Ondansetron

Wirkstoff
Ondansetron
Handelsname
Zofran®, Zofran Zydis®, diverse Generika
ATC-Code
A04AA01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie
    • Oral
      • <6 Monate: Off-label
      • ≥6 Monate: On-label
    • Intravenös
      • <6 Monate: Off-label
      • ≥6 Monate: On-label
        • >5 mg/m2/Dosis: Off-label
        • >8 mg/Dosis: Off-label
  • Übelkeit und Erbrechen nach Operationen
    • Oral
      • Off-label
    • Intravenös
      • <1 Monat: Off-label
      • ≥1 Monat: On-label
  • Gastroenteritis mit Erbrechen und Dehydratation
    • Oral, Intravenös
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Ampullen 4 mg, 8 mg
Infusionslösung 0,16 mg/ml zu 50 ml
Injektionslösung 2 mg/ml zu je 2 ml und 4 ml
Injektions- oder Infusionslösung 2 mg/ml zu je 2 ml und 4 ml
Filmtabletten 4 mg, 8 mg
Lyophilisat ("Zydis"-Tabletten) 4 mg, 8 mg
Lösung zum Einnehmen 4 mg/5 ml
Zäpfchen 16 mg

Allgemein

Ondansetron liegt mit Ausnahme der Zydis-Tabletten als Hydrochlorid-Dihydrat vor. Die Zydis-Tabletten enthalten die Base Ondansetron als Lyophilisat, welches binnen Sekunden zerfällt sobald man es auf die Zunge legt. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich in allen Arzneispezialitäten auf Ondansetron. Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
ONDANSAN® Filmtabletten 4/8 mg Lactose
ZOFRAN® Filmtabletten 4/8 mg Lactose
ZOFRAN Zydis® Tabletten 4/8 mg Aspartam, Methyl-4-hydroxybenzoat, Propyl-4-hydroxybenzoat, Ethanol
ZOFRAN® Lösung zum Einnehmen 4 mg/5 ml Natriumbenzoat, Sorbitol, Ethanol (geringste Mengen)

Die Fachinformationen wurden 10/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Ondansetron ist ein potenter, hoch selektiver 5HT3-Rezeptorantagonist. Der genaue Wirkungsmechanismus bei der Kontrolle von Emesis und Nausea ist nicht bekannt.

Zytotoxisch wirkende Chemotherapeutika und Strahlenbehandlung können eine Freisetzung von 5HT (Serotonin) im Dünndarm bewirken, wobei durch Aktivierung der afferenten Vagusfasern über die 5HT3-Rezeptoren der Brechreflex ausgelöst wird. Die Aktivierung der afferenten Vagusfasern kann auch eine Freisetzung von 5HT (Serotonin) in die Area postrema bewirken, was die Emesis über zentrale Mechanismen noch weiter fördert. Daher ist die Wirkung von Ondansetron wahrscheinlich auf den kompetitiven Antagonismus an 5HT3-Rezeptoren im peripheren und zentralen Nervensystem zurückzuführen.

Der Wirkmechanismus bei postoperativer Nausea und Emesis ist nicht bekannt, es wird jedoch vermutet, dass er ähnlich verläuft wie bei der durch Chemotherapie hervorgerufenen Übelkeit und Emesis.

Pharmakokinetik

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden nach intravenöser Gabe (SmPC Zofran) bestimmt (Mondick et al. 2010, Spahr-Schopfer et al. 1995):

Postoperative Übelkeit und Erbrechen:

Alter n= t1/2 (h) Cl (l/h/kg) Vd (l/kg)
1-4 Monate 19 6,7 0,40 3,5
5-24 Monate  22 2,9 0,58 2,3
3-12 Jahre 21 2,9 0,44 1,65


Chemotherapie induzierte Übelkeit und Erbrechen:

Alter n= t1/2 (h) Cl (l/h/kg) Vd (l/kg)
1-48 Monate 115 4,9 0,58 3,65
4-18 Jahre 21 2,8 0,60 1,9

 

 

Dosierungen

Gehe zu:

Übelkeit und Erbrechen bei gering emetogener Chemotherapie
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [8] [16] [17] [20] [23] [24]
      • 10 mg/m2/Dosis, einmalig. Maximale Einzeldosis: 8 mg/Dosis.
        • Falls nötig, kann eine zweite Dosis von 5 mg/m2 verabreicht werden.
        • 10 mg/m2 ≜ 0,3 mg/kg
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [16] [20] [23] [24]
      • 10 mg/m2/Dosis, einmalig. Maximale Einzeldosis: 8 mg/Dosis.
        • Falls nötig, kann eine zweite Dosis von 5 mg/m2 verabreicht werden.
        • 10 mg/m2 ≜ 0,3 mg/kg
Übelkeit und Erbrechen bei moderat bis hoch emetogener Chemotherapie
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [16] [20] [23] [24]
      • 15 mg/m2/Tag in 3 Dosen, max: 16 mg/Dosis.
        • 15 mg/m2/Tag ≙ 0,45 mg/kg/Tag
        • 15 Minuten vor der Zytostatikagabe verabreichen
  • Oral
Übelkeit und Erbrechen nach Operationen
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [18] [19] [21] [22] [25] [27]
      • 0,1 mg/kg/Dosis, bei Bedarf max. 3x täglich im Abstand von 4 h, max: 4 mg/Dosis.
      • Orale Gabe nur wenn keine intravenöse Applikation möglich oder erwünscht ist.

  • Intravenös
Akute Gastroenteritis mit Erbrechen und Dehydratation

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

  • QTc-Verlängerung (Trivedi et al. 2016)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Kopfschmerzen, Wärmegefühl oder Hitzewallungen, Obstipation durch Verzögerung der Darmpassage, Brennen im Anal-/ und/oder Rektalbereich nach Anwendung der Zäpfchen, Flush, symptomatische Erhöhung der Leberfunktionswerte bei Anwendung unter Cisplatintherapie, lokale Irritationen bei intravenöser Applikation

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

  • Berichten zufolge kam es bei gleichzeitiger Anwendung von Ondansetron mit Apomorphin Hydrochlorid zu schwerer Hypotonie und Bewusstseinsverlust. Die gleichzeitige Anwendung mit Apomorphin ist kontraindiziert.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Pädiatrische Patienten, denen Ondansetron in Kombination mit hepatotoxischen Chemotherapeutika verabreicht wird, müssen sorgfältig auf eine Verschlechterung der Leberfunktion kontrolliert werden.

Aus Studien an Erwachsenen geht hervor, dass Ondansetron in Dosen über 32 mg/Dosis zu einer dosisabhängigen Verlängerung des QTc-Intervalls und somit potentiell zu Herzrhythmusstörungen (hierunter Torsades de pointes) führen kann. Publikationen von Brenner (2016), Nathan (2011) und McKechnie (2010) beschreiben eine mit Herzrhythmusstörungen einhergehende Verlängerung des QTc-Intervalls bei Kindern mit angeborenem Herzfehler/angeborenem Long-QT-Syndrom. Die Anwendung von Ondansetron muss bei Kindern mit angeborenem Long-QT-Syndrom vermieden werden. Vorsicht bei Risikofaktoren für QTc-Verlängerung: Hypokaliämie, eingeschränkte Nierenfunktion, Diabetes mellitus, zusätzliche Einnahme anderer QTc-Zeit-verlängernder Arzneimittel, hohe Dosen Ondansetron, ein bereits bestehendes verlängertes QTc-Intervall oder Long-QT-Syndrom. Wenn Risikofaktoren vorhanden sind, sollte vor der Therapie eine EKG-Kontrolle durchgeführt werden.

In einem Fallbericht wird eine letale Reaktion auf Ondansetron bei einem Kind mit maligner Hyperthermie in der Anamnese beschrieben (Gener 2010).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Patienten, die bereits Überempfindlichkeitsreaktionen auf andere selektive 5HT3-Rezeptorantagonisten zeigten, wurde über Kreuzallergien mit Ondansetron berichtet.
  • Ondansetron verlängert das QTc Intervall dosisabhängig. Post Marketing wurden Fälle von Torsade de Pointes bei Patienten gemeldet. Bei Patienten mit angeborenem Long QT Syndrom soll Ondansetron vermieden werden. Ondansetron soll bei Patienten, welche eine Verlängerung der QTc Zeit haben oder entwickeln könnten, mit Vorsicht angewandt werden, einschließlich bei Patienten mit abnormen Elektrolytwerten, kongestiver Herzinsuffizienz, Bradyarrhythmien oder bei Patienten, die andere Arzneimittel einnehmen, die eine QTc Verlängerung oder Störungen des Elektrolyt-Haushalts bewirken können. Eine Hypokaliämie und eine Hypomagnesiämie sollten vor Verabreichung von Ondansetron korrigiert werden. Vorsicht bei Patienten mit Arrhythmien oder kardialen Erregungsleitungsstörungen, bei mit Antiarrhythmika oder Betablockern behandelten Patienten und bei Patienten mit aussagekräftigen Störungen im Elektrolyt-Haushalt.
  • Da Ondansetron die Dickdarmpassage verzögern kann, ist bei Patienten mit einer Beeinträchtigung der Darmmotilität (bzw. bei intestinaler Obstruktion) Vorsicht geboten. Diese Patienten müssen in Hinblick auf ihre Darmfunktion besonders sorgfältig klinisch überwacht werden.
  • Nach adenotonsillären Eingriffen können Antiemetika verborgene Blutungen maskieren, indem sie das Erbrechen verhindern. Daher sollten solche Patienten nach der Behandlung mit Ondansetron sorgfältig überwacht werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Die gleichzeitige Anwendung mit Apomorphin ist kontraindiziert, da die Kombination zu schwerer Hypotonie und Bewusstseinsverlust führte
  • Die Plasmakonzentration von Ondansetron kann in Kombination mit starken CYP3A4-Induktoren wie Carbamazepin, Phenytoin oder Rifampicin deutlich abnehmen
  • Additive QTc-Verlängerung bei gleichzeitiger Einnahme anderer QTc-verlängernder Arzneimittel
  • Die schmerzstillende Wirkung von Tramadol kann unter Ondansetron vermindert sein.
  • Serotonin Syndrom wurde nach gemeinsamer Verabreichung von Ondansetron und anderen serotonergen Arzneimitteln beschrieben. Eine angemessene Überwachung des Patienten anzuraten.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. GlaxoSmithKline BV, SPC Zofran (RVG 14291) 09-04-2019,, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  3. Carter B. et al, Antiemetic treatment for acute gastroenteritis in children: an updated Cochrane systematic review with meta-analysis and mixed treatment comparison in a Bayesian framework, BMJ Open, 2012, Jul 19;2(4)
  4. Van de Wetering, MD., , Werkboek Supportive Care [Arbeitsbuch Supportive Therapie], 2017
  5. Lincke, CR, Ondansetron tegen braken bij acute gastro-enteritis, Farmacother Kind, 2010, 1, 12-8
  6. Szajewska H, et al, Meta-analysis: ondansetron for vomiting in acute gastroenteritis in children., Aliment Pharmacol Ther., 2007, Feb 15;25(4), 393-400
  7. Reeves JJ, et al, Ondansetron decreases vomiting associated with acute gastroenteritis: a randomized, controlled trial, Pediatrics, 2002, Apr;109(4), e62
  8. DeCamp LR, et al, Use of antiemetic agents in acute gastroenteritis: a systematic review and meta-analysis, Arch Pediatr Adolesc Med, 2008, Sep;162(9), 858-65
  9. Nathan AT, et al, Implications of anesthesia in children with long QT syndrome, Anesth Analg, 2011 , May;112(5):, 1163-8
  10. McKechnie K et al, Ventricular tachycardia after ondansetron administration in a child with undiagnosed long QT syndrome, Can J Anaesth, 2010, May;57(5), 453-7
  11. Gener B et al, Administration of ondansetron is associated with lethal outcome, Pediatrics, 2010, Jun;125(6), e1514-7
  12. GlaxoSmithKline BV. , Product Information Zofran (IV, tablets), dec 2013, http://us.gsk.com/products/assets/us_zofran_tablets.pdf <br/>http://us.gsk.com/products/assets/us_zofran.pdf
  13. Roossien N, et al, Is ondansetron effectief en veilig bij braken door acute gastro-enteritis?, Praktische Pediatrie, 2012, Dec;4, 237
  14. Brenner SM et al., Fatal Cardiac Arrest in 2 Children: Possible Role of Ondansetron, Pediatr Emerg Care., 2016, Nov;32(11), 779-784
  15. Trivedi S et al., Effect of Ondansetron on QT Interval in Patients Cared for in the PICU., Pediatr Crit Care Med., 2016, Jul;17(7), e317-23
  16. Dupuis, L. L.,et al., Guideline for the prevention of acute nausea and vomiting due to antineoplastic medication in pediatric cancer patients., Pediatr Blood Cancer, 2013, 60(7), 1073-82
  17. Patel, P., et al, Guideline for the prevention of acute chemotherapy-induced nausea and vomiting in pediatric cancer patients: A focused update, Pediatr Blood Cancer, 2017, 64(10)
  18. Bowhay, A. R., et al , A randomized controlled trial of the antiemetic effect of three doses of ondansetron after strabismus surgery in children., Paediatr Anaesth , 2001, 11(2), 215-21
  19. Lawhorn, C. D., et al. , Ondansetron dose response curve in high-risk pediatric patients., J Clin Anesth, 1997, 9 (8), 637-42
  20. Kovacs, G., et al., Palonosetron compared with ondansetron in pediatric cancer patients: multicycle analysis of a randomized Phase III study., Future Oncol, 2017, 13(19), 1685-98
  21. Shen, Y. D., et al., Dexamethasone, ondansetron, and their combination and postoperative nausea and vomiting in children undergoing strabismus surgery: a meta-analysis of randomized controlled trials., Paediatr Anaesth, 2014, 24(5), 490-8
  22. Splinter, W. M., et al, Prophylactic antiemetics in children undergoing tonsillectomy: high-dose vs low-dose ondansetron, Paediatr Anaesth, 1997, 7(2), 125-9
  23. Jain, S., et al , A randomized, open-label non-inferiority study to compare palonosetron and ondansetron for prevention of acute chemotherapy-induced vomiting in children with cancer receiving moderate or high emetogenic chemotherapy, Support Care Cancer, 2018, 26(9), 3091-3097
  24. Tan, J., et al. , Palonosetron is nonsuperior to ondansetron in acute phase but provides superior antiemetic control in delayed phase for pediatric patients administered highly emetogenic chemotherapy., Pediatr Blood Cancer, 2018, 65 (2)
  25. Watcha, M. F., et al , The dose-response relationship of ondansetron in preventing postoperative emesis in pediatric patients undergoing ambulatory surgery., Anesthesiolog, 1995, y85 (1), 47-52
  26. Mondick, J. T., et al. , Population pharmacokinetics of intravenous ondansetron in oncology and surgical patients aged 1-48 months., Eur J Clin Pharmacol, 2010, 66(1), 77-86
  27. Sadhasivam, S., et al, Prophylactic ondansetron in prevention of postoperative nausea and vomiting following pediatric strabismus surgery: a dose-response study, Anesthesiology, 2000, 92(4), 1035-42
  28. Spahr-Schopfer, I. A., et al 1995. "." 58 (3):316-2, Pharmacokinetics of intravenous ondansetron in healthy children undergoing ear, nose, and throat surgery, Clin Pharmacol Ther, 1995, 58(3), 316-21
  29. Tomasik, E., et al, Systematic review with meta-analysis: ondansetron for vomiting in children with acute gastroenteritis, Aliment Pharmacol Ther, 2016, 44 (5), 438-46
  30. Novartis, SmPC Zofran 4 mg Ftbl. (1-19341), 03/2019
  31. Novartis, SmPC Zofran 4 mg Amp. (1-19340), 03/2019

Änderungsverzeichnis

  • 01 Oktober 2020 08:30: Neue Monographie "Ondansetron"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung