Metoclopramid

Wirkstoff
Metoclopramid
Handelsname
Paspertin®, Ceolat®, MCP, Metoclopramidhydrochlorid
ATC-Code
A03FA01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Starke Übelkeit und Erbrechen, deren Ursache bekannt ist und bei denen die Behandlung mit anderen Mitteln nicht ausreichend wirksam ist 
    • Oral
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label
    • Intravenös
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label 

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Lösung 1 mg/ml
Tabletten 10 mg
Ampullen 10 mg

Metoclopramid ist in allen Darreichungsformen in Form von Metoclopramidhydrochlorid-Monohydrat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Metoclopramidhydrochlorid.

Die Einnahme der oralen Lösung kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Die Einnahme der Tabletten soll 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Lösung: Methyl-4-hydroxybenzoat, Propyl-4-hydroxybenzoat, Sucralose
Tabletten (je nach Hersteller): Lactose

Pharmakodynamik

Das Prokinetikum Metoclopramid ist ein zentraler Dopamin-Antagonist (D2), 5-HT3-Antagonist und 5-HT4-Agonist. Metoclopramid wirkt antiemetisch (im ZNS und Area postrema) und prokinetisch (Motilitätssteigerung und Verminderung des Pylorustonus).

Pharmakokinetik

Aus der Studie von Bateman et al. (N=9) geht hervor, dass die Pharmakokinetik von Metoclopramid bei Kindern (7-14 Jahre) mit der von Erwachsenen vergleichbar ist. Aus dieser Studie gehen folgende pharmakokinetische Parameter für Kinder hervor: (Mittelwert ± SEM) : T½ = 4,4 ± 0.56 h, Vd = 3,0 ± 0,38 L/kg und Cl = 0,56 ± 0,10 L/h/kg.

Dosierungen

CAVE
  • Art der Anwendung nicht spezifizierbar
    • 1 Jahr bis 18 Jahre
      [9]
      • Die Notwendigkeit der Verwendung von Metoclopramid bei Kindern muss gegen das Risiko extrapyramidaler Nebenwirkungen sowie die Verfügbarkeit alternativer Arzneimittel abgewogen werden. Aufgrund des Risikos extrapyramidaler Nebenwirkungen wird die orale und rektale Verabreichung zu Hause nicht empfohlen.

Starke Übelkeit und Erbrechen, deren Ursache bekannt ist und bei denen die Behandlung mit anderen Mitteln nicht ausreichend wirksam ist
  • Oral
    • 1 Jahr bis 18 Jahre
      • 0,3 - 0,5 mg/kg/Tag in 2 - 4 Dosen, max: 30 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: Nur zur kurzzeitigen Verabreichung, max. 5 Tage
  • Intravenös
    • 1 Jahr bis 18 Jahre
      • 0,3 - 0,5 mg/kg/Tag in 2 - 4 Dosen, max: 30 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: Nur zur kurzzeitigen Verabreichung, max. 5 Tage

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
50% der normalen Dosierung.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
50% der normalen Dosierung.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden.
Klinische Konsequenzen

Diese Empfehlung gilt für alle Darreichungsformen.

Bei reduzierter Nierenfunktion ist die Halbwertszeit von Metoclopramid verlängert, wodurch sich das Risiko für Nebenwirkungen erhöht: Extrapyramidale Nebenwirkungen können auftreten, bei Kindern bereits bei therapeutischen Dosen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Extrapyramidale Symptome (akute Dystonie und Dyskinesie, Parkinsonismus, Akathisie) vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder bei hohen Dosierungen.

Schläfrigkeit, Müdigkeit, Obstipation, Diarrhoe und Spätdyskinesie. Des Weiteren wurde insbesondere bei Neugeborenen Methemoglobinämie, die mit einem NADH Cytochrom b5-Reduktasemangel verbunden sein könnte, verzeichnet.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Somnolenz, Depression, extrapyramidale Erkrankungen (besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder wenn die empfohlene Dosis überschritten wird, selbst im Anschluss an die Gabe einer einzigen Dosis des Arzneimittels), Akathisie, Kopfschmerzen, Hypotonie, besonders bei intravenöser Anwendung, Diarrhoe, Asthenie, Überempfindlichkeit, Amenorrhö, Hyperprolaktinämie, Halluzination, Dystonie, (einschließlich Sehstörungen und okulogyre Krise), Dyskinesie, getrübter Bewusstseinszustand, Bradykardie, Tachykardie (insbesondere bei intravenöser Anwendung)

Folgende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Galaktorrhoe, Verwirrtheitszustand, Krämpfe, besonders bei epileptischen Patienten, Schwindel, Angst, Unruhe, Methämoglobinämie, die in Zusammenhang mit NADH Cytochrom-b5-Reduktasemangel stehen kann, besonders bei Neugeborenen, Sulfhämoglobinämie, hauptsächlich bei gleichzeitiger Gabe hoher Dosen von Schwefel freisetzenden Arzneimitteln, Exantheme, anaphylaktische Reaktion (einschließlich anaphylaktischer Schock, insbesondere bei intravenöser Anwendung), Gynäkomastie, Spätdyskinesie, die während oder nach längerer Behandlung besonders bei älteren Patienten auftreten und bestehen bleiben kann, malignes neuroleptisches Syndrom, Herzstillstand, der kurz nach Injektion - möglicherweise im Anschluss an eine Bradykardie - auftritt, atrioventrikulärer Block, Sinusknotenstillstand, insbesondere bei intravenöser Anwendung, QT-Verlängerung im EKG, Torsade de pointes, Schock, Synkope nach Anwendung als Injektion, akute Hypertonie bei Patienten mit Phäochromozytom, vorübergehender Anstieg des Blutdrucks, Xerostomie (in vereinzelten Fällen, besonders bei hochdosiertem Metoclopramid)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

  • Kinder unter einem Jahr
  • Gastrointestinale Blutung, mechanische Obstruktion oder gastrointestinale Perforation, bei denen die Stimulierung der gastrointestinalen Motilität ein Risiko darstellt
  • Durch Neuroleptika oder Metoclopramid hervorgerufene Spätdyskinesie in der Anamnese

Kontraindikationen allgemein

  • Gastrointestinale Blutungen, mechanische Obstruktionen oder gastrointestinale Perforation, bei denen die Stimulierung der gastrointestinalen Motilität ein Risiko darstellt
  • Verdacht auf oder bestätigtes Phäochromozytom aufgrund des Risikos schwerer hypertensiver Episoden
  • Vorgeschichte neuroleptischer oder durch Metoclopramid verursachter Spätdyskinesie
  • Epilepsie (gesteigerte Anfallshäufigkeit und -stärke)
  • Morbus Parkinson, extrapyramidale Bewegungsstörungen
  • Kombination mit Levodopa oder dopaminergen Agonisten
  • Bekannte Vorgeschichte von Methämoglobinämie mit Metoclopramid oder eines NADH-Cytochrom-b5-Reduktasemangel
  • Prolaktinabhängige Tumore (z.B. Mammakarzinom, Hypophysenadenom)

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Kindern ist Metoclopramid aufgrund des hohen Risikos extrapyramidaler Nebenwirkungen nur bei schwerer Übelkeit und Erbrechen bekannter Ursache indiziert, wenn sich die Behandlung mit anderen Mitteln als nicht ausreichend wirksam erwiesen hat oder nicht möglich ist. Es ist zu berücksichtigen, dass extrapyramidale Nebenwirkungen bei therapeutischen Dosen und bei Kindern aller Altersklassen auftreten können, auch wenn extrapyramidale Nebenwirkungen vor allem bei Kindern unter 1 Jahr verzeichnet werden. Extrapyramidale Nebenwirkungen verschwinden meist vollständig nach Beendigung der Therapie. Eine symptomatische Therapie kann erforderlich sein. In Studien waren bei kurzzeitiger Anwendung extrapyramidale Nebenwirkungen von keiner klinischen Relevanz.

Die Notwendigkeit der Verwendung von Metoclopramid bei Kindern muss gegen das Risiko extrapyramidaler Nebenwirkungen sowie die Verfügbarkeit alternativer Arzneimittel abgewogen werden. Aufgrund des Risikos extrapyramidaler Nebenwirkungen wird die orale und rektale Verabreichung zu Hause nicht empfohlen.

Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Einnahmezeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Aufstoßen der Dosis, um eine Überdosierung zu vermeiden. Um das Risiko einer schweren Hypotonie zu reduzieren, muss die intravenöse Verabreichung langsam erfolgen (mindestens über 3 Minuten). Bei Fieber nach oder während der Verwendung von Metoclopramid muss differentialdiagnostisch ein malignes neuroleptisches Syndrom berücksichtigt werden. Bei Methämoglobinämie muss die Behandlung unverzüglich und permanent gestoppt und geeignete Maßnahmen getroffen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Extrapyramidale Erkrankungen können besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder bei der Anwendung hoher Dosierungen auftreten. Diese Reaktionen treten normalerweise zu Beginn der Behandlung auf und können selbst nach nur einer einzigen Gabe auftreten. Metoclopramid muss im Falle extrapyramidaler Symptome unverzüglich abgesetzt werden. Diese Auswirkungen klingen nach dem Absetzen im Allgemeinen vollständig ab, bedürfen aber gegebenenfalls einer symptomatischen Behandlung (Benzodiazepine bei Kindern und/oder anticholinerge Antiparkinsonmittel bei Erwachsenen).
  • Die angegebene Zeitspanne von mindestens 6 Stunden muss zwischen jeder Gabe von Metoclopramid eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen und dem Aufstoßen der Dosis, um eine Überdosierung zu vermeiden.
  • Eine längere Behandlung mit Metoclopramid kann besonders bei älteren Patienten eine Spätdyskinesie verursachen, die irreversibel sein kann. Die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn klinische Anzeichen einer Dyskinesie auftreten.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom wurde für Metoclopramid in Kombination mit Neuroleptika sowie mit Metoclopramid-Monotherapie berichtet. Metoclopramid sollte unverzüglich abgesetzt werden, wenn Symptomen eines malignen neuroleptischen Syndroms auftreten, und eine entsprechende Behandlung muss eingeleitet werden.
  • Besondere Sorgfalt ist erforderlich bei Patienten mit zugrundeliegenden neurologischen Erkrankungen und bei Patienten, die mit zentral wirkenden Arzneimitteln behandelt werden). Ebenfalls können Symptome von Morbus Parkinson durch Metoclopramid verstärkt werden.
  • Es wurde über Methämoglobinämien berichtet, die in Zusammenhang mit einem NADH Cytochrom-b5-Reduktasemangel stehen können. In solchen Fällen muss Metoclopramid unverzüglich und dauerhaft abgesetzt werden und entsprechende Maßnahmen (wie eine Behandlung mit Methylenblau) sind einzuleiten.
  • Es gab Berichte schwerwiegender kardiovaskulärer unerwünschter Wirkungen, einschließlich Fälle von Kreislaufkollaps, schwerwiegender Bradykardie, Herzstillstand und QT-Verlängerung im Anschluss an die parenterale Anwendung von Metoclopramid, insbesondere bei intravenöser Anwendung. Bei der Anwendung von Metoclopramid bei Patienten mit Erregungsleitungsstörungen (einschließlich QT-Verlängerung), Patienten mit nicht korrigiertem Elektrolytungleichgewicht, Bradykardie und bei Patienten, die Arzneimittel einnehmen, von denen bekannt ist, dass sie das QT-Intervall verlängern, ist besondere Vorsicht geboten. Dies gilt insbesondere für die intravenöse Anwendung bei älteren Patienten.
  • Bei Patienten mit einer beeinträchtigten Nierenfunktion oder schweren Leberfunktionsstörungen wird eine Dosisverringerung empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Bateman DN, et al, Dystonic reactions and the pharmacokinetics of metoclopramide in children, Br J Clin Pharmacol, 1983, 15, 557-9
  3. Bolton CM, et al, Randomized, double-blind study comparing the efficacy of moderate-dose metoclopramide and ondansetron for the prophylactic control of postoperative vomiting in children after tonsillectomy, Br J Anaesth, 2007, 99, 699-703
  4. Domino KB, et al, Comparative efficacy and safety of ondansetron, droperidol, and metoclopramide for preventing postoperative nausea and vomiting: a meta-analysis, Anesth Analg, 1999, 88, 1370-9
  5. Roila F, et al, Optimal selection of antiemetics in children receiving cancer chemotherapy, Support Care Cancer., 1998, 6, 215-20
  6. Henzi I, et al, Metoclopramide in the prevention of postoperative nausea and vomiting: a quantitative systematic review of randomized, placebo-controlled studies, Br J Anaesth, 1999, 83, 761-71
  7. Lin DM, et al, A doubleblinded comparison of metoclopramide and droperidol for prevention of emesis following strabismus surgery, Anesthesiology, 1992, 76, 357–361
  8. Sanofi-Aventis Netherlands BV, SPC Primperan RVG 06013/06014, www.cbg-meb.nl, Geraadpleegd 08 april 2014, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h06014.pdf
  9. EMA, METOCLOPRAMIDE: Rapporteur’s Public Paediatric Assessment Report for paediatric studies submitted in accordancewith Article 45 of Regulation (EC) No1901/2006, as amended , www.hma.eu, Nov 2011, Geraadpleegd 13 maart 2013, http://www.hma.eu/fileadmin/dateien/Human_Medicines/CMD_h_/Paediatric_Regulation/Assessment_Reports/Article_45_work-sharing/Metoclopramid_Art.45_PdAR_Update.pdf
  10. G.L. Pharma, SmPC Ceolat 1 mg/ml Lösung zum Einnehmen (135599), aufgerufen am 20.08.2021, https://aspregister.basg.gv.at/
  11. Mylan, Paspertin 10 mg Ampullen (13762), aufgerufen am 20.08.2021, https://aspregister.basg.gv.at/

Änderungsverzeichnis

  • 06 Oktober 2021 12:05: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung