Acetylcystein

Wirkstoff
Acetylcystein
Handelsname
Fluimucil®, diverse Generika
ATC-Code
R05CB01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Paracetamol-Intoxikation
    • Oral
      • Off-label
    • Intravenös
      • On-label
  • Cystische Fibrose
    • Inhalativ
      • Es ist kein Präparat in Österreich zugelassen.
  • Produktiver Husten
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
  • Blasenaugmentation
    • Intravesikal
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Lösbare Tabletten 200 mg, 600 mg
Brausetabletten 600 mg
Lösliches Pulver 100 mg, 200 mg, 600 mg
Konzentrat zur Infusionsbereitung 200 mg/ml (20%)

Allgemein

Acetylcystein liegt in den im Handel befindlichen Darreichungsformen in der Reinform vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich demnach auf Acetylcystein. Die Einnahme der peroralen Darreichungsformen erfolgt je nach Präparat vor oder nach den Mahlzeiten.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
ACETYLCYSTEIN Hexal® Granulat 100/200 mg Saccharose, Saccharin
ACETYLCYSTEIN Hexal® lösliche Tabletten 200/600 mg Lactose, Cyclamat, Saccharin
AEROMUC® lösliche Tabletten 600 mg Aspartam
EASYMUC® Brausetabletten 600 mg Aspartam
FLUIMUCIL® lösliche Tabletten 600 mg Aspartam
HUSTEN ACC DIREKT® Pulver zum Einnehmen im Beutel 600 mg Polysorbat 65, Sorbitol, Aspartam, Maltodextrin
HUSTEN ACC HEXALAKUT® Brausetabletten 600 mg Lactose, Cyclamat, Saccharin, Sorbitol, Maltodextrin
MUCOBENE® lösliche Tabletten 200/600 mg Aspartam
MUCOBENE® lösliches Pulver 600 mg Saccharose

 

Die Fachinformationen wurden 01/2021 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Mukolytikum mit sekretolytischer und sekretomotorischer Wirkung: Herabsetzen der Viskosität des Bronchialschleims vermutlich durch Depolymerisation und Spaltung von Disulfidbrücken. Antidot bei bestimmten Intoxikationen (z.B. Paracetamol): Derivat der Aminosäure Cystein, die im Körper als Substrat zur Synthese von Glutathion dient. Paracetamol-Metaboliten (NAPQI), welche bei einer Paracetamol-Intoxikation vermehrt gebildet werden, können durch Glutathion inaktiviert werden.

Pharmakokinetik

Keine Information

Dosierungen

Paracetamol-Intoxikation
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2]
      • Initialdosis: 150 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 75 mg/kg/Dosis alle 4 Stunden. Die Erhaltungsdosis ist fortzusetzen bis der Plasmaspiegel auf unter 10 mg/l gesunken ist, jedoch mindestens über 24 Stunden.
      • Vorzugsweise intravenöse Verabreichung. Nur oral, wenn intravenöse Verabreichung nicht möglich ist.

  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [2] [6]
      • Initialdosis: 150 mg/kg/Dosis, einmalig über 60 Minuten.
      • Erhaltungsdosis: 50 mg/kg über 4 Stunden, gefolgt von 100 mg/kg über 16 Stunden.

Produktiver Husten
  • Oral
    • 2 Jahre bis 7 Jahre
      [1]
      • 100 - 200 mg/Dosis, bei Bedarf 1-3 x täglich, max: 400 mg/Tag.
    • 7 Jahre bis 18 Jahre
      [1]
      • 200 mg/Dosis, bei Bedarf 1-3 x täglich, max: 600 mg/Tag.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

EXPEKTORANZIEN, EXKL. KOMBINATIONEN MIT ANTITUSSIVA

Mukolytika

Ambroxol

Mucosan®, Mucosolvan®, diverse Generika
R05CB06

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Überempfindlichkeitsreaktionen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Tachykardie, Erbrechen, Durchfall, Stomatitis, Bauchschmerzen, Übelkeit, Urtikaria, Rash, Angioödem, Juckreiz, Exanthem, Fieber, Hypotonie, Rhinorrhoe

Folgende ausgewählte UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Anaphylaktischer Schock, anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen, schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom, Hämorrhagie, Bronchospasmus, Dyspnoe, Konvulsionen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen bei Kindern

  • Als Mukolytikum bei Kindern unter 2 Jahren
  • Aspartamhaltige Darreichungsformen bei Kindern mit Phenylketonurie

Kontraindikationen

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Kinder <2 Jahre: Der Einsatz von Acetylcystein als Mukolytikum wird bei Kindern unter 2 Jahren aufgrund des Auftretens paradoxer Reaktionen nicht empfohlen. Mukolytika können die Atemwege von Kindern unter 2 Jahren aufgrund der physiologischen Eigenschaften der Atemwege dieser Altersgruppe blockieren. Das Vermögen, Schleim abzuhusten, kann eingeschränkt sein.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Vorsicht ist geboten bei intravenöser Verabreichung an Patienten mit einem Körpergewicht <40 kg, da möglicherweise Flüssigkeitsansammlungen mit nachfolgender Hyponatriämie, Krämpfen und Todesfolge auftreten können.
  • Sehr selten ist über das Auftreten von schweren Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom im zeitlichen Zusammenhang mit der Anwendung von Acetylcystein berichtet worden. Bei Neuauftreten von Haut- und Schleimhautveränderungen sollte daher unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt und die Anwendung von Acetylcystein beendet werden.
  • Vorsicht bei der Anwendung bei Patienten mit Atemwegsobstruktionen, z.B. Asthma bronchiale. Bronchospasmen sind möglich.
  • Vorsicht bei Patienten mit Ateminsuffizienz, Neigung zu gastrointestinalen Blutungen, Leber- und Niereninsuffizienz.
  • Die intravenöse Behandlung mit Acetylcystein sollte langsam und unter strenger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Anaphylaktische Reaktionen oder Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Acetylcystein treten normalerweise 15 bis 60 Minuten nach Infusionsbeginn auf.
  • Bei Patienten mit Histaminintoleranz ist Vorsicht geboten. Eine längerfristige Therapie sollte bei diesen Patienten vermieden werden, da ACC den Histaminstoffwechsel beeinflusst und zu Intoleranzerscheinungen (z.B. Kopfschmerzen, Fließschnupfen, Juckreiz) führen kann.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Zambon Nederland BV, SmPC Fluimucil (RVG 09988/20870/10903), www.geneesmiddeleninformatiebank.nl, 10-11-2020
  2. Nationaal Vergiftigingen Informatie Centrum van het RIVM, NVZA [Niederländisches nationales Vergiftungsinformationszentrum des RIVM, NVZA], Monografie Paracetamol [Monographie Paracetamol), www.toxicologie.org, Version 4. März 2013, aufgerufen am 17/09/13, http://toxicologie.org/monografieen/frametox.asp?ID=34
  3. Bisschops LA, et al, Intentional paracetamol intoxication in children, Ned Tijdschr Geneeskd, 2011, 155, A2132
  4. Mallet P, et al , Respiratory paradoxical adverse drug reactions associated with acetylcysteine and carbocysteine systemic use in paediatric patients: a national survey, PLoS One, 2011, 6(7), e22792
  5. Duijvestijn YC et al, Acetylcysteine and carbocysteine for acute upper and lower respiratory tract infections in paediatric patients without chronic broncho-pulmonary disease, Cochrane Database Syst Rev, 2009 , Jan 21;(1), CD003124
  6. Zambon, SmPC Fluimucil Antidot 20 % Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (8709.00.00), 03/2017, https://portal.dimdi.de/amispb/doc/2017/06/10/2108709/Oceddaae4f6144588afdc25ccbb42b9b0.pdf
  7. Hexal, SmPC Acetylcystein Hexal 100 mg Granulat (1-20681), https://aspregister.basg.gv.at/, aufgerufen am 29.01.2021

Änderungsverzeichnis

  • 15 Februar 2021 15:18: Neue Monographie "Acetylcystein"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung