Coffein

Wirkstoff
Coffein
Handelsname
Peyona®
ATC-Code
N06BC01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Frühgeborenenapnoe
    • Oral/Intravenös
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Infusionslösung und Lösung zum Einnehmen 20 mg/ml

Allgemein

Das einzige im Handel befindliche Fertigpräparat mit der Zulassung Behandlung der primären Apnoe bei Frühgeborenen enthält Coffein als Coffeincitrat, worauf sich auch der Wirkstoffgehalt bezieht. Die Lösung enthält ein Coffein-Citronensäure-Gemisch (Coffeincitrat) im Verhältnis 1:1. Die Dosis für die Coffeinbase entspricht der Hälfte der Dosis für Coffeincitrat (20 mg Coffeincitrat entsprechen 10 mg Coffeinbase).

Pharmakodynamik

Coffein ist ein Xanthin-Derivat. Die Wirkung wird über eine Antagonisierung der Adenosinrezeptoren im ZNS und eine Hemmung der Phosphodiesterase und damit eine Erhöhung der cAMP Konzentration vermittelt. Coffein wirkt hauptsächlich als ZNS-Stimulans. Darauf beruht auch die Wirkung von Coffein bei der Frühgeborenenapnoe, für die verschiedene der Wirkung zugrundeliegende Mechanismen vorgeschlagen wurden: (1) Stimulation des Atemzentrums, (2) Erhöhung der Minutenventilation, (3) Absenkung der Hyperkapnieschwelle, (4) gesteigerte Hyperkapnieantwort, (5) Erhöhung des Skelettmuskeltonus, (6) Verminderung der Zwerchfellerschöpfung, (7) Erhöhung der Stoffwechselrate und (8) Erhöhung des Sauerstoffverbrauchs.

Pharmakokinetik

Bei Neugeborenen bis 3 Monaten wird es kaum metabolisiert, sondern hauptsächlich unverändert mit dem Urin ausgeschieden (ca. 85%). Die Eliminationshalbwertzeit beträgt bei Neugeborenen 3 – 4 Tage. Die Clearance bei Neugeborenen (8,9 ml/kg/h, Range 2,5 – 17) steht in einem direkten Verhältnis zum Körpergewicht und dem postnatalen Alter. Das Verteilungsvolumen beträgt bei Neugeborenen 0,8 – 0,9 L/kg.

Allgemeine Anmerkungen

Aufgrund der größeren therapeutischen Breite wird bei Neugeborenen Coffein gegenüber Theophyllin bevorzugt.



Dosierungen

Frühgeborenenapnoe
  • Oral
    • Frühgeborene Gestationsalter < 37 Wochen
      • Coffeinbase:
        Initialdosis 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Erhaltungsdosis: 2,5-5 mg/kg/Tag in 1 Dosis

        Coffeincitrat:
        Initialdosis 20 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Erhaltungsdosis: 5-10 mg/kg/Tag in 1 Dosis

        Die Injektionsflüssigkeit kann oral verabreicht werden.

         

  • Intravenös
    • Frühgeborene Gestationsalter < 37 Wochen
      • Coffeinbase:
        Initialdosis 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Erhaltungsdosis: 2,5-5 mg/kg/Tag in 1 Dosis

        Coffeincitrat:
        Initialdosis 20 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Erhaltungsdosis: 5-10 mg/kg/Tag in 1 Dosis

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

PSYCHOSTIMULANZIEN, MITTEL ZUR BEHANDLUNG DER ADHS UND NOOTROPIKA

Zentral wirkende Sympathomimetika

Atomoxetin

Strattera®, diverse Generika
N06BA09

Lisdexamfetamin

Elvanse®
N06BA12

Methylphenidat

Ritalin®, Concerta®, Medikinet®, diverse Generika
N06BA04

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Die Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem sind bei Kindern in der Regel schwerer als bei Erwachsenen.

Bei der Anwendung bei Frühgeborenen wurden Sepsis, Hypo- oder Hyperglykämie, Wachstumsverzögerung, Nahrungsmittelintoleranz, Reizbarkeit, Nervosität, Ruhelosigkeit, Tachykardie, Steigerung des linksventrikulären Auswurfs, gesteigertes Schlagvolumen, Regurgitation, gesteigerte Diurese, gesteigerte Natrium- und Calciumkonzentration im Urin, verminderter Hb-Gehalt, verminderte Thyroxinkonzentration, Phlebitis oder Entzündung an der Infusionsstelle und Überempfindlichkeitsreaktionen berichtet. Bei Frühgeborenen können bei Überdosierung zerebrale Anfälle auftreten.

Die FDA warnt vor der Entwicklung einer nekrotisierenden Enterokolitis bei Frühgeborenen. In einer groß angelegten Studie wurde jedoch diesbezüglich kein erhöhtes Risiko nachgewiesen. In den ersten drei Wochen wurde eine verringerte Gewichtszunahme festgestellt.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Intoxikationssymptome: Tachykardie, Erbrechen, Dehydration mit Polyurie, Übererregbarkeit, Krämpfe, Hyperglykämie.

Wenn die Mutter unmittelbar vor der Geburt große Mengen Coffein konsumiert hat oder wenn das Neugeborene mit Theophyllin vorbehandelt wurde, sollte vor der Behandlung zunächst die Coffein Plasmakonzentration bestimmt werden.

Vorsicht ist geboten bei Neugeborenen mit beeinträchtigter Nieren- oder Leberfunktion, gastroösophagealem Reflux, epileptischen oder kardialen Erkrankungen. Vorsicht, wenn zuvor auf einem Kardiotokogramm (CTG) ungewöhnliche Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind. Da Coffein bei Frühgeborenen akkumulieren kann, ist bei Langzeitbehandlung eine Überwachung nötig. Das Ausbleiben eines Therapieansprechens kann auf eine andere Apnoe Ursache hinweisen.

Während der Behandlung sollten Neugeborene sorgfältig auf nekrotisierende Enterokolitis überwacht werden; es könnte ein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Methylxanthinen und der Entwicklung einer nekrotisierenden Enterokolitis bestehen, dies wurde jedoch nicht nachgewiesen.

Die Behandlung mit Coffein kann zu einem erhöhten Bedarf an Energie und Nährstoffen führen und den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt stören.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

 

Wechselwirkungen

CYP1A2 ist das am Coffeinmetabolismus beim Menschen beteiligte Hauptenzym. Daher hat Coffein das Potenzial, mit Wirkstoffen zu interagieren, die Substrate für CYP1A2 sind, CYP1A2 hemmen oder CYP1A2 induzieren. Jedoch ist bei Frühgeborenen der Coffeinmetabolismus aufgrund der Unreife der Leberenzymsysteme beschränkt.

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Theophyllin Bei Frühgeborenen tritt eine Interkonversion zwischen Coffein und Theophyllin auf Diese Wirksubstanzen sollten nicht gleichzeitig angewendet werden

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Erenberg A, et al, Caffeine citrate for the treatment of apnea of prematurity: a double-blind, placebo-controlled study., Pharmacotherapy, 2000, 20, 644-52
  2. ArandaJV, et al, Pharmacokinetic profile of caffeine in the premature newborn infant with apnea, J Pediatr, 1979, 94, 663– 668
  3. FalcaoAC, et al, Population pharmacokinetics of caffeine in premature neonates, Eu J Clin Pharmacol, 1997, 52, 211– 217
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  7. CHIESI FARMACEUTICI SpA, SPC Peyona (EU/1/09/528/002), www.ema.europa.eu, Geraadpleegd 29 mei 2012, http://www.emea.europa.eu/docs/nl_NL/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/001014/WC500040552.pdf
  8. Chiesi Farmaceutici S.p.A., (EU/1/09/528/001-002), SmPC Peyona 20 mg pro ml Infusionslösung und Lösung zum Einnehmen, 04-2018
  9. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 05.08.2020
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  11. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php , aufgerufen am 05.08.2020

Änderungsverzeichnis

  • 22 Dezember 2020 10:53: Neue Monographie "Coffein"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung