Pyrazinamid

Wirkstoff
Pyrazinamid
Handelsname
Pyrafat®
ATC-Code
J04AK01
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Pyrazinamid (PZA) ist ein Antibiotikum, das gegen Tuberkulose eingesetzt wird (Tuberkulostatikum). PZA wirkt im sauren pH-Bereich bakterizid, bevorzugt gegen langsam wachsende Tuberkulose-Erreger und zeigt einen ausgeprägten postantibiotischen Effekt. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt. PZA wird intrazellulär (im Bakterium) aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Nicotinamid durch die Nicotinsäureamidase (auch Pyrazinamidase genannt) in die Pyrazincarbonsäure überführt, die antimykobakteriell wirksam ist.

Üblicherweise wirksam gegen: M. tuberculosis, M. africanum und M. microti
Üblicherweise unwirksam gegen: die meisten M. bovis-Stämme und nichttuberkulöse Mykobakterien (z. B. M. kansasii, M. smegmatis, M. avium)
Einzige Kreuzresistenz: Morphazinamid

Aktuelle Daten zur Resistenz von Mycobacterium tuberculosis gegenüber Pyrazinamid in Österreich liegen nicht vor. Die Prävalenz der erworbenen Resistenz für die Erreger der Tuberkuloseerkrankungen mit Mycobacterium tuberculosis als dem am häufigsten angetroffenen und gemeldeten Erreger aus dem Mycobacterium tuberculosis-Komplex gegenüber Pyrazinamid variiert örtlich und im Verlauf der Zeit. Basierend auf den Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz gibt das Robert-Koch-Institut für Deutschland Resistenzraten von 2,9 % zuletzt im Jahr 2011 an. Dies bedeutet, dass die Erreger der Tuberkuloseerkrankung üblicherweise empfindlich gegenüber Pyrazinamid sind.

Pharmakokinetik bei Kindern

Aus der Studie von Antwi et al. (2017) geht hervor, dass Tmax und AUC (0-8) von Pyrazinamid bei einer Koinfektion mit HIV signifikant niedriger sind, während die Clearance bei diesen Kindern signifikant erhöht ist. 

Folgende kinetische Parameter wurden ermittelt (Arya et al., Gupta et al., McIlleron et al., Roy et al., Thee et al. und Zhu et al.):

Cmax (einmalig 30 mg/kg) 37,7 -43,4 microg./ml
3,5-10,9 Stunden
Tmax 0,75-3 Stunden
Cl 0,06-0,13 l/kg/h
Vd 0,67-0,9 l/kg

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Tuberkulose (in Kombination mit anderen Tuberkulosemitteln)
    • Oral
      • ≥3 Monate: On-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, zur Behandlung der Tuberkulose (Infektionen mit Mycobacterium tuberculosis, jedoch nicht mit Mycobacterium bovis), immer in Kombination mit anderen antituberkulotisch wirksamen Arzneistoffen

Erwachsene und Jugendliche ≥ 15 Jahre: 25 (20-30) mg/kg Körpergewicht pro Tag, minimale Tagesdosis: 1,5 g, maximale Tagesdosis: 2,5 g  

Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre: 35 (30-40) mg/kg Körpergewicht pro Tag, maximale Tagesdosis: 2,0 g

Kleinkinder unter 3 Monaten: Aufgrund unzureichender Daten kann keine Dosierempfehlung gegeben werden.

(SmPC Pyrafat Tabletten)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Präparate im Handel

Tabletten 500 mg

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Tabletten erfolgt vor oder nach einer Mahlzeit unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Tabletten enthalten: Lactose

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Dosierungen

Tuberkulose (in Kombination mit anderen Tuberkulosemitteln)

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 48 Stunden

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Hepatotoxizität und Anstieg der Transaminasewerte, Zunahme der Harnsäurekonzentration, Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Hautanomalien, Arthralgie, Fieber und Anämie

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10%): Hyperurikämie, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Sodbrennen, Krämpfe im Unterbauch, Gewichtsabnahme, Serumtransaminasen erhöht, Leberfunktionsstörungen, Photosensibilisierung

Selten (0,1-0,01%): Überempfindlichkeitsreaktionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, schwere Hepatotoxizität, histaminbedingter Flush, Arthralgie

Sehr selten (< 0,01%): Störungen des blutbildenden Systems, sideroblastische Anämie, Thrombozytopenie, Beeinträchtigung der Nebennierenrindenfunktion (17-Ketosteroid-Ausscheidung im Harn), Gichtanfälle, Porphyrie, Pellagra, Hypertonie, Erythema multiforme, tubulointerstitielle Nephritis

Häufigkeit nicht bekannt: aseptische Meningitis, Krampfanfälle

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • vorhandene schwere Leberfunktionsstörungen (Child Pugh C), bei akuten Lebererkrankungen (z. B. Hepatitis) sowie bis zu 6 Monate nach überstandener Hepatitis
  • Porphyrie

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Vorsicht bei Patient*innen mit Nierenfunktionsstörungen. Eine regelmäßige klinische Kontrolle der Leberfunktion und des Harnsäurespiegels wird empfohlen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

MITTEL ZUR BEHANDLUNG DER TUBERKULOSE

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Antibiotika

Rifabutin

Mycobutin®
J04AB04

Rifampicin

Rifoldin®, Eremfat®
J04AB02
Hydrazide
J04AC01
Andere Mittel zur Behandlung der Tuberkulose

Bedaquilin

Sirturo®
J04AK05

Ethambutol

Etibi®
J04AK02

Referenzen

  1. Starke JR, et al, Management of mycobacterial infection and disease in children, Pediatr Infect Dis J., 1995, 14, 455-69
  2. Bayhan GI et al. , Pulmonary tuberculosis in infants less than one year old: implications for early diagnosis., Tuberk Toraks., 2011, 59(1), 36-42
  3. Thee S et al. , Pharmacokinetics of isoniazid, rifampin, and pyrazinamide in children younger than two years of age with tuberculosis: evidence for implementation of revised World Health Organization recommendations., Antimicrob Agents Chemother., 2011 , Dec;55(12), 5560-7
  4. Mukherjee A et al. , Pharmacokinetics of isoniazid, rifampicin, pyrazinamide and ethambutol in Indian children., BMC Infect Dis. , 2015, Mar 14;15, 126
  5. Nahid P et al. , Official American Thoracic Society/Centers for Disease Control and Prevention/Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines: Treatment of Drug-Susceptible Tuberculosis. , Clin Infect Dis. , 2016 , Oct 1;63(7), e147-95
  6. Donald PR et al. , Pyrazinamide pharmacokinetics and efficacy in adults and children. , Tuberculosis (Edinb). , 2012 , Jan;92(1), 1-8
  7. WHO. , Guidance for national tuberculosis programmes on the management of tuberculosis in children. 2nd edition. , www.who.int, 2014

Änderungsverzeichnis

  • 10 November 2022 14:15: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung