Lorazepam

Wirkstoff
Lorazepam
Handelsname
Temesta®
ATC-Code
N05BA06
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Sedierung
    • Intravenös, Oral
      • Off-label
  • Status epilepticus
    • Intravenös
      • <3 Jahre: Off-label
      • ≥3 Jahre: On-label
  • Akute Angstzustände (kurzzeitige Anwendung)
    • Oral
      • Off-label
  • Sedierung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Tabletten 1 mg, 2,5 mg
Ampullen 2 mg/ml

Allgemein

Die im Handel befindlichen Darreichungsformen enthalten Lorazepam in Form der freien Base. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich demnach auf Lorazepam.
Die Einnahme der Tabletten erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
TEMESTA® Tabletten 1 / 2,5 mg Lactose
TEMESTA® Ampullen 2 mg Benzylalkohol, Propylenglykol

Die Fachinformationen wurden 08/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Lorazepam ist eine psychotrope Substanz aus der Klasse der 1,4-Benzodiazepine mit spannungs-, erregungs- und angstdämpfenden Eigenschaften sowie sedierenden und hypnotischen Effekten. Darüber hinaus zeigt Lorazepam muskelrelaxierende und antikonvulsive Wirkungen. Lorazepam besitzt eine hohe Affinität zu (Bindungsstellen an) zentralen GABAA-Rezeptoren und verstärkt so die inhibitorische Wirkung von GABA.

Pharmakokinetik

Kinder

Die Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 90%. Kinder metabolisieren die Benzodiazepine schneller als Jugendliche und Erwachsene.

In den ersten Lebenstagen kann die Eliminationshalbwertszeit das 2- bis 4-fache der mütterlichen Halbwertszeit betragen.

Dosierungen

Gehe zu:

Sedierung
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1]
      • 0,2 - 0,4 mg/kg/Tag in 4 Dosen. Maximale Einzeldosis: 3 mg/Dosis.
  • Oral
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [1] [10]
      • Orale Verabreichung von Lorazepam nur während des Ausschleichens einer intravenösen Lorazepam Gabe, um Entzugssymptome nach intravenöser Sedierung zu verhindern. Die orale Therapie wird begonnen, danach wird die intravenöse Medikation ausgeschlichen. Die Dosis ist von der verwendeten intravenösen Dosis abhängig.

Status epilepticus
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [3] [9] [14]
      • 0,1 mg/kg/Dosis, Bolus. Maximale Einzeldosis: 4 mg/Dosis.
      • Die Injektionsgeschwindigkeit soll 2 mg pro Minute nicht überschreiten.

Akute Angstzustände (kurzzeitige Anwendung)
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [2]
      • 0,02 - 0,1 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen.
      • Mit niedriger Initialdosis beginnen und je nach klinischem Bild langsam steigern.

Sedierung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen
  • Oral
    • 6 Jahre bis 13 Jahre
      [4] [6] [7] [8]
      • 0,5 - 1 mg/Dosis, einmalig, max: 0,05 mg/kg/Dosis. 1 bis 2 Stunden vor dem Eingriff.
    • 13 Jahre bis 18 Jahre
      [4] [8]
      • 1 - 4 mg/Dosis, einmalig. 1 bis 2 Stunden vor dem Eingriff.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANXIOLYTIKA

Benzodiazepin-Derivate

Clobazam

Frisium®
N05BA09

Diazepam

Gewacalm®, Stesolid®, Psychopax®
N05BA01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Vor allem bei Kindern können paradoxe Reaktionen mit akuter Erregung, Verwirrung und Veränderung des psychischen Zustands sowie Enthemmung auftreten. Bei Neugeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht wurden epileptische Anfälle und Myoklonie verzeichnet. Sedierung, Konzentrations-/Gedächtnisprobleme, Toleranz/Abhängigkeit bei Verwendung über einen längeren Zeitraum.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Sedierung, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Verwirrtheit, Depression, Demaskierung einer Depression, Ataxie, Benommenheit, Muskelschwäche, Asthenie, Veränderung des Sexualverhaltens, verminderte Orgasmen, Übelkeit, Impotenz
Zudem gelegentlich bei intravenöser Anwendung: Veränderung des Appetits, Zerstreutheit, Kopfschmerzen, Sprachstörung/verwaschene Sprache, Unruhe, Amnesie, Sehstörungen, Schwindel, Hypotonie, Hypertonie, Atemdepression, Verschlechterung obstruktiver Lungenerkrankungen, Übelkeit, Erbrechen, trockener Mund, Speichelfluss, Verstopfung, Hautausschlag

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
Agranulozytose, anaphylaktische Reaktionen, Angioödem, Atemstillstand, Suizidgedanken/-versuch

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen andere Benzodiazepine
  • Myasthenia gravis
  • Akute Alkohol- oder Psychopharmakaintoxikation
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Schwerwiegende Leberinsuffizienz
  • Schwerwiegende respiratorische Insuffizienz

Die intravenöse/intramuskuläre Anwendung ist darüber hinaus kontraindiziert bei:

  • Schlaf- und Schmerzmittelintoxikationen
  • Nierenversagen
  • Schock- und Kollapszustände
  • Bei i.m. Gabe: Porphyrie, hämorrhagische Diathese und Hämatopoese-Störungen

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Injektionslösung enthält Propylenglycol, Benzylalkohol und Macrogol 400. Frühgeborene, Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht und Kinder, die hohe Dosen erhalten, reagieren empfindlicher auf die Wirkungen von Benzylalkohol, Propylenglycol und Macrogol.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Anwendung von Benzodiazepinen, einschließlich Lorazepam, kann zu physischer und psychischer Abhängigkeit führen. Das Risiko steigt mit der Dosis und der Anwendungsdauer. Bei abruptem Absetzen von Benzodiazepinen traten Entzugserscheinungen auf. Dies betrifft vor allem Langzweitanwender hoher Dosen. Um das Auftreten von Entzugserscheinungen zu vermeiden, soll die Dosis von Lorazepam-Tabletten nach einer ausgedehnten Therapie schrittweise reduziert werden.
  • Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung ist erhöht bei Patienten mit bekannter Alkoholabhängigkeit oder Arzneimittelmissbrauch in der Vorgeschichte oder Patienten mit signifikanten Persönlichkeitsstörungen.
  • Generell sollen Benzodiazepine nur für kurze Zeiträume (z.B. 2-4 Wochen) verschrieben werden.
  • Toleranzentwicklung im Hinblick auf die sedierenden Eigenschaften von Benzodiazepinen ist möglich.
  • Schwere anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen sind bei der Anwendung von Benzodiazepinen berichtet worden. Patienten, bei denen nach der Behandlung mit einem Benzodiazepin ein Angioödem auftrat, dürfen mit diesem Wirkstoff nicht mehr behandelt werden.
  • Vorsicht bei Patienten mit Paragruppenallergie, Beeinträchtigung der Atemfunktion, reduziertem Allgemeinzustand und zerebralen Durchblutungsstörungen.
  • Eine vorbestehende Depression kann während der Anwendung eines Benzodiazepins, einschließlich Lorazepam, auftreten oder sich verschlimmern. Die Anwendung von Benzodiazepinen könnte bei depressiven Patienten Suizidneigungen demaskieren und sollte nicht ohne adäquate Antidepressiva-Therapie verwendet werden.
  • Lorazepam-Tabletten dienen nicht zur Behandlung endogener Depressionen oder psychotischer Erkrankungen, außer vorübergehend als Zusatzmedikation bei Patienten mit begleitenden Angstzuständen oder Schlaflosigkeit, wenn diese durch die Grundbehandlung mit Antidepressiva bzw. Neuroleptika nicht ausreichend kontrolliert werden.
  • Benzodiazepine können die Entstehung einer anterograden Amnesie auslösen, welche meistens einige Stunden nach der Einnahme auftritt. Um das Risiko zu vermindern sollten Patienten einen ungestörten Schlaf von 7-8 Stunden sicherstellen.
  • Es wird empfohlen, die Notwendigkeit einer fortdauernden Therapie mit Lorazepam-Tabletten in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.
  • Bei einer Langzeitanwendung wird ein regelmäßiges Monitoring des Blutbildes und der Leberfunktionsparameter empfohlen.
  • So wie alle Benzodiazepine, kann die Verabreichung von Lorazepam die Ausprägung einer hepatischen Enzephalopathie beschleunigen.
  • Rebound-Phänomene sind möglich: Symptome, die zur Einnahme von Benzodiazepinen geführt haben (Schlaflosigkeit, Angstzustände), treten nach dem Absetzen verstärkt in Erscheinung.
  • Lorazepam-Ampullen sind nicht zur Dauerbehandlung der Epilepsie vorgesehen.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Scopolamin Wird Lorazepam gleichzeitig mit Scopolamin angewendet, kann es nach Herstellerangaben theoretisch häufiger zu Halluzinationen, irrationalem Verhalten und stärkerer Sedierung kommen. Kombination vermeiden.
Clozapin Die gleichzeitige Anwendung kann in seltenen Fällen Benzodiazepinintoxikation, schwere Hypotension, Atemdepression, Bewusstseinsstörung und potenziell tödlichen Atemstillstand hervorrufen. Falls Symptome einer Toxizität auftreten (z. B. deutliche Sedierung, Schwindel, Ataxie, Schwäche), erwägen Sie, die Kombinationsbehandlung zu beenden.
Valproinsäure Verstärkung der zentraldämpfenden Wirkungen von Lorazepam. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Valproinsäure soll die Lorazepam-Dosis reduziert werden. Auf eventuell verstärkte zentraldämpfende Effekte ist zu achten.
Opioide, Z-Drugs Die gleichzeitige Behandlung mit Z-Drugs und Opioiden kann verstärkte Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod herbeiführen. Die gleichzeitige Behandlung ist nur bei Patienten angebracht, für die keine Alternativen in Frage kommen. Wenn die gleichzeitige Behandlung nötig ist, soll die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich sein. Die Patienten sollen engmaschig auf Atemdepression und Sedierung überwacht werden.
Rifampicin Die Lorazepam-Plasmakonzentration kann sich verringern durch Steigerung der Clearance. Erhöhung der Lorazepam-Dosis nach Bedarf.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Landelijk Kenniscentrum Kind-enJeugdpsychiatrie (Ketelaars) [Nationales Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie], Anxiolytica/Hypnotika, 2009
  3. Waardenburg van DA, et al., Richtlijn status epilepticus kinderen ouder dan één maand. [Leitlinie Status epilepticus bei Kindern älter als ein Monat], Nederlandse Vereniging voor Kindergeneeskunde [Niederländische Gesellschaft für Kinderheilkunde], Augustus 2005
  4. Prolepha Research B.V, SmPC Lorazepam Prolepha (RVG 119556 en 119557) 25-10-2018, www.geneesmiddelinformatiebank.nl
  5. ratiopharm, SmPC, Lorazepam-ratiopharm® Tabletten (7431.00.00/7431.01.00), 04/2018
  6. neuraxpharm, SmPC, Lorazepam-neuraxpharm® (7791.00.00/7791.01.00), 11/2013
  7. Pfizer, SmPC, Tavor® 0,5 mg/ 1,0 mg/ Tabs 2 mg/ 2,5 mg Tabletten (6174941.00.00), 07/17
  8. Pfizer, SmPC, Tavor® 1,0/ 2,5 mg Expidet Plättchen (6948.00.00), 07/17
  9. Nederlandse Vereniging voor Neurologie [Niederländische Gesellschaft für Neurologie], Richtlijn Epilepsie > Status Epilepticus > Bij kinderen [Leitlinie Epilepsie -> Status epilepticus -> bei Kindern], https://epilepsie.neurologie.nl/cmssite/index.php?pageid=610&tabid=20110429141709 , Aufgerufen am 11. Juli 2019
  10. Van der Vossen, AC. et al, Oral lorazepam can be substituted for intravenous midazolam when weaning paediatric intensive care patients off sedation, Acta Paediatr, 2018, Mar 23;107(9), 1594-1600
  11. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 11.08.2020
  12. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 11.08.2020
  13. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 11.08.2020
  14. Pfizer, SmPC Temesta 1 mg Tbl. (14794), 02/2019
  15. Pfizer, SmPC Temesta 2 mg Amp. (1-20346), 02/2019

Änderungsverzeichnis

  • 28 Dezember 2020 14:13: Neue Monographie "Lorazepam"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung