Amitriptylin

Wirkstoff
Amitriptylin
Handelsname
Saroten®
ATC-Code
N06AA09
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Überdosierung
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Enuresis nocturna
    • Oral, schnellfreisetzend
      • On-label
  • Neuropathische Schmerzen
    • Oral
      • Off-label
  • Prophylaxe Kopfschmerzen
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, zur Behandlung der Enuresis nocturna bei Kindern ab 6 Jahren, wenn eine organische Ursache, einschließlich Spina bifida und verwandte Störungen, ausgeschlossen wurde und mit allen anderen medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmaßnahmen, einschließlich Antispastika und Vasopressin-verwandten Arzneimitteln, kein Ansprechen erzielt wurde

 - 6 bis 10 Jahre: 10 mg – 20 mg. Eine geeignete Darreichungsform sollte für diese Altersgruppe verwendet werden.
- Für Kinder ab 11 Jahren: 25 mg – 50 mg täglich Die Dosis sollte schrittweise gesteigert werden. Die Dosis ist 1–1½ Stunden vor dem Schlafengehen einzunehmen

Depressive Erkrankungen (Episoden einer Major Depression), neuropathische Schmerzen, prophylaktische Behandlung von chronischen Spannungskopfschmerzen, Migräneprophylaxe: Amitriptylin sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden, da Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen sind

(SmPC Saroten Filmtabletten)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 10 mg, 25 mg

Amitriptylin ist in den verfügbaren Filmtabletten als Amitriptylin-Hydrochlorid enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Amitryptilin.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die verfügbaren Filmtabletten enthalten: Lactose-Monohydrat

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Amitriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum und Analgetikum. Es hat ausgeprägte anticholinerge und sedierende Eigenschaften. Es blockiert die Wiederaufnahme und somit die Inaktivierung von Noradrenalin und Serotonin an den Nervenendigungen. Indem die Wiederaufnahme dieser beiden Monoamin-Neurotransmitter verhindert wird, wird ihre Wirkung im Gehirn verstärkt. Dies scheint mit der antidepressiven Aktivität assoziiert zu sein. Der Wirkmechanismus umfasst außerdem Ionenkanal-Blockaden der Natrium-, Kalium- und NMDA-Kanäle sowohl zentral als auch im Rückenmark. Die Noradrenalin-, Natrium- und NMDA-Effekte tragen bekanntermaßen zur Regulierung neuropathischer Schmerzen, Prophylaxe chronischer Spannungskopfschmerzen und Migräneprophylaxe bei. Die schmerzreduzierende Wirkung von Amitriptylin beruht nicht auf seinen antidepressiven Eigenschaften. Trizyklische Antidepressiva zeigen in unterschiedlichem Maße Affinität für Muscarin- und Histamin-H1-Rezeptoren.

Pharmakokinetik

Keine Daten zur Pharmakokinetik bei Kindern verfügbar.

Dosierungen

Enuresis nocturna
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [5]
      • 1 - 1,5 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 50 mg/Tag.
        • Die Dosis sollte schrittweise erhöht werden.
        • Die Verabreichung der Dosis sollte 1 bis 1,5 Stunden vor dem Schlafengehen erfolgen.
        • Behandlungsdauer: max. 3 Monate. Wenn wiederholte Zyklen erforderlich sind, sollte alle 3 Monate eine medizinische Beurteilung durchgeführt werden.
        • Die Behandlung mit Amitriptylin darf nicht plötzlich abgebrochen werden, da Absetzsymptome auftreten können. Die Dosierung muss schrittweise ausgeschlichen werden.
Neuropathische Schmerzen
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [3] [4] [9]
      • Initial: 5 - 10 mg/Tag in 1 Dosis nachts. Bei Bedarf langsam auf max. 25 mg/Tag steigern.
      • Die Behandlung mit Amitriptylin sollte aufgrund des Auftretens von Absetzsymptomen nicht plötzlich beendet werden. Die Dosierung muss schrittweise ausgeschlichen werden.

Prophylaxe Kopfschmerzen
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [6] [7] [8]
      • Initialdosis: nachts: 10 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: langsam erhöhen um 10 mg/Tag alle 4 - 6 Wochen auf 10 - 30 mg/Tag in 1 Dosis, max: 30 mg/Tag.
        • Die Behandlung mit Amitriptylin sollte aufgrund des Auftretens von Absetzsymptomen nicht plötzlich abgesetzt werden. Die Dosierung muss schrittweise ausgeschlichen werden.
        • Die Studie von Powers (2017) zeigt, dass die Wirksamkeit von Amitriptylin bei der Migräneprophylaxe nicht wirksamer ist als Placebo. Dennoch kann nach Ansicht von Expert*innen in Einzelfällen eine Behandlung mit Amitriptylin in Betracht gezogen werden.

         

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

ANTIDEPRESSIVA

Nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer

Clomipramin

Anafranil®
N06AA04
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Citalopram

Seropram®, diverse Generika
N06AB04

Fluoxetin

Fluctine®, diverse Generika
N06AB03

Fluvoxamin

Floxyfral®
N06AB08

Sertralin

Tresleen®, diverse Generika
N06AB06

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Das Auftreten schwerwiegender unerwünschter Wirkungen oder das Ausbleiben der Wirkung kann auf eine veränderte Metabolisierung des Arzneistoffes zurückzuführen sein. CYP2D6 kann für die unterschiedliche Reaktion verantwortlich sein. Eine Genotypisierung kann in Betracht gezogen werden.

Bei der Indikation Enuresis nocturna sind die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen Schläfrigkeit, anticholinerge Wirkungen, leichtes Schwitzen und Juckreiz.

In einem Fall (n=1) bei Enuresis nocturna wurde die reversible unerwünschte Arzneimittelwirkung Esotropie (Schielen) berichtet (Eidlitz-Markus et al. 2012).
In einer Studie (n=45) zu schwerer Migräne wurde über die unerwünschte Arzneimittelwirkung 'Ohnmacht' (n=1) berichtet (Eidlitz-Markus et al. 2012).
In einer anderen Studie (n=144) zu Migräne wurde die unerwünschte Arzneimittelwirkung 'Stimmungsänderungen' (n=3) berichtet (Powers et al. 2017).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Schläfrigkeit, Tremor, Schwindel, Kopfschmerz, Benommenheit, Aggression, Sprachstörung (Dysarthrie), Akkommodationsstörung, Herzklopfen, Tachykardie, orthostatische Hypotonie, verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Obstipation, Übelkeit, Hyperhidrosis, Gewicht erhöht

Häufig (1-10%): Agitiertheit, Aufmerksamkeitsstörungen, Geschmacksstörung, Parästhesie, Ataxie, Mydriasis, atrioventrikulärer Block, Schenkelblock, Verwirrtheit, Libido vermindert, Störungen bei der Harnblasenentleerung, Erektionsstörung, Müdigkeit, Durstgefühl, EKG abnorm, EKG QT verlängert, EKG QRS-Komplex verlängert, Hyponatriämie

Gelegentlich (0,1-1%): Hypomanie, Manie, Angst, Schlaflosigkeit, Alptraum, Konvulsion, Tinnitus, Kollaps, Verschlechterung einer Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diarrhoe, Erbrechen, Zungenödem, Störung der Leber (z.B. cholestatische Lebererkrankung), Ausschlag, Urtikaria, Gesichtsödem, Harnretention, Galaktorrhoe, intraokulärer Druck erhöht

Selten (0,1-0,01%): Knochenmarkdepression, Agranulozytose, Leukopenie, Eosinophilie, Thrombozytopenie, verminderter Appetit, Delirium (bei älteren Menschen), Halluzination, suizidale Gedanken oder suizidales Verhalten, Arrhythmie, Vergrößerung der Speicheldrüse, paralytischer Ileus, Ikterus, Alopezie, Lichtempfindlichkeitsreaktion, Gynäkomastie, Fieber, Gewichtsabnahme, Leberfunktionstest anomal, alkalische Phosphatase im Blut erhöht, Transaminasen erhöht

Sehr selten (< 0,01%): Akathisie, Polyneuropathie, akutes Glaukom, Kardiomyopathien, Torsades de Pointes, allergische Entzündung der Alveolen bzw. des Lungengewebes (Alveolitis, Löffler-Syndrom)

Häufigkeit nicht bekannt: Anorexie, Erhöhung oder Absenken des Blutzuckerspiegels, Paranoia, Extrapyramidale Störungen, trockenes Auge, Hypersensitivitätsmyokarditis, Hyperthermie, Hepatitis

 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Kürzlich zurückliegender Herzinfarkt. Herzblock jeglichen Grades oder Herzrhythmusstörung und Koronarinsuffizienz.
  • gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern (nicht-selektive ebenso wie selektive Inhibitoren der MAO A (Moclobemid) und MAO B (Selegilin)): Gefahr eines Serotoninsyndroms
  • schwere Lebererkrankung
  • Kinder unter 6 Jahren

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Zusammenfassung:
Führt zu herabgesetztem Reaktions- und Konzentrationsvermögen; nicht bei Depressionen verbreichen, Patient*innen, insbesondere Risikopatient*innen (Suizidgedanken, Suizidversuche), sollten aufgrund des erhöhten Suizidrisikos sorgfältig überwacht werden. Suizidales Verhalten oder Suizidgedanken können während der frühen Phase der Behandlung mit Antidepressiva auch bei anderen Erkrankungen als Depressionen auftreten. Vor und während der Behandlung: Blutdruck, Puls und EKG kontrollieren; kardiale Beschwerden können auftreten oder sich verschlimmern. Symptome wie Schwindel und Palpitationen müssen sofort abgeklärt werden. Wegen des erhöhten Kariesrisikos sind zahnärztliche Kontrollen angezeigt.

Die Anwendung kann zu einem herabgesetzten Reaktions- und Konzentrationsvermögen führen. Dies kann zahlreiche Alltagstätigkeiten beeinträchtigen.

Im Gegensatz zum Einsatz bei Erwachsenen, wird die Anwendung von tricyclischen Antidepressiva (TCA) bei Kindern und Jugendlichen mit Depressionen nicht empfohlen; Wirksamkeit und Sicherheit wurden nicht nachgewiesen und es gibt Fälle mit tödlichen Verläufen.

Ein Screening auf Suizidrisiken ist vor der Behandlung angezeigt. Die Behandlung mit Antidepressiva kann das (durch die Depression erhöhte) Suizidrisiko in der frühen Phase der Genesung noch weiter erhöhen. Patient*innen - insbesondere solche, die aufgrund von Suizidgedanken oder Suizidversuchen ein hohes Risiko haben - müssen während der Behandlung sorgfältig überwacht werden, insbesondere zu Therapiebeginn und bei Dosisanpassungen. Suizidgedanken und suizidales Verhalten können während der frühen Phase der Behandlung mit Antidepressiva auch in anderen Indikationen als Depressionen auftreten. Bei der Behandlung von Patient*innen mit Enuresis nocturna, neuropathischen Schmerzen oder Kopfschmerzen (Prophylaxe) sollten daher die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei der Behandlung von Patient*innen mit Depressionen getroffen werden. Patient*innen sollen auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht werden, jede klinische Verschlechterung, suizidales Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnliche Verhaltensänderungen sorgsam zu überwachen und bei Auftreten derartiger Symptome unverzüglich medizinischen Rat zu suchen. Patient*innen dürfen keine größere Menge des Wirkstoffs zur Verfügung haben

Bei der Therapie mit TCA müssen kardiale Vorerkrankungen in der Patient*innen- und Familienanamnese berücksichtigt werden, da diese Wirkstoffgruppe eine bestehende oder erbliche Anfälligkeit für Arrhythmien verschlimmern kann. Blutdruck, Pulsfrequenz und EKG sollten vor und während der Behandlung regelmäßig überprüft werden, insbesondere hinsichtlich PR-, QT-, QRS-Verlängerung. Aufgrund dieser kardialen Nebenwirkungen müssen Symptome wie Schwindel und Palpitationen sofort abgeklärt werden.

Zahnärztliche Kontrollen sind wegen des erhöhten Kariesrisikos angezeigt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Apotex Europe BV, SmPC Amitriptyline (RVG 52186) 01-09-2016, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  2. Lundbeck BV, SmPC Sarotex retard (RVG 06480) 18-05-2017, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  3. Brown S et al. , A randomized controlled trial of amitriptyline versus gabapentin for complex regional pain syndrome type I and neuropathic pain in children. , Scand J Pain., 2016 , Oct;13, 156-163
  4. WHO Press World Health Organization, WHO Guidelines on the Pharmacological Treatment of Persisting Pain in Children with Medical Illnesses., 2012, ISBN 978 92 4 154812 0
  5. Burke JR et al, A comparison of amitriptyline, vasopressin and amitriptyline with vasopressin in nocturnal enuresis, Pediatric Nephrology , 1995, 9(4), 438-40
  6. Powers SW et al. , Trial of amitriptyline, topiramate and placebo for pediatric migraine. , N Engl J Med , 2017, 376(2), 115-24
  7. Eidlitz-Markus T et al, Nonpharmacologic treatment of migraine with low-dose propranolol or amitriptyline., Pediatr Neurol , 2012, 46(6), 345-9
  8. Hershey AD et al, Effectiveness of amitriptyline in the prophylactic management of childhood headaches., Headache, 2000, 40, 539-49
  9. Anghelescu DL et al, Prospective study of neuropathic pain after definitive surgery for extremity osteosarcoma in a pediatric population., Pediatr Blood Cancer , 2017, Mar;64(3)
  10. Lundbeck Austria GmbH, SmPC Saroten Filmtabletten 10 mg, 25 mg (11.734, 11.735), aufgerufen am 28.02.2022, https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/

Änderungsverzeichnis

  • 31 März 2022 15:39: Neue Monographie
  • 17 März 2022 16:40: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung

Kinder sind besonders anfällig für Kardiotoxizität, Krampfanfälle und Hyponatriämie. (SmPC Saroten)