Tramadol

Wirkstoff
Tramadol
Handelsname
Tramal®, Adamon®, Noax®, Tramabene®, Tramastad®, Tramadolor®, Tradolan®, Tramundal®, diverse Generika
ATC-Code
N02AX02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Schmerzen:
    • Oral, Intravenös
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label
    • Rektal
      • kein Präparat in Österreich zugelassen (08/2021)

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Kapseln 50 mg
Filmtabletten 50 mg
Retardtabletten 100 mg, 150 mg, 200 mg, 300 mg
Schmelztabletten 50 mg
Tropfen zum Einnehmen 100 mg/ml
Injektionslösung 50 mg/ml

Tramadol ist in allen verfügbaren Präparaten als Tramadolhydrochlorid enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Tramadolhydrochlorid.

Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die Tropfen zum Einnehmen enthalten je nach Hersteller: Macrogolglycerolhydroxystearat, Propylenglykol, Saccharin-Natrium, Natriumcyclamat, Polysorbat 20, Polysorbat 80, Ethanol, Sucrose
Die Schmelztabletten enthalten: Aspartam
Die Kapseln mancher Hersteller enthalten: Lactose
Die Retardtabletten enthalten je nach Hersteller: Lactose, Propylenglykol

Pharmakodynamik

Tramadol ist ein zentral wirksames Opioid-Analgetikum. Es ist ein nicht selektiver reiner Agonist an µ-, δ- und κ-Opioidrezeptoren mit größerer Affinität zu µ-Rezeptoren. Andere Mechanismen, die zur analgetischen Wirkung beitragen, sind die Hemmung der neuronalen Wiederaufnahme von Noradrenalin sowie die Verstärkung der Serotonin-Freisetzung.
Tramadol besitzt eine antitussive Wirkung. Im Gegensatz zu Morphin besitzt Tramadol in analgetischen Dosen über einen weiten Bereich keine atemdepressive Wirkung. Ebenso wird die gastrointestinale Motilität nicht beeinflusst. Die Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem sind eher gering. Die Wirkstärke von Tramadol wird mit ein Zehntel bis ein Sechstel derjenigen von Morphin angegeben.

 

Pharmakokinetik

Vandenbossche et al. (2015) fanden die folgenden (Mittelwert ± SD) pharmakokinetischen Parameter nach oraler Verabreichung (Tabletten) von durchschnittlich 1,5 mg/kg/Dosis alle 6 Stunden für 3 Tage:

  7-11 Jahre (n=6) 12-16 Jahre (n=11)
Cmax Tramadol (ng/ml) 362±94 242±116
Cmax aktiver O-Desmethyl-Metabolit (ng/ml) 89±40 89±33
Tmax Tramadol (Stunden) 1,7±0,5 1,9±0,8
Tmax aktiver O-Desmethyl-Metabolit (Stunden) 1,8±0,8 2,1±1,0
Cl (ml/min/kg) 8,2±1,0 9,7±3,3

Des Weiteren fanden Payne et al. (2002) folgende (Mittelwert ± SD) pharmakokinetische Parameter nach einmaliger oraler Gabe (Tropfen) von 1,5 mg/kg an 24 Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren:

Cmax aktiver O-Desmethyl Metabolit (ng/ml) 37,5±5,2
Tmax Tramadol (min) <30
Tmax aktiver O-Desmethyl-Metabolit (Stunden) 4,5±1,5
T½ Tramadol (Stunden) 3,6±1,1
T½ aktiver O-Desmethyl-Metabolit (Stunden) 5,8±1,7
Cl (ml/min/kg) 5,6±2,7
Vd (L/kg) 4,1±1,2

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden in der Studie von Zwaveling et al. (2004) bei 12 Kindern im Alter von 1-6 Jahren, denen 1-1,9 mg/kg Tramadol rektal einmal nach Narkoseeinleitung verabreicht wurde:

Cmax (ng/ml) (Mittelwert±SD) 200±60
Tmax (Stunden) (Mittelwert±SD) 2,4±1,0
T½ (Stunden) (Mittelwert±SEM) 4,3±0,2
Cl (ml/min) (Mittelwert±SEM) 273±25

In dieser Studie von Zwaveling et al. (2004) betrug die Cmax (Mittelwert ± SD) des aktiven O-Desmethyl-Metaboliten 35±15 ng/ml; sie wurde nach 3,9±1,1 Stunden erreicht.

 

 

Dosierungen

Schmerzen
  • Oral
    • Normales Präparat (keine modifizierte oder retardierte Wirkstofffreisetzung)
      • 1 Jahr bis 12 Jahre
        [1] [2]
        • 1 - 2 mg/kg/Dosis nach Bedarf je nach Wirkung und Verträglichkeit max. 4 mal täglich, max: 8mg/kg/Tag, jedoch nicht mehr als 400 mg/Tag. Maximale Einzeldosis: 100 mg/Dosis.
      • 12 Jahre bis 18 Jahre
        [1] [2]
        • 50 - 100 mg/Dosis nach Bedarf je nach Wirkung und Verträglichkeit max. 4 mal täglich, max: 400 mg/Tag.
    • Modifizierte Wirkstofffreisetzung
      • 12 Jahre bis 18 Jahre
        [5] [8]
        • 50 - 100 mg/Dosis je nach Bedarf schrittweise Erhöhung der Dosis je nach Wirkung und Verträglichkeit auf 150-200 mg 2 x täglich, max: 400 mg/Tag.
        • Tabletten mit 1-maliger Gabe: 200 mg 1 x täglich, schrittweise Erhöhung je nach Wirkung und Verträglichkeit bis maximal 400 mg/Tag

  • Rektal
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [2]
      • 100 mg/Dosis nach Bedarf je nach Wirkung und Verträglichkeit max. 4 mal täglich.
  • Intravenös
    • 1 Jahr bis 12 Jahre
      [1] [2] [7] [11] [12]
      • 1 - 2 mg/kg/Dosis nach Bedarf je nach Wirkung und Verträglichkeit, max: 8mg/kg/Tag, jedoch nicht mehr als 400 mg/Tag.
      • Alternativ: Dauerinfusion: 0,5-1 mg/kg als Bolus, dann 0,1-0,25 mg/kg/h als Erhaltungsdosis, maximal 400 mg/Tag

    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [2] [7] [11] [12]
      • 50 - 100 mg/Dosis nach Bedarf je nach Wirkung und Verträglichkeit, max: 400 mg/Tag.  .
      • Alternativ: Dauerinfusion: 0,5-1 mg/kg als Bolus, dann 0,1-0,25 mg/kg/h als Erhaltungsdosis, max. 400 mg/Tag

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung nicht erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung nicht erforderlich
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 12 Stunden
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden.

OPIOIDE

Phenylpiperidin-Derivate

Fentanyl (transdermal/nasal)

Durogesic®, Fentoron®, Fentaplast®, diverse Generika
N02AB03
Morphinan-Derivate

Nalbuphin

diverse Generika
N02AF02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Obstipation, Mundtrockenheit, Erbrechen, Hyperhidrosis, Erschöpfung, Beeinflussung der Kreislaufregulation (Herzklopfen, Tachykardie, orthostatische Hypotonie oder Kreislaufkollaps) (insbesondere bei intravenöser Applikation und bei Patienten mit körperlicher Belastung), Brechreiz, gastrointestinale Beschwerden (z. B. Magendruck, Blähungen), Diarrhöe, Hautreaktionen (z. B. Juckreiz, Hautausschlag, Urtikaria)

Folgende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

allergische Reaktionen (zum Beispiel Dyspnoe, Bronchospasmus, Giemen, angioneurotisches Ödem) und Anaphylaxie, Appetitveränderungen, Halluzinationen, Verwirrtheit, Schlafstörungen, Delirium, Ängstlichkeit und Albträume, Sprachstörungen, Parästhesien, Tremor, epileptiforme Krämpfe, unwillkürliche Muskelzuckungen, Koordinationsstörung, Synkope, Miosis, Mydriasis, verschwommenes Sehen, Bradykardie, Atemdepression, motorische Schwäche, Miktionsstörungen (Dysurie und Harnverhalten), erhöhter Blutdruck, Hypoglykämie, erhöhte Leberenzymwerte, Entzugserscheinungen (wie z.B.: Agitiertheit, Angst, Nervosität, Insomnie, Hyperkinese, Tremor, gastrointestinale Symptome), Schlafapnoe-Syndrom, Singultus, Asthenie

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

  • Postoperative Schmerzlinderung nach Tonsillektomie bei ambulanten Patienten

Kontraindikationen allgemein

  • akute Vergiftungen durch Alkohol, Schlafmittel, Analgetika, Opioide oder Psychopharmaka
  • Patienten, die MAO-Hemmer erhalten oder innerhalb der letzten 14 Tage angewendet haben
  • Patienten mit Epilepsie, die durch Behandlung nicht ausreichend kontrolliert werden kann
  • Behandlung bei Drogenentzug oder zur Drogensubstitution

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Kindern ist die Wahrscheinlichkeit einer Atemdepression höher, wenn Tramadol bei all jenen Verfahren/Zuständen angewendet wird, bei denen die Atemwege in irgendeiner Weise blockiert werden könnten (FDA-Sicherheitsmitteilung vom 20. April 2017, Anderson et al. 2017).

Die Lösung zum Einnehmen hat eine Konzentration von 100 mg/ml, d.h. 1 Tropfen enthält 2,5 mg Tramadol.

Bei chronischen Schmerzen immer in Kombination mit einem Laxans verschreiben.

Das Auftreten schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder das Ausbleiben der Wirkung kann auf einen anormalen Arzneimittelstoffwechsel zurückzuführen sein. CYP2D6 kann für die unterschiedliche Reaktion verantwortlich sein. Eine Genotypisierung kann in Betracht gezogen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Nederlandse Vereniging voor Anesthesie (NVA) [Niederländische Gesellschaft für Anästhesie], Richtlijn postoperatieve pijn [Leitlinie Postoperative Schmerzen], 2012
  2. Grünenthal BV, SPC Tramal (RVG 15513/15511/15510), 26-01-2020, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  3. FDA, FDA restricts use of prescription codeine pain and cough medicines and tramadol pain medicines in children; recommends against use in breastfeeding women, https://www.fda.gov, 2017
  4. Anderson BJ et al. , Tramadol: keep calm and carry on, Paediatr Anaesth, 2017 , Aug;27(8), 785-788
  5. Mundipharma Pharmaceuticals B.V., SmPC Tramagetic (RVG 22232/22233/22234/22235) 13-04-2018, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  6. Zwaveling, J., et al. , Pharmacokinetics of rectal tramadol in postoperative paediatric patients, Br J Anaesth, 2004, 93 (2), 224-7
  7. Griessinger, N., et al. , Tramadol infusion for pain therapy following bladder exstrophy surgery in pediatric wards, Urologe A , 1997, 36 (6), 552-6
  8. Grünenthal B.V., SmPC Tramal retard (RVG 22361/22362/22363) 16-01-2020, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  9. Vandenbossche, J., et al. , Single- and multiple-dose pharmacokinetic studies of tramadol immediate-release tablets in children and adolescents., Clin Pharmacol Drug Dev, 2015, 4 (3), 184-92
  10. Payne, K. A., et al. , Pharmacokinetics of oral tramadol drops for postoperative pain relief in children aged 4 to 7 years--a pilot study, 2002, Anesth Prog , 49 (4), 109-12
  11. Chiaretti, A., et al. , Preemptive analgesia with tramadol and fentanyl in pediatric neurosurgery., Childs Nerv Syst, 2000, 16 (2), 93-9; discussion 100
  12. Moyao-García, D., et al. , A pilot study of nalbuphine versus tramadol administered through continuous intravenous infusion for postoperative pain control in children, 2009, Acta Biomed, 80 (2), 124-30

Änderungsverzeichnis

  • 20 Oktober 2021 11:58: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung