Clobazam

Wirkstoff
Clobazam
Handelsname
Frisium®
ATC-Code
N05BA09
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Kurzzeitbehandlung bei akuter Angst und plötzlicher extremer Schlaflosigkeit
    • Oral
      • Bei Angstzuständen:
        • <3 Jahre: Off-label
        • ≥3 Jahre: On-label
  • Epilepsie
    • Oral
      • <6 Monate: Off-label
      • ≥6 Monate: On-label (bis 3 Jahre: in Ausnahmefällen und nur bei zwingender Indikation)
  • Fieberkrämpfe
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Tabletten 10 mg

Allgemein

Die im Handel befindlichen Tabletten enthalten Clobazam in der Reinform. Die Einnahme kann mit oder unabhängig von einer Mahlzeit erfolgen.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
FRISIUM® Tabletten 10 mg Lactose

Die Fachinformationen wurden 09/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Clobazam ist ein Benzodiazepin und wirkt muskelrelaxierend, anxiolytisch, sedativ, hypnotisch, antikonvulsiv und amnestisch. Der Wirkmechanismus basiert auf der Verstärkung der Wirkung von GABA im ZNS.

Pharmakokinetik

Eine Studie (Bun 1990) untersuchte die kinetischen Parameter von Clobazam bei 414 Kindern und Erwachsenen. Die kinetischen Parameter wurden möglicherweise durch die gleichzeitge Verabreichung anderer Medikamente beeinflusst.
Verteilungsvolumen 194 l,
Clearance 10,17 l/h,
t1/2 16 Stunden und  t1/2 Metabolit 15 Stunden.

Dosierungen

Kurzzeitbehandlung bei akuter Angst und plötzlicher extremer Schlaflosigkeit
  • Oral
    • 2 Jahre bis 15 Jahre
      [10]
      • 5 - 15 mg/Tag in 1 - 2 Dosen.
    • 15 Jahre bis 18 Jahre
      [10]
      • 20 - 30 mg/Tag in 2 - 3 Dosen, max: 60 mg/Tag.
      • Bei psychiatrischen Erkrankungen kann die Dosierung auf das Maximum erhöht werden.

Epilepsie
  • Oral
    • 1 Monat bis 16 Jahre
      [2] [3] [4] [5] [7] [8] [9] [16]
      • Initialdosis: 0,25 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Alle 5 Tage erhöhen bis auf eine Erhaltungsdosis von 0,5 - 1 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen, max: 40 mg/Tag.
      • Dosierungen bis zu 25 mg können als einmalige Tagesdosis abends verabreicht werden, um Schläfrigkeit während des Tages vorzubeugen.

    • 16 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [3] [4] [5] [7] [8] [9] [16]
      • Initialdosis: 0,25 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Alle 5 Tage erhöhen bis auf eine Erhaltungsdosis von 0,5 - 1 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen, max: 80 mg/Tag.
      • Dosierungen bis zu 25 mg können als einmalige Tagesdosis abends verabreicht werden, um Schläfrigkeit während des Tages vorzubeugen.

Fieberkrämpfe
  • Oral
    • 6 Monate bis 6 Jahre
      [6] [15] [17]
      • 0,5 mg/kg/Tag in 1 - 2 Dosen, max: 40 mg/Tag.
      • Behandlungsdauer: Ab dem Fieberbeginn und über die gesamte Fieberperiode.
      • Es gibt nur wenige wissenschaftliche Studien über den Einsatz von Clobazam bei Fieberkrämpfen. Die Dosierungsempfehlung basiert auf der Erfahrung von Experten.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANXIOLYTIKA

Benzodiazepin-Derivate

Diazepam

Gewacalm®, Stesolid®, Psychopax®
N05BA01

Lorazepam

Temesta®
N05BA06

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Bei Kindern sind Reizbarkeit, Aggression, Unruhe, abnormales Verhalten, Wahnvorstellungen, Albträume, Wut, Halluzinationen, psychotische Störungen, Selbstmordgedanken und Verhaltensstörungen häufiger als bei Erwachsenen. Schläfrigkeit, Ataxie, Sedierung, übermäßiger Speichelfluss wurden beobachtet. Besonders bei Anwendung hoher Dosen bei Kindern: paradoxe Reaktionen wie akute Erregung und Änderung des psychischen Zustands. In einem Fallbericht wird ein Absencen Status epilepticus als paradoxe Reaktion beschrieben (Samanta, Willis und Sharp 2014). Ein Fall von Ödembildung der Extremitäten wurde ebenso publiziert (Incecik und Ozcanyuz 2018).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Somnolenz und Ermüdung (vor allem zu Beginn der Behandlung und bei höherer Dosierung), verminderter Appetit, Reizbarkeit, Aggression, Unruhe, Depression (Verstärkung von bestehender Depression), Arzneimitteltoleranz (insbesondere bei längerer Anwendung), Agitiertheit, Sedierung, Schwindelgefühl, Aufmerksamkeitsstörung, langsame Sprache/Dysarthrie/Sprechstörung (reversibel; tritt insbesondere bei hohen Dosen oder bei Langzeitbehandlung auf), Kopfschmerzen, Tremor, Ataxie, Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, anomales Verhalten, Verwirrtheitszustand, Angst, Wahn, Albträume, Libidoverlust (reversibel; insbesondere bei hohen Dosen oder bei Langzeitbehandlung), Doppeltsehen (reversibel; tritt insbesondere bei hohen Dosen oder Langzeitbehandlung auf)

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
(Anterograde) Amnesie, Abhängigkeit (besonders bei längerer Anwendung), psychotische Störungen, Suizidalität, Atemdepression, respiratorische Insuffizienz (insbesondere bei Patienten mit bestehender beeinträchtigter Lungenfunktion, (z.B. bei Patienten mit Asthma oder Hirnschädigungen), Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxisch epidermale Nekrolyse (TEN) einschließlich einiger Fälle mit tödlichem Ausgang

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

  • Myasthenia gravis
  • schwere Leberfunktionsstörung
  • schwere Ateminsuffizienz
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • akute Intoxikationen durch Alkohol oder andere ZNS-aktive Substanzen
  • Abhängigkeitsanamnese: Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Anamnese

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Langzeitbehandlung nicht abrupt absetzen, sondern Dosis schrittweise reduzieren, um Entzugserscheinungen und Rebound-Effekten vorzubeugen.
Wirksamkeit und Nebenwirkungen korrelieren mit der CYP2C19-Aktivität: N-Clobazam-Konzentration steigt bei Poor-Metabolizern.
 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Abhängigkeit: Die Einnahme von Benzodiazepinen, einschließlich Clobazam kann zur Entwicklung einer physischen und psychischen Abhängigkeit führen. Das Risiko einer Abhängigkeit steigt mit der Dosis und Dauer der Behandlung.
  • Eingeschränkte Nieren- und Leberfunktion: Da Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion möglicherweise verstärkt auf die Behandlung mit Clobazam ansprechen und eine höhere Anfälligkeit für Nebenwirkungen bestehen kann, kann eine Dosisreduktion erforderlich sein. Im Falle einer Langzeitbehandlung sind Leber- und Nierenfunktion regelmäßig zu kontrollieren.
  • Depressionen und Angstzustände: Bei Patienten mit Depressionen oder Angst in Verbindung mit einer Depression darf Clobazam nur zusammen mit einer entsprechenden Begleitmedikation angewendet werden. Bei Angstzuständen, die mit emotionaler Labilität assoziiert sind, muss vor Behandlungsbeginn abgeklärt werden, ob der Patient unter einer depressiven Störung leidet, die eine zusätzliche oder andersartige Therapie erfordert.
  • Suizidgedanken und suizidales Verhalten: Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden. Patienten (und deren Betreuungspersonen) wird geraten, bei Anzeichen für suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Toleranz bei Epilepsie: Bei der Behandlung von Epilepsie mit Benzodiazepinen - einschließlich Clobazam - muss die Möglichkeit einer Verringerung der antikonvulsiven Wirksamkeit (Entwicklung von Toleranz) im Verlauf der Behandlung berücksichtigt werden.
  • Clobazam darf nur unter besonderer Vorsicht und dann nur in verminderter Dosierung angewendet werden bei spinalen und zerebellaren Ataxien.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Zentral dämpfende Arzneimittel (u.a.Opioide, Barbiturate, 4-Hydroxybutansäure, Benzodiazepine, Antidepressiva, narkotische Analgetika, Antiepileptika, Anästhetika, sedative Antihistaminika, Z-Substanzen) additive zentraldämpfende bzw. atemdepressive Effekte gleichzeitige Therapie nur unter sorgfältiger Überwachung und vorsichtiger Dosissteigerung beginnen
Clozapin In seltenen Fällen kann es zu Benzodiazepinintoxikation, schwerer Hypotension, Atemdepression, Bewusstseinsstörung und potenziell tödlichem Atemstillstand kommen Überwachung auf Symptome einer Toxizität (z. B. deutliche Sedierung, Schwindel, Ataxie, Schwäche), ggf. Kombinationstherapie beenden.
Alkohol erhöhtes Risiko für ZNS-Depression Alkohol vermeiden, bei gleichzeitiger Behandlung sorgfältige Überwachung auf verstärkte zentraldämpfende und sedative Effekte
Carbamazepin oder Phenytoin verminderte Clobazamkonzentrationen und erhöhte Konzentration des aktiven Metaboliten von Clobazam; erhöhtes Risiko für eine Carbamazepin- oder Phenytoin-Intoxikation Überwachung der Serumkonzentrationen und auf Anzeichen einer Intoxikation achten, ggf. Dosisanpassung
CYP3A4-Inhibitoren (Stiripentol, Ketoconazol, Clarithromycin, Erythromycin, Fluconazol. Itraconazol, Ritonavir, Verapamil, Voriconazol, Diltiazem) erhöhte Clobazamkonzentrationen Überwachung der Serumkonzentrationen und auf Anzeichen einer Intoxikation achten, ggf. Dosisanpassung
CYP3A4-Induktoren (Primidon, Phenobarbital, Rifampicin) verminderte Clobazamkonzentration Überwachung der Serumkonzentrationen und ggf. Dosisanpassung
CYP2C19-Inhibitoren (Fluconazol, Fluvoxamin) erhöhte Konzentrationen von Clobazam und dessen aktiven Metaboliten Norclobazam Überwachung der Serumkonzentrationen und auf Anzeichen einer Intoxikation achten, ggf. Dosisanpassung
Cannabidiol erhöhte Konzentrationen von Clobazam und dessen aktiven Metaboliten Norclobazam Überwachung der Serumkonzentrationen und auf Anzeichen einer Intoxikation achten, ggf. Dosisanpassung

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Bun H, et al, Effects of age and antiepileptic drugs on plasma levels and kinetics of clobazam and N-desmethylclobazam., Pharmacol Toxicol., 1990, Aug;67(2), 136-4
  2. Kalra V, et al, Clobazam in refractory childhood epilepsy, Indian J Pediatr, 2010 , Mar;77(3), 263-6
  3. Canadian Study Group for Childhood Epilepsy, Clobazam has equivalent efficacy to carbamazepine and phenytoin as monotherapy for childhood epilepsy , Epilepsia, 1998, Sep;39(9), 952-9
  4. Conry JA, et al, Clobazam in the treatment of Lennox-Gastaut syndrome, Epilepsia, 2009, May;50(5), 1158-66
  5. Kaushal S, et al, Safety and efficacy of clobazam versus phenytoin-sodium in the antiepileptic drug treatment of solitary cysticercus granulomas, Neurol India, 2006, Jun;54(2), 157-60
  6. Rose W, et al, Intermittent clobazam therapy in febrile seizures, Indian J Pediatr, 2005, Jan;72(1), 31-3
  7. Canadian Clobazam Cooperative Group, Clobazam in treatment of refractory epilepsy: the Canadian experience. A retrospective study. , Epilepsia, 1991, May-Jun;32(3):, 407-16
  8. Shimizu H, et al, Antiepileptic effects of clobazam in children. , Brain Dev, 1982, 4(1), 57-62
  9. Keene DL, et al, Clobazam as an add-on drug in the treatment of refractory epilepsy of childhood, Can J Neurol Sci., 1990, Aug;17(3), 317-9
  10. Koeppen D. , Review of clinical studies on clobazam. , Br J Clin Pharmacol. , 1979, 7, Suppl 1139S-50S
  11. Seo T, et al, Impact of CYP2C19 polymorphisms on the efficacy of clobazam therapy, Pharmacogenomics, 2008 , May;9(5), 527-3
  12. Sanofi-Aventis Netherlands BV, SPC Frisium (RVG 09600), www.cbg-meb.nl, Geraadpleegd 08 april 2011
  13. Incecik, F. et al, Unusual side effects due to clobazam: a case report with edema of the extremities, Acta Neurol Belg , 2018, 118(3), 521-522
  14. Samanta, D. et al, Absence status after starting clobazam in a patient with syndrome of continuous spike and wave during slow sleep (CSWS)., Neurol India , 2014, 62(2), 685-7
  15. Khosroshahi, N. et al, Diazepam versus clobazam for intermittent prophylaxis of febrile seizures, Indian J Pediatr , 2011, 78(1), 38-40
  16. Ng, Y.T. et al, Randomized, phase III study results of clobazam in Lennox-Gastaut syndrome, Neurology, 2011, 77(15), 1473-81
  17. Sattar, S. et al, Intermittent prophylaxis of recurrent febrile seizures with clobazam versus diazepam, Mymensingh Med , 2014, 23(4), 676-85
  18. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 28.09.2020
  19. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 28.09.2020
  20. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 28.09.2020
  21. Sanofi-Aventis, SmPC Frisium 10 mg Tbl. (16842), 12/2019

Änderungsverzeichnis

  • 28 Dezember 2020 07:46: Neue Monographie "Clobazam"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung