Desmopressin

Wirkstoff
Desmopressin
Handelsname
Minirin®, Octostim®, diverse Generika
ATC-Code
H01BA02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern < 18 Jahren:

  • Diagnose des Diabetes insipidus
    • Intramuskulär
      • On-label
  • Diabetes insipidus
    • Intravenös
      • On-label
    • Nasal
      • On-label
        • Initialdosis laut Fachinformation bei Kleinkindern und Säuglingen: 1 microg.
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
        • Initialdosis laut Fachinformation: 3x 200 microg.
    • Sublingual
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
        • Initialdosis <180 microg./Tag in 3 Einzeldosen: Off-label
    • Subkutan
      • Off-label
  • Enuresis nocturna
    • Oral
      • <5 Jahre: Off-label
      • ≥5 Jahre: On-label
    • Sublingual
      • <5 Jahre: Off-label
      • ≥5 Jahre: On-label
  • Behandlung leichter bis mittelschwerer Blutungen und Prävention von Blutungen bei kleineren Eingriffen bei leichter Hämophilie A und dem Von-Willebrand-Syndrom
    • Intravenös
      • Prävention: On-label
      • Behandlung: Off-label
    • Nasal
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Zugelassen für Diabetes insipidus, Enuresis nocturna-Behandlung oder Nykturie:
Tabletten 0,1 mg, 0,2 mg
Lyophilisat zum Einnehmen 60 microg., 120 microg.
Lösung zur intranasalen Anwendung 0,1 mg/ml
Nasenspray 0,1 mg/ml (1 Sprühstoß = 10 microg. Desmopressinacetat)
(Minirin®, Nocutil®)

Darüber hinaus zugelassen bei Hämophilie A/Von-Willebrand-Syndrom:

Ampullen 4 microg./ml zur Infusion/Injektion
(Minirin®)

Ausschließlich bei Hämophilie A/Von-Willebrand-Syndrom zugelassen:

Ampullen 15 microg./ml zur Infusion/Injektion
Nasenspray 1,5 mg/ml (1 Sprühstoß = 150 microg. Desmopressinacetat)
(Octostim®)

Allgemein

Das Antidiuretikum Desmopressin ist ein synthetisches Strukturanalogon des Hypophysenhinterlappenhormons Arginin-Vasopressin (ADH).

Die Lösung zur intranasalen Anwendung 0,1 mg/ml kann, um bei Säuglingen und Kleinkindern ein geeignetes Applikationsvolumen zu erreichen, vorher mit isotoner Kochsalzlösung verdünnt werden (z.B.: 0,1 ml einer 1:10 Verdünnung entsprechen 1 microg. Desmopressin).

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
MINIRIN® Nasenspray 0,1 mg/ml Benzalkoniumchlorid
MINIRIN® Tabletten 0,1 mg, 0,2 mg Lactose
NOCUTIL® Nasenspray 0,1 mg/ml Benzalkoniumchlorid
Nocutil® Tabletten 0,1 mg, 0,2 mg Lactose
Octostim® Nasalspray 1,5 mg/ml Benzalkoniumchlorid

 

Die Fachinformationen wurden 02/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Das Antidiuretikum Desmopressin ist ein synthetisches Strukturanalogon des Hypophysenhinterlappenhormons Adiuretin (Vasopressin) mit gesteigerter antidiuretischer Wirkung. Die Substanz ist ein Vasopressin-2-Rezeptor-Agonist und hemmt dadurch die Ausscheidung von Harn, während die vasopressorische Wirkung und damit der Einfluss auf den Blutdruck vernachlässigbar ist. Weiterhin steigert Desmopressin die endogen vorhandene Freisetzung von Faktor VIII und des Von-Willebrand-Faktors und fördert so die Hämostase.

Pharmakokinetik

Keine Information

Dosierungen

Gehe zu:

Behandlung leichter bis mittelschwerer Blutungen und Prävention von Blutungen bei kleineren Eingriffen bei leichter Hämophilie A und dem Von-Willebrand-Syndrom
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [14]
      • 0,3 microg./kg/Dosis, einmalig.
        • Je nach Puls und Blutdruck über 30 Minuten verabreichen. Bei Bedarf nach 12-24 Stunden wiederholen.
        • An Kinder unter 3 Jahren ausschließlich unter klinischer Beobachtung über 24 Stunden verabreichen.
        • Behandlung nach Rücksprache mit dem Hämatologen
        • Vor der Verwendung in dieser Indikation soll ein Desmopressin-Test mittels Kurzinfusion durchgeführt werden, um festzustellen, ob der Patient mit leichter bis mittelschwerer Hämophilie eine adäquate Steigerung des Faktor VIII zeigt und keine übermäßigen Nebenwirkungen hat. Der Faktor VIII Spiegel soll nach Gabe von Desmopressin um etwa das 3-4-fache ansteigen (siehe auch unter Warnhinweise)
  • Nasal
    • 20 bis 40 kg
      • 150 microg./Dosis, einmalig.
      • 1 Sprühstoß pro Nasenloch. Bei Bedarf nach 12-24 Stunden wiederholen.

    • ≥ 40 kg
      • 300 microg./Dosis, einmalig.
      • 1 Sprühstoß pro Nasenloch. Bei Bedarf nach 12-24 Stunden wiederholen.

Enuresis nocturna
  • Oral
    • 5 Jahre bis 18 Jahre
      [12]
      • 1-2 Stunden vor dem Zubettgehen 0,2 mg/Tag in 1 Dosis, max: 0,4 mg/Tag.
      • Bei Kindern unter 12 Jahren nur zur Überbrückung kurzer spezifischer Phasen einsetzen, in denen die Enuresis eine schwere Beeinträchtigung darstellt, wie z.B. bei Schulausflügen und Übernachtungen. Bei älteren Kindern sollte die Behandlung alle 3 Monate für 1 Woche unterbrochen werden, um festzustellen, ob die Behandlung noch indiziert ist.

  • Sublingual
    • 5 Jahre bis 18 Jahre
      [13]
      • Unmittelbar vor dem Zubettgehen 120 microg./Tag in 1 Dosis, max: 240 microg./Tag.
      • Bei Kindern unter 12 Jahren nur zur Überbrückung kurzer spezifischer Phasen einsetzen, in denen die Enuresis eine schwere Beeinträchtigung darstellt, wie z.B. bei Schulausflügen und Übernachtungen. Bei älteren Kindern sollte die Behandlung alle 3 Monate für 1 Woche unterbrochen werden, um festzustellen, ob die Behandlung noch indiziert ist.

Diabetes insipidus
  • Oral
    • 1 Jahr bis 12 Jahre
      [12]
      • Initialdosis: 25 - 50 microg./Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Dosierung je nach klinischem Ansprechen anpassen auf  100 - 600 microg./Tag in 2 - 3 Dosen, max: 1.200 microg./Tag.
      • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen

    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      • Initialdosis: 50 - 100 microg./Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Dosierung je nach klinischem Ansprechen anpassen auf 200 - 600 microg./Tag in 2 - 3 Dosen, max: 1.200 microg./Tag.
      • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen

  • Sublingual
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [13]
      • Initialdosis: 60 - 180 microg./Tag in 1 - 3 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Dosierung je nach klinischem Ansprechen anpassen auf 180 - 360 microg./Tag in 1 - 3 Dosen, max: 720 microg./Tag.
      • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen

  • Nasal
    • 1 Monat bis 2 Jahre
      [10]
      • Eine Testdosis verabreichen von 1 - 2,5 microg./Dosis, einmalig. danach je nach Volumen der Harnproduktion innerhalb von 24 Stunden sowie nach der Urin-Osmolalität anpassen.
      • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen

    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [10]
      • Eine Testdosis verabreichen in Höhe von 5 microg./Dosis, einmalig. danach je nach Volumen der Harnproduktion innerhalb von 24 Stunden sowie nach der Urin-Osmolalität anpassen.
      • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen

  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • Initialdosis: 0,005 - 0,01 microg./kg/Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Dosierung je nach klinischem Ansprechen anpassen auf 0,4 microg./Tag in 1 - 2 Dosen.
        • Ausschließlich, wenn die nasale Verabreichung nicht möglich ist. 
        • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen
  • Subkutan
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • Initialdosis: 0,005 microg./kg/Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Dosierung je nach klinischem Ansprechen um Schritte von 50% anpassen auf 0,4 microg./Tag in 1 - 2 Dosen.
        • Ausschließlich, wenn die nasale Verabreichung nicht möglich ist. 
        • Dosierung nach Rücksprache mit dem Endokrinologen/Nephrologen
Als Diagnostikum zur Differentialdiagnose des Diabetes insipidus
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 1 Jahr
      [8] [16]
      • 0,4 microg./Dosis, einmalig.
    • 1 Jahr bis 18 Jahre
      [8] [16]
      • 1 - 2 microg./Dosis, einmalig.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Bei Kindern kann in Kombination mit starker Flüssigkeitszufuhr eine sehr schwere Hyponatriämie entstehen, die zu Konvulsionen, Koma und Tod führen kann. Eine Hyponatriämie bei Kindern wird häufig in Zusammenhang mit einer Änderung der täglichen Routine und/oder Schwitzen gebracht.

Perorale Anwendung:

Häufig (>1 %): Kopfschmerzen, Blasen- und Harnröhrensymptome

Gelegentlich (0,1-1 %): Affektlabilität, Aggression, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Reizbarkeit, periphere Ödeme, Müdigkeit.

Selten (<0,1 %): Angstzustände, Alpträume, Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit, Hypertension

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit: Anaphylaktische Reaktionen, Hyponatriämie, abnormes Verhalten, emotionale Störungen, Depressionen, Halluzinationen, Insomnie, Aufmerksamkeitsstörungen, psychomotorische Hyperaktivität, Konvulsionen, Nasenbluten, allergische Dermatitis, Ausschlag, Schwitzen, Urtikaria.

Bei nasaler Anwendung vor allem bei Kindern und Jugendlichen beobachtet:

Sehr häufig (>10%): Erhöhte Körpertemperatur.

Häufig (>1 %): Schlafstörungen, Affektlabilität, Alpträume, Nervosität, Aggression, Infektionen der oberen Atemwege

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Bei i.v., i.m., s.c. Anwendung: Konjunktivitis, Asthenie, nasale Kongestion, Epistaxis, Rhinitis, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, abdominale Krämpfe, Erbrechen, Müdigkeit, vorübergehende Tachykardie, Gesichtsrötung, Flush, Schmerzen oder Schwellung an der Injektionsstelle, Schwindel, allergische Reaktionen auf den Wirkstoff

Bei p.o. Anwendung: Kopfschmerzen, Hyponatriämie, Schwindel, Hypertonie, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Blasen- und Harnröhrensymptome, Ödeme, Müdigkeit

Bei nasaler Anwendung: Nasale Kongestion, Rhinitis, erhöhte Körpertemperatur, Schlafstörungen, Affektlabilität, Albträume, Nervosität, Aggression, Kopfschmerzen, Konjunktivitis, Epistaxis, Infektionen der oberen Atemwege, Gastroenteritis, Übelkeit, abdominale Krämpfe, Tachykardie, Hitzewallung

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Bei Kindern unter 3 Jahren ist die Verabreichung in Verbindung mit dem Risiko einer Hyperhydration relativ kontraindiziert.

Kontraindikationen

Minirin:

  • Habituelle oder psychogene Polydipsie (mit einer Urinproduktion von mehr als 40 ml/kg/24 Std).
  • Bekannte Herzinsuffizienz oder Verdacht auf Herzinsuffizienz sowie andere Zustände, die eine Therapie mit Diuretika erforderlich machen
  • Bereits bestehende Hyponatriämie
  • Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
  • Behandlung mit Diuretika
  • Mäßig starke bis schwere Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min).
  • Willebrand-Jürgens-Syndrom (Subtyp IIb).
  • Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP)

Octostim:

  • Habituelle oder psychogene Polydipsie
  • Instabile Angina pectoris, Herzinsuffizienz
  • Bekannte Hyponatriämie
  • von-Willebrand-Jürgens-Syndrom Subtyp IIb bzw. Faktor VIII Strukturanomalien (Desmopressin kann in diesen Fällen Thrombozytenaggregation und Thrombozytopenie hervorrufen)
  • Schwere Formen von von-Willebrand-Jürgens-Syndrom Subtyp I
  • Hämophilie B oder Vorliegen von Faktor VIII Antikörpern

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Für die Indikation Hämophilie A/vWD sollte aufgrund der hohen Dosen bei Kleinkindern unter 20 kg Desmopressin ausschließlich intravenös verabreicht werden. Vor allem bei Kleinkindern ist neben Tachykardie und Flushes die Gefahr einer Hyperhydration zu berücksichtigen, weshalb in den 12 Stunden nach der Verabreichung von Desmopressin eine strenge Beschränkung der Flüssigkeitszufuhr gilt. Aus diesen Gründen wird in vielen Hämophilie-Behandlungszentren Desmopressin nicht an Kinder unter 3 Jahren verabreicht und bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren nur mit Vorsicht und unter strenger Observanz hinsichtlich Trinkmenge und Ausscheidung (Pabinger 2015). Angesichts des Risikos schwerer Nebenwirkungen (Konvulsionen, Koma infolge von Hyponatriämie) wird empfohlen, Wirkung und Nebenwirkungen bei Verabreichung von Desmopressin an Kleinkinder mit einem Gewicht unter 20 kg stationär zu beobachten, wobei das Serum-Natrium bis 24 Stunden nach der Verabreichung zu kontrollieren ist. Vor allem bei Kleinkindern oder wiederholter Verabreichung muss die Bildung einer Hyponatriämie durch die antidiuretische Wirkung von Desmopressin berücksichtigt werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die die Freisetzung von ADH stören, wie trizyklischen Antidepressiva, SSRIs, Chlorpromazin, Loperamid und Carbamazepin, besteht ein erhöhtes Risiko einer Wasserintoxikation. Hyponatriämie kann auch bei gleichzeitiger Anwendung von NSAIDs auftreten.

Die Auswirkung der Verabreichung von Desmopressin auf die Blutgerinnung unterliegt einer starken inter-individuellen Variabilität, auf intra-individueller Ebene ist das Ansprechen konstant. Es wird empfohlen, eine Testdosis zu verabreichen und die Wirkung dieser Verabreichung auf die Faktor VIII Plasmakonzentration VWF:RCo und VWG:Ag, die Thrombozytenmenge und eventuell den PFA100 zu bestimmen, sowie die Verträglichkeit beim individuellen Patienten zu dokumentieren (Desmopressin-Test). Desmopressin wirkt nicht bei schwerer Hämophilie A, allen Formen von Hämophilie B und beim von-Willebrand-Jürgens-Syndrom Typ 3.

Der renale Konzentrationstest bei Säuglingen ist ausschließlich bei strikter Indikation und stationär auszuführen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Besondere Aufmerksamkeit ist dem Risiko der Flüssigkeitsretention zu widmen. Wasserintoxikation und Hyponatriämie sind durch reduzierte Wasseraufnahme vermeidbar. Eine mögliche Flüssigkeitsretention kann durch eine Gewichtskontrolle bzw. durch Messung des Plasma-Natriumspiegels bzw. der Plasma-Osmolalität überprüft werden. Warnende Anzeichen und Symptome einer Wasserretention und/oder Hyponatriämie: Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen und Gewichtszunahme. In schweren Fällen Hirnödem, teilweise verbunden mit Krampfanfällen und/oder Bewusstseinseinschränkungen bis hin zum Bewusstseinsverlust. In diesem Fall ist sofort die Flüssigkeitszufuhr zu stoppen und weitere Desmopressin Gaben zu vermeiden.
  • Mit besonderer Vorsicht anzuwenden bei Patienten mit cystischer Fibrose, Erkrankungen, die eine Behandlung mit Diuretika erfordern, Hypertonie, chronischem Nierenleiden, Pre-Eklampsie, Patienten mit Risiko für die Erhöhung des intrakraniellen Drucks oder mit Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts und Thromboseneigung.
  • Patienten mit niedrigem Natriumspiegel können ein erhöhtes Risiko für eine Hyponatriämie haben.
  • Bei der Behandlung der primären Enuresis nocturna muss die Flüssigkeitsaufnahme 1 Stunde vor Einnahme von Desmopressin bis zum nächsten Morgen auf ein Minimum beschränkt werden, da es sonst zu einer Wasserretention und/oder Hyponatriämie kommen kann.
  • Bei Gastroenteritis, Erbrechen, Durchfall, systemischen Infektionen und Fieber ist die Anwendung von Desmopressin solange zu unterbrechen, bis sich der Flüssigkeitshaushalt wieder normalisiert hat.
  • Organische Ursachen für eine Polyurie oder gesteigerte Miktionsrate oder Nykturie wie Harnwegsinfekte, Blasensteine bzw. –Tumore, Störungen des Blasensphinkters, Polydipsie oder unzureichend behandelter Diabetes mellitus sollten ausgeschlossen oder entsprechend behandelt werden.
  • Jede Nebennieren- oder Schilddrüseninsuffizienz muss vor Beginn der Desmopressintherapie behandelt werden.
  • Die Behandlung bei Enuresis nocturna mit Desmopressin darf nur bei Patienten mit normalem Blutdruck angewendet werden.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Elimination von Desmopressin verzögert, daher sind geringere Dosen erforderlich.
  • Desmopressin ist wirkungslos bei renalem Diabetes insipidus.
    Bei intranasaler Anwendung können Veränderungen der nasalen Mucosa wie Vernarbungen, Ödeme oder andere Erkrankungen zu unregelmäßiger, unverlässlicher Resorption führen. In diesen Fällen soll auf eine andere Darreichungsform zurückgegriffen werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Tolvaptan kann die antikoagulatorische Wirkung von Desmopressin beeinträchtigen, da es vaskuläre Vesopressin-V2-Rezeptoren hemmt.
  • NSAIDs (nicht steroidale Antirheumatika) können eine Wasserretention und Hyponatriämie verursachen.
  • Substanzen, von denen bekannt ist, dass sie SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) hervorrufen, wie Trizyklische Antidepressiva, SSRIs, Chlorpromazin und Carbamazepin können einen zusätzlichen antiuídiuretischen Effekt auslösen und damit eine Wasserretention und Hyponatriämie verursachen
  • Gleichzeitige Verwendung von Indometacin kann die Wirkungsstärke, nicht die Wirkdauer erhöhen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Nederlandse Vereniging van Hemofiliebehandelaars (NVHB) [Niederländische Vereinigung der Hämophiliebehandler (NVHB)], Richtlijn Diagnostiek en behandeling van hemofilie en aanverwante stoornissen [Leitlinie zur Diagnose und Behandlung von Hämophilie und verwandten Erkrankungen], 2009, ISBN: 978-90-8523-195-0, 171-175
  3. Ferring BV, SmPC Minrin tablet (RVG 12625) 12 maart 2014
  4. Ferring BV, SmPC Desmopressine Melt (RVG 116910) 16-02-2016
  5. Ferring BV, SmPC Minrin neusspray (RVG 18923) 07-03-2014
  6. Ferring BV, SmPC Minrin IV (RVG 08868) 05-09-2016, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  7. Bruin de, C en Vries de, MC, Protocol diagnostiek en behandeling van centrale Diabetes Insipidus ZW NL [Protokoll zur Diagnostik und Behandlung des zentralen Diabetes insipidus], 23 okt 2017
  8. Ferring, SmPC Minirin Amp. (1-19335), 03/2014
  9. Ferring, SmPC Octostim 15 microg.-ml Amp. (1-22011), 06/2014
  10. Ferring, SmPC Minirin Lsg. z. intranasalen Anw. (15400), 11/2013
  11. Ferring, SmPC Octostim 1,5 mg-ml Nasalspray (1-22010), 04/2014
  12. Ferring, SmPC Minirin 0,1 mg Tbl. (1-19334), 06/2014
  13. Ferring, SmPC Minirin Melt 60 microg. Lyophilisat z. Einn. (1-26410), 02/2019
  14. Pabinger, et al., Hämophiliebehandlung in Österreich, Wien Klin Wochenschr, 2015, 127 (Suppl 3), 115–S130
  15. Blumenfeld, JD, et al, Tolvaptan inhibition of desmopressin effects on coagulation factors in a patient with decreased von Willebrand factor and polycystic kidney disease, Blood, 2011, 118(2), 474-476 (für Wechselwirkungen)
  16. Ferring , SmPC Minirin-Amp (1-19335) , 03-2014

Änderungsverzeichnis

  • 24 Juli 2020 10:37: Neue Monographie "Desmopressin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung