Teicoplanin

Wirkstoff
Teicoplanin
Handelsname
Targocid®, diverse Generika
ATC-Code
J01XA02
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Infektionen
    • Parenteral
      • On-label
  • Clostridium difficile Infektionen
    • Oral
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Trockenstechampullen 200 mg, 400 mg
Pulver zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung oder einer Lösung zum Einnehmen 200 mg, 400 mg

Allgemein

Teicoplanin liegt in den im Handel befindlichen Präparaten in der Reinform vor.

Pharmakodynamik

Teicoplanin gehört zur Gruppe der Glykopeptid-Antibiotika und hemmt das Wachstum von empfindlichen Organismen durch Beeinflussung der Zellwandsynthese an einer Angriffsstelle, die sich von jener der Beta-Laktame unterscheidet. Die Peptidoglycan- Synthese wird durch spezifische Bindung an D-Alanyl-D-Alanin-Reste blockiert.

In der Regel empfindliche Spezies: Corynebacterium jeikeium, Enterococcus faecalis, Staphylococcus aureus (inkl. Methicillin-resistenter Stämme), Streptococcus agalactiae, Streptococcus dysgalactiae subsp. equisimilis, (Streptokokken der Gruppen C und G), Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes, Streptokokken der „Viridans“-Gruppe, Clostridium difficile, Peptostreptococcus spp.

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Enterococcus faecium, Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis.

Von Natur aus resistente Spezies: Alle Gram-negativen Mikroorganismen, Chlamydia spp., Chlamydophila spp., Legionella pneumophila, Mycoplasma spp.

Pharmakokinetik

Nach oraler Gabe wird Teicoplanin nicht aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert (SmPC).

Aus den Studien von Reed et al. und Dufort et al. geht hervor, dass die Clearance von Teicoplanin bei Kindern unter 12 Jahren höher ist als bei Erwachsenen. Die Clearance bei Kindern unter 12 Jahren ist sehr variabel; Range 29 – 51 ml/h/kg.

Lukas et al.:

Alter Clearance (l/h) Verteilungsvolumen (l)
Kinder <1 Jahr (n = 4) 0,09 1,05
Kinder >1 Jahr (n = 16) 0,29 3,90

Dosierungen

Bakterielle Infektionen
  • Intravenös
    • Neugeborene
      [1] [3] [5] [8] [9]
      • Initialdosis: 16 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: 8 mg/kg/Tag in 1 Dosis
    • 1 Monat bis 2 Monate
      [1] [3] [5] [8] [9]
      • Initialdosis: 16 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: 8 mg/kg/Tag in 1 Dosis
    • 2 Monate bis 12 Jahre
      [2] [4] [6] [7] [9]
      • Initialdosis: 10 mg/kg/Dosis die ersten 3 Dosen alle 12 Stunden verabreichen.
      • Erhaltungsdosis: 6 - 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis
    • ≥ 12 Jahre
      • Initialdosis: 6 - 12 mg/kg/Dosis die ersten 3 Dosen alle 12 Stunden verabreichen.
      • Erhaltungsdosis: 6 - 12 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Bei schweren Infektionen können die Initial- und Erhaltungsdosis auf bis zu 12 mg/kg/Dosis erhöht werden.

Clostridium difficile-Infektion
  • Oral
    • ≥ 12 Jahre
      • 200 - 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Behandlungsdauer: 7-14 Tage
Therapeutic Drug Monitoring (TDM) -Anweisung
  • Art der Anwendung nicht spezifizierbar
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      • Serumkonzentration: Der erste Talspiegel ist vor Gabe der ersten Erhaltungsdosis zu bestimmen. Danach soll die Talspiegelbestimmung nach 3-4 Tagen Erhaltungstherapie, nach jeder Dosisanpassung und dann wöchentlich bis zum Erreichen des Steady State durchgeführt werden.

        Zielspiegel: Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen, Pneumonie und komplizierte Infektionen des Harntrakts ≥ 15 mg/L. Knochen- und Gelenksinfektionen, Intensivpatienten und Patienten mit Verbrennungen ≥ 20 mg/L. Infektiöse Endokarditis ≥ 30 mg/L.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Dosisanpassung nicht erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
50 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
Mit normaler Dosierung beginnen. Ab Tag vier Dosis wie angeführt anpassen.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
50 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
Mit normaler Dosierung beginnen. Ab Tag vier Dosis wie angeführt anpassen.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Es kann keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden. Bei jedem einzelnen Patienten muss zwischen dem gewünschten Effekt, den Risiken von Nebenwirkungen bei zu hoher Dosierung und dem Fehlschlag der Therapie bei zu geringer Dosierung abgewogen werden.

ANDERE ANTIBIOTIKA

Glycopeptid-Antibiotika

Vancomycin (parenteral)

Vancocin®, Generika
J01XA01
Imidazol-Derivate

Metronidazol

Anaerobex®, diverse Generika
J01XD01
Nitrofuran-Derivate

Nitrofurantoin

Furadantin®, diverse Generika
J01XE01
Andere Antibiotika

Fosfomycin

Monuril®, diverse Generika
J01XX01

Linezolid

Zyvoxid®, diverse Generika
J01XX08

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Schmerzen an der Injektionsstelle, Thrombophlebitis, allergische Reaktionen, hämatologische Reaktionen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Exanthem, Erythem (Rötung), Juckreiz, Schmerzen, Fieber

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Teicoplanin ist ein Reserveantibiotikum und darf nur nach Rücksprache mit einem Infektiologen/Bakeriologen verschrieben werden. Vorsicht ist geboten bei Überempfindlichkeit gegen Vancomycin. Bei Verwendung über einen längeren Zeitraum, bei Niereninsuffizienz und bei gleichzeitiger Behandlung mit neuro- oder nephrotoxischen Substanzen, wird eine regelmäßige Untersuchung des Blutbilds, der Leber-, der Nieren- und der Gehörfunktion empfohlen.
Es wurde ein Fall eines vollständigen atrioventrikulären Blocks beschrieben (Sharif-Yakan 2013)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Schwere, lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen, manchmal mit tödlichem Ausgang, wurden beschrieben (z.B. anaphylaktischer Schock).
  • Vorsicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Vancomycin in der Anamnese.
  • Selten wurde (auch bei Erstanwendung) ein „Red-Man-Syndrom“ (Symptomkomplex mit Pruritus, Urtikaria, Hautrötungen, Angioödem, Tachykardie, Blutdruckabfall, Dyspnoe) beobachtet.
  • Lebensbedrohliche und sogar tödliche Fälle von Hautreaktionen wie Steven-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse wurden beobachtet.
  • Werden höhere Dosen als 12 mg/kg zweimal täglich verabreicht, sollten die Patienten sorgfältig überwacht werden.
  • Thrombozytopenien, Nierenversagen und Ototoxizität sind unter Teicoplanin aufgetreten. Es empfiehlt sich bei längerem Gebrauch und bei eingeschränkter Nierenfunktion Blutbild, Hör- und Nierenfunktion zu überwachen.
  • Teicoplanin kann nicht durch Hämodialyse und nur langsam durch Peritonealdialyse entfernt werden.
  • Bakterielle Superinfektionen sind insbesondere bei Langzeitanwendung möglich.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Aminoglykosidlösungen und Teicoplanin sind inkompatibel und dürfen für die Anwendung als Injektionslösung nicht gemischt werden. In Dialyseflüssigkeiten sind sie kompatibel.
  • Additive Nephro- und Ototoxizität bei gleichzeitiger Verabreichung mit anderen nephro- und ototoxischen Substanzen wie Cisplatin, Colistin oder Furosemid.

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Degraeuwe PL, et al, Use of teicoplanin in preterm neonates with staphylococcal late-onset neonatal sepsis., Biol Neonate, 1998, 73, 287-94
  2. Dufort G, et al, Teicoplanin pharmacokinetics in pediatric patients., Pediatr Infect Dis J, 1996, 15, 494-8
  3. Fanos V, et al, A review of teicoplanin in the treatment of serious neonatal infections, Eur J Pediatr, 1997, 156, 423-7
  4. Lukas JC, et al, Pharmacokinetics of teicoplanin in an ICU population of children and infants., Pharm Res, 2004, 21, 2064-71
  5. Möller JC, et al, Comparison of vancomycin and teicoplanin for prophylaxis of sepsis with coagulase negative staphylococci (CONS) in very low birth weight (VLBW) infants., J Perinat Med., 1997, 25, 361-7
  6. Reed MD, et al, The pharmacokinetics of teicoplanin in infants and children., J Antimicrob Chemother, 1997, 39, 789-96
  7. Tarral E, et al, Pharmacokinetics of teicoplanin in children., J Antimicrob Chemother., 1988, Jan;21 Suppl A, 47-51
  8. Yalaz M, et al, Experience with teicoplanin in the treatment of neonatal staphylococcal sepsis, J Int Med Res, 2004, 32, 540-8
  9. Sanofi-aventis Netherlands B.V, SmPC Targocid (RVG 13473) 12-11-2018, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  10. Sharif-Yakan A et al. , Complete heart block in a patient with acute lymphoblastic leukaemia: teicoplanin as a possible cause and review of literature, J Clin Pharm Ther, 2013, Apr;38(2), 156-8
  11. Sanofi-Aventis, SmPC Targocid 200 mg Tr.st.amp. (1-19652), 11/2017
  12. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557) [siehe Wechselwirkungen ], 03/2019

Änderungsverzeichnis

  • 16 Oktober 2019 09:26: Neue Monographie "Teicoplanin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung