Carvedilol

Wirkstoff
Carvedilol
Handelsname
Dilatrend®, div. Generika
ATC-Code
C07AG02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Adjuvante Behandlung bei Standardtherapie für mittelschwere bis schwere stabile chronische Herzinsuffizienz, ebenso bei Herzinsuffizienz bei M. Duchenne
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Keine Arzneispezialität in Österreich für Kinder zugelassen.

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

 

 

 

 

 

 

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

(Film-)Tabletten 6,25 mg, 12,5 mg, 25 mg

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Tabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Patient*innen mit Herzinsuffizienz sollen Carvedilol jedoch zusammen mit den Mahlzeiten einnehmen, damit Carvedilol langsamer resorbiert wird und orthostatische Effekte verhindert werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die verfügbaren Tabletten enthalten – je nach Hersteller - Lactose, Saccharose

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Carvedilol ist ein Racemat aus den zwei Stereoisomeren R- und S-Carvedilol, das im therapeutischen Dosisbereich gleichzeitig α- und β-blockierende Eigenschaften besitzt. Das S-Enantiomer hemmt kompetitiv und nicht selektiv β-Adrenorezeptoren, während beide Enantiomere die gleichen, für α1-adrenerge Rezeptoren spezifischen Blockierungseigenschaften haben. Daher wirkt es negativ chrono-, dromo-, bathmo- und inotrop auf das Herz. In höheren Konzentrationen zeigt Carvedilol schwache bis moderate Calciumkanal-blockierende Eigenschaften. Es hat keine intrinsische sympathomimetische Aktivität. 

Pharmakokinetik

Bei Kindern ist die Eliminationshalbwertszeit kürzer als bei Erwachsenen (2,9 h bzw. 5,7 h). Diese nimmt mit dem Alter zu. (Laer et al.)
Die Clearance von Carvedilol ist bei Kleinkindern größer (2,7 l/h/kg im Alter von 1 Jahr) und beträgt 0,7 l/h/kg im Alter von 19 Jahren. (Albers et al.)
 

Dosierungen

Adjuvante Behandlung bei Standardtherapie für mittelschwere bis schwere stabile chronische Herzinsuffizienz, ebenso bei Herzinsuffizienz bei M. Duchenne
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
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      • Initialdosis: 0,1 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Alle 2 Wochen um 0,1 mg/kg/Tag erhöhen auf 0,2 - 0,8 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 0,8mg/kg/Tag, jedoch nicht mehr als 50 mg/Tag.
      • Es wird mit einer sehr niedrigen oralen Dosis begonnen; diese wird alle 2 Wochen vorsichtig bis zur Maximaldosis erhöht, es sei denn, es treten klinische Nebenwirkungen (Stauungserscheinungen, Schwindel, symptomatische Hypotonie, Bradykardie) oder eine Verschlechterung auf.
        Bei Kindern bis zu 3 Jahren können höhere Dosierungen (max. 1–1,5 mg/kg/Tag in 2–3 Dosen) erforderlich sein.

        Anwendung ausschließlich nach Rücksprache mit fachärztlichem Personal (Kinderkardiologie)

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

BETA-ADRENOZEPTORANTAGONISTEN

Beta-Adrenozeptorantagonisten, nichtselektiv

Propranolol

Hemangiol®, Inderal®
C07AA05

Sotalol

diverse Generika
C07AA07
Beta-Adrenozeptorantagonisten, selektiv

Atenolol

Tenormin®, diverse Generika
C07AB03

Esmolol

Brevibloc®, diverse Generika
C07AB09

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Dyspnoe, Akrozyanose, Provokation von Herzinsuffizienz oder Hypoglykämie (symptomlos, Cave: Diabetes-Patient*innen) und Albträume.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Schwindelgefühl, Benommenheit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herzinsuffizienz, Hypotonie, Asthenie (Müdigkeit)

Häufig (1-10%): depressive Verstimmung, Depression, Bradykardie, Sinusbradykardie, Ödeme (generalisierte, periphere und genitale Ödeme, Beinödeme, Hypervolämie und Flüssigkeitsüberlastung), Hypertonie, orthostatische Hypotonie, periphere Durchblutungsstörungen (Kältegefühl in den Extremitäten, periphere Gefäßerkrankungen), Verstärkung der Beschwerden bei Patienten mit Claudicatio intermittens bzw. Raynaud-Syndrom, zerebrovaskuläre Ereignisse, Dyspnoe, pulmonale Ödeme, asthmatische Anfälle (besonders bei prädisponierten Patienten), gastrointestinale Beschwerden mit Symptomen wie Nausea, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Erbrechen, Dyspepsie, Anämie, Gewichtszunahme und Hypercholesterinämie; Hyperglykämie, Hypoglykämie und Verschlechterung der Blut-Glukose-Einstellung bei Patienten mit bereits bestehendem Diabetes mellitus, Diabetes mellitus, Gicht, Sehstörungen, Augenreizungen, verringerter Tränenfluss (trockene Augen), Verschlechterung der Nierenfunktion (bis hin zum Nierenversagen) besonders bei Patienten mit diffusen vaskulären Erkrankungen und/oder eingeschränkter Nierenfunktion, Erhöhung von BUN, Miktionsstörungen, Bronchitis, Pneumonie, Infektionen des oberen Respirationstrakts, Infektionen des Harntrakts, Schmerzen, Infektionen, Fieber, Grippe-ähnliche Symptome, Ödeme, Gliederschmerzen, Arthralgie, Arthritis

Gelegentlich (0,1-1%): Parästhesien, Synkopen (einschließlich Präsynkopen), Schlafstörungen, Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz (insbesondere bei Dosissteigerung), AV-Block, Angina pectoris mit Thoraxschmerz, Obstipation, Hautreaktionen (z. B. allergisches Exanthem, Dermatitis, Urticaria, Pruritus), Lichen-planus-ähnliche Reaktionen, Psoriasis oder psoriasiforme Exantheme (wenige Wochen bis zu Jahre nach Behandlungsbeginn), Alopezie, erektile Dysfunktion

Selten (0,1-0,01%): verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Thrombozytopenie, Anorexie, Gewichtsverlust

Sehr selten (< 0,01%): Leukopenie, Harninkontinenz bei Frauen (nach Absetzen des Arzneimittels reversibel), allergische Reaktionen (Hypersensitivitätsreaktionen), schwere Hautreaktionen (z. B. Erythema multiforme, Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), Anstieg der Serumtransaminasen (ALAT, ASAT und Gamma-GT)

Häufigkeit nicht bekannt: Sinusknotenstillstand bei prädisponierten Patienten (z. B. ältere Patienten oder Patienten mit vorbestehender Bradykardie, Dysfunktion des Sinusknotens oder AV-Block), Hyperhidrosis

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Sinusbradykardie, AV-Block, Hypotonie, Herzinsuffizienz und Asthma

Kontraindikationen allgemein

  • Erregungsbildungs- und -leitungsstörungen (Sick-Sinus-Syndrom, SA-Block, AV-Block 2. und 3. Grades), außer bei Patient*innen mit Schrittmacher
  • ausgeprägte Hypotonie (systolischer RR < 85 mmHg)
  • hochgradige Bradykardie (Herzfrequenz < 50 Schläge/min)
  • instabile/dekompensierte Herzinsuffizienz
  • kardiogener Schock
  • metabolische Azidose
  • Prinzmetal-Angina
  • pulmonale Hypertonie, Cor pulmonale
  • Asthma bronchiale
  • Atemwegserkrankungen mit bronchospastischer Komponente in der Anamnese (chronisch-obstruktive Atemwegserkrankungen)
  • klinisch manifeste Leberfunktionsstörung
  • unbehandeltes Phäochromozytom
  • gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmern (Ausnahme: MAO-B-Hemmer)
  • gleichzeitige intravenöse Gabe von Verapamil und Diltiazem

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei gleichzeitiger Anwendung von Verapamil (Isoptin®) ist wegen des Risikos schwerer Herzrhythmusstörungen große Vorsicht geboten. Die Clearance von oral verabreichtem Digoxin halbiert sich bei der Verwendung von Carvedilol (Ratnapalan et al.). CAVE: Digoxin-Intoxikation

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittelformularium für Kinder], 2007
  2. Erdo&#287;an I, et al, Treatment of dilated cardiomyopathy with carvedilol in children, Turk J Pediatr, 2009, Jul-Aug;51(4), 354-60
  3. Askari H, et al, Carvedilol therapy in pediatric patients with dilated cardiomyopathy, Turk J Pediatr, 2009, Jan-Feb;51(1), 22-7
  4. Albers S, et al, Population pharmacokinetics and dose simulation of carvedilol in paediatric patients with congestive heart failure, Br J Clin Pharmacol, 2008, Apr;65(4), 511-22
  5. Bajcetic M, et al, Effects of carvedilol on left ventricular function and oxidative stress in infants and children with idiopathic dilated cardiomyopathy: a 12-month, two-center, open-label study, Clin Ther., 2008, Apr;30(4), 702-14
  6. Shaddy RE, et al, : Carvedilol for children and adolescents with heart failure: a randomized controlled trial, JAMA, 2007, Sep 12;298(10), 1171-9
  7. Blume ED, et al, Prospective single-arm protocol of carvedilol in children with ventricular dysfunction, Pediatr Cardiol, 2006 , May-Jun;27(3), 336-42
  8. Giardini A, et al, Modulation of neurohormonal activity after treatment of children in heart failure with carvedilol, Cardiol Young, 2003, Aug;13(4), 333-6
  9. Ratnapalan S, et al, Digoxin-carvedilol interactions in children, J Pediatr, 2003, May;142(5), 572-4
  10. Azeka E, et al, Delisting of infants and children from the heart transplantation waiting list after carvedilol treatment., J Am Coll Cardiol, 2002 , Dec 4;40(11), 2034-8
  11. Williams RV, et al, Intermediate effects of treatment with metoprolol or carvedilol in children with left ventricular systolic dysfunction, J Heart Lung Transplant, 2002, Aug;21(8):, 906-9
  12. Läer S, et al, Carvedilol therapy in pediatric patients with congestive heart failure: a study investigating clinical and pharmacokinetic parameters., Am Heart J. , 2002 , May;143(5), 916-22
  13. Matsumura T, et al, Carvedilol can prevent cardiac events in Duchenne muscular dystrophy, Intern Med, 2010, 49(14), 1357-63. Epub 2010 Jul 15.
  14. CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH, SmPC Dilatrend Tabletten 6,25 mg, 12,5 mg, 25 mg (1-21705, 1-21706, 1-9553), aufgerufen am 05.04.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/
  15. TEVA B.V., SmPC Carvedilol ratiopharm 6,25, 12,5, 25 mg Tabletten (1-28045-47), aufgerufen am 05.04.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 09 Mai 2022 10:23: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung