Sildenafil

Wirkstoff
Sildenafil
Handelsname
Revatio®, Pulmolan®, Pulmopresil®, Mysildecard®, Granpidam®, diverse Generika
ATC-Code
G04BE03
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Pulmonale arterielle Hypertonie (PAH)
    • Oral
      • <1 Jahr: Off-label
      • ≥1 Jahr: On-label,  >3 mg/kg/Tag: Off-label
    • Intravenös
      • Off-label
  • Chronische Lungenerkrankung
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 20 mg
Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 10 mg/ml
Injektionslösung 0,8 mg/ml

Sildenafil ist in den verfügbaren Präparaten als Sildenafilcitrat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Sildenafil.

Die Filmtabletten und die Suspension zum Einnehmen sollten mit oder unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die verfügbaren Filmtabletten enthalten: Lactose
Die verfügbare Suspension zum Einnehmen enthält: Sorbitol, Natriumbenzoat, Sucralose

Pharmakodynamik

Sildenafil ist ein wirksamer und selektiver Hemmstoff der für zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) spezifischen Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5), dem Enzym, das für den Abbau von cGMP verantwortlich ist. Abgesehen von seinem Vorliegen im Corpus cavernosum des Penis findet sich PDE5 auch in den Lungengefäßen. Sildenafil erhöht somit cGMP innerhalb der glatten Muskelzellen der Lungengefäße und führt so zu einer Entspannung. Bei Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) kann dies zu einer selektiven Vasodilatation im pulmonalen Gefäßsystem und – in geringerem Ausmaß – zu einer Vasodilatation im systemischen Kreislauf führen.

Pharmakokinetik

Tmax: ca. 1 h

Cmax: nach 20 mg oral: 49, 104 und 165 ng/ml für Patienten mit 70, 20 bzw. 10 kg
Cmax: nach 10 mg oral: 24, 53 und 85 ng/ml für Patienten mit 70, 20 bzw. 10 kg

T1/2 (Kinder 10 - 70 kg): 4,2 - 4,4 h

Neugeborene (intravenös):
Große interindividuelle Variabilität.
Clearance: 0,84 l/h (~8,05 L/h/70 kg) und 2,58 L/h (~24,7 L/h/70 kg) bei 1 Tag bzw. 7 Tage altem Kind.
Gesamtverteilungsvolumen: 22,4L (~456 L/70 kg)
T1/2: 55,9 h und 47,7 h bei 1 Tag bzw. 7 Tage altem Kind.

Dosierungen

Pulmonale arterielle Hypertonie
  • Oral
    • Frühgeborene: Gestationsalter < 37 Wochen
      [26]
      • Initialdosis: 1,5 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: 0,5 - 6 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
    • Neugeborene
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [19] [26]
      • 1,5 - 6 mg/kg/Tag in 3 Dosen, max: 8 mg/kg/Tag. Dosierung je nach Wirkung titrieren.
      • CAVE:
        Die oben angegebene Dosierung entspricht der am häufigsten in klinischen Studien verwendeten wirksamen Dosierung. Pfizer hat jedoch eine Sicherheitswarnung für höhere Dosierungen als die zugelassenen (30 mg in 3 Dosen bei Kindern ≤20 kg und 60 mg in 3 Dosen pro Tag bei Kindern >20 kg) veröffentlicht. Grund war eine in Studien beobachtete erhöhte Mortalität, für die aber kein kausaler Zusammenhang mit der Verwendung von Sildenafil ermittelt werden konnte.

    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [19] [26]
      • 1,5 - 6 mg/kg/Tag in 3 Dosen, max: 8 mg/kg/Tag. Dosierung je nach Wirkung titrieren.
      • CAVE:
        Die oben angegebene Dosierung entspricht der am häufigsten in klinischen Studien verwendeten wirksamen Dosierung. Pfizer hat jedoch eine Sicherheitswarnung für höhere Dosierungen als die zugelassenen (30 mg in 3 Dosen bei Kindern ≤20 kg und 60 mg in 3 Dosen pro Tag bei Kindern >20 kg) veröffentlicht. Grund war eine in Studien beobachtete erhöhte Mortalität, für die aber kein kausaler Zusammenhang mit der Verwendung von Sildenafil ermittelt werden konnte.

  • Intravenös
    • Frühgeborene: Gestationsalter 34 Wochen bis 37 Wochen
      [20] [26]
      • Initialdosis: NUR IN DER AKUTPHASE:
          0,4
        mg/kg/Dosis, Dauerinfusion über 3 Stunden.
      • Erhaltungsdosis: 1,6 mg/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • Sildenafil muss durch eine*n Kinderkardiolog*in, Intensivmediziner*in oder Neonatolog*in verschrieben werden, der*die umfangreiche Erfahrungen mit der Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern hat.

    • Neugeborene
      [20] [22] [23] [24] [25] [26] [27]
      • Initialdosis: 0,4 mg/kg/Dosis, Dauerinfusion über 3 Stunden.
      • Erhaltungsdosis: 1,6 mg/kg/Tag, Dauerinfusion.
      • Sildenafil muss durch eine*n Kinderkardiolog*in, Intensivmediziner*in oder Neonatolog*in verschrieben werden, der*die umfangreiche Erfahrungen mit der Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern hat.

Chronische Lungenerkrankungen
  • Oral
    • Frühgeborene: Gestationsalter < 37 Wochen
      [26]
      • Initialdosis: 1,5 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: 0,5 - 6 mg/kg/Tag in 3 Dosen.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

UROLOGIKA

Mittel bei häufiger Blasenentleerung und Harninkontinenz

Oxybutynin

Detrusan®, Ditropan®, Kentera®, diverse Generika
G04BD04

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Dyspepsie und Husten, Kopfschmerzen, Flush, Muskelschmerzen, Diarrhoe, Veränderungen des Sehvermögens, vermehrte Erektionen, Hypotonie, Pyrexie, Infektion der oberen Atemwege, Bronchitis, Pharyngitis, laufende Nase, Pneumonie und Bronchopneumonie, Rhinitis, Influenza, Epistaxis, Herzinsuffizienz, rechtsventrikuläre Insuffizienz, virale Gastroenteritis, Gastroenteritis, Synkope, Schmerzen in der Brust, Karies, kardiogener Schock, Harnwegsinfektion, Dyspnoe, Hämoptyse, Herzstillstand, Pleuraerguss, Konvulsion, koronare Arterienerkrankung, reduzierte Belastungstoleranz, Hypoxie, verminderte Sauerstoffsättigung, pulmonale Blutung, respiratorische Insuffizienz und Stridor

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Kopfschmerzen, Flush, Durchfall, Dyspepsie, Gliederschmerzen

Häufig (1-10%): Cellulitis, Grippe, Bronchitis, Sinusitis, Rhinitis, Gastroenteritis, Anämie, Flüssigkeitsretention, Schlaflosigkeit, Angst, Migräne, Tremor, Parästhesie, Brennen, Hypästhesie, Retinablutungen, Sehstörungen, verschwommenes Sehen, Photophobie, Chromopsie, Zyanopsie, Augenreizungen, okuläre Hyperämie, Vertigo, Nasenbluten, Husten, Nasenschleimhautschwellung, Gastritis, gastroösophagealer Reflux, Hämorrhoiden, abdominelles Spannungsgefühl, Mundtrockenheit, Alopezie, Erythem, nächtliche Schweißausbrüche, Myalgie, Rückenschmerzen, Fieber

Gelegentlich (0,1-1%): verminderte Sehschärfe, Doppeltsehen, Fremdkörpergefühl im Auge, Hämaturie, Penisblutung, Hämatospermie, Gynäkomastie,

Häufigkeit nicht bekannt: plötzlicher Hörverlust, Hypotonie, Ausschlag, Priapismus, vermehrte Erektionen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Gleichzeitige Gabe mit NO-Donatoren (wie Amylnitrit) oder Nitraten jeglicher Form aufgrund der hypotensiven Effekte von Nitraten
  • Die Begleittherapie von PDE5-Hemmern, inklusive Sildenafil, mit Guanylatcyclase-Stimulatoren wie Riociguat ist kontraindiziert, da es möglicherweise zu einer symptomatischen Hypotonie kommen kann
  • Kombination mit den stärksten CYP3A4-Hemmern (z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir)
  • Patienten, die aufgrund einer nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) ihre Sehkraft auf einem Auge verloren haben, unabhängig davon, ob der Sehverlust mit einer vorherigen Einnahme eines PDE5-Hemmers in Zusammenhang stand oder nicht
  • Die Sicherheit von Sildenafil wurde bei folgenden Patientengruppen nicht untersucht und seine Anwendung bei diesen Gruppen ist daher kontraindiziert:
    • schwere Einschränkung der Leberfunktion
    • kürzlich zurückliegender Schlaganfall oder Herzinfarkt
    • ausgeprägte Hypotonie (Blutdruck < 90/50 mmHg) bei Behandlungsbeginn

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei pulmonaler Hypertonie (insbesondere infolge einer Bindegewebserkrankung) kann sich das Risiko von Blutungen erhöhen, wenn Vitamin-K-Antagonisten kombiniert werden. Bei Kindern mit pulmonaler Hypertonie, die höhere als die empfohlenen Dosen erhielten, wurde eine Zunahme von Todesfällen beobachtet. Treten plötzliche Sehstörungen auf, ist die Behandlung zu unterbrechen und ein Facharzt für Augenheilkunde zu konsultieren. Sildenafil hemmt sowohl PDE-5 als auch PDE-6 in der Retina. Deshalb ist Vorsicht bei Frühgeborenen geboten, da das Risiko für Retinopathien erhöht ist.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Baquero H, et al., Oral sildenafil in infants with persistent pulmonary hypertension of the newborn: a pilot randomized blinded study, Pediatrics, 2006, 117, 1077-83
  2. Leibovitch L, et al., Therapeutic applications of sildenafil citrate in the management of paediatric pulmonary hypertension., Drugs, 2007, 67, 57-73
  3. Namachivayam P, et al., Sildenafil prevents rebound pulmonary hypertension after withdrawal of nitric oxide in children., Am J Respir Crit Care Med, 2006, 174, 1042-7
  4. Noori S, et al., Cardiovascular effects of sildenafil in neonates and infants with congenital diaphragmatic hernia and pulmonary hypertension., Neonatology, 2007, 91, 92-100
  5. Shah PS, et al., Sildenafil for pulmonary hypertension in neonates., Cochrane Database Syst Rev, 2007, 18, CD005494
  6. Travadi JN, et al., Phosphodiesterase inhibitors for persistent pulmonary hypertension of the newborn: a review., Pediatr Pulmonol, 2003, 36, 529-35
  7. Nemoto S, et al, Oral sildenafil for persistent pulmonary hypertension early after congenital cardiac surgery in children, Eur J Cardiothorac Surg, 2010, Jul;38(1), 71-7
  8. Reinhardt Z, et al, Sildenafil in the management of the failing Fontan circulation, Cardiol Young, 2010, Oct;20(5), 522-5
  9. Apitz C, et al, Pharmacokinetic and hemodynamic responses to oral sildenafil during invasive testing in children with pulmonary hypertension, J Am Coll Cardiol, 2010, Apr 6;55(14), 1456-62
  10. Uhm JY, et al, Postoperative use of oral sildenafil in pediatric patients with congenital heart disease, Pediatr Cardiol, 2010, May;31(4), 515-20
  11. Huddleston AJ, et al, Sildenafil for the treatment of pulmonary hypertension in pediatric patients, Pediatr Cardiol, 2009, Oct;30(7), 871-82
  12. Spillers J. , PPHN: is sildenafil the new nitric? A review of the literature, Adv Neonatal Care, 2010, Apr;10(2), 69-7
  13. Kehat R, et al, Ocular findings of oral sildenafil use in term and near-term neonates, J AAPOS, 2010, Apr;14(2), 159-62
  14. Ahsman MJ, et al, Sildenafil exposure in neonates with pulmonary hypertension after administration via a nasogastric tube, Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed, 2010, Mar;95(2), F109-14
  15. Vargas-Origel A, et al , The use of sildenafil in persistent pulmonary hypertension of the newborn, Am J Perinatol, 2010, Mar;27(3), 225-30
  16. Mourani PM, et al, Effects of long-term sildenafil treatment for pulmonary hypertension in infants with chronic lung disease., J Pediatr. , 2009, Mar;154(3), 379-84, 84 e1-2
  17. Mukherjee A, et al, Population pharmacokinetics of sildenafil in term neonates: evidence of rapid maturation of metabolic clearance in the early postnatal period., Clin Pharmacol Ther. , 2009, Jan;85(1), 56-63
  18. Pfizer Limited, SPC Revatio (EU/1/05/318/001, EU/1/05/318/002 en EU/1/05/318/003) 03-04-2012, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  19. Beghetti M, et al, Sildenafil for the treatment of pulmonary hypertension in children, Expert Rev Cardiovasc Ther., 2014, Oct;12(10), 1157-84
  20. Steinhorn RH, et al, Intravenous sildenafil in the treatment of neonates with persistent pulmonary hypertension., J Pediatr, 2009, Dec;155(6), 841-7
  21. Maxey DM, et al, Food and Drug Administration (FDA) postmarket reported side effects and adverse events associated with pulmonary hypertension therapy in pediatric patients., Pediatr Cardiol, 2013, Oct;34(7), 1628-36
  22. Stocker C, et al, Intravenous sildenafil and inhaled nitric oxide: a randomised trial in infants after cardiac surgery, Intensive Care Med , 2003, 29, 1996-2003
  23. Schulze-Neick I, et al, Intravenous Sildenafil Is a Potent Pulmonary Vasodilator in Children With Congenital Heart Disease, Circulation, 2003, 108[suppl II], II-167-II-173
  24. Lammers AE, et al, Intravenous sildenafil as an effective treatment of pulmonary hypertensive crises during acute intestinal malabsorption, Cardiol Young , 2006, 16, 84-6
  25. Fraisse A, et al, Intravenous sildenafil for postoperative pulmonary hypertension in children with congenital heart disease, Intensive Care Med., 2011, 37, 502-9
  26. Werkgroep Neonatale Farmacologie NVK sectie Neonatologie [Arbeitsgruppe Neonatale Pharmakologie, Niederländischen Vereinigung für Kinderheilkunde, Bereich Neonatologie], Expertenmeinung, 28. März 2018
  27. Cochius-den Otter SCM, et al. , Pharmacokinetic modeling of intravenous sildenafil in newborns with congenital diaphragmatic hernia., Eur J Clin Pharmacol., 2020 , Feb;76(2), 219-227.
  28. Upjohn EESV, SmPC Revatio (EU/1/05/318/003), deutsche Version, aufgerufen am 14.09.2021, http://www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 20 Oktober 2021 11:49: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung