Fentanyl (transdermal/nasal)

Wirkstoff
Fentanyl (transdermal/nasal)
Handelsname
Durogesic®, Fentoron®, Fentaplast®, diverse Generika
ATC-Code
N02AB03

Fentanyl (transdermal/nasal)

Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Chronische Schmerzen
    • Transdermal
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
  • Akute Schmerzen, Palliativversorgung
    • Nasal
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Transdermale Pflaster 12 microg./Stunde, 25 microg./Stunde, 37,5 microg./Stunde, 50 microg./Stunde, 75 microg./Stunde, 100 microg./Stunde, 150 microg./Stunde
Nasenspray-Lösung 50 microg., 100 microg., 200 microg., 400 microg.-  in Österreich nicht verfügbar (Stand 10/2021)

Die Pflaster sind so gestaltet, dass sie ca. 12, 25, 37,5, 50, 75, 100 und 150 microg. Fentanyl pro Stunde in den Blutkreislauf freisetzen, das entspricht ca. 0,3; 0,6; 0,9; 1,2; 1,8; 2,4 bzw. 3,6 mg pro Tag.

Das Pflaster soll auf ein nicht-bestrahltes glattes Hautareal im Bereich des Oberkörpers oder Oberarms ohne Irritationen geklebt werden; bei kleinen Kindern ist der obere Teil des Rückens die bevorzugte Stelle, um die Möglichkeit zu minimieren, dass das Pflaster vom Kind entfernt werden kann. Vor dem Aufkleben Haar an der Applikationsstelle (eine unbehaarte Stelle ist vorzuziehen) abschneiden/nicht rasieren. Die Haut muss vor dem Aufkleben des Pflasters vollkommen trocken sein. Seifen, Öle, Lotionen oder andere Mittel, die die Haut reizen oder ihre Eigenschaften verändern könnten, dürfen nicht verwendet werden. Zerschnittene, zerteilte oder in irgendeiner Form beschädigte Pflaster dürfen nicht verwendet werden. Die Klebefläche des Pflasters nicht berühren. Das Pflaster wird auf die Haut geklebt, indem mit der flachen Hand ca. 30 Sekunden leichter Druck ausgeübt wird. Anschließend sind die Hände mit klarem Wasser zu waschen. Nach Entfernen des Pflasters ist für ein neues Pflaster eine andere Hautstelle zu wählen. Es sollten mehrere Tage vergehen bevor ein neues Pflaster auf dieselbe Hautstelle geklebt wird. Benutzte Pflaster sollen durch Falten mit den Klebeflächen aneinandergeklebt und danach sicher entsorgt werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die verfügbaren Pflaster können – je nach Hersteller – enthalten: Dipropylenglykol
Die verfügbaren Nasenspray Lösungen können – je nach Hersteller – enthalten: Propyl-4-hydroxybenzoat, Sucrose

Pharmakodynamik

Fentanyl ist ein Opioid-Analgetikum, das als reiner Agonist vorwiegend mit dem μ-Opioid-Rezeptor interagiert bei niedriger Affinität zu den δ- und κ-Opioid-Rezeptoren. Seine primären therapeutischen Wirkungen sind Analgesie und Sedierung. Sekundäre pharmakologische Wirkungen sind Atemdepression, Bradykardie, Hypothermie, Obstipation, Miose, physische Abhängigkeit und Euphorie.

Pharmakokinetik

Kinder haben eine höhere Clearance als Erwachsene. Clearance bei Neugeborenen: 0,97 L/h/kg; Säuglinge: 1,09 L/h/kg; Junge Erwachsene: 0,8 L/h/kg.
Die erhöhte Clearance bei Kindern müsste zu einer verkürzten T1/2 führen. Paut et al. berichten von einer längeren T1/2 (durchschnittlich 14,5 h). Dieser Parameter wird durch Clearance und Verteilungsvolumen verzerrt.

Dosierungen

Chronische Schmerzen
  • Transdermal
    • < 2 Jahre
      • Es wurden keine Studien bezüglich wirksamen und sicheren Dosierungen für Kinder <2 Jahren durchgeführt.

    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9]
      • Pflaster 12 - 25 microg./Stunde je nach analgetischer Wirkung das Pflaster alle 48-72 h austauschen.
      • Transdermale Pflaster sind nur zur Therapie chronischer Schmerzen geeignet. Nicht geeignet als initiale oder akute Schmerzbehandlung. Nur zur Anwendung bei Kindern, die zuvor mit mindestens 30 mg oralem Morphin-Äquivalent pro Tag behandelt worden sind.
        Zur Dosisberechnung: Zunächst den 24-Stunden-Schmerzmittelbedarf als äquianalgetische Morphin-Dosis berechnen.
        30-45 mg/Tag Morphin-oral entsprechen 12 microg./Stunde Fentanyl-transdermal;
        45-90 mg/Tag Morphin-oral entsprechen 25 microg./Stunde Fentanyl-transdermal;
        bei Umrechnung von Dosen >90 mg/Tag Morphin-oral entsprechen 45 mg/Tag Morphin-oral etwa 12 microg./Stunde Fentanyl-transdermal

Akute Schmerzen
  • Nasal
    • 6 Monate bis 18 Jahre
      [11] [12] [14]
      • 1 - 2 microg./kg/Dosis, bei Bedarf wiederholen. Maximale Einzeldosis: 100 microg./Dosis.
Palliativversorgung
  • Nasal
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [10] [13]
      • 0,5 - 2 microg./kg/Dosis, bei Bedarf wiederholen. Maximale Einzeldosis: 100 microg./Dosis.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

OPIOIDE

Morphinan-Derivate

Nalbuphin

diverse Generika
N02AF02
Andere Opioide

Tramadol

Tramal®, Adamon®, Noax®, Tramabene®, Tramastad®, Tramadolor®, Tradolan®, Tramundal®, diverse Generika
N02AX02

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Auf Grundlage der gepoolten sicherheitsrelevanten Daten aus 3 klinischen Studien mit pädiatrischen Studienteilnehmern waren die am häufigsten (d. h. ≥ 10% Inzidenz) berichteten Nebenwirkungen (mit einer Inzidenz in %): Erbrechen (33,9%), Übelkeit (23,5%), Kopfschmerzen (16,3%), Obstipation (13,5%), Diarrhö (12,8%) und Pruritus (12,8%). Bei wiederholter Anwendung können sich Toleranz, physische und psychische Abhängigkeit entwickeln. (SmPC Durogesic)

 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Pflaster:

Sehr häufig (≥ 10%): Somnolenz, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation

Häufig (1-10%): Überempfindlichkeit, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Depression, Angstzustände, Verwirrtheitszustand, Halluzinationen, Tremor, Parästhesie, Vertigo, Palpitationen, Tachykardie, Hypertonie, Dyspnoe, Diarrhö, Mundtrockenheit, abdominale Schmerzen, Oberbauchschmerzen, Dyspepsie, Hyperhidrose, Pruritus, Hautausschlag, Erythem, Muskelkrämpfe, Harnverhalt, Erschöpfung, periphere Ödeme, Asthenie, Unpässlichkeit, Kältegefühl

Gelegentlich (0,1-1%): Agitiertheit, Desorientierung, Euphorie, Hypästhesie, Krampfanfälle (einschließlich klonischer und Grand-mal Anfälle), Amnesie, verminderter Bewusstseinsgrad, Bewusstlosigkeit, verschwommenes Sehen, Bradykardie, Zyanose, Hypotonie, Atemdepression, Atemnot, Ileus, Ekzem, allergische Dermatitis, Hauterkrankung, Dermatitis, Kontaktdermatitis, Muskelzucken, erektile Dysfunktion, sexuelle Dysfunktion, Reaktion an der Applikationsstelle, grippeähnliche Erkrankung, Gefühl von Körpertemperaturschwankungen, Überempfindlichkeit an der Applikationsstelle, Entzugserscheinungen, Pyrexie

Selten (0,1-0,01%): Miosis, Apnoe, Hypoventilation, Subileus, Dermatitis an der Applikationsstelle, Ekzem an der Applikationsstelle

Häufigkeit nicht bekannt: anaphylaktischer Schock, anaphylaktische Reaktion, anaphylaktoide Reaktion, Androgenmangel, Delirium, Bradypnoe

Nasenspray:

Häufig (1-10%): Somnolenz, Schwindel, Kopfschmerzen, Flush, Hitzewallungen, Rachenreizung, Übelkeit, Erbrechen, Hyperhidrose, Desorientiertheit, Dysgeusie, Epistaxis, Rhinorrhoe, Nasenbeschwerden (wie z. B. „Brennen in der Nase“)

Gelegentlich (0,1-1%): Schlaflosigkeit, Sedierung, Myoklonien, Parästhesie, Dysästhesie, Geschmacksstörung, Reisekrankheit, Hypotonie, Atemdepression, nasales Ulcus, Obstipation, Stomatitis, Mundtrockenheit, Hautschmerzen, Pruritus, Pyrexie, Pneumonie, Nasopharyngitis, Pharyngitis, Rhinitis, Neutropenie, Überempfindlichkeit, Dehydratation, Hyperglykämie, verminderter/ gesteigerter Appetit, Delirium, Halluzinationen, Verwirrtheitszustand, Depression, Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung, Angst, gehobene Stimmung, Nervosität, Bewusstseinsverlust, Bewusstseinstrübung, Konvulsion, Ageusie, Anosmie, Gedächtnisstörung, Parosmie, Sprachstörung, Sedierung, Lethargie, Tremor, Vertigo, Zyanose, Herz-Kreislauf-Insuffizienz,  Lymphödem, Hypotonie, Hitzewallungen, Obstruktion der oberen Atemwege, pharyngolaryngeale Schmerzen, Rhinalgie, Störungen der Nasenschleimhaut, Husten, Dyspnoe, Niesen, Verstopfung der oberen Atemwege, Nasenverstopfung, intranasale Hypoästhesie, Rachenreizung, Sekretfluss im Nasenrachenraum, Austrocknung der Nasenschleimhaut, Darmperforation, Peritonitis, orale Hypoästhesie, orale Parästhesie, Diarrhoe, Würgereiz, Bauchschmerzen, Erkrankung der Zunge, Ulzeration der Mundschleimhaut, Dyspepsie, Mundtrockenheit, Hyperhidrose, Urtikaria, Arthralgie, Muskelzucken, Anurie, Dysurie, Proteinurie, Harnverzögerung, Vaginalblutung, nichtkardial bedingte Schmerzen im Brustkorb, Asthenie, Schüttelfrost, Gesichtsödem, peripheres Ödem, Gangstörung, Fieber, Ermüdung, Unwohlsein, Durst, verminderte Thrombozytenzahl, Gewichtszunahme, Sturz

Häufigkeit nicht bekannt: Halluzinationen, Arzneimittelabhängigkeit (Sucht), Arzneimittelmissbrauch, Konvulsionen, Bewusstseinsverlust, Perforation der Nasenscheidewand, Entzugssyndrom, neonatales Entzugssyndrom, Sturz

 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen allgemein

Pflaster:

  • Akute oder postoperative Schmerzzustände, da eine Dosistitration bei kurzzeitiger Anwendung nicht möglich ist und dies zu einer schweren oder lebensbedrohlichen Hypoventilation führen kann
  • Schwere Atemdepression

Nasenspray-Lösung:

  • Patienten ohne Opioid-Basistherapie, da ein erhöhtes Risiko für eine Atemdepression besteht. Behandlung akuter Schmerzen, welche keine Durchbruchschmerzen darstellen
  • Patienten, die mit Arzneimitteln behandelt werden, die Natriumoxybat enthalten
  • Schwere Atemdepression oder schwere obstruktive Lungenerkrankungen
  • Vorausgegangene Strahlentherapie im Gesichtsbereich
  • Wiederholte Episoden von Epistaxis

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Erythromycin, Ketoconazol, Itraconazol, Fluconazol oder Ritonavir können den Plasmaspiegel von Fetanyl erhöhen.

Bei Umstellung von anderen Opioiden auf Fentanyl-transdermal oder bei abruptem Abbruch der Therapie kann es bei einigen Patienten zu Entzugserscheinungen, wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Angstzuständen und Zittern kommen. Sehr selten wurde berichtet, dass es durch langfristige Anwendung während der Schwangerschaft zu Entzugserscheinungen beim Neugeborenen gekommen ist. Nach gleichzeitiger Anwendung von Fentanyl mit stark serotonergen Arzneimitteln wurden Fälle von Serotonin-Syndrom berichtet. (SmPC Durogesic)

Die intranasale Anwendung führt schnell zur Abhängigkeit. Vorsicht bei längerem Gebrauch.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Mercadante S., Cancer pain management in children, Palliat Med, 2004, 18, 654-62
  2. Finkel JC, Transdermal fentanyl in the management of children with chronic severe pain: results from an international study., Cancer, 2005, 104(12), 2847-57
  3. Zernikow B, et al., Transdermal fentanyl in childhood and adolescence: a comprehensive literature review, J Pain, 2007, 8(3), 187-207
  4. Mukherjee K. et al, Adenotonsillectomy in children: a comparison of morphine and fentanyl for peri-operative analgesia, Anaesthesia, 2001, 56(12), 1193-7
  5. Collins JJ, et al., Transdermal fentanyl in children with cancer pain: feasibility, tolerability, and pharmacokinetic correlates, J Pediatr., 1999, 134(3), 319-23
  6. Hunt A, et al., Transdermal fentanyl for pain relief in a paediatric palliative care population., Palliat Med, 2001, 15(5), 405-12
  7. Anand KJ, et al, Consensus statement for the prevention and management of pain in the newborn., Arch Pediatr Adolesc Med, 2001, 155(2), 173-80
  8. Paut O, et al, Pharmacokinetics of transdermal fentanyl in the peri-operative, Anaesthesia, 2000, 55, 1202-1207
  9. Johnson KL, et al, Fentanyl pharmacokinetics in the pediatric population, Anesthesiology, 1984, 61, A441
  10. Pieper L et al, Intranasal fentanyl for respiratory distress in children and adolescents with life-limiting conditions, BMC Palliat Care, 2018, Sep 10;17(1), 106
  11. Mudd S et al, Intranasal fentanyl for pain management in children: a systematic review of the literature, J Pediatr Health Care, 2011, Sep-Oct;25(5), 316-22
  12. Herd D et al, Intranasal fentanyl paediatric clinical practice guidelines, Emerg Med Australa, 2009, Aug;21(4), 335
  13. Harlos MS et al, Intranasal fentanyl in the palliative care of newborns and infants, J Pain Symptom Manage, 2013, Aug;46(2, 265-74
  14. Hansen MS et al, Limited evidence for intranasal fentanyl in the emergency department and the prehospital setting--a systematic review,, Dan Med J, 2013, Jan;60(1), A4563
  15. Janssen-Cilag Pharma GmbH, SmPC Durogesic transdermales Pflaster (1-26080), aufgerufen am 13.09.2021, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/
  16. Takeda Pharma, SmPC Instanyl Nasenspray Lösung (EU/1/09/531/001-003), aufgerufen am 13.09.2021, http://www.ema.europa.eu
  17. Kyowa Kirin Holdings B.V., SmPC PecFent Nasenspray Lösung (EU/1/10/644/001-007), aufgerufen am 13.09.2021, http://www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 20 Oktober 2021 11:57: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung