Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Der Wirkungsmechanismus von Doxycyclin beruht auf einer Hemmung der Proteinbiosynthese durch reversible Blockade der Bindungsstelle der Aminoacyl-t-RNS an der 30S-Untereinheit des Ribosoms, wodurch die Elongation der Peptidkette unterbrochen wird. Hieraus resultiert eine vorwiegend bakteriostatische Wirkung.
In der Regel empfindliche Keime sind: Actinomyces israelii, Listeria monocytogenes, Staphylococcus aureus (inkl. Methicillin-resistenter Stämme), Tropheryma whipplei, Bartonella henselae, Borrelia burgdorferi, Burkholderia mallei, Burkholderia pseudomallei, Brucella spp, Francisella tularensis, Haemophilus ducreyi, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Pasteurella multocida, Vibrio cholerae, Vibrio parahaemolyticus, Yersinia enterocolitica, Yersinia pestis, Propionibacterium acnes, Chlamydia trachomatis, Chlamydophila pneumoniae, Chlamydophila psittaci, Ehrlichia spp., Leptospira spp., Mycoplasma hominis, Mycoplasma pneumoniae, Rickettsia spp., Treponema pallidum, Ureaplasma urealyticum
Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Campylobacter jejuni
Von Natur aus resistente Spezies: Morganella morganii, Proteus spp., Pseudomonas aeruginosa
Doxycyclin wird nach oraler Verabreichung nahezu vollständig resorbiert, die max. Plasmakonzentrationen (Cmax) werden nach ca. 2 Stunden erreicht, die Plasmakonzentrationen im Steady-State nach 4 Tagen. Die Plasmaeliminationshalbwertszeit beträgt ca. 20 Stunden. Aufgrund der relativ langen Halbwertszeit wird eine Initialdosis von Doxycyclin empfohlen. Die wichtigsten Stoffwechselwege für Doxycyclin wurden noch nicht identifiziert, jedoch reduzieren starke CYP3A4-Induktoren Doxycyclin-Konzentrationen. Es unterliegt dem enterohepatischen Kreislauf. Nach oraler Verabreichung wird Doxycyclin zum Großteil unverändert im Urin (ca. 40%) ausgeschieden. Der Rest (20-50%) wird nach Diffusion in das Darmlumen als inaktiver Komplex mit dem Stuhl ausgeschieden. (SmPC)
Bei Erwachsenen beträgt das Verteilungsvolumen (Vd) 0,7–1,4 L/kg und die Halbwertszeit 12 bis 25 Stunden. In einer Studie mit 10 Kindern im Alter von >24 Monaten, die jeweils eine Dosis Doxycyclin von 4 mg/kg (N = 5 Kinder) oder 2 mg/kg (N = 5 Kinder) erhielten, betrug das scheinbare Verteilungsvolumen 0,859 bis 1,841 L/kg des tatsächlichen Körpergewichts (kg) und die Halbwertszeit 11,18 bis 8,89 Stunden (Ceccarelli 1971).
In einer populationspharmakokinetischen Studie wurden bei Kindern (insgesamt N = 47, davon N = 14 im Alter von ≤ 8 Jahren), die eine Doxycyclin-Behandlung als antimikrobielle Therapie (alle Indikationen) mit einer medianen Dosis von 1,69 (0,88–2,94) mg/kg erhielten, die folgenden individuellen empirischen Bayes’schen Post-hoc-Parameterschätzungen ermittelt (Thompson 2019):
| Parameter | N= | CL (L/kg/h)* | Vd (L/kg)* | Halbwertszeit (h)* |
| Alter | ||||
| <2 Jahre | 3 | 0,059 (0,050-0,077) | 1,50 (1,41-1,91) | 17,7 (12,6-26,5) |
| Alter + Gewicht | ||||
| 2 bis ≤8 Jahre | 11 | 0,068 (0,041-0,202) | 1,43 (1,02-2,56) | 17,2 (5,8-24,0) |
| ≤45 kg | 10 | 0,071 (0,041-0,202) (p=0,86) | 1,51 (1,02-2,56) (p=0,29) | 16,9 (5,8-24,0) (p=0,79) |
| >45 kg | 1 | 0,050 | 1,43 | 19,9 |
| >8 Jahre | 33 | 0,047 (0,014-0,126) | 1,25 (0,38-3,18) | 20,4 (4,8-41,3) |
| ≤45 kg | 8 | 0,081 (0,035-0,126) | 1,16 (0,87-3,18) | 15,2 (4,8-30,5) |
| >45 kg | 25 | 0,044 (0,014-0,121) | 1,26 (0,38-2,93) | 20,4 (6,3-41,3) |
| Gesamt | 47 | 0,051 (0,014-0,202) | 1,36 (0,38-3,18) | 18,8 (4,8-41,3) |
*Median, Range oder p-Wert
Lösliche Tabletten 50 mg, 100 mg, 200 mg
Filmtabletten 200 mg
Kapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung 40 mg
Kapseln 100 mg
Injektionslösung 20 mg/mL
Doxycyclin liegt in den oralen Darreichungsformen als Hyclat oder Monohydrat und in der Injektionslösung als Hyclat vor. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Doxycyclin.
Anwendungshinweise:
Die Einnahme während einer Mahlzeit kann das Auftreten von Magen-Darm Störungen verringern. Deshalb sollte die Einnahme bei Irritationen der Magenschleimhaut mit einer Mahlzeit erfolgen. Die Einnahme sollte aber nicht zeitgleich mit fettreichen Nahrungsmitteln oder Milch und Milchprodukten erfolgen, da die Bioverfügbarkeit und der Serumspitzenspiegel sinken können. Die Tabletten/Kapseln sollen mit ausreichend Flüssigkeit, in aufrechter Körperhaltung und nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen eingenommen werden, um ösophagealen Irritationen und Ulzerationen vorzubeugen.
Magensaftresistente Formulierungen sollten morgens auf nüchternen Magen (vorzugsweise mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach der Mahlzeit) mit ausreichend Wasser eingenommen werden.
Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:
| Präparate | Darreichungsform | Stärke | Problematische Hilfsstoffe |
| DOXYCYCLIN GENERICON® | Lösliche Tabletten | 100/200 mg | Lactose |
| DOTUR® | Kapseln | 100 mg | Lactose |
| ORAYCEA® | Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung | 40 mg | Propylenglykol, Saccharose |
Die Fachinformationen wurden 06/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).
Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)
Gehe zu:
| Bakterielle Infektionen |
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| Schwere bakterielle Infektionen |
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| Infektionen bei cystischer Fibrose |
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| Lokalisierte, disseminierte Lyme-Borreliose im frühen und späten Stadium |
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| Prophylaxe Malaria |
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| Behandlung unkomplizierte Malaria |
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GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.
(Irreversible) Zahnverfärbungen bei Kindern (1 %), Störungen der Zahnentwicklung, Zahnschmelzhypoplasie (Rajan 2025)(Ma 2025).
Die Chelatbildung von Tetracyclin im Zahnschmelz kann zu Zahnschmelzhypoplasien und dauerhaften Zahnverfärbungen führen (Stultz 2019). In der Literatur lagen die Inzidenzraten von Zahnverfärbungen nach Tetracyclin-Exposition zwischen 23 und 92 %, wobei die Häufigkeit mit der Dosis, der Dauer (z. B. > 21 Tage Exposition) und der Anzahl der Therapiezyklen zunahm (Todd 2015). In einem aktuellen Review entwickelte ein Frühgeborenes (1/162) Zahnverfärbungen und zwei Kinder (2/162) eine Zahnschmelzhypoplasie nach Exposition gegenüber Doxycyclin (Dou 2024). Darüber hinaus ergab eine aktuelle Metaanalyse eine gepoolte Inzidenz von Zahnverfärbungen von 0,92 % (95 % 0,34 %–1,50 %) ohne signifikante Heterogenität (I² < 0 %) (Ma 2025).
Die sechs wichtigsten positiven Signale mit der höchsten proportionalen Melderate (PRR) in der FAERS (FDA Adverse Event Reporting System)-Datenbank zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Doxycyclin bei Kindern im Alter von ≤ 8 Jahren waren Kehlkopfschäden, Horner-Syndrom, Nervenschäden, erosive Gastritis, Vanishing Bile Duct Syndrome und Methämoglobinämie (Dou 2024). Keine dieser unerwünschten Arzneimittelwirkungen wird in der SmPC von Doxycyclin erwähnt. Es ist wichtig, dass sich ärztliches Personal dieser potenziellen unerwünschten Arzneimittelwirkungen bewusst ist.
Überempfindlichkeit (einschließlich anaphylaktischer Schock, anaphylaktische Reaktion, anaphylaktoide Reaktion, Angioödem, Exazerbation eines systemischen Lupus erythematodes, Perikarditis, Serumkrankheit, Purpura Schönlein Henoch, Hypotonie, Dyspnoe, Tachykardie, periphere Ödeme und Urtikaria), Asthma, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus, Steatorrhoe, Mundtrockenheit, Photosensitivitätsreaktionen mit Erythem, Hautödem und Blasenbildung, Ausschläge einschließlich makulopapulärer und erythematöser Ausschläge, Nasopharyngitis, Sinusitis, Pilzinfektion, Angstzustände, Sinuskopfschmerzen, Hypertonie, Rückenschmerzen, Erhöhung von LDH, AST und/oder Blutzucker
Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Rosazea im Gesicht <12 Jahre
Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Das Risiko für Zahnschmelzhypoplasien und dauerhafte Zahnverfärbungen ist am größten, wenn die Exposition gegenüber dem Wirkstoff während der Odontogenese erfolgt, bevor die Schmelzbildung der bleibenden Zähne mit der Kalzifizierung vollständig abgeschlossen ist. Dieser Prozess ist in der Regel im Alter von 8 Jahren abgeschlossen und ist der Grund für die Anwendungsbeschränkung bei Kindern unter 8 Jahren (Stultz 2019). Im Gegensatz zu Tetracyclin bindet Doxycyclin jedoch in geringerem Maße an Calcium (39,5 % gegenüber 19 %) (Todd 2015). Aktuelle Beobachtungsstudien zeigen, dass die Behandlung von Kleinkindern mit Doxycyclin möglicherweise nicht zu dauerhaften Zahnverfärbungen führt (Biggs 2016)(Volovitz 2007)(Poyhonen 2017)(Todd 2015)(Ravindra 2023)(Boast 2016)(Stultz 2019). Das Risiko für Zahnverfärbungen und Zahnschmelzhypoplasie ist gering, was zur Aufhebung der früheren Kontraindikation bei Kindern unter 8 Jahren führte. Im Jahr 2018 erklärte das Komitee für Infektionskrankheiten der American Academy of Pediatrics, dass kurze Therapiezyklen (bis zu 21 Tage) mit oralem Doxycyclin bei Kindern jeden Alters sicher sind. Die empfohlene Gesamtdauer der Doxycyclin-Behandlung sollte 21 Tage nicht überschreiten, und wiederholte Therapiezyklen sollten aufgrund der kumulativen Exposition vermieden werden (Red Book 2024).
Basierend auf pharmakokinetischen Daten entspricht die Doxycyclin-Dosis bei Kindern im Alter von 1 Monat bis 8 Jahren, bezogen auf mg/kg, der bei Kindern über 8 Jahren verabreichten Dosis (Thompson 2019). Aufgrund begrenzter Daten bei Kindern unter 2 Jahren sollte Doxycyclin in dieser Gruppe jedoch mit Vorsicht angewendet werden. Darüber hinaus sollte Doxycyclin bei Kindern im Alter von 1 Monat bis 8 Jahren nur in Betracht gezogen werden, wenn keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die Therapiedauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden und wiederholte Therapiezyklen sollten vermieden werden.
Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at).
Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:
Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Tetracycline | ||
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Udima®, diverse Generika
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J01AA08 | |
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Tygacil®
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J01AA12 | |