Noradrenalin (Norepinephrin)

Wirkstoff
Noradrenalin (Norepinephrin)
Handelsname
Sinora®, diverse Generika
ATC-Code
C01CA03

Noradrenalin (Norepinephrin)

Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahre:

  • Kreislaufinsuffizienz
    • Intravenös
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Infusionslösung 0,1 mg/ml; 0,2 mg/ml; 0,25 mg/ml
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung 1 mg/ml

Allgemein

Noradrenalin liegt in den im Handel befindlichen Präparaten als Tartrat oder Bitartrat-monohydrat vor. Der Wirkstoffgehalt der zugelassenen Spezialitäten bezieht sich jeweils auf Noradrenalin-Base.

Pharmakodynamik

Noradrenalin ist das physiologische Hormon aus dem Sympathikus, dem Zentralnervensystem und den chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks. Noradrenalin wirkt vergleichbar stark auf α- und ß1-Rezeptoren, aber nur schwach auf ß2- Rezeptoren. Es wirkt vasokonstriktiv (α- mimetische Wirkung), und zwar im Gegensatz zu Adrenalin auch an den Gefäßen der Skelettmuskulatur. Daraus ergeben sich ein Anstieg des peripheren Widerstandes und eine ausgeprägte Blutdrucksteigerung. Die positiv-inotropen und positiv-chronotropen Effekte am Herz werden durch die Reflex-Bradykardie aufgrund des starken Blutdruckanstiegs ausgeglichen. Infolge des Blutdruckanstiegs unter Noradrenalin nimmt in Gebieten mit Autoregulation wie Zentralnervensystem und Koronarien die Durchblutung häufig zu; die Nierenperfusion wird dagegen vermindert.

Pharmakokinetik

Keine Informationen

Dosierungen

Kreislaufinsuffizienz
  • Intravenös
    • Gestationsalter < 37 Wochen
      [3]
      • 0,05 - 0,5 microg./kg/Minute, Dauerinfusion, max: 1 microg./kg/Minute.
    • Neugeborene
      [3]
      • 0,05 - 0,5 microg./kg/Minute, Dauerinfusion, max: 2 microg./kg/Minute.
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2]
      • 0,05 - 0,1 microg./kg/Minute, Dauerinfusion, max: 2 microg./kg/Minute.
      • Ausschließlich über den zentralen Venenkatheter verabreichen.
        Dosistitration je nach gewünschter Wirkung.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

KARDIOSTIMULANZIEN, EXKL. HERZGLYKOSIDE

Adrenerge und dopaminerge Mittel

Adrenalin (Epinephrin)

EpiPen®, Jext®, Suprarenin®, diverse Generika
C01CA24

Dopamin

Giludop®
C01CA04

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Hyperglykämie, metabolische Azidose, Kopfschmerzen, Unsicherheits- und Angstgefühl, Zittern, Ruhelosigkeit, Verwirrtheit, Psychosen, Herzklopfen, pektanginöse Beschwerden, myokardiale Ischämie, Myokardschädigung, Stress-Kardiomyopathie, Dyspnoe, Hypersalivation, Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Schwitzen, Oligurie, Anurie, Miktionsbeschwerden, Kältegefühl in den Extremitäten. Infolge zu hoher Dosierung oder zu rascher intravenöser Zufuhr kann es zu starkem Blutdruckanstieg, reflektorischer Bradykardie und tachykarden Herzrhythmusstörungen, im Extremfall zu Kammerflimmern kommen. Der Blutdruckanstieg kann und unter Umständen exzessiv mit Gefahr von zerebralen Blutungen oder Lungenödem ausfallen. Eine periphere Ischämie, die zu einer Gangrän der Extremitäten führen kann, ist möglich. Ischämische Nekrosen im Anwendungsgebiet (z.B. an der Haut), insbesondere bei para- oder perivasaler Gabe, sind aufgetreten.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

Noradrenalin Orpha® (Fachinformation Stand 03/2018):

  • Hypertonie
  • Hyperthyreose
  • Phäochromozytom
  • Engwinkelglaukom
  • paroxysmale Tachykardie
  • hochfrequente absolute Arrhythmie
  • schwere Nierenfunktionsstörungen
  • Koronar- und Herzmuskelerkrankungen
  • Cor pulmonale

Sinora® (Fachinformation Stand 04/2019), Noradrenalin Aguettant® (Fachinformation Stand 10/2019):

  • Hypotonie aufgrund von Blutvolumenmangel (Hypovolämie)

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Nur zur Steigerung des peripheren Widerstands, nicht zur Erzielung einer inotropen Wirkung. Der Blutdruck steigt bei gleichbleibendem Herzzeitvolumen. Der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels steigt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Gabe von Noradrenalin ist das Plasmavolumen auszugleichen, da ansonsten die Gefahr einer schwerwiegenden viszeralen und peripheren Vasokonstriktion mit der Gefahr einer Minderdurchblutung und Gewebeschädigung mit Laktatazidose besteht.
  • Während der Infusion von Noradrenalin müssen Blutdruck und Herzfrequenz kontinuierlich überwacht werden.
  • Vorsicht bei unausgeglichener diabetischer Stoffwechsellage, Hypercalciämie, Hypokaliämie, schwerer Funktionsstörung des linken Ventrikels in Verbindung mit akuter Hypotonie, koronarer, mesenterischer oder peripherer Gefäßthrombose, Hyperthyreose.
  • Wenn die gleichzeitige Gabe von Noradrenalin und Vollblut oder Plasma erforderlich ist, muss das Blut bzw. Plasma über eine separate Infusion verabreicht werden.
  • Paravasation führt zu Gewebsnekrose.
  • Treten während der Behandlung Herzrhythmusstörungen auf, muss die Dosierung verringert werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Es kann zu einer Wirkungsverstärkung bzw. einer Verstärkung der blutdruckerhöhenden Wirkung von Noradrenalin bei gleichzeitiger Gabe von tri- und tetrazyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin und Imipramin oder MAO-Hemmern wie Linezolid kommen.
  • Wegen der Gefahr von Herzrhythmusstörungen ist während der Anästhesie mit Halothan, Enfluran, Isofluran oder anderen Inhalationsnarkotika bei gleichzeitiger Anwendung von Noradrenalin Vorsicht geboten.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von nicht-selektiven Beta-Blockern (weniger bei kardioselektiven) mit Noradrenalin kann der Blutdruck unmittelbar stark ansteigen, worauf eine Bradykardie folgen kann. Sorgfältige Überwachung des Blutdrucks und der Herzfrequenz ist erforderlich. Wenn möglich, ist die Anwendung von kardioselektiven Betablockern in Erwägung zu ziehen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. APLS 2010
  3. Werkgroep Neonatale Farmacologie NVK sectie Neonatologie, Expert opinie [Experten-Meinung], 28 maart 2018
  4. Orpha-Devel, SmPC Noradrenalin Orpha 1 mg/ml Konz. z. Herst. e. Inf.lsg. (1-31880), 03/2018
  5. Sintetica, SmPC Sinora 0,1 mg/ml Inf.lsg. (1-38851), 04/2019

Änderungsverzeichnis

  • 11 April 2020 14:58: Neue Monographie "Noradrenalin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung