Pimecrolimus (kutan)

Wirkstoff
Pimecrolimus (kutan)
Handelsname
Elidel®
ATC-Code
D11AH02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Atopisches Ekzem
    • Kutan
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Creme 10 mg/g

Allgemein

Pimecrolimus liegt in der im Handel befindlichen Creme in der Reinform vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich demnach auf Pimecrolimus.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
ELIDEL® Creme 10 mg/g Propylenglykol, Benzylalkohol, Cetylalkohol, Stearylalkohol

Die Fachinformationen wurden 10/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Pimecrolimus ist ein lipophiles Macrolaktam-Derivat von Ascomycin mit antiinflammatorischen Eigenschaften. Es ist ein zellselektiver Inhibitor der Produktion und Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen. Pimecrolimus bindet mit hoher Affinität an Macrophilin-12 und inhibiert die calciumabhängige Phosphatase Calcineurin. Als Folge wird die Synthese von inflammatorischen Zytokinen in T-Zellen blockiert.

Pharmakokinetik

Die Resorption von topischem Pimecrolimus ist - unabhängig von der behandelten Körperoberfläche (KOF) und der Behandlungsdauer - gering (Staab et al. 2005, Lakhanpaul et al. 2006). Die Blutspiegel von 58 Kindern (3 Monate bis 14 Jahre mit einer betroffenen KOF von 10-92 %), die zweimal täglich mit Pimecrolimus-Creme 1 % behandelt wurden, lagen bei 60 % dieser Patient*innengruppe <0,5 ng/ml und bei 97 % <2 ng/ml, ähnlich wie bei Erwachsenen (max. 2 ng/ml). Bei Säuglingen und Kleinkindern (3 bis 23 Monate) lag der höchste gemessene Blutspiegel bei 2,6 ng/ml (SmPC Elidel 10 mg/g, Meda Pharma 10/2018, Lakhanpaul et al. 2006, Staab et al. 2005, Allen et al. 2003).

Dosierungen

Atopisches Ekzem
  • Kutan
    • 3 Monate bis 18 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [8] [9] [10] [11] [14]
      • 2x täglich dünn auf die erkrankte Haut auftragen.
        Sanft und vollständig einreiben.

      • Behandlungsdauer:

        Die Behandlung fortsetzen, bis das Ekzem abgeklungen ist. Wenn 6 Wochen nach Behandlungsbeginn keine Verbesserung eintritt oder Exazerbationen auftreten, muss Pimecrolimus abgesetzt werden.

        Pimecrolimus (kutan) sollte nur zur Kurzzeitbehandlung und zur intermittierenden Langzeitbehandlung verwendet werden, um das Auftreten von akuten Schüben zu verhindern.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANDERE DERMATIKA

Mittel zur Behandlung der Dermatitis, exkl. Corticosteroide

Dupilumab

Dupixent®
D11AH05

Tacrolimus (kutan)

Protopic®, Generika
D11AH01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Die bedeutendsten Nebenwirkungen waren vorübergehendes leichtes bis mäßiges Brennen, trockene Haut und mäßiger Juckreiz an der Applikationsstelle (Allen et al. 2003, Wollenberg et al. 2020).

Im Gegensatz zu topischen Corticosteroiden birgt die Langzeitanwendung von Pimecrolimus nicht das Risiko einer Hautatrophie, einer Beeinträchtigung der epidermalen Barrierefunktion oder einer verstärkten perkutanen Resorption und eignet sich daher besonders für die Behandlung empfindlicher Hautbereiche (Luger et al. 2015).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Brennen an der Applikationsstelle, Hautinfektionen (Follikulitis), Hautreaktionen an der Applikationsstelle (Reizungen, Juckreiz und Erytheme), Molluscum contagiosum, Furunkel, Impetigo, Herpes simplex, Herpes zoster, Herpes simplex dermatitis (Eczema herpeticatum), Papillome der Haut und ein sich verschlechterndes Krankheitsbild, Reaktionen an der Applikationsstelle (Hautausschlag, Schmerz, Parästhesie, Schuppenbildung der Haut, Austrocknung, Ödeme)

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
Anaphylaktische Reaktionen, einschließlich schwerer Formen, Angioödem, kutane und andere Lymphome sowie Hautkrebs

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegenüber anderen Makrolaktamen

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Im Jahr 2006 erfolgte eine Black-Box-Warnung der FDA zu den topischen Calcineurin-Inhibitoren, wonach die Sicherheit bei Langzeitanwendung nicht erwiesen wäre und warnte vor einem theoretisch erhöhten Risiko für Lymphome und bösartige Hauterkrankungen.
Auf Grundlage der Überprüfung aktueller Erkenntnisse (Kurz- und Langzeitstudien), die mehr als 4000 Kleinkinder (<2 Jahre) einschließen, sind diese Sicherheitsbedenken heute nicht mehr gerechtfertigt. Studien weisen darauf hin, dass Pimecrolimus eine sichere und wirksame Alternative zu topischen Corticosteroiden bei Säuglingen ab 3 Monaten ist (Luger et al. 2021).
Bei Kindern unter Pimecrolimus-Therapie wurden keine deutlich erhöhten Lymphom Raten festgestellt (Castellsague et al. 2018).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • UV-Strahlung: Auf einen angemessenen Sonnenschutz, wie eine Minimierung der Aufenthaltszeit in der Sonne, Benutzung von Sonnenschutzprodukten und Bedeckung der Haut mit entsprechender Kleidung ist während der Therapie zu achten.
  • Pimecrolimus soll nicht bei Patienten mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche angewendet werden oder bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie.
  • Der Langzeiteffekt auf die lokale Immunantwort der Haut und auf die Inzidenz von malignen Hautveränderungen ist nicht bekannt. Pimecrolimus sollte nicht auf potenziell maligne oder prämaligne Hautläsionen aufgetragen werden.
  • Pimecrolimus darf nicht auf Bereiche aufgetragen werden, die von akuten viralen Hautinfektionen betroffen sind (z. B. Herpes simplex, Windpocken).
  • Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Behandlung des klinisch infizierten atopischen Ekzems mit Pimecrolimus wurde nicht evaluiert. Bevor die Behandlung begonnen wird, sollten klinische Infektionen der betroffenen Stellen abgeklungen sein.
  • Patienten mit atopischem Ekzem sind anfällig gegenüber oberflächlichen Hautinfektionen wie Eczema herpeticatum (Kaposi’s varicelliforme Eruption). Eine Behandlung mit Pimecrolimus kann deshalb mit einem erhöhten Risiko für eine Herpes-simplex-Infektion oder ein Eczema herpeticatum einhergehen (erkennbar an einer schnellen Ausbreitung von bläschenartigen und erosiven Läsionen). Bei Auftreten einer Herpes-simplex-Infektion sollte an der betroffenen Stelle die Behandlung mit Pimecrolimus nicht fortgesetzt werden, bis die virale Infektion abgeklungen ist.
  • Bei Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis kann das Risiko für bakterielle Hautinfektionen (Impetigo) während der Behandlung mit Pimecrolimus erhöht sein.

  • Der Kontakt mit Augen und Schleimhäuten muss vermieden werden. Bei versehentlicher Anwendung an diesen Bereichen muss die Creme sorgfältig abgewischt und/oder mit Wasser abgewaschen werden.

  • Die Anwendung unter Okklusion wurde an Patienten nicht untersucht. Okklusionsverbände werden nicht empfohlen.

  • Bei Patienten mit stark entzündeter und/oder beschädigter Haut können die systemischen Konzentrationen höher sein.

  • Aufgrund der minimalen Resorption ist bei einer Impfung eine mögliche systemische Interaktion unwahrscheinlich. Diese Interaktion wurde jedoch nicht untersucht. Daher wird bei Patienten mit ausgedehnter Erkrankung empfohlen, Impfungen während behandlungsfreier Intervalle durchzuführen.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Alkohol Gesichtsröte und Hautausschlag kann auftreten Kombination vermeiden

 

  • Pimecrolimus wird ausschließlich durch CYP 3A4 metabolisiert. Unter Berücksichtigung des minimalen Ausmaßes der Resorption sind Wechselwirkungen mit systemisch angewandten Arzneimitteln unwahrscheinlich.
  • Rückfettende Pflegepräparate können unmittelbar nach der Anwendung von Pimecrolimus-haltiger Creme verwendet werden.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Novartis Pharma BV, SPC Elidel RVG 28742, www.cbg-meb.nl, Geraadpleegd 02 juli 2010, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h28742.pdf
  2. CBO, Richtlijn Constitutioneel Eczeem [Leitlinie Atopische Dermatitis], www.cbo.nl, März 2015
  3. MEDA Pharma GmbH & Co. KG, SmPC, Elidel® 10 mg/g Creme (54804.00.00), 11/21
  4. Meda, SmPC Elidel 10 mg/g Creme (1-24689), 10/2018
  5. Werfel, T, et al., S2k guideline on diagnosis and treatment of atopic dermatitis - short version, Allergo Journal International, 2016, 25, 82–95
  6. Staab, D., et al., Treatment of infants with atopic eczema with pimecrolimus cream 1% improves parents' quality of life: a multicenter, randomized trial. , Pediatr Allergy Immunol, 2005, 16(6), 527-33
  7. Lakhanpaul, M., et al., Low systemic exposure in infants with atopic dermatitis in a 1-year pharmacokinetic study with pimecrolimus cream 1%*, Exp Dermatol, 2006, 15(2), 138-41
  8. Schneider, L., et al., Study of the Atopic March: Development of Atopic Comorbidities. , Pediatr Dermatol, 2016, 33(4), 388-98
  9. Wollenberg, A., et al., Consensus-based European guidelines for treatment of atopic eczema (atopic dermatitis) in adults and children: part I., J Eur Acad Dermatol Venereol, 2018, 32(5), 657-682
  10. Breuer, K., et al., Influence of pimecrolimus cream 1% on different morphological signs of eczema in infants with atopic dermatitis. , Dermatology, 2004, 209(4), 314-20
  11. Staab, D., et al., Low systemic absorption and good tolerability of pimecrolimus, administered as 1% cream (Elidel) in infants with atopic dermatitis--a multicenter, 3-week, open-label study. , Pediatr Dermatol, 2005, 22(5), 465-71
  12. Allen, B.R., et al., Systemic exposure, tolerability, and efficacy of pimecrolimus cream 1% in atopic dermatitis patients., Arch Dis Child, 2003, 88(11), 969-73
  13. Castellsague, J., et al., A cohort study on the risk of lymphoma and skin cancer in users of topical tacrolimus, pimecrolimus, and corticosteroids (Joint European Longitudinal Lymphoma and Skin Cancer Evaluation - JOELLE study). , Clin Epidemiol, 2008, 10, 299-310
  14. Luger, T., et al., Unmet medical needs in the treatment of atopic dermatitis in infants: An Expert consensus on safety and efficacy of pimecrolimus., Pediatr Allergy Immunol, 2021, 32(3), 414-424

Änderungsverzeichnis

  • 20 Mai 2022 09:45: Die wissenschaftliche Literatur über die Anwendung von Pimecrolimus bei Kindern wurde ausgewertet. Dies führte zur Ergänzung von PK-Daten, neuen Warnhinweisen und UAW bei Kindern. Zudem wurde die untere Altersgrenze der Dosierungen von 2 Jahren auf 3 Monate herabgesetzt.
  • 30 Dezember 2020 13:08: Neue Monographie "Pimecrolimus"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung