Tranexamsäure

Wirkstoff
Tranexamsäure
Handelsname
Cyklokapron®, diverse Generika
ATC-Code
B02AA02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Schleimhautblutungen bei Blutgerinnungsstörung
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
    • Intravenös
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 500 mg
Injektions-/Infusionslösung 100 mg/ml
Ampullen 500 mg

Anwendungshinweis:
Die Einnahme der Filmtabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die verfügbaren Präparate enthalten: -

Pharmakodynamik

Das Antihämorrhagikum Tranexamsäure wirkt antifibrinolytisch, indem es durch Komplexbildung mit Plasminogen dessen Bindung an die Fibrinoberfläche blockiert. Diese ist jedoch Voraussetzung für die Aktivierung von Plasminogen zu Plasmin, das dann wiederum Fibrin spaltet. Durch die Wirkung von Tranexamsäure wird so die Spaltung von Fibrin gehemmt und das Risiko von Blutungen vermindert.

Pharmakokinetik

Keine Information

Allgemeine Anmerkungen


 
  

Dosierungen

Schleimhautblutungen bei Blutgerinnungsstörung
  • Oral
    • 0 Jahre bis 18 Jahre und < 40 kg
      [3] [4]
      • 25 - 50 mg/kg/Tag in 3 - 4 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        7-10 Tage

      • Die intravenöse Flüssigkeit kann auch oral oder lokal verabreicht werden.

    • 0 Jahre bis 18 Jahre und ≥ 40 kg
      [3] [4]
      • 3 - 4 g/Tag in 3 - 4 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        7-10 Tage

      • Die intravenöse Flüssigkeit kann auch oral oder lokal verabreicht werden.

  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [2]
      • 25 mg/kg/Tag in 3 - 4 Dosen.
      • Behandlungsdauer:

        7-10 Tage

Massive Blutung bei Trauma
  • Intravenös
    • Neugeborene
      [6]
      • Initialdosis: 15 mg/kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: bei anhaltender massiver Blutung 10 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion.
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [6]
      • Initialdosis: 15 mg/kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: bei anhaltender massiver Blutung 10 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Oral:

  • GFR ≥50 ml/min/1.73 m2: Keine Dosisanpassung erforderlich.
  • GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: 100 % der regulären Einzeldosis, Dosierungsintervall: 12 h.
  • GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 100 % der regulären Einzeldosis, Dosierungsintervall: 24 h.
  • GFR <10 ml/min/1.73 m2: Es kann keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden.

Intravenös:

  • GFR ≥50 ml/min/1.73 m2: Keine Dosisanpassung erforderlich.
  • GFR 30-50 ml/min/1.73 m2: 67 % der regulären Einzeldosis, Dosierungsintervall: 12 h.
  • GFR 10-30 ml/min/1.73 m2: 67 % der regulären Einzeldosis, Dosierungsintervall: 24 h.
  • GFR <10 ml/min/1.73 m2: Es kann keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden.
Klinische Konsequenzen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich die Halbwertszeit von Tranexamsäure verlängern. Dies erhöht das Risiko von Nebenwirkungen.

Klinische Folgen:

Mögliche Symptome einer Überdosierung sind Übelkeit, Diarrhoe, Schwindel, Kopfschmerzen, Hypotonie und Myopathie.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Bauchschmerzen und Diarrhoe. Diese Nebenwirkungen sind dosisabhängig.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥0,1 %):

Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, allergische Hautreaktionen

Folgende UAW wurden zudem selten, sehr selten (<0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Störungen des Farbensehens, Augenarterieninfarkt, thromboembolische Ereignisse, Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich anaphylaktischer Schock, Arterien- oder Venenthrombosen, Schwindel, Krampfanfälle, andere Sehstörungen, Unwohlsein mit Hypotonie mit oder ohne Bewusstlosigkeit (im Allgemeinen nach einer zu schnellen intravenösen Injektion, in Ausnahmefällen auch nach oraler Gabe)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Hämaturie

Kontraindikationen allgemein

  • Akute venöse oder arterielle Thrombosen
  • Hyperfibrinolytische Zustände infolge einer Verbrauchskoagulopathie, außer Fälle, bei denen eine vorherrschende Aktivierung des fibrinolytischen Systems mit akuten schweren Blutungen vorliegt
  • Schwere Nierenfunktionsstörung (Kumulationsgefahr)
  • Krampfanfälle in der Anamnese
  • Intrathekale und intraventrikuläre Injektion, intrazerebrale Applikation (Gefahr von zerebralen Ödemen und Krampfanfällen)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Niereninsuffizienz Dosis anpassen

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Tretinoin Risiko für lebensbedrohliche Thrombosen erhöht. Nur unter Vorsicht anwenden. Patienten engmaschig auf thromboembolische Komplikationen überwachen.

 

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Nederlandse Vereniging van Hemofiliebehandelaars (NVHB). [Niederländische Gesellschaft der Hämophilie-behandelnden Ärzt*innen], Richtlijn Diagnostiek en behandeling van hemofilie en aanverwante stoornissen [Leitlinie zur Diagnose und Behandlung von Hämophilie und verwandten Erkrankungen], 2009, ISBN: 978-90-8523-195-0:29-30, 56;124
  3. NVK, Werkboek Kinderhematologie [Arbeitsbuch Kinderhämatologie], www.hematologienederland.nl, 23 Sept 2012
  4. Mylan, SmPC Cyklokapron 500 mg Filmtabletten (13086), aufgerufen am 30.07.2021, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/
  5. Pfizer, SmPC Cyklokapron 100 mg-ml Injektionslösung-Infusionslösung (13.085), aufgerufen am 30.07.2021, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/
  6. Turner, NM. Leroy, P., Advanced Paediatric Life Support, de Nederlandse editie, 2017, 5. Ausgabe
  7. NKFK Werkgroep nierfunctiestoornissen [NKFK Arbeitsgruppe "Akute Niereninsuffizienz"], Extrapolatie van KNMP risico analyse "Verminderde nierfunctie" voor volwassenen naar kinderen [Extrapolation der KNMP Risikoanalyse "Eingeschränkte Nierenfunktion" für Erwachsene auf Kinder"], 20 Dez 2021

Änderungsverzeichnis

  • 27 Mai 2022 09:51: Die Empfehlungen zur Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion wurden auf Grundlage der Empfehlungen der NKFK-Arbeitsgruppe Nierenfunktionsstörung angepasst.
  • 13 Oktober 2021 08:45: Neue Indikation basierend auf APLS
  • 13 Oktober 2021 08:09: Neue Dosierung "Massive Blutung bei Trauma"
  • 06 Oktober 2021 09:01: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung