Sertralin

Wirkstoff
Sertralin
Handelsname
Tresleen®, diverse Generika
ATC-Code
N06AB06
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Zwangsstörung:
    • Oral
      • < 6 Jahre: Off-label
      • ≥ 6 Jahre: On-Label 
  • Generalisierte Angststörung:
    • Oral
      • Off-Label
  • Depression:
    • Oral
      • Off-Label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen:

Filmtabletten 50, 100 mg

Allgemein:

Die Filmtabletten enthalten Sertralin als Hydrochlorid. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Sertralin. Sertralin-Filmtabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
SERTRALIN ratiopharm® Filmtabletten 50/ 100 mg Lactose, Propylengylkol
ADJUVIN® Filmtabletten 50/ 100 mg Propylenglykol
SERTRALIN G.L.® Filmtabletten 50/ 100 mg Propylenglykol
SERTRALIN Krka® Filmtabletten 50/ 100mg  Propylenglykol
SERTRALIN Genericon® Filmtabletten 50/ 100 mg Lactose, Propylengylkol
SERTRALIN Actavis® Filmtabletten 50/ 100 mg Lactose, Propylengylkol
SERTRALIN Aristo® Filmtabletten 50/ 100 mg Lactose
SERTRALIN Pfizer® Filmtabletten 50/ 100 mg Propylenglykol

Die Fachinformationen wurden 08/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Sertralin gehört zur Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Es hat nur sehr schwache Effekte auf die neuronale Noradrenalin- oder Dopamin-Aufnahme. In kontrollierten Studien bei gesunden Probanden zeigte Sertralin keine sedierenden Eigenschaften und veränderte die psychomotorische Leistungsfähigkeit nicht. Wegen seiner selektiven Hemmwirkung auf die 5-HT-Wiederaufnahme beeinflusst Sertralin die Katecholaminaktivität nicht. Sertralin zeigt keine Affinität zu Muskarin-(cholinergen), Serotonin-, Dopamin-, adrenergen, Histamin-, oder GABAA- Rezeptoren.

Pharmakokinetik

Die folgenden kinetischen Parameter wurden bei Einzel- und Mehrfachdosen von 50-200 mg/Tag beobachtet (Alderman J et al. 1998, Axelson DA et al. 2002):

Dosis t½ (h)
6-12 J
Cmax (ng/ml)
6-12 J
Cl (l/h/kg)
6-12 J
tmax (h)
6-12 J
t½ (h)
13-17 J
Cmax (ng/ml)
13-17 J
Cl (l/h/kg)
13-17 J
Tmax (h)
13-17 J
50 mg/Tag (einmalig)

-

23,5 ± 10,9 - 5,8 ± 2,1 26,7 ± 5,2 15,1 ± 7,5 (Axelson)
16,3 ± 5,8 (Alderman)
- 6,2 ± 3,0
50 mg/Tag (mehrere Dosen) - - - - 15,3 ± 3,5
23,4 ± 12,3
2,5 ± 0,9 -
100–150 mg/Tag (mehrere Dosen) - - - - 20,4 ± 3,4 70,9 ± 22,5
1,6 ± 0,5
-
200 mg/Tag (mehrere Dosen) 26,2 ± 8,4 165 ± 72,3 - 7,1 ± 3,3 27,1 ± 8,3 123 ± 47,0 - 9,5 ± 6,1

h: Stunde; J: Jahre

In einer Studie von Taurines R et al. aus dem Jahr 2013 wurde eine moderate Korrelation zwischen der täglichen Dosis von Sertralin und der Steady-State-Konzentration (Css) gefunden. Es wurde kein Zusammenhang zwischen den Serumkonzentrationen und dem klinischen Effekt festgestellt.

Sertralin wird fast vollständig metabolisiert. Der Hauptmetabolit ist das schwach wirksame Desmethylsertralin, das durch CYP2C19 gebildet wird. Sertralin wird durch CYP3A4 und CYP2B6 weiter metabolisiert.

Dosierungen

Generalisierte Angst- und Zwangsstörung
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [11] [12] [13] [14] [15] [18]
      • Initialdosis: 25 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Die Initialdosis je nach Wirksamkeit und Verträglichkeit um 25 - 50 mg/Tag titrieren auf   100 - 200 mg/Tag in 1 - 2 Dosen, max: 200 mg/Tag.
        • Bei einer Zwangsstörung tritt die Wirkung manchmal erst nach 12 Wochen auf.
        • Die Sertralin-Behandlung sollte nicht plötzlich abgesetzt werden, um das Risiko von Absetzreaktionen und Rückfällen zu verringern.
        • Die Dosierung sollte langsam in Schritten von 25% über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten (mindestens 1 - 2 Wochen) reduziert werden

        Sertralin sollte von einem Spezialisten für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder von Ärzten verschrieben werden, die mit der Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern und Jugendlichen vertraut sind. Die Dosis sollte individuell bestimmt und die niedrigst mögliche Dosis angewendet werden.

Depression
  • Oral
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [16] [17] [18]
      • Initialdosis: 25 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Die Initialdosis je nach Wirksamkeit und Verträglichkeit um 25 - 50 mg/Tag titrieren auf 100 - 200 mg/Tag in 1 Dosis, max: 200 mg/Tag.
        • Anwendungshinweis: Dosis morgens oder abends einnehmen
        • Die Sertralin-Behandlung sollte nicht plötzlich abgesetzt werden, um das Risiko von Absetzreaktionen und Rückfällen zu verringern.
        • Die Dosierung sollte langsam in Schritten von 25% über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten (mindestens 1-2 Wochen) reduziert werden.

        Sertralin sollte von einem Spezialisten für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder von Ärzten verschrieben werden, die mit der Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern und Jugendlichen vertraut sind. Die Dosis sollte individuell bestimmt und die niedrigstmögliche Dosis angewendet werden

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANTIDEPRESSIVA

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Citalopram

Seropram®, diverse Generika
N06AB04

Fluoxetin

Fluctine®, diverse Generika
N06AB03

Fluvoxamin

Floxyfral®
N06AB08

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Sehr häufig: Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Übelkeit

Häufig: Brustschmerzen, Manie, Pyrexie, Erbrechen, Anorexie, Affektabilität, Aggression, Nervosität, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Hyperkinesie, Migräne, Schläfrigkeit, Zittern, Sehstörung, trockener Mund, Dyspepsie, Albträume, Müdigkeit, Harninkontinenz, Hautausschlag, Akne, Nasenbluten, Blähungen

Gelegentlich: verlängertes QT-Intervall im EKG, Suizidversuch, Krampfanfälle, extrapyramidale Störungen, Parästhesien, Depressionen, Halluzinationen, Purpura, Hyperventilation, Anämie, abnormale Leberfunktion, erhöhte Alaninaminotransferase, Blasenentzündung, Herpes simplex, Entzündung des Außenohrs, Ohrenschmerzen, Augenschmerzen, Mydriasis, Unwohlsein, Hämaturie, Pustelausschlag, Rhinitis, Läsionen, Gewichtsverlust, Muskelkontraktion, abnormale Träume, Apathie, Albuminurie, Pollakisurie, Polyurie, Menstruationsstörung, Alopezie, Dermatitis, Hautstörungen, abnormaler Hautgeruch, Urtikaria, Bruxismus, Erröten

Unbekannt: Enuresis

Ebenfalls berichtet wurden: Sedierung, Bewegungsstörungen (einschließlich extrapyramidaler Symptome wie Zähneknirschen, Hypertonie, Hyperkinesie und instabiler Gang), Sehstörungen (wie Akkommodationsstörungen), Polydipsie (Taurines 2013), Selbstmordgedanken und suizidales Verhalten. In der Literatur wurde auch eine Reihe von Fällen des Serotonin-Syndroms beschrieben.

Nach dem Inverkehrbringen wurden im Rahmen von Langzeitbehandlungen einige Fälle von verzögertem Wachstum und verzögerter Pubertät berichtet. Die klinische Relevanz und der kausale Zusammenhang sind unklar.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Übelkeit, Diarrhoe, Mundtrockenheit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Somnolenz, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Agitiertheit, Infektion der oberen Atemwege, Pharyngitis, Rhinitis, veränderter Appetit, verminderte Libido, Nervosität, Albträume, Bruxismus, Tremor, Bewegungsstörungen, Parästhesie, erhöhter Muskeltonus, Aufmerksamkeitsstörung, Geschmacksveränderungen, Sehstörungen, Tinnitus, Palpitationen, Hitzewallung, Dyspepsie, Obstipation, abdominelle Schmerzen, Erbrechen, Blähungen, Hyperhidrose, Hautausschlag, Rückenschmerzen, Arthralgie, Myalgie, Menstruationsstörungen, Unwohlsein, Brustschmerz, Asthenie, Fieber, Gewichtszunahme, Hypothyreose, Suizidgedanken/suizidales Verhalten, psychotische Erkrankung, gestörtes Denken, Gastroenteritis, Apathie, Halluzination, Aggression, euphorische Stimmung, Paranoia, Amnesie, Otitis media, Hypersensitivität, saisonale Allergie, Hypästhesie, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Synkope, Hyperkinesie, Migräne, Konvulsion, orthostatischer Schwindel, gestörte Koordination, Sprachstörung, Mydriasis, Ohrenschmerzen, Tachykardie, Herzerkrankung, Abnorme Blutungen (wie gastrointestinale Blutungen), Hämaturie, Hypertonie, Hautrötung, Dyspnoe, Epistaxis, Bronchospasmus, Meläna, Zahnerkrankung, Ösophagitis, Glossitis, Hämorrhoiden, vermehrter Speichelfluss, Dysphagie, Aufstoßen, Zungenerkrankung, periorbitale Ödeme, Urtikaria, Alopezie, Pruritus, Purpura, Dermatitis, trockene Haut, Gesichtsödem, kalter Schweiß, Osteoarthritis, Muskelzucken, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Pollakisurie, Miktionsstörung, Harnverhaltung, Harninkontinenz, Polyurie, Nykturie, Sexualstörungen, Menorrhagie, Vaginalblutung, peripheres Ödem, Schüttelfrost, Gangstörung, Durst, erhöhte Alaninaminotransferase, erhöhte Aspartataminotransferase, Gewichtsabnahme, Neoplasma

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Anaphylaktoide Reaktion, Stevens Johnson Syndrom, epidermale Nekrolyse, Angioödem, Rhabdomyolyse, schwere Leberstörungen, Koma, zerebrovaskuläre Spasmen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • gleichzeitige Anwendung mit irreversiblen Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern), da die Gefahr eines Serotonin-Syndroms mit Symptomen wie z.B. Agitiertheit, Tremor und Hyperthermie besteht: Die Behandlung mit Sertralin darf frühestens 14 Tage nach Beendigung der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer begonnen werden. Sertralin muss mindestens 7 Tage vor Beginn der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer abgesetzt werden.
  • gleichzeitige Einnahme von Pimozid 

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Zusammenfassung:
Führt zu herabgesetztem Reaktions- und Konzentrationsvermögen. Patienten, insbesondere Risikopatienten (Suizidgedanken, Suizidversuch), aufgrund des gesteigerten Suizidrisikos engmaschig überwachen. Ferner besteht bei der Verwendung von Sertralin ein Risiko für das Auftreten eines Serotoninsyndroms.

Schwere psychiatrische Nebenwirkungen wie Feindseligkeit, Aggressivität, selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken und Selbstmordversuche treten bei Kindern mit depressiven Beschwerden auf. Vor der Behandlung muss ein Screening auf ein Suizidrisiko durchgeführt werden. Patienten - insbesondere Risikopatienten (Suizidgedanken, Suizidversuch) - müssen während der Behandlung mit diesen Arzneimitteln engmaschig überwacht werden, besonders zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen. Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, dass klinische Verschlechterungen, Suizidverhalten oder Suizidgedanken sowie ungewöhnliche Verhaltensänderungen im Auge zu behalten sind und dass bei Auftreten dieser Symptome unverzüglich ein Arzt hinzugezogen werden muss. Den Patienten dürfen keine großen Mengen dieser Arzneimittel zur Verfügung stehen.

Auch andere psychiatrische Erkrankungen, für welche Sertralin verordnet wird, können mit einem gesteigerten Risiko von suizidalem Verhalten einhergehen. Darüber hinaus kann es bei Episoden mit schwererer Depression zu einer Komorbidität dieser Zustände kommen. Darum müssen die gleichen Vorsichtsmaßnahmen, die bei der Behandlung von Patienten mit schweren depressiven Störungen zu treffen sind, auch bei der Behandlung von Patienten mit anderen psychiatrischen Erkrankungen berücksichtigt werden.

In seltenen Fällen ist bei SSRIs ein Serotoninsyndrom aufgetreten; bei einer Kombination von Symptomen wie Agitation, Tremor, Myoklonien und Hyperthermie muss dies in Betracht gezogen werden. Bei Auftreten von Anfällen muss die Medikation abgesetzt werden.

Für das Auftreten von schwerwiegenden Nebenwirkungen oder das Ausbleiben der Wirkung kann eine unterschiedliche Metabolisierung des Arzneimittels verantwortlich sein. CYP2C19 kann die Unterschiede der Reaktion hervorrufen. Eine Genotypisierung kann in Betracht gezogen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Bei einem kleinen Teil der Patienten, die zugelassene Antidepressiva und Arzneimittel zur Behandlung der Zwangsstörung einschließlich Sertralin erhielten, wurden manische/ hypomanische Symptome berichtet. Vorsicht ist daher bei der Anwendung von Sertralin bei Patienten mit anamnestisch bekannter Manie/Hypomanie geboten. Eine engmaschige Überwachung durch den Arzt ist erforderlich. Tritt ein Patient in eine manische Phase, sollte die Sertralin-Therapie abgebrochen werden.
  • Bei schizophrenen Patienten können sich psychotische Symptome verschlimmern.
  • Unter Sertralin-Therapie kann es zu epileptischen Anfällen kommen. Sertralin sollte bei Patienten mit instabiler Epilepsie nicht und bei solchen mit kontrollierter Epilepsie nur unter sorgfältiger Überwachung gegeben werden. Beim Auftreten eines epileptischen Anfalls sollte die Sertralin-Therapie abgebrochen werden.
  • Absetzsymptome treten bei einer Beendigung der Behandlung häufig auf, besonders wenn die Behandlung plötzlich abgebrochen wird. Das Risiko von Absetzreaktionen kann von mehreren Faktoren abhängen, einschließlich Dauer der Behandlung, Dosis und Geschwindigkeit der Dosisreduktion. Schwindelgefühl, Empfindungsstörungen (einschließlich Parästhesien), Schlafstörungen (einschließlich Schlaflosigkeit und intensiver Träume), Erregtheit oder Angst, Übelkeit und/ oder Erbrechen, Zittern und Kopfschmerzen sind die am häufigsten berichteten Reaktionen. Im Allgemeinen sind diese Symptome leicht bis mäßig schwer, bei einigen Patienten können sie jedoch schwer ausgeprägt sein. Es wird daher empfohlen, bei einer Beendigung der Behandlung mit Sertralin die Dosis über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten schrittweise zu reduzieren, entsprechend den Bedürfnissen des Patienten.
  • Bei SSRIs, einschließlich Sertralin, wurde über die Entwicklung eines Malignen-Neuroleptika-Syndroms (MNS) berichtet, das bei gleichzeitiger Anwendung von anderen serotonergen Arzneimitteln (einschließlich anderer serotonerger Antidepressiva, Amphetaminen, Triptanen), Arzneimitteln, die den Serotonin-Metabolismus verschlechtern (einschließlich MAOIs, wie z.B. Methylenblau), Antipsychotika, anderen Dopamin-Antagonisten und opiathaltigen Arzneimitteln erhöht ist. Die Patienten sollten hinsichtlich der Entstehung von Anzeichen und Symptomen des MNS überwacht werden.
  • Nach der Einnahme von Sertralin wurde über Fälle von QTc-Verlängerung und Torsades de Pointes berichtet. Überwiegend traten diese bei Patienten mit erhöhtem Risiko für QTc-Verlängerung/TdP auf. Sertralin sollte daher bei Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren für eine QTc- Verlängerung mit Vorsicht angewendet werden.
  • Bei der Anwendung von Sertralin kann es zur Entwicklung von Akathisie in kommen, die charakterisiert ist durch eine subjektiv unangenehme oder als quälend erlebte Ruhelosigkeit und Bewegungsdrang, oft begleitet von einer Unfähigkeit, still zu sitzen oder still zu stehen. Dies tritt am ehesten während der ersten Behandlungswochen auf. Für Patienten, bei denen solche Symptome auftreten, kann eine Dosiserhöhung schädlich sein.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
MAO-Inhibitoren (u.a. Linezolid, Methylenblau), Procarbazin Auslösung eines Serotonin-Syndroms Kombination vermeiden
Pimozid Verstärkte Wirkungen von Pimozid - Gefahr von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen Die gleichzeitige Behandlung mit Pimozid ist laut Hersteller kontraindiziert
CYP-Inhibitoren (u.a. Grapefruit, Azol-Antimykotika, Cimetidin, Bupropion) Erhöhte Konzentrationen von Sertralin, erhöhtes Risiko für ein Serotoninsyndrom Kombination vermeiden, Überwachen auf Symptome eines Serotoninsyndroms, ggf. Dosisreduktion von Sertralin
CYP-Induktoren (u.a. Carbamazepin, Rifampicin)
Verminderte Wirksamkeit von Sertralin nicht auszuschließen
Verminderte Wirksamkeit von Sertralin nicht auszuschließen Auf ausreichende antidepressive Wirksamkeit von Sertralin achten. In Abhängigkeit vom klinischen Ansprechen ist die Dosierung von Sertralin zu erhöhen.
serotonerge Arzneistoffe (u.a. Fluoxetin, Paroxetin, Sibutramin, Tramadol, Fentanyl, Morphin, Trizyklische Antidepressiva, Tryptophan) Erhöhtes Risiko für ein Serotoninsyndrom Bei gemeinsamer Gabe Patienten ggf. auf Anzeichen eines Serotoninsyndroms überwachen
Arzneistoffe, die das QT-Intervall verlängern (z.B. Antiarrhythmika, Amiodaron, Saquinavir, Makrolid-Antbiotika) Erhöhtes Risiko von ventrikulären Tachykardien (Torsade de pointes) Die gleichzeitige Behandlung mit QT-Zeit-verlängernden Arzneistoffen sollte vermieden werden
Lithium Erhöhtes Risiko neurotoxischer Wirkungen (Serotonin-Syndrom, Krampfanfälle) Die Patienten müssen besonders sorgfältig auf Zeichen eines Serotonin-Syndroms überwacht werden
Nicht steroidale Antiphlogistika (u.a. ASS, Dexibuprofen, Diclofenac, Indometacin, Mefenaminsäure) Erhöhte Gefahr gastrointestinaler und anderer Blutungen Unter der Behandlung mit Serotonin-Reuptake-Hemmern sollen nicht-steroidale Antiphlogistika unter Berücksichtigung der Risikofaktoren besonders sorgfältig ausgewählt werden. Acetylsalicylsäure birgt anscheinend das größte Risiko, so dass diese möglichst gemieden werden soll. Alternative Analgetika wie Paracetamol können erwogen werden. Auch die prophylaktische Anwendung von Magenschleimhaut-protektiven Arzneimitteln wie Protonenpumpenblockern kommt in Frage.
Antikoagulantien (u.a. Phenprocoumon) In Einzelfällen: Blutungskomplikationen möglich Bei gleichzeitiger Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten, Thrombin-Inhibitoren, Thrombozytenaggregationshemmern, Faktor-Xa-Inhibitoren bzw. Heparinoiden sollen die Blutgerinnungsparameter besonders sorgfältig überwacht und auf Zeichen von Blutungskomplikationen, speziell von gastrointestinalen Blutungen besonders geachtet werden.
Tricyclische Antidepressiva und Analoga Verstärkte Wirkungen der Antidepressiva Bei einer Kombinationstherapie mit Serotonin-Reuptake-Hemmern empfiehlt es sich, auf vermehrte bzw. verstärkte unerwünschte Effekte zu achten und die Dosis des Antidepressivums nach Bedarf zu verringern
CYP2D6-Inhibitoren: Flecainid, Propafenon Verstärkte kardiodepressive Wirkungen der Antiarrhythmika möglich Wenn möglich, sollen therapeutische Alternativen zu Flecainid bzw. Propafenon eingesetzt werden
Metoclopramid Erhöhtes Risiko für extrapyramidal-motorische Störungen und Serotonin-Syndrom Ist die gleichzeitige Behandlung mit Metoclopramid und den betroffenen Serotonin-Reuptake-Hemmern erforderlich, sollen die Patienten sorgfältig auf extrapyramidal-motorische Störungen sowie auf Symptome eines Serotonin-Syndroms beobachtet werden.
Ritonavir Verstärkte Wirkungen von Sertralin Bei gleichzeitiger Behandlung mit Ritonavir müssen die therapeutischen Wirkungen und die Nebenwirkungen des Serotonin-Reuptake-Hemmers sorgfältig überwacht und die Dosierungen gegebenenfalls angepasst werden.
Phenytoin Gefahr einer Phenytoin-Intoxikation Die Patienten sollen vorsichtshalber auf Phenytoin-Überdosierungssymptome beobachtet bzw. die Phenytoin-Plasmakonzentrationen überwacht und die Dosis bei Bedarf frühzeitig reduziert werden
Lamotrigin Erhöhung der AUC von Lamotrigin, erhöhte Lamotrigintoxizität Überwachung der Plasmakonzentration von Lamotrigin. Ggf. Dosisanpassung
Alkohol Verstärkte sedative Effekte möglich Die Hersteller empfehlen, während der Behandlung mit Sertralin vorsichtshalber auf Alkohol zu verzichten.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

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  3. Axelson DA, et al, Sertraline pharmacokinetics and dynamics in adolescents., J Am Acad Child Adolesc Psychiatry, 2002, 41, 1037-44
  4. Asbahr FR, et al, Group cognitive-behavioral therapy versus sertraline for the treatment of children and adolescents with obsessive-compulsive disorder, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry, 2005, 44, 1128-36
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Änderungsverzeichnis

  • 22 Dezember 2020 09:28: Neue Monographie "Sertralin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung