Cefazolin

Wirkstoff
Cefazolin
Handelsname
Kefzol®, div. Generika
ATC-Code
J01DB04
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Perioperative Prophylaxe
    • Intravenös
      • >1 Monat: On-label
        • >1000 mg/Dosis: Off-label
  • Infektionen durch grampositive Bakterien mit sehr hoher Empfindlichkeit
    • Intravenös
      • On-label
  • Infektionen durch grampositive Bakterien mit geringerer Empfindlichkeit und gramnegative Bakterien
    • Intravenös
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Intravenös, zur Behandlung schwerer Infektionen bei Erwachsenen und Kindern älter als 1 Monat, die durch Cefazolin-empfindliche Erreger verursacht werden.

Erwachsene und Jugendliche >12 Jahre mit normaler Nierenfunktion:

Durch hochempfindliche Erreger verursachte Infektionen:
Die übliche Dosierung bei Erwachsenen ist 1 g bis 2 g pro Tag in zwei oder drei gleichen Dosen (eine Dosis alle 8 oder 12 Stunden).

Durch weniger empfindliche Erreger verursachte Infektionen:
Die übliche Dosis ist 3 g bis 4 g pro Tag in drei oder vier gleichen Dosen (eine Dosis alle 6 oder 8 Stunden).

Bei schweren und lebensbedrohlichen Infektionen können Dosierungen von 6 bis zu 12 g pro Tag in drei oder vier gleichen Dosen gegeben werden (eine Dosis alle 6 bis 8 Stunden).

Zur perioperativen Prophylaxe werden für Erwachsene und Jugendliche folgende Dosierungen empfohlen:

a) 1 g i.v. oder i.m. 30 Min. bis 1 Std. vor dem Beginn der Operation
b) für längere operative Eingriffe (z.B. 2 Stunden oder länger) 0,5 g bis 1 g i.v. oder i.m. während der Operation (Verabreichung wird gemäß Operationsdauer abgeändert)
c) 0,5 g bis 1 g i.v. oder i.m. alle 6 bis 8 Stunden über 24 Stunden postoperativ bzw. bei Operationen, bei denen eine Infektion ein besonderes Risiko bedeuten würde, über einen Zeitraum von bis zu 3 bis 5  Tagen.

Säuglinge (über einen Monat) und Kinder:

Eine Gesamttagesdosis von 25-50 mg/kg KG, auf 3 bis 4 Einzelgaben gleichmäßig verteilt, ist gegen mäßig schwere Infektionen wirksam. Bei schweren Infektionen kann die Gesamttagesdosis auf 100  mg/kg KG erhöht werden.

Frühgeborene und Kleinkinder in einem Alter unter 1 Monat:

Da die Sicherheit der Anwendung bei Frühgeborenen und Kleinkindern in einem Alter unter 1 Monat nicht belegt ist, wird eine Anwendung von Cefazolin bei diesen Patienten nicht empfohlen.

(SmPC Kefzol)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung 1 g, 2 g
Pulver zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung 1 g, 2 g

Cefazolin ist in den verfügbaren Darreichungsformen als Cefazolin-Natrium enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Cefazolin.

Anwendungshinweis:

Die zubereitete Lösung wird tief intramuskulär oder intravenös verabreicht. Es sollten nicht mehr als 500 mg Cefazolin für eine einzelne intramuskuläre Applikation verwendet werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Präparate enthalten: -

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Cefazolin ist ein parenterales Betalaktam-Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine. Der Wirkungsmechanismus von Cefazolin beruht auf einer Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese (in der Wachstumsphase) durch Blockade der Penicillin-bindenden Proteine (PBPs) wie z. B. der Transpeptidasen. Hieraus resultiert eine bakterizide Wirkung.

Üblicherweise empfindliche Spezies: Staphylococcus aureus (Methicillin-sensibel), Staphylococcus saprophyticus, Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Streptococcus pneumoniae (Penicillin-intermediär), Escherichia coli, Haemophilus influenzae, Klebsiella oxytoca, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis

Von Natur aus resistente Spezies: Enterococcus spp., Staphylococcus aureus (Methicillin-resistent), Streptococcus pneumoniae (Penicillin-resistent), Acinetobacter spp., Citrobacter freundii, Enterobacter spp., Legionella spp., Morganella morganii, Moraxella catarrhalis, Proteus vulgaris, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens, Stenotrophomonas maltophilia, Bacteroides fragilis, Chlamydia spp., Chlamydophila spp., Mycoplasma spp.

Pharmakokinetik

Aus der Studie von Nahata et al. (N=9, Alter 10 Monate bis 10 Jahre) geht hervor, dass die Eliminationshalbwertzeit von Cefazolin bei Kindern durchschnittlich 1,68± 0,55 Stunden beträgt. Die Gesamtclearance und das scheinbare Verteilungsvolumen betragen 1,43 ± 0,54 ml/min/kg bzw. 0,08 ± 0,03 l/kg.
Aus der Studie von Deguchi et al. geht hervor, dass der Prozentsatz der freien Fraktion von Cefazolin bei Neugeborenen stark variiert. Das Verteilungsvolumen beträgt bei Neugeborenen 0,21 – 0,37 l/kg.
 

Dosierungen

Perioperative Prophylaxe
  • Intravenös
    • < 1 Woche und Geburtsgewicht < 2000 g
      • 50 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Für 1 Tag (Tag des Eingriffs).
    • < 1 Woche und Geburtsgewicht ≥ 2000 g
      • 100 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Für 1 Tag (Tag des Eingriffs).
    • 1 Woche bis 4 Wochen und Geburtsgewicht < 2000 g
      • 75 mg/kg/Tag in 3 Dosen. Für 1 Tag (Tag des Eingriffs).
    • 1 Woche bis 4 Wochen und Geburtsgewicht ≥ 2000 g
      • 150 mg/kg/Tag in 3 Dosen. Für 1 Tag (Tag des Eingriffs).
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [7]
      • 30 mg/kg/Dosis, einmalig Bei Eingriffen > 4 Stunden eine zweite Dosis verabreichen. Max: 2 g/Dosis.
Infektionen durch grampositive Bakterien mit sehr hoher Empfindlichkeit
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 25 - 50 mg/kg/Tag in 2 - 4 Dosen. Max: 100 mg/kg/Tag.
Infektionen durch grampositive Bakterien mit geringerer Empfindlichkeit und gramnegative Bakterien
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 100 mg/kg/Tag in 3 - 4 Dosen. Max: 6 g/Tag.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Keine Dosisanpassung erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
25 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 12 Stunden
Bei Verwendung zur perioperativen Prophylaxe sind keine Dosisanpassungen erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
10 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
Bei Verwendung zur perioperativen Prophylaxe sind keine Dosisanpassungen erforderlich.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
10 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
Bei Verwendung zur perioperativen Prophylaxe sind keine Dosisanpassungen erforderlich.
Klinische Konsequenzen

Nephrotoxische Symptome (Nierenfunktionsstörung, Tubulusnekrose, interstitiale Nephritis) treten vor allem bei hohen Dosierungen, bei bereits bestehender Nierenfunktionsstörung und bei gleichzeitiger Behandlung mit anderen nephrotoxischen Stoffen auf. Bei sehr hohen Dosen können Konvulsionen auftreten. Die Zeit oberhalb der MHK ist für die Wirkung entscheidend.

Bei Dialyse

Keine Daten bekannt

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Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Thrombophlebitis, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation, Blutbildabweichungen, temporäre Erhöhung der Leberenzyme.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10%): allergische Hautreaktionen wie Erytheme, Urtikaria und Pruritus, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blähungen, Bauchschmerzen

Gelegentlich (0,1-1%): Thrombozytopenie, Neutropenie, Leukopenie, Eosinophilie, Agranulozytose, hämolytische Anämie, schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen wie angioneurotisches Ödem und Arzneimittelfieber, leichte, vorübergehende Erhöhung von AST, ALT und der alkalischen Phosphatase, Phlebitis, Thrombophlebitis

Selten (0,1-0,01%): Blutgerinnungsstörungen, Blutungen, interstitielle Nephritis und andere Nierenerkrankungen

Sehr selten (< 0,01%): lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock, reversible Hepatitis und cholestatische Gelbsucht

Häufigkeit nicht bekannt: Langzeitbehandlung oder wiederholte Anwendung kann zu einer Superinfektion oder Kolonisation mit restistenten Bakterien oder Sprosspilzen (Mundsoor, Moniliasis vaginalis) führen, Kopfschmerzen, Vertigo, Parästhesien, zentralnervöse Erregungszustände, Myoklonien, Krämpfe, pseudomembranöse Kolitis

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen andere Cephalosporin-Antibiotika
  • Bei früherer sofortiger und/oder schwerer Überempflindlichkeitsreaktion gegen Penicillin oder ein anderes Betalactam-Antibiotikum

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Cephalosporine können Patient*innen mit Penicillin-Überempfindlichkeit grundsätzlich verabreicht werden, obwohl über Kreuzreaktionen berichtet wurde. Besondere Vorsicht ist bei Patient*innen angezeigt, die bereits eine anaphylaktische Reaktion auf Penicilline hatten. Eine pseudomembranöse Colitis kann während der Einnahme von Antibiotika auftreten. Beim Auftreten einer pseudomembranöse Colitis, muss die Behandlung mit Cefazolin abgebrochen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Bei Langzeitanwendung sollten das Blutbild und die Leber- und Nierenfunktion kontrolliert werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (aspregister.basg.gv.at).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Hartwig NC, et al, Vademecum pediatrische antimicrobiële therapie [Vademecum pädiatrische antimikrobielle Therapie], 2005
  2. Deguchi Y, et al, Interindividual changes in volume of distribution of cefazolin in newborn infants and its prediction based on physiological pharmacokinetic concepts, J Pharm Sci, 1988, 77, 674-8
  3. Haessler D, et al, Antibiotic prophylaxis with cefazolin and gentamicin in cardiac surgery for children less than ten kilograms, J Cardiothorac Vasc Anesth, 2003, 17, 221-5
  4. Maher KO, et al, A retrospective review of three antibiotic prophylaxis regimens for pediatric cardiac surgical patients, Ann Thorac Surg, 2002, 74, 1195-200
  5. Nahata MC, et al, Pharmacokinetics and tissue concentrations of cefazolin in pediatric patients undergoing gastrointestinal surgery, Eur J Drug Metab Pharmacokinet., 1991, 16, 49-52
  6. Eurocept BV, SPC Kefzol (RVG 06836) 29-04-13, www.cbg-meb.nl
  7. Bratzler DW et al. , Clinical practice guidelines for antimicrobial prophylaxis in surgery. , Surg Infect (Larchmt). , 2013 , Feb;14(1), 73-156
  8. Astro-Pharma, SmPC Kefzol 1 g, 2 g Pulver z. Herstellung e. Inj./Inf.lösung (15.629, 15.877), aufgerufen am 30.05.2022, https://aspregister.basg.gv.at/

Änderungsverzeichnis

  • 26 August 2022 11:46: Neue Monographie

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Überdosierung