Indometacin

Wirkstoff
Indometacin
Handelsname
Indocid®
ATC-Code
M01AB01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Schmerzbehandlung (einschließlich Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA))
    • Oral, schnellfreisetzend
      • Off-label; juvenile Polyarthritis ≥ 2 Jahre: On-label
         
  • Verschluss des Ductus arteriosus
    • Intravenös
      • kein Präparat in Österreich zugelassen

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Zur Behandlung aktivierter Stadien von Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, juveniler Arthritis, Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew), Arthrosen, Gicht, rheumatische Erkrankungen der Weichteile wie Bursitis, Tendinitis, Synovitis, Tendovaginitis, Periarthritis der Schulter, schmerzhaften Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen, Schmerzen und Symptome der Dysmenorrhoe bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 2 Jahren

Zur Behandlung der juvenilen Polyarthritis bei Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahren

Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in den anderen Indikationen wurde bei Kindern und Jugendlichen nicht untersucht. Daher wird die Anwendung bei Patienten unter 18 Jahren nicht empfohlen.

Oral, schnellfreisetzend:

Zur Behandlung der juvenilen Polyarthritis bei Kindern und Jugendlichen ab 2 Jahren: Dosierung: tägliche Anfangsdosis 1-2 mg/kg Körpergewicht, aufgeteilt auf 2 bis 3 Gaben, falls erforderlich, wöchentlich bis auf maximal 3 mg/kg Körpergewicht pro Tag stiegern. Eine Maximaldosis von 150 bis 200 mg pro Tag oder 3 mg/kg Körpergewicht pro Tag (je nachdem, welches die niedrigere Dosis ist) soll nicht überschritten werden. Mit Besserung der Symptomatik sollte die Dosis auf die niedrigste zur Kontrolle der Symptome notwendige Dosis reduziert oder Indometacin abgesetzt werden.

Kleinkinder unter 2 Jahre: Die sichere Anwendung ist nicht erwiesen und wird daher nicht empfohlen. 

Dosierungen für Erwachsene: s. FI

(Indocid Kapseln 25 mg)

Oral, retardierte Freisetzung: Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Indometacin retard Kapseln wurde bei Kindern und Jugendlichen nicht untersucht. Daher wird die Anwendung bei Patienten unter 18 Jahren nicht empfohlen (SmPC Indocid retard Kapseln)

 

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Kapseln 25 mg
Kapseln retard 75 mg*
intravenöse Anwendung: In Österreich steht kein Präparat zur Verfügung 

*Die Anwendung der retard Kapseln wird vom Hersteller bei Patient*innen unter 18 Jahren nicht empfohlen. Für Kinder und Jugendliche steht eine schnellfreisetzende Formulierung zur Verfügung.

Anwendungshinweis:

Die Kapseln sind zu oder nach einer Mahlzeit einzunehmen, um das Risiko für gastrointestinale Beschwerden zu minimieren.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die verfügbaren schnellfreisetzenden Kapseln enthalten: Lactose Monohydrat

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Indometacin ist ein hochwirksames nichtsteroidales Antiphlogistikum mit ausgeprägten analgetischen, antiphlogistischen und antipyretischen Eigenschaften. Es erweist sich über die Prostaglandinsynthesehemmung als wirksam und reduziert entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber. Ferner hemmt Indometacin die ADP-induzierte Plättchenaggregation.

Pharmakokinetik

Es liegen ausschließlich pharmakokinetische Daten von Kindern mit offenem Ductus arteriosus vor. Ein offener Ductus arteriosus führt zu Veränderungen der physiologischen Parameter sowie der Leber- und Nierendurchblutung. Daher sind diese Daten nicht repräsentativ für Kinder mit gesundem kardiovaskulärem System.

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden bei Frühgeborenen im Gestationsalter von 23 - 34 Wochen (n=189) mit offenem Ductus arteriosus ermittelt:

Parameter Mittelwert Referenzen
T1/2 16-36 Stunden Thalji 1980, Yaffe 1980, Gal 1993, Sharma 2003, Al Za'abi 2007
Cl 8-19 (ml/kg/Stunde) Thalji 1980, Gal 1993, Al Za'abi 2007
Vd vor Verschluss des Ductus arteriosus 220-530 (ml/kg) Gal 1991, Gal 1993
Vd nach Verschluss des Ductus arteriosus 100-580 (ml/kg) Gal 1991, Gal 1993

 

Dosierungen

Schmerzbehandlung (einschließlich Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA))
  • Oral
    • Normales Präparat (keine modifizierte oder retardierte Wirkstofffreisetzung)
      • 2 Jahre bis 18 Jahre
        [2] [4]
        • 1 - 2 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Max: 150 mg/Tag.
Verschluss des Ductus arteriosus
  • Intravenös
    • Postnatales Alter < 2 Tage
      [1] [3]
      • Initialdosis: 0,2 mg/kg/Tag, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 0,1 mg/kg/Dosis 2 Dosen mit zeitlichem Intervall von 12-24 h.
    • Postnatales Alter 2 Tage bis 7 Tage
      [1] [3]
      • Initialdosis: 0,2 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 0,2 mg/kg/Dosis 2 Dosen mit zeitlichem Intervall von 12-24 h.
    • Postnatales Alter ≥ 7 Tage
      [1] [4]
      • Initialdosis: 0,2 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 0,25 mg/kg/Dosis 2 Dosen mit zeitlichem Intervall von 12-24 h.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Es sollte abgewogen werden, ob der Einsatz eines NSAIDs gerechtfertigt ist.
Falls Indometacin bei Kindern mit Risikofaktoren verschrieben wird: Nierenfunktion vor sowie innerhalb 1 Woche nach Behandlungsbeginn überprüfen.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Es sollte abgewogen werden, ob der Einsatz eines NSAIDs gerechtfertigt ist.
Falls Indometacin bei Kindern mit Risikofaktoren verschrieben wird: Nierenfunktion vor sowie innerhalb 1 Woche nach Behandlungsbeginn überprüfen.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Es sollte abgewogen werden, ob der Einsatz eines NSAIDs gerechtfertigt ist.
Falls Indometacin bei Kindern mit Risikofaktoren verschrieben wird: Nierenfunktion vor sowie innerhalb 1 Woche nach Behandlungsbeginn überprüfen.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden.
Klinische Konsequenzen

Risikofaktoren sind Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom, chronische Nierenerkrankung, Ursachen, die zu Dehydratation führen (z.B. auch Sommerhitze), Einnahme von Medikamenten, die die Nierenfunktion einschränken können, wie Diuretika oder RAAS-Hemmer.

NSAIDs (einschließlich COX-2-Hemmer) können aufgrund einer verminderten Nierendurchblutung (durch Hypovolämie) akutes Nierenversagen verursachen. Normalerweise wird ein übermäßiger Rückgang der Nierendurchblutung durch eine erhöhte Prostaglandinsynthese in den Nieren verhindert; NSAIDs stören diesen Kompensationsmechanismus. Eine verminderte Nierendurchblutung führt auch zu Wasser- und Salzretention, was zu einer Verschlimmerung oder Entwicklung von Bluthochdruck und Herzversagen führt.

Bei Dialyse

Hämodialyse / kontinuierliche venöse Hämodialyse oder Hämo(dia)filtration:

  • Restnierenfunktion (Urinproduktion) IST VORHANDEN: Anwendung vermeiden, um Restnierenfunktion zu erhalten
  • Restnierenfunktion (Urinproduktion) NICHT VORHANDEN: Anwendung muss nicht vermieden werden

Dialysepatienten haben ein höheres Blutungsrisiko, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer abnormalen Plättchenfunktion. Durch den Einsatz von niedermolekularen Heparinen zu Beginn der Hämodialyse, um eine Koagulation im extrakorporalen Kreislauf zu verhindern, kann das Blutungsrisiko erhöht sein.

NICHTSTEROIDALE ANTIPHLOGISTIKA UND ANTIRHEUMATIKA

Essigsäure-Derivate und verwandte Substanzen

Diclofenac

Voltaren®, diverse Generika
M01AB05
Propionsäure-Derivate

Dexibuprofen

Seractil®, diverse Generika
M01AE14

Ibuprofen

Brufen®, Nureflex®, Nurofen®, diverse Generika
M01AE01

Naproxen

Aleve®, Proxen®, diverse Generika
M01AE02
Fenamate

Mefenaminsäure

Parkemed®, diverse Generika
M01AG01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Es wurden Fälle von Hepatotoxizität, auch mit tödlichem Verlauf, gemeldet. Bei Kindern wurden gelegentlich Konzentrationsstörungen beobachtet.
Intravenöse Verabreichung: Nach intravenöser Verabreichung an Säuglinge kann es zu einer reversiblen Abnahme der Nierenfunktion kommen, einschließlich akutem Nierenversagen. Bei Neugeborenen kann eine Hyponatriämie auftreten.
Folgende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden bei Säuglingen berichtet, obwohl kein Kausalzusammenhang nachgewiesen worden ist: Bradykardie, Apnoe, Acidose oder Alkalose und retrolentale Fibroplasie

 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit

Häufig (1-10%): Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Bauchschmerzen, Obstipation, Diarrhoe, Depression, Müdigkeit (einschl. Unwohlsein und Teilnahmslosigkeit)

Gelegentlich (0,1-1%): gastrointestinale Blutungen und Bauchschmerzen (vor allem bei Patienten mit bestehender Colitis ulcerosa), Blutungen des Colon sigmoideum (okkult oder aus einem Divertikel), Perforation bestehender Läsionen im Colon sigmoideum (Divertikel, Karzinom), Stomatitis, ulzeröse Stomatitis, Gastritis, Flatulenz, Ödeme, Tinnitus, Hörstörungen, Haarausfall

Selten (0,1-0,01%): Magen-Darmulzera in Verbindung mit Stenose und Obstruktion, einzelne oder mehrfache Ulzerationen von Ösophagus, Magen, Duodenum, Dünndarm und Dickdarm (einschließlich Perforation und Blutung), in Einzelfällen mit letalem Ausgang, Tachykardie, Arrhythmie, Herzklopfen, Herzinsuffizienz, Brustschmerzen, Hypertonie, Hypotonie, Hepatitis und Ikterus (in Einzelfällen mit tödlichem Ausgang), Überempfindlichkeitsreaktionen mit Symptomen wie Pruritus, Urtikaria, Angiitis, Erythema nodosum, Exantheme, akute Atembeschwerden, rascher Blutdruckabfall, psychische Störungen (wie Entpersönlichung), psychotische Zustände, Verwirrtheitszustände, Beklemmungen, Synkopen, Schläfrigkeit, Parästhesien, Dysarthrie, periphere Neuropathie, Schlaflosigkeit, Verschlechterung von Epilepsie oder Parkinson, unwillkürliche Muskelzuckungen, Muskelschwäche, Konvulsionen, Koma, verschwommenes Sehen, Diplopie, orbitale und periorbitale Schmerzen, Gehörverlust, Hämaturie, vaginale Blutungen, Veränderungen der Brust (einschließlich Brustvergrößerung, Berührungsempfindlichkeit, Gynäkomastie), Hitzewallungen, vermehrtes Schwitzen, Nasenbluten, ulzeröse Stomatitis, Hyperkaliämie, Hyperglykämie, Glukosurie, Anstieg von BUN

Sehr selten (< 0,01%): Leukopenie, Agranulozytose, Petechien oder Ekchymosen, Purpura, aplastische und hämolytische Anämie, Thrombozytopenie, Verbrauchskoagulopathie, Ablagerungen in der Kornea, krankhafte Veränderungen der Retina und Makula (vor allem bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und während einer Langzeit Behandlung), Proteinurie, nephrotisches Syndrom, interstitielle Nephritis, Niereninsuffizienz (einschließlich Nierenversagen), Dermatitis exfoliativa, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse

Häufigkeit nicht bekannt: Pankreatitis

 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Kontraindikationen bei der therapeutischen Indikation "Verschluss des Ductus arteriosus": Sepsis, Schock, nekrotisierende Enterokolitis, zerebraler hypoxisch-ischämischer Schaden, Blutgerinnungsstörung, präexistentes Nierenleiden (mit Oligurie und Kreatinin >150 microg./l), Thrombozyten <75.000/mm3
Relative Kontraindikationen: Instabile intraventrikuläre Blutung und periventrikuläre Leukomalazie

Kontraindikationen allgemein

  • Patienten mit Asthmaanfällen, Urtikaria oder Rhinitis auf Acetylsalicylsäure oder andere entzündungshemmende Substanzen in der Anamnese
  • gastrointestinale Blutung oder Perforation in der Anamnese, bedingt durch vorangegangene NSAR-Therapie
  • aktive oder wiederkehrende peptische Ulzera/Blutungen (zwei oder mehr Episoden nachgewiesener Ulzeration oder Blutung)
  • zerebrovaskuläre oder andere aktive Blutungen sowie ungeklärte Blutbildungs -und Gerinnungsstörungen
  • schwere Herzinsuffizienz
  • Behandlung perioperativer Schmerzen im Zuge einer Koronararterien-Bypass-Operation (CABG) 

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Leberfunktion sollte bei Kindern regelmäßig überwacht werden, da tödliche Fälle von Hepatotoxizität gemeldet wurden. Indometacin wird eingesetzt, wenn andere NSAIDs nicht ausreichend wirksam sind. Die Bedingungen, unter denen das Medikament bei Kindern unter 2 Jahren sicher angewendet werden kann, sind nicht eindeutig. Die Anwendung von NSAIDs bei einer Infektion mit Varizellen soll vermieden werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Lundbeck Pharmaceuticals Ireland Limited, SPC Indocid PDA (RVG 10776), www.cbg-meb.nl, Geraadpleegd 18 augustus 2010
  2. Armbrust W et al, Werkboek Kinderreumatologie [Arbeitsbuch Kinderrheumatologie, 3. Auflage], VU Uitgeverij, 2014, 3e druk
  3. Lyophilization Services of New England (LSNE) for Navinta LLC, Product Information Indomethacin for injection, USP, www.fda.gov, December 2015
  4. Apotex Europe BV, SmPC Indometacine capsules 25 mg, 50 mg (RVG 52225 en 57631) 30-06-2017, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  5. H.A.C. Pharma, SmPC Indocid Kapseln 25 mg (12.789), aufgerufen am 22.02.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 17 März 2022 16:19: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung