Melatonin

Wirkstoff
Melatonin
Handelsname
Circadin®, Slenyto®
ATC-Code
N05CH01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Schlafstörungen (Insomnie) bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und/oder Smith-Magenis-Syndrom [SmPC Slenyto]
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
  • Andere Schlafstörungen
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Retardtabletten 1 mg, 2 mg, 5 mg
Die Stärken 1 mg und 5 mg sind nicht im österreichischen Warenverzeichnis gelistet (Stand 09/2020).

Allgemein

Melatonin liegt in den im Handel befindlichen Präparaten in der Reinform vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich demnach auf Melatonin.
Laut Fachinformation soll Circadin® 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen nach der letzten Mahlzeit eingenommen werden.
Laut Fachinformation soll Slenyto® soll ½ - 1 Stunde vor dem Schlafengehen mit oder nach der Mahlzeit eingenommen werden.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
CIRCADIN® Retardtabletten 2 mg Lactose
SLENYTO® Retardtabletten 1 / 5 mg Lactose, Glucose

Die Fachinformationen wurden 09/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Allgemein

Melatonin gehört zu Gruppe der Psycholeptika und ist ein Melatonin-Rezeptor-Agonist. Melatonin ist ein natürlicherweise vorkommendes Hormon, das von der Zirbeldrüse produziert wird und mit dem Serotonin strukturverwandt ist. Physiologisch steigt die Melatoninsekretion bald nach Einsetzen der Dunkelheit, gipfelt um 2 bis 4 Uhr nachts und fällt in der zweiten Nachthälfte dann wieder ab. Melatonin ist assoziiert mit der Steuerung des zirkadianen Rhythmus und der Synchronisation der inneren Uhr mit dem Tag-Nacht-Zyklus. Es ist ebenfalls assoziiert mit einer schlafanstoßenden Wirkung und einer Erhöhung der Schlafneigung.

Wirkmechanismus

Die Aktivität von Melatonin an den MT1, MT2 und MT3-Rezeptoren soll Anteil an den schlaffördernden Eigenschaften haben, da diese Rezeptoren (vorwiegend MT1 und MT2) an der Steuerung der zirkadianen Rhythmen und des Schlafes beteiligt sind.

Pharmakokinetik

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter wurden bei Kindern zwischen 3 - 8 Jahren (n=9) mit einer Dosis von 1-3 mg gefunden (Goldman 2014):

Cmax (pg/ml) Tmax (h) t1/2 (h) Cl (ml/h/kg) Vd (ml/kg)
2,5 – 11,6 0,6 – 0,7 1,0-1,3 12,6-14,2 17,0-28,8

 

Dosierungen

Schlafstörungen
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [3] [4] [5] [9] [10] [11] [12]
      • Initialdosis: 0,1 - 0,5 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Bei unzureichendem Ansprechen Initialdosis erhöhen auf max. 5 mg/Tag in 1 Dosis
      • Anwendungshinweis:

        Je nach Schlafproblematik sollte die Einnahme 0,5-1 Stunde (Einschlafstörungen) oder 3-4 Stunden (Schlaf-Wach-Rhythmus Störungen) vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Schlafstörungen (Insomnie) bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und/oder Smith-Magenis-Syndrom [SmPC Slenyto]
  • Oral
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [12]
      • Initialdosis: 2 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Bei unzureichendem Ansprechen sollte die Dosis erhöht werden auf 5 mg/Tag in 1 Dosis, max: 10 mg/Tag.
      • Anwendungshinweis:

        Die Einnahme sollte 0,5-1 Stunde vor dem Zubettgehen erfolgen.

      • Eine medikamentöse Therapie darf erst in Betracht gezogen werden, wenn Schlafhygienemaßnahmen unzureichend waren.

         

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

HYPNOTIKA UND SEDATIVA

Aldehyde und Derivate
N05CC01
Benzodiazepin-Derivate

Midazolam

Dormicum®, Buccolam®, diverse Generika
N05CD08
Andere Hypnotika und Sedativa

Dexmedetomidin

Dexdor®, diverse Generika
N05CM18

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Enuresis, Diarrhoe, Hypothermie (Bruni 2015)

Häufig: Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Reizbarkeit, Somnolenz, Kopfschmerzen, plötzliche Schlafattacken, Sinusitis, Erschöpfung, körperliche Müdigkeit (SmPC Slenyto)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Insomnie, anormale Träume, Albträume, Angst, Migräne, Kopfschmerzen, Lethargie, psychomotorische Hyperaktivität, Benommenheit, Somnolenz, Hypertonie, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Dyspepsie, Mundgeschwür, Mundtrockenheit, Übelkeit, Hyperbilirubinämie, Dermatitis, nächtliches Schwitzen, Juckreiz, Hautausschlag, generalisierter Juckreiz, trockene Haut, Schmerzen in den Extremitäten, Glukosurie, Proteinurie, menopausale Symptome, Asthenie, Schmerzen im Brustraum, Abnorme Leberfunktionswerte, Gewichtszunahme

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
Angioödem, Angina pectoris

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Kindern mit Epilepsie mit schweren neurologischen Störungen wurden Krämpfe berichtet. Es liegen keine Daten zu den Langzeitwirkungen bei Kindern vor.

Wenn Melatonin zur Behandlung eines verzögerten Schlafphasensyndroms eingesetzt wird, ist dies nur sinnvoll, wenn dies durch eine Verhaltenstherapie ergänzt wird, bei der auf die Schlafhygiene, die Einhaltung strenger Schlafenszeiten und eine optimale Lichtexposition am Morgen geachtet wird.

Die optimale Einnahmezeit hängt von der eigenen Melatoninproduktion ab. Dies kann auf der Grundlage von Schlafuhrkalendern, Aktigraphie oder DLMO-Bestimmung (Dim Light Melatonin Onset) geschätzt werden.

Für einen früheren Einschlafzeitpunkt kann die Einnahme schrittweise vorverlegt werden. Im Durchschnitt verschiebt sich der Rhythmus alle 2-3 Tage um 30 Minuten.

Bei Langzeitanwendung: Unterbrechen Sie die Behandlung einmal pro Jahr, nachdem ein normaler Schlafzyklus erreicht wurde (vorzugsweise im Sommer), um festzustellen, ob Melatonin noch benötigt wird.

Bei Wirkungsverlust trotz anfänglich guter Wirkung: Es wird geraten, die Behandlung für einige Tage abzusetzen und mit einer niedrigeren Dosis neu zu beginnen.
Grund: Durch eine verminderte Aktivität von CYP1A2 kann es bereits bei niedrigen Dosen zu einer Akkumulation von Melatonin kommen, wodurch der circadiane Melatonin Rhythmus verloren gehen kann.

Melatonin als Hypnotikum sollte grundsätzlich so kurz wie möglich angewendet werden. Bei jedem Arztbesuch sollte evaluiert werden, ob eine Verhaltenstherapie den Einsatz von Melatonin ersetzen kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Melatonin kann Schläfrigkeit hervorrufen. Daher ist das Arzneimittel mit Vorsicht anzuwenden, wenn die Auswirkungen von Schläfrigkeit ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten.
  • Zur Anwendung von Melatonin bei Personen mit Autoimmunerkrankungen liegen keine klinischen Daten vor. Daher wird die Anwendung bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen nicht empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Starke CYP1A2-Inhibitoren z.B. Fluvoxamin, Ciprofloxacin Hemmung des Metabolismus von Melatonin durch CYP-Inhibition. Erhöhte Serumkonzentration von Melatonin. Kombination vermeiden.
CYP1A2-Induktoren z.B. Rauchen Steigerung des Metabolismus von Melatonin durch CYP-Induktion. Erniedrigte Serumkonzentration von Melatonin. Bei Rauchern können höhere Melatonin-Dosen erforderlich sein.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Van der Heijden KB, et al, Effect of melatonin on sleep, behavior, and cognition in ADHD and chronic sleep-onset insomnia, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry, 2007, Feb;46(2), 233-41
  2. Tjon Pian Gi CV, et al, Melatonin for treatment of sleeping disorders in children with attention deficit/hyperactivity disorder: a preliminary open label study, Eur J Pediatr, 2003, Jul;162(7-8), 554-5
  3. Weiss MD, et al, Sleep hygiene and melatonin treatment for children and adolescents with ADHD and initial insomnia, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry, 2006, May;45(5), 512-9
  4. Wasdell MB, et al, A randomized, placebo-controlled trial of controlled release melatonin treatment of delayed sleep phase syndrome and impaired sleep maintenance in children with neurodevelopmental disabilities, J Pineal Res, 2008, Jan;44(1), 57-64
  5. Garstang J, et al, Randomized controlled trial of melatonin for children with autistic spectrum disorders and sleep problems, Child Care Health Dev, 2006, Sep;32(5), 585-9
  6. Hancock E, et al, Effect of melatonin dosage on sleep disorder in tuberous sclerosis complex, J Child Neurol, 2005, Jan;20(1), 78-80
  7. Braam W, et al, Melatonin decreases daytime challenging behaviour in persons with intellectual disability and chronic insomnia, J Intellect Disabil Res., 2010, Jan 1;54(1), 52-9
  8. Coppola G, et al, Melatonin in wake-sleep disorders in children, adolescents and young adults with mental retardation with or without epilepsy: a double-blind, cross-over, placebo-controlled trial., Brain Dev. , 2004, Sep;26(6):, 373-6
  9. Dodge NN, et al, Melatonin for treatment of sleep disorders in children with developmental disabilities, J Child Neurol., 2001, Aug;16(8), 581-4
  10. Goldman SE, et al, Melatonin in children with autism spectrum disorders: endogenous and pharmacokinetic profiles in relation to sleep, J Autism Dev Disord, 2014, Oct;44(10), 2525-35
  11. Bruni O, et al., Current role of melatonin in pediatric neurology: clinical recommendations, Eur J Paediatr Neurol, 2015, 19, 122-33
  12. RAD Neurim Pharmaceuticals EEC Limited, SmPC Slenyto (EU/1/18/1318/001-004) 10-10-2018, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  13. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 17.09.2020
  14. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 17.09.2020
  15. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 17.09.2020
  16. RAD Neurim, SmPC Circadin 2 mg Retardtbl. (91151), 02/2019
  17. RAD Neurim, SmPC Slenyto 1 mg Retardtbl. (93554), 02/2020

Änderungsverzeichnis

  • 21 Dezember 2020 14:51: Neue Monographie "Melatonin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung