Triptorelin

Wirkstoff
Triptorelin
Handelsname
Decapeptyl®, Pamorelin®
ATC-Code
L02AE04
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Zentrale Pubertas praecox
    • Subkutan
      • Off-label
      • Es sind keine Präparate, die zur Pubertas praecox Therapie zugelassen sind, im österreichischen Handel erhältlich (Stand 05/2020).

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Im österreichischen Handel erhältlich, aber nicht zugelassen zur Pubertas praecox-Therapie:
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension 3,75 mg, 11,25 mg
Fertigspritzen 0,1 mg

Allgemein

Für die parenterale Anwendung bei Pubertas praecox stehen Depot-Injektionssuspensionen zur Verfügung. Das Pulver zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension (Pamorelin®) enthält Triptorelinembonat, die Wirkstärke von 3,75 mg bzw. 11,25 mg bezieht sich jedoch auf Triptorelin.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
PAMORELIN® Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension 3,75/11,25 mg Polysorbat 80

 

Die Fachinformationen wurden 05/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Triptorelin, ein GnRH-Agonist, wirkt als potenter Hemmer der Gonadotropin-Ausschüttung, wenn es kontinuierlich und in therapeutischen Dosen angewendet wird. Tierexperimentelle und klinische Studien haben gezeigt, dass es nach Anwendung von Triptorelin zu einem anfänglichen und vorübergehenden Anstieg des zirkulierenden Spiegels des luteinisierenden Hormons (LH), des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des Testosterons bei Männern bzw. des Östradiols bei Frauen kommt. Dagegen führt die längerfristige und kontinuierliche Anwendung von Triptorelin zu einer verminderten LH- und FSH-Ausschüttung, zur Unterdrückung der Steroidbiosynthese in Hoden und Ovarien und zu einer Unterdrückung der Keimzellreifung. Die Folge ist eine Regression oder Stabilisierung der sekundären Geschlechtsmerkmale und eine Verlangsamung der beschleunigten Knochenreifung und des Wachstums.

Pharmakokinetik

Bei Kindern mit Pubertas praecox war die Tmax 4 (2-8) Stunden und die Cmax (0-169 Tage) 39,9 (19,1 bis 107,0) ng/ml.
Eine Akkumulation von Triptorelin wurde während der 12-monatigen Behandlung nicht beobachtet. (SmPC Pamorelin LA 22,5 mg)

Dosierungen

Zentrale Pubertas praecox
  • Subkutan
    • < 20 kg
      [1] [2] [4]
      • Jungen < 9 Jahre:
        Mädchen < 8 Jahre: 1,875
        mg/Dosis, einmalig alle 4 Wochen.
      • Behandlungsdauer: Die Behandlung sollte beendet werden, wenn ein Knochenalter von über 12 Jahren bei Mädchen und über 13 Jahren bei Jungen erreicht ist.
      • Falls die Wirksamkeit unzureichend ist, kann die Dosis alle 3 Wochen verabreicht werden.
        Nur auf Verordnung von pädiatrischen Fachärzten/-innen der Endokrinologie.

    • 20 bis 30 kg
      [1] [2] [4] [10]
      • Jungen < 9 Jahre:
        Mädchen ≤ 8 Jahre: 2,5
        mg/Dosis, einmalig alle 4 Wochen. Alternatives Dosierungsschema:
        11,25 mg/Dosis, 1 x alle 3 Monate.
        22,5 mg/Dosis, 1 x alle 6 Monate..
      • Behandlungsdauer: Die Behandlung sollte beendet werden, wenn ein Knochenalter von über 12 Jahren bei Mädchen und über 13 Jahren bei Jungen erreicht ist.
      • Falls die Wirksamkeit unzureichend ist, kann die Dosis alle 3 Wochen verabreicht werden.
        Nur auf Verordnung von pädiatrischen Fachärzten/-innen der Endokrinologie.

         

    • ≥ 30 kg
      [1]
      • Jungen ≤ 9 Jahre:
        Mädchen ≤ 8 Jahre: 3,75
        mg/Dosis, einmalig alle 4 Wochen. Alternatives Dosierungsschema:
        • 11,25 mg/Dosis 1 x alle 3 Monate
        • 22,5 mg/Dosis 1 x alle 6 Monate
        .
      • Behandlungsdauer: Die Behandlung sollte beendet werden, wenn ein Knochenalter von über 12 Jahren bei Mädchen und über 13 Jahren bei Jungen erreicht ist.
      • Falls die Wirksamkeit unzureichend ist, kann die Dosis alle 3 Wochen verabreicht werden.
        Nur auf Verordnung von pädiatrischen Fachärzten/-innen der Endokrinologie.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

HORMONE UND VERWANDTE MITTEL

Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga

Leuprorelin

Enantone®, Trenantone®
L02AE02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Sehr häufig (≥ 10%): leichte bis mittelschwere vaginale Blutungen, einschließlich Entzugsblutung (im ersten Monat)

Häufig (1-10%): Abdominalschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Entzündung, Schmerzen), Überempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Akne, Hitzewallungen  

Gelegentlich (0,1-1%): anaphylaktische Reaktion, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Unwohlsein, Adipositas, Nackenschmerzen, Brustschmerzen, Nasenbluten, Juckreiz, Ausschlag, Urtikaria

Inzidenz unbekannt: Myalgie, Nervosität, Affektlabilität, angioneurotisches Ödem, Alopezie, Erythem, Epiphysiolysis capitis femoris, Muskelschwäche, Genitalblutungen, Hypertonie, Erhöhung des Prolaktins im Blut (SmPC Decapeptyl)

 

Kontraindikationen

  • Frauen: nicht abgeklärte vaginale Blutungen.
  • Überempfindlichkeit gegen Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) oder ein anderes GnRH-Analogon.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

  • Eine signifikante Zunahme der Körpergröße bei zentraler Pubertas praecox ist nur bei Diagnose/Behandlungsbeginn <6 Jahren und (unbehandelt) progressivem Verlauf zu erwarten [Bereket 2017, Carel et al. 2009].
  • Zu Beginn der Behandlung sollte das chronologische Alter weniger als 8 Jahre bei Mädchen und weniger als 10 Jahre bei Jungen betragen. Die Behandlung sollte bei einem Knochenalter von mehr als 12 Jahren bei Mädchen und mehr als 13 Jahren bei Jungen beendet werden.
  • Vor der Behandlung ist eine Pseudopubertas praecox (Gonadentumor, Nebennierentumor oder -hyperplasie) und eine Gonadotropin-unabhängige Pubertas praecox (Hodentoxikose, familiäre Leydig-Zell-Hyperplasie) auszuschließen.
  • Vor der Behandlung von Kindern mit progressiven Hirntumoren sollte eine sorgfältige, individuelle Nutzen-Risiko-Evaluation erfolgen.
  • Bei Mädchen können im ersten Monat vaginale Blutungen von leichter oder mittlerer Intensität auftreten.
  • Die zukünftige Reproduktionsfunktion und die Fertilität scheinen durch die Behandlung mit GnRH-Agonisten nicht beeinträchtigt zu werden, aber es fehlen noch ausreichende Daten.
  • Bei den meisten Mädchen tritt die Menstruation durchschnittlich 1 Jahr nach dem Absetzen der Behandlung ein.
  • Die maximal erreichbare Knochenmasse im späten Jugendalter scheint durch die Behandlung nicht beeinflusst zu werden.
  • Nach dem Absetzen der Behandlung kann sich die Femurepiphyse lösen.

(SmPC Pamorelin LA 22,5 mg)

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Arzneistoffe die zu einer QT-Zeitverlängerung führen können (u.a. Makrolide, Antiarrhythmika (u.a. Amiodaron, Sotalol), Neuroleptika, Methadon, Mizolastin, Terfenadin, Moxifloxacin) Eine Androgen-Entzugstherapie kann das QT-Intervall verlängern. Erhöhtes Risiko von ventrikulären Tachykardien (Torsade de pointes) Elektrolytstörungen und Bradykardien sollen vor der Anwendung korrigiert werden. Der Elektrolytstatus ist während der Behandlung zu überwachen. Bei einer Verlängerung der frequenzkorrigierten QTc-Zeit über altersnorme Werte sollen die Risiko-Arzneimittel abgesetzt werden.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Ferring BV, SmPC Decapeptyl (RVG 12450) 17-12-2019, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  2. Noordam, C, NVK werkboek Kinderendocrinologie [NVK Arbeitsbuch Kindernephrologie], 2010
  3. Ipsen, SmPC Pamorelin LA 3,75 mg Plv u. Lsg.mittel z. Herst. e. DepotInj.susp. (1-26714), 07/2019
  4. Ferring, SmPC Decapeptyl Depot-Retardmikrokps. und Susp.mittel in Einmalspr. (1-18914), 01/2020
  5. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search , (aufgerufen am 19.05.2020)
  6. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank , (aufgerufen am 19.05.2020)
  7. wechselwirkungscheck, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php , (aufgerufen am 19.05.2020)
  8. Bereket, A, A critical appraisal of the effect of gonadotropin-releasing hormon analog treatment on adult height of girls with central precocious puberty, J Clin Res Pediatr Endocrinol, 2017, 30;9(Suppl 2), 33-48
  9. Carel, JC, et al, Consensus statement on the use of GnRH analogs in children, Pediatrics, 2009, 12(4), 752-62
  10. IPSEN Farmaceutica B.V., SmPC Pamorelin 22,5 mg (RVG 103585) 17-04-2019, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl

Änderungsverzeichnis

  • 24 Juli 2020 14:20: Neue Monographie "Triptorelin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung