Metamizol

Wirkstoff
Metamizol
Handelsname
Novalgin®, diverse Generika
ATC-Code
N02BB02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Fieber und Schmerzen
    • Oral
      • On-label
    • Intravenös
      • <3 Monate: Off-label
      • ≥3 Monate: On-label
    • Intramuskulär
      • <3 Monate: Off-label
      • ≥3 Monate: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Tropfen 500 mg/ml
Tabletten 500 mg
Injektionslösung 500 mg/ml

Allgemein

Die im Handel befindlichen Darreichungsformen enthalten Metamizol-Natrium-monohydrat, worauf sich ebenso der Wirkstoffgehalt bezieht. Die Einnahme der Tropfen und Tabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
METAGELAN® Tropfen 500 mg/ml Saccharin, Sucralose, Propylenglykol
NOVALGIN® Filmtabletten 500 mg Saccharin
NOVALGIN® Tropfen 500 mg/ml Saccharin

Die Fachinformationen wurden 07/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Metamizol zählt zu den nichtsauren Nicht-Opioidanalgetika. Metamizol ist ein Pyrazolonderivat und hat analgetische, antipyretische und spasmolytische Eigenschaften. Der Wirkungsmechanismus ist nicht vollständig aufgeklärt. Einige Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Metamizol und der Hauptmetabolit (4-N- Methylaminoantipyrin) vermutlich sowohl einen zentralen als auch einen peripheren Wirkungsmechanismus haben.

Pharmakokinetik

Es sind keine pharmakokinetischen Daten bei Kindern bekannt.

Dosierungen

Fieber und Schmerzen
  • Oral
    • 3 Monate bis 18 Jahre
      [4]
      • 8 - 16 mg/kg/Dosis, bei Bedarf 4x täglich, max: 4.000 mg/Tag. Maximale Einzeldosis: 1.000 mg/Dosis.
      • Anwendungshinweis:

        Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten.

  • Intravenös
    • 1 Jahr bis 18 Jahre und < 54 kg
      [5]
      • 6 - 16 mg/kg/Dosis, bei Bedarf max. 4x täglich.
    • 1 Jahr bis 18 Jahre und ≥ 54 kg
      [5]
      • 500 - 1.000 mg/Dosis, bei Bedarf max. 4x täglich, max: 5.000 mg/Tag. Maximale Einzeldosis: 2.500 mg/Dosis.
      • Anwendungshinweis:

        Einzeldosen > 1000 mg bedürfen einer besonders sorgfältigen Indikationsstellung, da der Verdacht besteht, dass der nicht allergisch bedingte kritische Blutdruckabfall von der Dosis abhängt. Deshalb und um beim ersten Zeichen einer anaphylaktischen Reaktion abbrechen zu können, max. 500 mg/min injizieren.

  • Intramuskulär
    • 3 Monate bis 18 Jahre und < 54 kg
      [5]
      • 6 - 16 mg/kg/Dosis, bei Bedarf max. 4x täglich.
    • 3 Monate bis 18 Jahre und ≥ 54 kg
      [5]
      • 500 - 1.000 mg/Dosis, bei Bedarf max. 4x täglich, max: 5.000 mg/Tag. Maximale Einzeldosis: 2.500 mg/Dosis.
      • Anwendungshinweis:

        Körperwarme Lösung verwenden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

ANDERE ANALGETIKA UND ANTIPYRETIKA

Anilide

Paracetamol

Ben-u-ron®, Mexalen®, diverse Generika
N02BE01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

hypotensive Reaktionen, Blutdruckabfall, fixes Arzneimittelexanthem

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

anaphylaktoide oder anaphylaktische Reaktionen, anaphylaktischer Schock, Angioödeme, Kreislaufschock, Analgetika-induziertes Asthma-Syndrom, akutes Nierenversagen, Agranulozytose, Panzytopenie, Kounis Syndrom, Stevens-Johnson oder Lyell-Syndrom

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen andere Pyrazolone (z.B. Phenazon, Propyhenazon) bzw. Pyrazolidine (z.B. Phenylbutazon, Oxphenbutazon) (dies schließt auch Patienten ein, die z.B. mit einer Agranulozytose nach Anwendung dieser Substanzen reagiert haben)
  • bei bekanntem Analgetika-Asthma-Syndrom oder Patienten mit bekannter Analgetika-Intoleranz vom Urtikaria-Angioödemtyp, d.h. Patienten, die mit Bronchospasmus oder anderen anaphylaktoiden Reaktionsformen auf Salicylate, Paracetamol oder andere nicht narkotische Analgetika wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen reagieren
  • bei Störungen der Knochenmarksfunktion (z.B. nach Zytostatikabehandlung) oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
  • bei genetisch bedingtem Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Hämolysegefahr)
  • bei akuter intermittierender hepatischer Porphyrie (Gefahr der Auslösung einer Porphyrie-Attacke)

Zudem ist die intravenöse und intramuskuläre Anwendung bei bestehender Hypotonie und instabiler Kreislaufsituation kontraindiziert.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei nur geringfügigen Schmerz- und Fieberzuständen ist Metamizol nicht angezeigt.
  • Agranulozytosen können schwerwiegend, lebensbedrohlich oder tödlich sein, sind nicht dosisabhängig und können zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten. Bei Anzeichen und Symptomen Behandlung sofort abbrechen und Blutbildkontrolle bis zur Normalisierung der Werte. Alle Patienten sind anzuweisen, unverzüglich ihren Arzt aufzusuchen, wenn es unter der Behandlung mit Metamizol zu einer unerwarteten Verschlechterung des Allgemeinbefindens kommt, das Fieber nicht abklingt oder neu auftritt oder schmerzhafte Schleimhautveränderungen besonders im Mund-, Nasen- und Rachenraum auftreten. Ebenfalls erforderlich sind regelmäßige Blutbildkontrollen (einschließlich Differenzialblutbild) bei einer längerfristigen Therapie mit Metamizol.
  • Beim Auftreten einer Panzytopenie, Behandlung abbrechen und Blutbildkontrolle bis zur Normalisierung der Werte (einschließlich Differenzialblutbild). Patienten sind anzuweisen, unverzüglich einen Arzt aufzusuchen, wenn Anzeichen und Symptome einer Blutdyskrasie auftreten.
  • Die Patienten müssen auf die entsprechend möglichen Anzeichen und Symptome schwerer Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom hingewiesen und engmaschig überwacht werden, v.a. in den ersten Wochen der Behandlung. Wenn diese auftreten, Therapieabbruch.
  • Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen darf Metamizol nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Falls unter der Therapie mit Metamizol Hautreaktionen oder sonstige Anzeichen einer allergischen Reaktion auftreten, ist die Behandlung sofort abzubrechen. Bei der Wahl der Art der Verabreichung muss berücksichtigt werden, dass die parenterale Behandlung mit einem höheren Risiko für anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen verbunden ist.
  • Metamizol kann hypotensive Reaktionen auslösen. Diese Reaktionen sind möglicherweise dosisabhängig. Hiermit ist bei parenteraler Gabe eher zu rechnen als bei enteraler. Die Gefahr solcher Reaktionen ist ebenfalls erhöht bei:
    • zu schneller intravenöser Injektion
    • Patienten mit z. B. vorher bestehender Hypotonie, Volumenmangel oder Dehydratation, instabilem Kreislauf oder beginnendem Kreislaufversagen (wie z.B. bei Patienten mit Herzinfarkt oder Polytrauma),
    • Patienten mit hohem Fieber.
  • Metamizol sollte nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen angewendet werden, da die Elimination bei diesen Patienten herabgesetzt ist.
  • Die intravenöse Injektion muss sehr langsam verabreicht werden (nicht mehr als 1 ml/Minute), um zu gewährleisten, dass die Injektion bei den ersten Anzeichen einer anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktion gestoppt werden kann, und um das Risiko von isolierten hypotensiven Reaktionen zu minimieren

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Clozapin Additive Knochenmarkstoxizität. Eine erhöhte Inzidenz und Schwere von Granulozytopenien und Agranulozytosen ist zu befürchten. Kombination vermeiden. Wenn unvermeidbar, Blutbild besonders engmaschig überwachen.
Methotrexat Additive Hämatotoxizität und evtl. erhöhte Bioverfügbarkeit von Methotrexat. Kombination vermeiden. Alternativen wie Paracetamol, wenn indiziert, bevorzugen.
Acetylsalicylsäure (ASS) Bei gleichzeitiger Verabreichung wird möglicherweise die antithrombotische Wirkung von niedrig dosierter ASS beeinträchtigt. Bei gelegentlicher Anwendung von Metamizol ist auf Grund der langen Dauer der thrombozytenaggregationshemmenden Wirkung von ASS keine Interaktion zu erwarten. Ist eine analgetische Dauertherapie über mehrere Tage oder Wochen nötig, kann das Ausweichen auf alternative Analgetika erwogen werden: für Paracetamol und Diclofenac fanden sich in mehreren Untersuchungen bisher keine Hinweise auf eine entsprechende Wechselwirkung mit ASS. Es wird zudem empfohlen, Metamizol mindestens zwei Stunden nach der niedrig dosierten ASS zu verabreichen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 29.07.2020
  2. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 29.07.2020
  3. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 29.07.2020
  4. sanofi-aventis, SmPC Novalgin Tropfen (6704), 06/2019
  5. sanofi-aventis, SmPC Novalgin 1 g Amp. (3191), 06/2019

Änderungsverzeichnis

  • 21 Dezember 2020 14:27: Neue Monographie "Metamizol"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung