Fosfomycin

Wirkstoff
Fosfomycin
Handelsname
Monuril®, diverse Generika
ATC-Code
J01XX01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Behandlung und Prophylaxe von Harnwegsinfektionen
    • Oral
      • <12 Jahre und <50 kg: Off-label
      • ≥12 Jahre und ≥50 kg: On-label
  • Infektionen
    • Intravenös
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen 3 g
Trockensubstanz zur Infusionsbereitung 1 g
Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung 4 g, 8 g

Allgemein

Im Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen liegt Fosfomycin als Fosfomycin-Trometamol vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Fosfomycin. Da Nahrung die Absorption von peroral verabreichtem Fosfomycin reduziert, soll die Gabe zur Behandlung von Infektionen 2 - 3 Stunden nach einer Mahlzeit und vorzugsweise abends, nach Entleerung der Blase, erfolgen. Kein heißes Wasser zur Suspendierung verwenden.

In den Darreichungsformen zur Infusion liegt Fosfomycin als Dinatrium-Salz vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Fosfomycin.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Darreichungsform Stärke Problematische Hilfsstoffe
CYSTIUM® Pulver zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen 3 g Saccharin, Saccharose
MONURIL® Granulat 3 g Saccharin, Saccharose

Die Fachinformationen wurden 07/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Fosfomycin wirkt vorwiegend bakterizid durch Hemmung des Aufbaus von N-Acetylmuraminsäure, das für den Aufbau von Peptidoglykan, einem wesentlichen Bestanteil der bakteriellen Zellwand, notwendig ist. Die Wirksamkeit hängt im Wesentlichen von der Zeitdauer ab, während der der Wirkstoffspiegel über der minimalen Hemmkonzentration des Erregers liegt.

In der Regel empfindliche Spezies: Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Streptococcus pneumoniae, Citrobacter spp., Edwardsiella spp., Enterobacter cancerogenus, Escherichia coli, Haemophilus influenzae, Klebsiella oxytoca, Neisseria spp., Proteus mirabilis, Proteus penneri, Providencia rettgeri, Peptococcus spp., Peptostreptococcus spp.

Spezies, bei denen eine Resistenz ein Problem bei der Anwendung darstellen könnte: Enterococcus faecalis, Staphylococcus epidermidis, Enterobacter cloacae, Klebsiella pneumonia, Proteus inconstans, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens

Von Natur aus resistente Spezies: Morganella morganii, Bacteroides spp.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von intravenös verabreichtem Fosfomycin bei Kindern und Jugendlichen zwischen 3-15 Jahren sowie bei Reifgeborenen mit normaler Nierenfunktion ist vollständig mit der bei gesunden Erwachsenen vergleichbar:
Cmax (4g): 200 mcg/ml
Cmax (8g): 400 mcg/ml
Vd: 0,3 l/kg Cl: 6,1 ± 1,0 l/h
t½: 2 h
Bei Säuglingen und Kindern bis 12 Monaten ist die Eliminationshalbwertzeit von Fosfomycin je nach dem Stadium der Nierenentwicklung verlängert.

Nach oraler Verabreichung wurden folgende Parameter ermittelt:
Tmax: 2 Stunden. Die Einnahme mit Nahrung verzögert (tmax = 4 h) und verringert die Absorption um 15 %
Cl: 16,9 ± 3,5 l/h
t½: 5,7 ±2,8 h
Bioverfügbarkeit: 37 %

Dosierungen

Harnwegsinfektion
  • Oral
    • ≥ 12 Jahre und ≥ 50 kg
      [2] [4]
      • 3 g/Dosis, einmalig.
      • Anwendungshinweis:

        2-3 Stunden vor oder nach einer Mahlzeit und vorzugsweise vor dem Schlafengehen und nach dem Entleeren der Blase verabreichen.

Bakterielle Infektionen
  • Intravenös
    • Postkonzeptionelles Alter < 40 Wochen
      [1] [5]
      • 100 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
    • Postkonzeptionelles Alter 40 Wochen bis 44 Wochen
      [1] [5]
      • 200 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
    • 1 Monat bis 12 Monate und < 10 kg
      [1] [5]
      • 200 - 300 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
    • 1 Jahr bis 12 Jahre und 10 bis 40 kg
      [1] [5]
      • 200 - 400 mg/kg/Tag in 3 - 4 Dosen.
    • ≥ 12 Jahre und ≥ 40 kg
      [1] [5]
      • 12 - 24 g/Tag in 2 - 3 Dosen. Maximale Einzeldosis: 8 g/Dosis.
      • Osteomyelitis, nosokomiale Infektionen der unteren Atemwege: 12-24 g/Tag in 2-3 Dosen
        Komplizierte Harnwegsinfektionen: 12-16 g/Tag in 2-3 Dosen
        Bakterielle Meningitis: 16 – 24 g/Tag in 3 – 4 Dosen

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Bei oraler Verabreichung ist die Anpassung der Dosierung nicht erforderlich.

Bei intravenöser Verabreichung:

Initialdosis erhöhen um 100%, max. 8 g Dosis, danach:

Kreatininclearance 30-40 ml/min: 60-70% der Standarddosis pro Tag in 2-3 Dosen;

Kreatininclearance 20-30 ml/min: 40-60% der Standarddosis pro Tag in 2-3 Dosen;

Kreatininclearance 10-20 ml/min: 20-40% der Standarddosis pro Tag in 1-3 Dosen.

Bei Dialyse

Intermittierende Hämodialyse: 2 g nach jeder Dialyse.

ANDERE ANTIBIOTIKA

Glycopeptid-Antibiotika

Teicoplanin

Targocid®, diverse Generika
J01XA02

Vancomycin (parenteral)

Vancocin®, Generika
J01XA01
Imidazol-Derivate

Metronidazol

Anaerobex®, diverse Generika
J01XD01
Nitrofuran-Derivate

Nitrofurantoin

Furadantin®, diverse Generika
J01XE01
Andere Antibiotika

Linezolid

Zyvoxid®, diverse Generika
J01XX08

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Intravenös

Hypernatriämie, Hypokaliämie, Brechreiz, Magenschmerzen, Phlebitis an der Injektionsstelle, erythematöse Ausschläge

Oral

Kopfschmerzen, Vulvovaginitis, Schwindel, Diarrhoe, Nausea, Dyspepsie, Erschöpfung

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Bei peroraler Applikation der Präparate unterschiedlicher Hersteller unterscheidet sich die Kontraindikation bei renalen Funktionsstörungen hinsichtlich des Schweregrades
  • bestehende Hypernatriämie (bei parenteraler Applikation)

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich anaphylaktischer Schock können während der Behandlung auftreten.
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe und pseudomembranöse Colitis wurden beobachtet.
  • Bei peroraler Anwendung einer üblichen Dosis bleibt die Konzentration von Fosfomycin über 48 Stunden im Harn effektiv, wenn die Kreatininclearance über 10 ml/min liegt.
  • Da Fosfomycin Infusionslösung alleine zur Selektion unempfindlicher Keime führen kann, muss eine Kombination mit anderen Antibiotika in Erwägung gezogen werden.
  • Bei Anwendung von Fosfomycin-Infusionslösung bei Herzinsuffizienz, Hypertonie, Hyperaldosteronismus und Lungenödem ist Vorsicht geboten.
  • Der hohe Natriumgehalt in Verbindung mit der i.v. Anwendung von Fosfomycin kann zu erniedrigten Kaliumspiegeln in Serum oder Plasma führen. Während der Behandlung sollten die Elektrolyte, insbesondere Natrium und Kalium überwacht werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Die Kombination von Fosfomycin mit Beta-Laktam-Antibiotika ergibt in der Regel additive bis synergistische Wirkungen. Gleiches gilt für die Kombination mit den meisten Staphylokokken-wirksamen Substanzen (Linezolid, Quinupristin/Dalfopristin, Moxifloxacin). In Kombination mit Aminoglykosid-Antibiotika ergeben sich indifferente bis additive Wirkungen.

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.B. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. InfectoPharm Arzneimittel und Consilium GmbH, SmPC Fomicyt (RVG 115433) 31-07-2015, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  2. Zambon Nederland B.V., SmPC Monuril (RVG 13066) 19-12-2014, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  3. Astro, SmPC Fosfomycin Astro 4 g Plv. z. Herst. e. Inf.-lsg. (17.308-P4), https://www.univadis.at/, 10/2018
  4. Zambon, SmPC Monuril 3 g Gran. (1-20352), https://www.univadis.at/, 03/2015
  5. Infectopharm, SmPC Fomicyt 40 mg/ml Plv. z. Herst. e. Inf.lsg. (1-38607), https://www.univadis.at/, 01/2019
  6. Dr. Fiedrich Eberth Arzneimittel, SmPC Fosfomycin Eberth 3 g Gran. z. Herst. e. Lsg. z. Einn. (135999), https://www.univadis.at/, 03/2017
  7. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557) [siehe Wechselwirkungen], https://www.univadis.at/, 03/2019

Änderungsverzeichnis

  • 26 August 2019 17:19: Neue Monographie "Fosfomycin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung