Lokalanästhetikum vom Typ der Säureamide. Die lokalanästhetische Wirkung von Lidocain beruht auf einer Hemmung des Na+-Einstromes an den Nervenfasern. Dies führt konzentrationsabhängig zu einer verminderten Erregbarkeit der Nervenfaser, da der zur Ausbildung des Aktionspotentials notwendige, plötzliche Anstieg der Natriumpermeabilität verringert ist. Neben der Schmerzempfindung wird die Empfindung für Kälte bzw. Wärme, für Berührung und Druck herabgesetzt. Lidocain wirkt außerdem antiarrhythmisch. Es zeigt zusätzlich eine schwache antihistaminerge und parasympatholytische Wirkung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lokalanästhetika besitzt Lidocain keine gefäßerweiternde Wirkung.
Pharmakokinetik bei Kindern
Lidocain wird durch oxidative N-Dealkylierung hauptsächlich durch CYP1A2 und in geringerem Maße durch CYP3A4 zu Monoethylglycinxylidid (MEGX) metabolisiert. CYP1A2 tritt ab dem Alter von 1-3 Monaten in Erscheinung, CYP3A4 in der 1. Lebenswoche. In diesem Zeitraum ist CYP3A4 für einige der Umwandlungen verantwortlich, die normalerweise von CYP1A2 durchgeführt werden würden. Nach der anschließenden N-Dealkylierung wird Glycinxylidid (GX) gebildet, allerdings in geringerem Umfang als MEGX. Weniger als 10% werden in unveränderter Form mit dem Urin ausgeschieden. Lidocain ist ein Antikonvulsivum mit einem hohen hepatischen Extraktionsverhältnis (0,65-0,75), weshalb die Clearance von der Leberdurchblutung abhängt. Daher ist die Leberperfusion während der Hypothermie mit einer um 21,8 bis 24 % verringerten Clearance verbunden. Normalerweise sind etwa 64-70 % des Lidocains an alpha-1-saures-Glycoprotein (AAG) gebunden. Bei Neugeborenen sind die AAG-Spiegel niedrig, und der freie, biologisch aktive Anteil von Lidocain ist bei Neugeborenen relativ hoch. Die bei Kindern über 1 Jahr beobachtete freie Fraktion ist mit der bei Erwachsenen gemessenen vergleichbar, d. h. sie liegt für Lidocain zwischen 30 und 40 % (Mazoit 2004; van den Broek 2011; SmPC RVG 55119)
Bei Säuglingen und Kindern (0,5 - 3 Jahre) wurden nach einem intravenösen Bolus von 1 mg/kg bei einer Allgemeinanästhesie die folgenden pharmakokinetischen Parameter ohne signifikante Unterschiede im Vergleich zu Erwachsenen festgestellt (Finholt 1986):
Variablen
Kinder (n=10)
Erwachsene (n=8)
Alter (Jahre)
0,5 – 3
18 – 51
Gewicht (kg)
4,5 – 14
48 – 82
T1/2 (min)
58 ± 19
43 ± 16
Vd (L/kg)
1,11 ± 0,34
0,71 ± 0,28
Cl (mL/kg/min)
11,1 ± 1,8
9,8 ± 1,4
(Alle) Werte werden als Mittelwert ± SEM dargestellt. Das durchschnittliche Alter und Gewicht sind unbekannt
Bei Neugeborenen, Säuglingen und älteren Kindern (0 - 18 Jahre) wurden die folgenden pharmakokinetischen Parameter nach einem intravenösen Bolus von 1,5 mg/kg bei einer Allgemeinanästhesie festgestellt, mit verlängerter T1/2 bei Früh- und Neugeborenen im Vergleich zu älteren Altersgruppen (LeDez 1987):
Variablen
Frühgeborene (n=1)
Reifgeborene (n=5)
Säuglinge (n=8)
Kinder (n=9)
Jugendliche (n=6)
Alter (Jahr)
KA
0,025 ± 0,043
0,35 ± 0,14
3,46 ± 0,78
15.33 ± 1,47
Gewicht (kg)
0,74
3,57 ± 0,6
6,63 ± 1,4
14,78 ± 2,53
58,97 ± 10,36
T1/2 (min)
191,4
145,3 ± 31,8
77,9 ± 31,7
52,5 ± 10,9
86,2 ± 28,2
(Alle) Werte werden als Mittelwert ± SD dargestellt. KA: Keine Angabe.
Bei Frühgeborenen wurden nach einer subkutanen Injektion von 1 - 2 mg/kg während einer Lokalanästhesie die folgenden pharmakokinetischen Parameter festgestellt, wobei die T1/2 bei Frühgeborenen im Vergleich zu Erwachsenen verlängert war (Mihaly 1978):
Variablen
Frühgeborene (n=4)
Erwachsene (n=11)
Alter
- Postpartales Alter (Tage)
- GA (Wochen)
18,75 (5 – 42)
GA: 31,35 (26 – 38)
KA
Gewicht (kg)
2,03 (1,2 – 3,2)
KA
T1/2 (hr)
3,16 (3,03 – 3,30)
1,80 (1,22 – 2,23)
Vd (L/kg)
2,75 (1,44 – 4,99)
1,11 (0,58 – 1,91)
Cl (L/kg/h)
0,610 (0,307 – 1,141)
0,550 (0,318 – 0,726)
Alle Werte werden als Mittelwerte und Range dargestellt. KA: Keine Angabe. GA: Gestationsalter
Bei Kindern (3,5 – 9 Jahre) wurden folgende pharmakokinetische Parameter nach einem IV Bolus von 5 mg/kg bei Kaudalanästhesie festgestellt, mit einer verlängerten T1/2 bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen (Ecoffey 1984):
Variablen
Kinder (n=11)
Erwachsene
Alter
5,3 ± 0,5
Die Pharmakokinetik von Lidocain nach Kaudalanästhesie bei Kindern ist ähnlich wie bei Erwachsenen, mit Ausnahme der T1/2, die bei Kindern etwas länger ist. Die längere T1/2 wird auf ein größeres Vd bei Kindern zurückgeführt, da die Cl von Lidocain bei Kindern ähnlich ist wie bei Erwachsenen (Benowitz 1987; Tucker 1975)
Gewicht (kg)
19,5 ± 1,8
T1/2 (min)
155 ± 27
Vd (L/kg)
3,05 ± 0,40
Cl (mL/kg/min)
15,4 ± 1,2
Alle Werte werden als Mittelwert ± SEM dargestellt
Pharmakokinetische Daten abgeleitet von PopPK-Studien bei (frühgeborenen) Neugeborenen mit Krampfanfällen [van den Broek 2011, van den Broek 2013; Favié 2020]:
Variablen
van den Broek et al. 2011 [2] (n=46)
van den Broek et al. 2013 [10] (n=26)
Favié et al. 2020 [11] (n=153)
Alter (Median/Mittelwert, range/SD)
- GA (Wochen)
38 (25,0-42,7)
39,4 (34,1 – 42,7)
37,0 ± 4,84
Cl (L/h/kg)a
0,463d
0,523d,e
0,506d,f
Proportionaler Effekt der Hypothermie auf Clearance (Cl)
0,760b
0,782c
Vd (L/kg) a
2,963d
3,114d
2,663d
T1/2 bei Normothermie (Stunden)
4,1
T1/2 bei Hypothermie (Stunden)
5,5
GA: Gestationsalter
a Normotherme Bedingungen. b Die CI war bei Hypothermie im Vergleich zur Normothermie um 24 % reduziert. c Die Cl war bei Hypothermie im Vergleich zur Normothermie um 21,8% reduziert.
d Das Körpergewicht (KG) hat einen signifikanten Effekt auf Vd und Cl.
e Hypothermie (33,5°C) hat einen signifikanten Effekt auf die Cl.
f Postmenstruelles Alter (PMA) und Hypothermie (33,5°C) haben einen signifikanten Effekt auf die Cl.
Intravenös, - Im Rahmen einer kardiopulmonalen Reanimation als adjuvante antiarrhythmische medikamentöse Therapie - Im Fall von anhaltenden ventrikulären Tachyarrhythmien bei Digitalisintoxikation Kinder und Jugendliche: Zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor. (SmPC Lidocorit 2 %-Ampullen)
ATC N01BB02:
Zur Infiltration/ Perineural/ Intravenös, zur Lokal- und Regionalanästhesie (ohne Vasokonstriktor) Kinder von 1 bis 12 Jahren: Max. 4,5 mg/kg in max. 1 %-iger Lösung Kinder <1 Jahr: Keine ausreichenden Erfahrungen. (SmPC Xylanest purum)
Perineural, zur Lokalanästhesie und peripheren Nervenblockade Kinder und Jugendliche (2-18 Jahre): 3–4 mg/kg Kinder < 2 Jahren: Keine Anwendung, da für diese Altersgruppe die Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt ist. Keine intravenöse Anwendung bei Kindern <12 Jahren, da die Gefahr einer toxischen Reaktion besteht. (Lidocain Aguettant 10 mg/ml)
Epidural/ Intravenös/ Subkutan/ Lokal, für eine lokale und regionale Anästhesie durch folgende Techniken: - Lokale Infiltration - Kleine und große Nervenblockaden - Epiduralblockade - Intravenöse Regionalanästhesie Kleinkinder und Kinder von 1 bis 12 Jahren: Kaudal epidural: Max. 5 mg/kg/Dosis von max. 1%iger Lösung (konservierungsmittelfreie Lösung wählen) Kleinkinder < 1 Jahr: Es gibt keine ausreichenden Erfahrungen (SmPC Xylocain 1%)
ATC N01BB52:
Zur Infiltration, zur Lokal- und Regionalanästhesie mit Vasokonstriktor Kinder von 1 bis 12 Jahren: Max. 7 mg/kg/Dosis in maximal 1 %-iger Lösung. Bei Kindern sollte man erwägen, ob nicht die Anwendung eines länger wirkenden Lokalanästhetikums ohne Epinephrinzusatz ausreicht, um den gewünschten Effekt zu erzielen, da begründete Dosierungsempfehlungen für Kinder nicht vorliegen. Kinder <1 Jahr: Keine ausreichenden Erfahrungen. (SmPC Xylanaest)
ATC N01BB02:
Lokal, zur örtlichen Anästhesie - zur Linderung von Schmerzen bei Untersuchungen bzw. Untersuchungen mit Instrumenten, z.B. Endotrachealintubation, Proktoskopie, Sigmoidoskopie, Zystoskopie - in der Zahnheilkunde: Oberflächenanästhesie des Gaumens vor Injektionen, Periodontalverfahren - der Schleimhaut, z.B. postoperative Schmerzen nach Verfahren in der Zahnheilkunde und Otolaryngealverfahren - bei Hämorrhoiden und Analfissuren - zur vorübergehenden Erleichterung von Schmerzen in Verbindung mit leichten Verbrennungen, Abrasionen der Haut, z.B. Sonnenbrand, Herpes zoster und labialis, Pruritus, entzündeten Brustwarzen, Insektenstichen sowie zur postoperativen Analgesie nach Zirkumzision Neugeborene, Kleinkinder, Kinder bis 12 Jahre: Max. 5 mg Lidocain/kg/Dosis. Max. 3 Dosen innerhalb von 24 Stunden Jugendliche (12-18 Jahre): Dosierung entsprechend Alter, Gewicht und physischer Verfassung (Xylocain 5% Salbe)
Lokal, zur Schleimhautanästhesie und als Gleitmittel für - die männliche und weibliche Urethra bei Zystoskopie, Katheterisierung, Sondierung und andere endourethrale Verfahren - den Nasal- und Pharyngealraum bei Endoskopien, z.B. Gastroskopie und Bronchoskopie - Trachealintubation - zur Schmerzlinderung nach Zirkumzision bei Kindern Neugeborene, Kleinkinder, Kinder bis 12 Jahre: Max. 6 mg Lidocain/kg. Max. 4 Dosen innerhalb von 24 Stunden Jugendliche (12-18 Jahre): Dosierung entsprechend Alter, Gewicht und physischer Verfassung (SmPC Xylocain 2%-Gel)
Lokal, zur Oberflächenanästhesie im Zusammenhang mit folgenden Prozeduren: - Eingriffe im Nasenbereich, z.B. Punktierung des Sinus maxillaris - Eingriffe im Mund- und Zahnbereich, z.B. vor einer Injektion - Eingriffe im Oropharynx, z.B. gastrointestinale Endoskopie - Eingriffe im Respirationstrakt, z.B. Einführen von Instrumenten und Tuben - Eingriffe in Larynx, Trachea und Bronchien - Eingriffe bei der Geburtshilfe und Gynäkologie, z.B. vaginale Geburt, Nähen von Rissen in der Schleimhaut und Zervikalbiopsien Kinder bis 2 Jahre: Wegen des Gehaltes an Menthol nicht bei Säuglingen und Kindern bis zu 2 Jahren anwenden Kinder 2 bis 12 Jahre: bei laryngotrachealer Anwendung max. 3 mg/kg; für nasale, orale und bei oropharyngealer Anwendung: max. 4 - 5 mg/kg Jugendliche (12-18 Jahre): Dosierung entsprechend Alter, Gewicht und physischer Verfassung (SmPC Xylocain – Pumpspray)
ATC A01AD11:
Lokal, zur kurzzeitigen, symptomatischen Behandlung von Schmerzen an Mundschleimhaut, Zahnfleisch und Lippen bei Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern, Kleinkindern und Säuglingen Kinder und Jugendliche: Max. 4 x täglich ein erbsengroßes Stück entsprechend 0,2 g Gel bzw. 3,6 mg Lidocain. Max. für 5 Tage. Die gegenwärtig vorhandene Dokumentation reicht nicht für die Empfehlung einer längeren Anwendung von Lidocain bei Kindern unter 3 Jahren (SmPC Dynexan 1,8 % Mundgel)
Lokal, bei Schmerzen und ersten Anzeichen einer beginnenden Zahnung sowie beim Durchbruch der ersten Zähnchen und dadurch hervorgerufenen Zahnfleischentzündungen und -reizungen Bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern: Ein erbsengroßes Stück Gel (entsprechend etwa 0,1 g mit 15 mg Kamillentinktur, 0,3 mg Lidocainhydrochlorid Monohydrat, 0,3 mg Lauromacrogol 400) mit einem sauberen Finger oder sauberen Wattestäbchen auf die betroffene Stelle der Zahnleiste auftragen und leicht einmassieren. Die Behandlung soll 2 – 3-mal täglich wiederholt werden, insbesondere nach den Mahlzeiten und vor dem Einschlafen. Die Anwendung kann bei Bedarf bis zum Durchtritt aller Milchzähnchen sowie auch der Backenzähnchen fortgesetzt werden. (SmPC Dentinox Zahnungshilfe Gel)
ATC A01AD11: Gel zur Anwendung in der Mundhöhle 20 mg/g (2 %) (Lidocainhydrochlorid Monohydrat) Gel zur Anwendung am Zahnfleisch 3,4 mg/g (Lidocainhydrochlorid Monohydrat) (+ 3,2 mg Lauromacrogol 400 + 150 mg Kamillentinktur)
Die Injektionslösungen enthalten Lidocain - je nach Hersteller - in Form von Lidocainhydrochlorid bzw. Lidocainhydrochlorid Monohydrat. Die angegebene Stärke bezieht sich jeweils auf Lidocainhydrochlorid. Das Gel enthält Lidocain in Form von Lidocainhydrochlorid. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Lidocainhydrochlorid. Das Gel zur Anwendung in der Mundhöhle enthält Lidocain in Form von Lidocainhydrochlorid Monohydrat. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Lidocainhydrochlorid Monohydrat. Salbe und Spray enthalten Lidocain.
Initialdosis:
0,5
- 1
mg/kg/Dosis
über 1 min.
Bei Bedarf Initialdosis max. 2 x nach 5 - 10 Minuten wiederholen. Die maximale kumulative Dosis von 3 mg/kg sollte nicht überschritten werden.
Bei einer intravenösen Infusion über mehr als 24 h kann die Eliminationsgeschwindigkeit abnehmen. Eine Reduktion der Infusionsgeschwindigkeit kann erforderlich sein.
Behandlung durch oder nach Rücksprache mit fachärztlichem Personal für Pädiatrie (Kinderkardiologie), das Erfahrung in der Anwendung von Lidocain bei dieser Indikation hat.
Neonatale epileptische Anfälle: Neugeborene OHNE Hypothermie
Intravenös
Frühgeborene
Gestationsalter
≥ 25 Wochen
und
<
1,5 kg
Initialdosis: 2 mg/kg in 10 min Erhaltungsdosis:5 mg/kg/h über 4 h, dann folgendermaßen ausschleichen: - 2,5 mg/kg/h über 12 h - 1,25 mg/kg/h über 12 h, danach absetzen
Unter EKG-Kontrolle verabreichen, da Herzrhythmusstörungen auftreten können
Frühgeborene
Gestationsalter
≥ 25 Wochen
und
1,5
bis
2,5 kg
Initialdosis: 2 mg/kg in 10 min Erhaltungsdosis: 6 mg/kg/h über 4 h, dann folgendermaßen ausschleichen: - 3 mg/kg/h über 12 h - 1,5 mg/kg/h über 12 h, danach absetzen
Unter EKG-Kontrolle verabreichen, da Herzrhythmusstörungen auftreten können
Neugeborene
Gestationsalter
≥ 25 Wochen
und
≥ 2,5 kg
Initialdosis: 2 mg/kg in 10 min Erhaltungsdosis: 7 mg/kg/h über 4 h, dann folgendermaßen ausschleichen: - 3,5 mg/kg/h über 12 h - 1,75 mg/kg/h über 12 h, danach absetzen
Unter EKG-Kontrolle verabreichen, da Herzrhythmusstörungen auftreten können
Neonatale epileptische Anfälle: Neugeborene MIT Hypothermie
Intravenös
Neugeborene
Gestationsalter
≥ 35 Wochen
und
<
2,5 kg
Initialdosis: 2 mg/kg in 10 min Erhaltungsdosis: 6 mg/kg/h über 3,5 h, danach folgendermaßen ausschleichen: - 3 mg/kg/h über 12 h - 1,5 mg/kg/h über 12 h, danach absetzen
Unter EKG-Kontrolle verabreichen, da Herzrhythmusstörungen auftreten können
Neugeborene
Gestationsalter
≥ 35 Wochen
und
≥ 2,5 kg
Initialdosis: 2 mg/kg in 10 min Erhaltungsdosis: 7 mg/kg/h über 3,5 h, dann folgendermaßen ausschleichen: - 3,5 mg/kg/h über 12 h - 1,75 mg/kg/h über 12 h, danach absetzen
Unter EKG-Kontrolle verabreichen, da Herzrhythmusstörungen auftreten können
Bei Kindern < 2 Jahren ist das Risiko einer Überdosierung hoch. Verdünnungen von intravenösen Arzneiformen mit geringerer Konzentration können verwendet werden.
GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern
Im Allgemeinen: Schläfrigkeit, Parästhesie und Schwindel. Überdosierungen können Schläfrigkeit, Parästhesie und Schwindel auslösen, mit weiteren Wirkungen wie Agitation, verschwommenes Sehen, kalter Schweiß, Sprachstörungen, Tremor, Konvulsionen, Atemdepression, Anorexie, Hör- und Schluckstörungen, Beeinträchtigung der elektrischen Reizleitung (Bradykardie, Reentry-Arrhythmie, AV-Block) und Beeinträchtigung der Herzmuskelkontraktilität (Hypotonie), Herzrhythmusstörungen (AV-Block) und kardiovaskulärer Kollaps. Toxische Reaktionen treten bei Lidocain-Konzentrationen ab 5 - 9 microg./mL auf. Dies ist auch von der Art der Verabreichung und den Risikofaktoren des*der Patient*in abhängig. Im Allgemeinen liegen die therapeutischen Werte zwischen 1 (1,5) und 5 microg./mL. Für die Behandlung von Krampfanfällen bei Neugeborenen wird jedoch ein therapeutischer Bereich von 6 bis 7 microg./mL nach der initialen Infusionsdosis angestrebt. IV-Dosen sollten Plasmaspiegel von 9 microg./mL nicht überschreiten (van den Broek 2013; Favié 2020; Donald 2004; Berde 2002; Takasaki 1984; NVZA 2022; Kituu 2012). Neugeborene unter therapeutischer Hypothermie sind möglicherweise sogar weniger empfindlich für Kardiotoxizität als normotherme Neugeborene, da die Basalfrequenz bereits durch die Hypothermie selbst reduziert wird (van den Broek 2013; Favié 2020;).
Sehr selten (< 0,01%): Neonatale Methämoglobinämie, maligne Hyperthermie
topische Anwendung (Xylocain Salbe)
Selten (0,01-0,1%): allergische Reaktionen einschließlich allergischer Schock (zu den Symptomen können gehören: Bronchospasmus, Atemnotsyndrom, Hautläsionen, Urtikaria und Ödeme)
Häufigkeit nicht bekannt: Myokarddepression, Rhythmusstörungen, Blutdruckanstieg, Blutdruckabfall, Pulsanstieg, Bradykardie, Asystolie infolge Reizung und/oder Depression der Hirnrinde und Medulla, Mydriasis, Erbrechen, Reizung an der Applikationsstelle, Muskelzuckungen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Desorientiertheit, Sprachstörung, Schwindel, Unruhe, Atemstillstand, Rachenreizung
Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Kontraindikationen bei Kindern
Bei Anwendung bei epileptischen Anfällen bei Neugeborenen: Hypo- und Hyperkaliämie, (Verdacht auf) Kardiomyopathie (z.B. bei Mutter mit Diabetes), komplexer angeborener Herzfehler. Kombination mit Phenytoin vermeiden (Favié 2020; Weeke 2015). Phenytoin hat einen additiven Effekt auf die kardiodepressive Wirkung von Lidocain.
Kontraindikationen allgemein
Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika des Säureamidtyps
hochgradige Formen von Bradykardie, AV-Block II. und III. Grades und andere Überleitungsstörungen
manifeste Herzmuskelinsuffizienz
schwere Hypotonie
kardiogener oder hypovolämischer Schock
parenterale Anwendung: Die speziellen Kontraindikationen für Epidural- bzw. Spinalanästhesie, z.B. Störungen der Blutgerinnung, erhöhter Hirndruck, Hypovolämie, sind zu beachten
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern
Als Antiarrhythmikum: Eine bestehende Hypokaliämie vor der Behandlung ausgleichen. Insbesondere bei anhaltender ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern, direkt nach einem Herzinfarkt, bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung, bei struktureller Herzerkrankung und/oder schlechter Funktion des linken Ventrikels kann eine Verschlechterung der Arrhythmie auftreten. Vorsicht ist außerdem geboten bei Älteren, schlechtem Allgemeinzustand, Sinusknotendysfunktion, AV-Reizleitungsstörungen, Konvulsionen, schwerer Atemnot, Bradykardie, Herzinsuffizienz und Hypotonie. Bei Verdacht auf maligne Hyperthermie keine Lokalanästhetika vom Amidtyp verwenden. Kreuzallergien mit anderen Lokalanästhetika vom Amidtyp sind zu berücksichtigen. Allergische Reaktionen (Asthmaanfälle, Bronchospasmen, anaphylaktischer Schock) infolge intravenöser Verabreichungen von Sulfit können auftreten. Insbesondere Asthmapatient*innen stellen eine Hochrisikogruppe dar. Es muss eine Beatmungsapparatur vorhanden sein. Um Nebenwirkungen vorzubeugen, werden folgende Vorsorgemaßnahmen empfohlen: 1. So weit wie möglich die minimale wirksame Dosis verwenden und die maximale Dosis nicht überschreiten. 2. Injektion langsam verabreichen und die Infiltrations- oder Leitungsanästhesie mehrmals aspirieren, um einer intravaskulären Injektion vorzubeugen.
Bei neonatalen Krampfanfällen: Ausschließlich auf der neonatologischen Intensivstation (NICU) unter sorgfältiger EKG-Überwachung anwenden. Bei Veränderungen in EKG-Komplexen und/oder des Herzrhythmus ist Lidocain sofort abzusetzen. Nur niedrige Konzentrationen verwenden (< 20 mg/mL). Immer gemäß Ausschleichschema absetzen. Die Wirkung auf Krampfanfälle ist oft nicht sofort sichtbar, im EEG aber unter 6 Stunden nach Beginn der Behandlung sichtbar. Es wird eine Wartezeit von 30-60 Minuten empfohlen, um die Wirkung zu beobachten; danach sollte geprüft werden, ob eine zusätzliche Therapie erforderlich ist.
Adipositas: Aufgrund des höheren Körpergewichts (Erhöhung des absoluten Verteilungsvolumens) bei adipösen Kindern sollten die Initialdosen auf der Grundlage des Gesamtkörpergewichts und die kontinuierlichen Infusionsraten auf der Grundlage des idealen Körpergewichts berechnet werden (Ross 2015; Heath 2022).
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein
Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at).
Wechselwirkungen
Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt. Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
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