Monaten sollte eine Tagesdosis von 2 g nicht überschritten werden. Zeigt sich nach 3 Monaten keine befriedigende Wirkung, kann die Tagesdosis auf 75 mg/kg KG gesteigert werden, maximal 3 g pro Tag. Um eine mögliche gastrointestinale Unverträglichkeit zu reduzieren, ist eine einschleichende Therapie empfehlenswert.

Über die Anwendung bei Kindern unter 2 Jahren mit entzündlichen Darmerkrankungen sowie bei Kindern unter 6 Jahren mit juveniler idiopathischer Oligoarthritis bzw. bei Kindern mit juveniler idiopathischer Polyarthritis und polyarthritischer Spondarthritis liegen keine Erfahrungen vor.

(SmPC Salazopyrin Filmtabletten)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Tabletten 500 mg
Filmtabletten (magensaftresistent) 500 mg

Anwendungshinweis:
Die Einnahme der Tabletten sollte zu oder nach den Mahlzeiten, die Einnahme der Filmtabletten sollte nach den Mahlzeiten erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die verfügbaren Filmtabletten enthalten: Propylenglykol

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Sulfasalazin ist eine inaktive Azoverbindung aus Sulfapyridin und 5-Aminosalicylsäure (5-ASA = Mesalazin), die erst im Dickdarm in ihre wirksamen Bestandteile gespalten wird. Mesalazin wirkt lokal antiinflammatorisch auf die Darmschleimhautzellen und ist für die Wirksamkeit bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen verantwortlich. Das Sulfonamid Sulfapyridin wirkt selbst auch antientzündlich, wirkt wahrscheinlich bei rheumatoider Arthritis und ihm werden die meisten unerwünschten Nebenwirkungen zugeschrieben.

Pharmakokinetik

Es sind keine pharmakokinetischen Daten bei Kindern bekannt.

Allgemeine Anmerkungen



 

Dosierungen

Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA)
  • Oral
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [3] [4] [7] [8] [9]
      • Initialdosis: 12,5 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich um 12,5 mg/kg/Tag erhöhen auf 25 - 50 mg/kg/Tag in 2 Dosen, max: 2 g/Tag.
Colitis Ulcerosa mit Gelenkschmerzen
  • Oral
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [5] [10]
      • 40 - 70 mg/kg/Tag in 2 Dosen, max: 4 g/Tag.
      • Auch wenn hierfür keine wissenschaftliche Untermauerung vorliegt, kann in Einzelfällen eine höhere Dosierung erforderlich sein.

        Die Behandlung mit Mesalazin ist vorzuziehen. Bei Patienten, die auch Gelenkbeschwerden haben, ist Sulfasalazin eine Option.

Proktitis

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

INTESTINALE ANTIPHLOGISTIKA

Corticosteroide mit lokaler Wirkung

Budesonid

Entocort®, Budo-San®, Cortiment®, Jorveza®
A07EA06
Aminosalicylsäure und ähnliche Mittel

Mesalazin

Claversal®, Salofalk®, Pentasa®, Mezavant®, Mesagran®, Yaldigo®
A07EC02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Die Fähigkeit des Kindes, Sulfasalazin zu metabolisieren (acetylieren) spielt eine wichtige Rolle. Langsame "Acetylierer" haben höhere Sulfapyridinspiegel, wodurch ein höheres Risiko in Bezug auf Nebenwirkungen besteht. Die häufigsten Nebenwirkungen sind: Magen-Darm-Beschwerden, Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Erythem, Kopfschmerzen, periphere Neuropathie, Blutbildabweichungen, Hypersensitivitätsreaktionen, Veränderungen der Serum-Immunoglobulin-Werte, Leber- und Nierenfunktionsstörungen. Seltene Nebenwirkungen, wie toxische epidermale Nekrolyse (TEN), interstitielle Nephritis, Pneumonitis und Perikarditis wurden ebenfalls in Fallberichten zu Kindern verzeichnet.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Magenschmerzen, Übelkeit

Häufig (1-10%): Appetitverlust, Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Pruritus, Geschmacksstörungen, Tinnitus, Husten, Bauchschmerzen, Diarrhoe, Erbrechen, Purpura, Arthralgie, Proteinurie, Leukopenie

Gelegentlich (0,1-1%): Thrombozytopenie, Depression, Dyspnoe, Ikterus, Alopezie, Urtikaria, Facialödeme, Anstieg der Leberenzyme

Sehr selten (< 0,01%): schwere unerwünschte Hautreaktionen (SCARs): Stevens-Johnson Syndrom (SJS) und toxische epidermale Nekrolyse (TEN)

Häufigkeit nicht bekannt: aseptische Meningitis, pseudomembranöse Colitis, aplastische Anämie, hämolytische Anämie, megaloblastische Anämie, Hypogammaglobulinämie, Hypoprothrombinämie, Methämoglobinämie, Sulfhämoglobinämie, Makrozytose, Agranulozytose, Panzytopenie, Retikulozytose, Bildung von Heinz-Körpern, Neutropenie, Eosinophilie, Abfall der Immunglobuline, Lymphadenopathie, Morbus Raynaud, Polyarteriitis nodosa, myelodysplastisches Syndrom, Pseudomononukleose, Anaphylaxie, Serumkrankheit, Schilddrüsenfunktionsstörung (Struma), Folsäuremangel, Psychosen, Enzephalopathie, periphere Neuropathie, Schlaflosigkeit, Polyneuritis, Anosmie, Müdigkeit, Ataxie, Parästhesie, vereinzelt Querschnittsmyelitis, vorübergehende Hinterstrangschädigung, Hemiparesen, Halluzinationen, Sehstörungen, Infektion der Sklera und Konjunktiva, Iridozyklitis, Hörstörungen, Myokarditis, Perikarditis, Zyanose, Blässe, fibrosierende Alveolitis, interstitielle Lungenkrankheit, Asthma, Tracheolaryngitis mit Bronchospasmus, eosinophile Infiltration (eosinophile Pneumonie), Schmerzen im Oropharynx, Verschlechterung von Colitis ulcera, Pankreatitis, Leberversagen, fulminante Hepatitis, Hepatitis, cholestatische Hepatitis, Cholestase, Erythem, Exanthem, exfoliative Dermatitis, Lichen planus, Photosensitivität, DRESS-Syndrom (Arzneimittelausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen) , toxische Pustuloderma, Mundulcera, petechiale Blutungen, Angioödem, systemischer Lupus erythematodes, Sjögren Syndrom, Muskelschwäche, Kristallurie, Hämaturie, interstitielle Nephritis, nephrotisches Syndrom, Nephrolithiasis, Ödeme, Gelborangefärbung des Urins, Gelbfärbung der Haut und der Körperflüssigkeiten, Gewichtsverlust, Autoimmunreaktion

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

  • Systemische JIA aufgrund schwerer Hypersensitivitätsreaktionen

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen gegen Sulfonamide oder Salicylate
  • Porphyrie
  • Leber- und Niereninsuffizienz

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Anwendung von Sulfasalazin bei Kindern mit systemischer JIA kann Reaktionen wie bei Serumkrankheit hervorrufen und wird daher bei diesen Patienten nicht empfohlen.
Kinder mit JIA scheinen auch anfälliger für Veränderungen der Serum-Immunoglobulin-Werte zu sein. Aus diesem Grund wird empfohlen, während der Behandlung mit Sulfasalazin die Serum-Immunoglobulin-Spiegel zu kontrollieren.
Da Sulfasalazin Kristallurie und die Bildung von Nierensteinen verursachen kann, ist während der Behandlung auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Außerdem kann Sulfasalazin durch die Verzögerung der Resorption und des Metabolismus von Folsäure zu einem Folsäuremangel führen. Aus diesem Grund wird die Supplementierung von Folsäure empfohlen (5 mg/Woche).
Aufgrund des Risikos hämatologischer Abweichungen wird empfohlen, das Blutbild vor der Behandlung, jeden Monat während der ersten drei Monate der Behandlung und danach alle 2-3 Monate zu kontrollieren. Außerdem wird vor und während der Behandlung die Kontrolle der Leber- und Nierenfunktion empfohlen.
 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Turner D, et al, Management of pediatric ulcerative colitis: joint ECCO and ESPGHAN Evidence-Based Consensus Guidelines. , JPGN , 2012, 55(3), 340-61
  2. Ferry GD, et al, Olsalazine versus sulfasalazine in mild to moderate childhood ulcerative colitis: results of the Pediatric Gastroenterology Collaborative Research Group Clinical Trial., J Pediatr Gastroenterol Nutr, 1993, 17, 32-8
  3. Huang JL, et al, Sulphasalazine in the treatment of children with chronic arthritis, Clin Rheumatol, 1998, 17, 359-63
  4. Imundo LF, et al, Sulfasalazine therapy for juvenile rheumatoid arthritis, J Rheumatol, 1996, 23, 360-6
  5. Kirschner BS, Ulcerative colitis in children, Pediatr Clin North Am, 1996, 43, 235-54
  6. Koutras A, et al, Sulfasalazine and renal tubular function: lack of an effect., J Pediatr Gastroenterol Nutr., 1985, 4, 103-6
  7. van Rossum MA, et al, Sulfasalazine in the treatment of juvenile chronic arthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicenter study. Dutch Juvenile Chronic Arthritis Study Group, Arthritis Rheum, 1998, 41, 808-16
  8. van Rossum MA, et al, Effects of sulfasalazine treatment on serum immunoglobulin levels in children with juvenile chronic arthritis. Dutch Juvenile Chronic Arthritis Study group, Scand J Rheumatol, 2001, 30, 25-30
  9. van Rossum MA, et al, Long-term outcome of juvenile idiopathic arthritis following a placebo-controlled trial: sustained benefits of early sulfasalazine treatment. Dutch Juvenile Idiopathic Arthritis Study group, Ann Rheum Dis., 2007, 66, 1518-24
  10. Wilson D, et al, Systematic Review of the Evidence Base for the Medical Treatment of Paediatric Inflammatory Bowel Disease, J Pediatr Gastroenterol Nutr, 2010, 50, S1-S34
  11. Pfizer BV, SPC Salazopyrine zetpil 13-6-2013, www.cbg-meb.nl
  12. Hagen S et al., Toxic Epidermal Necrolysis in a Pediatric Patient, Minn Med., 2016, May-Jun;99(3), 49-50
  13. Pfizer Corporation Austria GmbH, SmPC Salazopyrin Tabletten 500 mg (1-08860), aufgerufen am 01.02.2022
  14. Pfizer Corporation Austria GmbH, SmPC Salazopyrin Filmtabletten 500 mg (1-13306), aufgerufen am 01.02.2022

Änderungsverzeichnis

  • 17 März 2022 15:49: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung