Adrenalin (Epinephrin)

Wirkstoff
Adrenalin (Epinephrin)
Handelsname
EpiPen®, Jext®, Suprarenin®, diverse Generika
ATC-Code
C01CA24

Adrenalin (Epinephrin)

Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Herz-Kreislaufstillstand (kardiopulmonale Reanimation)
    • Intravenös, endotracheopulmonal
      • On-label
      • Bei endotracheopulmonaler Applikation bei Neugeborenen ist die zugelassene Dosierung vom gewählten Präparat abhängig.
  • Myokardiale Funktionsstörung (positiver inotroper und chronotroper Effekt)
    • Intravenös
      • Off-label
  • Laryngitis subglottica (Pseudokrupp)
    • Inhalation
      • Off-label
  • Anaphylaktischer Schock
    • Intramuskulär
      • <7,5 kg: Off-label, bis auf lebensbedrohliche Situationen und unter ärztlicher Aufsicht
      • ≥7,5 kg: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Injektionslösung in einem Fertigpen 150 microg., 300 microg.
Injektionslösung in einer Fertigspritze 1 mg/10 ml (1:10 000)
Ampullen 2 mg/20 ml (1:10 000)
Ampullen 1 mg/ml (1:1000)

Allgemein

Epinephrin (Adrenalin) ist je nach Produkt als Adrenalin-tartrat, Adrenalin-hydrogentartrat, Adrenalin-Hydrochlorid oder als freie Base enthalten. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich jedoch in allen Fällen auf Adrenalin.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
EPIPEN® Injektionslösung in einem Fertigpen 150 microg., 300 microg. Natriummetabisulfit
JEXT® Injektionslösung in einer Fertigspritze 150 microg., 300 microg. Natriummetabisulfit
SUPRARENIN® Ampullen 1 mg/ml Natriummetabisulfit

 

Die Fachinformationen wurden 12/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Die physiologischen Funktionen von Adrenalin sind die betarezeptorvermittelte Regulation von Herzfrequenz und myokardialer Kontraktilität, die Regulierung des Tonus der glatten Muskulatur, der Drüsensekretion und vor allem von Stoffwechselaktivitäten unter Belastung. Die pharmakologischen Wirkungen von Adrenalin werden in komplexer Weise durch Stimulation von Alpha- und Betarezeptoren vermittelt; in Abhängigkeit von Rezeptorverteilung in den Zielorganen sowie Dosis und Applikationsweise von Adrenalin können alpha- oder betaadrenerge Effekte überwiegen.

Pharmakokinetik

Keine Information

Allgemeine Anmerkungen

Bei Reanimation ist die intravenöse Verabreichung die erste Wahl. Wenn eine intravenöse Verabreichung nicht möglich ist: intraossäre Verabreichung (die intraossäre Verabreichung ist in der Reanimationssituation der intravenösen Verabreichung äquivalent).
Die intratracheale Verabreichung soll nicht bevorzugt eingesetzt werden.

Dosierungen

Gehe zu:

Herz-Kreislauf-Stillstand (kardiopulmonale Reanimation)
  • Intravenös
    • Neugeborene
      [9]
      • 1:10.000 Lösung (0,1 mg/ml): 0,01 mg/kg/Dosis, Bolus. Zusätzliche Dosen von 0,01 - 0,03 mg/kg können, wenn notwendig, verabreicht werden.
      • Verabreichung bei Bedarf innerhalb von 3-5 Minuten wiederholen

    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [11] [12]
      • 1:10.000 Lösung (0,1 mg/ml): 0,01 mg/kg/Dosis, Bolus.
        • Entspricht 0,1 ml/kg der 1:10.000 Lösung
        • Bei Asystolie gegebenenfalls folgende Dosierung: 0,1 mg/kg (entspricht 0,1 ml/kg der 1:1000 Lösung).
        • Bei Bedarf alle 3-5 Minuten wiederholen.
  • Endotracheopulmonal
    • Neugeborene
      [3] [9]
      • Lösung 1:10.000 (0,1 mg/ml): 0,05 - 0,1 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Entspricht 0,5 – 1 ml/kg der 1:10.000 Lösung

    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [11]
      • 1:1000 Lösung: 0,1 mg/kg/Dosis, Bolus.
        • Entspricht 0,1 ml/kg der 1:1000 Lösung.
        • Die endotracheale Verabreichung ist nicht erste Wahl.
Myokardiale Funktionsstörung (positiv inotrope und chronotrope Wirkung)
  • Intravenös
    • Neugeborene
      • 0,05 - 0,1 microg./kg/Minute, Dauerinfusion.
Laryngitis subglottica (Pseudokrupp)
  • Inhalativ
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [4] [13]
      • 5 mg/Dosis, einmalig. entspricht 5 ml der 1:1000 Lösung.
      • ALTERNATIV: 0,5 mg/kg verdünnt mit physiologischer Kochsalzlösung, max. 5 mg/Dosis. 0,5 mg/kg entsprechen 0,5 ml/kg der 1:1000 Lösung

Anaphylaxie, Anaphylaktischer Schock
  • Intramuskulär
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [5] [6] [8] [10] [11]
      • 0,01 mg/kg/Dosis, einmalig. Maximale Einzeldosis: 0,5 mg/Dosis.
      • Entspricht:
        < 6 Jahre: 0,15 mg/Dosis (Autoinjektionspen)
        6-12 Jahre: 0,3 mg/Dosis (Autoinjektionspen)
        > 12 Jahre: 0,3-0,5 mg/Dosis

        Lassen die Symptome nach der ersten Dosis nicht nach oder verschlechtern sich, kann eine zweite Injektion erforderlich sein. Die zweite Injektion kann nach ca. 5-15 Minuten verabreicht werden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

KARDIOSTIMULANZIEN, EXKL. HERZGLYKOSIDE

Adrenerge und dopaminerge Mittel

Dopamin

Giludop®
C01CA04

Noradrenalin (Norepinephrin)

Sinora®, diverse Generika
C01CA03

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Hyperglykämie, metabolische Azidose, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Angst, Halluzinationen, psychotische Zustände, Ruhelosigkeit, Nervosität, Schwindel, Kopfschmerzen, Schwäche, Zittern, zerebrale Krampfanfälle, Unsicherheitsgefühl, Mydriasis, myokardiale Ischämie, Myokardschädigung, Stress-Kardiomyopathie, kardiogener Schock im Zusammenhang mit einer Stress- Kardiomyopathie; Tachykardie, Extrasystolie und andere tachykarde Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern/Herzstillstand; Palpitationen, Angina pectoris, koronare Arteriospasmen, Hypotonie, in vielen Stromgebieten Vasokonstriktion (insbesondere im Bereich der Haut, der Schleimhäute und der Nieren); periphere Ischämie, die zu Gangränen in den Extremitäten führen kann, in Verbindung mit einer hohen Dosis, längeren Anwendung oder gleichzeitiger Anwendung von Sympathomimetika; Kältegefühl in den Extremitäten, Blutdruckanstieg (in einigen Fällen mit Gefahr von zerebralen Blutungen), Dyspnoe, Lungenödem, Hypersalivation, Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Hyperhidrose, Muskelkrämpfe, Oligurie, Anurie, Miktionsschwierigkeiten, Asthenie, ischämische Nekrosen im Anwendungsgebiet (z.B. an der Haut), insbesondere bei para- oder perivasaler Gabe

Autoinjektions-Pen: Infektionen an der Einstichstelle, periphere Ischämie infolge versehentlicher Injektion in Hände oder Füße

Die vollständige Auflistung aller unerwüschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

  • Hypertonie
  • Hyperthyreose
  • Phäochromozytom
  • Engwinkelglaukom
  • paroxysmaler Tachykardie
  • schwere Nierenfunktionsstörungen

Die Anwendung im Rahmen einer Reanimation oder zur Behandlung schwerer anaphylaktischer/anaphylaktoider Reaktionen kann im Einzelfall auch in Gegenwart einer der oben genannten Gegenanzeigen gerechtfertigt sein.

Autoinjektions-Pens: Es sind keine absoluten Kontraindikationen für die Anwendung von Adrenalin bei einem allergischen Notfall bekannt.

Adrenalin darf nicht intraarteriell angewendet werden.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Gefahr der Paravasation: Zentralvenenkatheter. Gefahr einer renalen und mesenterialen Vasokonstriktion.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die i.m. Gabe stellt die bevorzugte Applikationsart bei der Initialbehandlung einer Anaphylaxie dar, die i.v. Gabe ist in der Intensiv- und Notfallmedizin besser geeignet.
  • Eine Adrenalin-Lösung mit der Verdünnung 1:1000 (1 mg/ml) ist für die i.v. Verabreichung nicht geeignet.
  • Die i.v. Gabe ist mit größter Vorsicht anzuwenden und Spezialisten vorbehalten.
  • Vorsicht vor systemischer Verabreichung bei unausgeglichener diabetischer Stoffwechsellage, Azidose, Hyperkalzämie und Hypokaliämie
  • Bei Patienten mit bestehendem Spontankreislauf kann die i.v.-Gabe von Adrenalin lebensbedrohliche Hypertonie, Tachykardie, Arrhythmie und Myokardischämie bewirken

Autoinjektions-Pens:

  • Alle Patienten, die einen Autoinjektions-Pen verschrieben bekommen haben, sowie nahestehende Personen (z.B. Eltern, Lehrer, Pflegepersonal) sollten eine detaillierte Anweisung für den korrekten Gebrauch erhalten.
  • Nach der Anwendung des Pens soll die Rettung gerufen werden, um die allergische Reaktion zu melden und um ein weiteres Monitoring sowie eine weitere Behandlung zu gewährleisten.
  • Die Applikation erfolgt an der anterolateralen Seite des Oberschenkels. Eine Ruhigstellung des Beins während der Applikation ist erforderlich.
  • Bei Patienten mit einem höheren subkutanen Fettanteil besteht das Risiko, dass das Adrenalin nicht den Muskel erreicht, wodurch die Wirkung suboptimal wäre.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Patienten, die mit tri- oder tetrazyklischen Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Clomipramin, Imipramin, Maprotilin) behandelt werden, zeigen eine deutlich erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Adrenalin. Das Risiko für Herzrhythmusstörungen und andere unerwünschte Arzneimittelwirkungen ist erhöht.
  • Monoaminooxidase (MAO) – Hemmer können die Wirkung von Adrenalin durch Abbauhemmung verlängern und verstärken. Erhöhtes Nebenwirkungsrisiko.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Inhalationsanästhetika wie Halothan, Isofluran und Enfluran können tachykarde Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern auftreten. Wird Adrenalin in solchen Fällen als Zusatz zu einem Lokalanästhetikum oder zur Blutstillung eingesetzt, so ist erhöhte Vorsicht angezeigt und sind bestimmte Adrenalin-Höchstdosen zu beachten (siehe Fachinformation der Anästhetika).

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. ALK-Abelló A/S, SPC Epipen Junior (RVG 32726), www.cbg-meb.nl
  2. Centrafarm, SPC Adrenaline RVG 50812,, www.cbg-meb.nl, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h50812.pdf (geraadpleegd 27 jan 2010)
  3. NVK, Richtlijn Reanimatie van het kind bij de geboorte [Leitlinien zur Reanimation von Kindern bei der Geburt], www.nvk.nl, 2014, http://www.nvk.nl/Kwaliteit/Richtlijnenoverzicht/Details/tabid/1558/articleType/ArticleView/articleId/765/Reanimatie-van-pasgeborenen.aspx#tab15
  4. Brand, PLP et al, Werkboek Kinderlongziekten [Arbeitsbuch Lungenerkrankungen bei Kindern], VU Uitgeverij, 2001
  5. Muraro A, et al, The management of anaphylaxis in childhood: position paper of the European academy of allergology and clinical immun, Allergy , 2007, 62, 857-71
  6. Simons F, et al, World Allergy Organisation anaphylaxis guidelines: Summary, J ALLERGY CLIN IMMUNOL, 2011, 127:3, 587-93
  7. NVK, Richtlijn Astma bij Kinderen [Leitlinie Asthma bei Kindern], 2013
  8. Turner, NM, Leroy, P, Advanced Paediatric Life Support, niederländische Edition, Bohn, Stafleu van Loghum, 2015, 4. Auflage
  9. Wyllie J. et al, European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015 Section 7. Resuscitation and support of transition of babies at birth., Resuscitation, 2015, 95, 249-263
  10. Meda, SmPC EpiPen Junior 150 µg Inj. Lsg. i. e. Fertigpen (1-22472), 05/2019
  11. sanofi-aventis, SmPC Suprarenin 1 mg/ml Amp. (3416), 02/2018
  12. Fresenius Kabi, SmPC L-Adrenalin „Fresenius“ spritzfertig 2 mg-Amp. (1-21272), 10/2017
  13. Zach, MS, Zeitgemäße Therapie des Krupp Syndroms, Monatsschr Kinderheilkd, 1998, 146, 914–923

Änderungsverzeichnis

  • 11 April 2020 15:21: Neue Monographie "Adrenalin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung