Caspofungin

Wirkstoff
Caspofungin
Handelsname
Cancidas®, div. Generika
ATC-Code
J02AX04
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Caspofungin ist ein Antimykotikum aus der Gruppe der Echinocandine zur systemischen Anwendung. Es wirkt über eine Hemmung der Synthese von β-(1,3)-D-Glukan, einem Hauptbestandteil der Zellwand vieler Fadenpilze und Hefen. Eine fungizide Wirkung von Caspofungin wurde gegen Candida-Hefen nachgewiesen. In-vitro- und In-vivo-Studien zeigen, dass es zu Lyse und Absterben der Apikalenden und Verzweigungspunkte der Hyphen, wo Zellwachstum und –teilung stattfinden, führt, wenn Aspergillus Caspofungin ausgesetzt wird.

Caspofungin besitzt In-vitro-Aktivität gegen Aspergillus-Spezies (Aspergillus fumigatus, Aspergillus flavus, Aspergillus niger, Aspergillus nidulans, Aspergillus terreus und Aspergillus candidus). Caspofungin besitzt ebenfalls In-vitro-Aktivität gegen Candida-Spezies (Candida albicans, Candida dubliniensis, Candida glabrata, Candida guilliermondii, Candida kefyr, Candida krusei, Candida lipolytica, Candida lusitaniae, Candida parapsilosis, Candida rugosa und Candida tropicalis) einschließlich der Isolate mit transportbedingter multipler Resistenz und jener mit erworbener oder intrinsischer Resistenz gegen Fluconazol, Amphotericin B und 5-Flucytosin.

Pharmakokinetik bei Kindern

In den Studien von Neely et al., Walsh et al. und Sáez-Llorens et al. wurden folgende pharmakokinetische Parameter ermittelt:

T½ (h)
12-17 Jahre: 11,2±1,7
2-11 Jahre: 8,2±2,4
3-23 Monate: 8,8±2,1

Cl (ml/min)
12-17 Jahre 12,6±5,5
2-11 Jahre 6,4±2,6
3-23 Monate 3,2±0,4

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Candidose, Aspergillose, empirische Behandlung vermuteter Pilzinfektionen bei Fieber und Neutropenie
    • Intravenös
      • ≥12 Monate: On-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Intravenös,

  • Behandlung von invasiver Candidiasis bei erwachsenen oder pädiatrischen Patienten.
  • Behandlung von invasiver Aspergillose bei erwachsenen oder pädiatrischen Patienten, die auf Therapien mit Amphotericin B, Lipidformulierungen von Amphotericin B und/oder Itraconazol nicht ansprechen oder diese nicht vertragen. Ein Nichtansprechen ist definiert als ein Fortschreiten der Infektion oder wenn nach vorangegangener mindestens 7-tägiger antimykotischer Therapie in therapeutischen Dosierungen keine Besserung eintritt.
  • Empirische Therapie bei Verdacht auf Infektionen durch Pilze (wie Candida oder Aspergillus) bei erwachsenen oder pädiatrischen Patienten mit Fieber und Neutropenie.

Kinder und Jugendliche (im Alter von 12 Monaten bis 17 Jahren): Die Dosierung bei pädiatrischen Patienten (12 Monate bis 17 Jahre) sollte sich nach der Körperoberfläche des Patienten richten. Für alle Indikationen sollte die Therapie mit einer Initialdosis von einmal 70 mg/m2 (wobei die Dosis von 70 mg nicht überschritten werden darf) am ersten Tag eingeleitet und danach mit 50 mg/m2 pro Tag (wobei eine Dosis von 70 mg pro Tag nicht überschritten werden darf) fortgesetzt werden. Wenn die Tagesdosis von 50 mg/m2 gut vertragen wird, aber nicht zu einem adäquaten klinischen Ansprechen führt, kann die Tagesdosis auf 70 mg/m2 (wobei die Dosis von 70 mg pro Tag nicht überschritten werden darf) erhöht werden.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Caspofungin wurden nicht in angemessenem Umfang in klinischen Studien, in denen Neugeborene und Säuglinge unter 12 Monaten eingeschlossen waren, untersucht. Bei der Behandlung von Patienten dieser Altersgruppe ist Vorsicht geboten. Begrenzte Daten legen nahe, dass Caspofungin in einer Dosierung von 25 mg/m2 pro Tag bei Neugeborenen und Säuglingen unter 3 Monaten und von 50 mg/m2 pro Tag bei Säuglingen zwischen 3 und 11 Monaten in Betracht gezogen werden kann.

(SmPC Cancidas)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://www.ema.europa.eu/en abgerufen werden.

Präparate im Handel

Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung 50 mg, 70 mg

Caspofungin ist im Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung als Caspofunginacetat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Caspofungin.

Anwendungshinweis:

Caspofungin wird intravenös infundiert.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die zugelassenen Arzneispezialitäten enthalten: Sucrose

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Dosierungen

Candidose, Aspergillose, empirische Behandlung vermuteter Pilzinfektionen bei Fieber und Neutropenie
  • Intravenös
    • Frühgeborene Gestationsalter < 37 Wochen
      [10] [11] [12] [13]
      • 2 mg/kg/Tag in 1 Dosis
    • Neugeborene
      [7]
      • 25 mg/m²/Tag in 1 Dosis
      • Begrenzte Daten legen nahe, dass die obige Dosierung in Betracht gezogen werden kann.

    • 1 Monat bis 3 Monate
      [7]
      • 25 mg/m²/Tag in 1 Dosis
      • Begrenzte Daten legen nahe, dass die obige Dosierung in Betracht gezogen werden kann.

    • 3 Monate bis 18 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [8] [9]
      • Initialdosis: 70 mg/m²/Tag in 1 Dosis. Max: 70 mg/Tag.
      • Erhaltungsdosis: 50 mg/m²/Tag in 1 Dosis. Max: 70 mg/Tag.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Diarrhoe, Dyspnoe, Atemnot. Wie bei Erwachsenen wurden auch bei Kindern ähnliche, durch Histamin vermittelte Symptome berichtet.

Kinder: Sehr häufig (>10 %): Fieber. Häufig (1 – 10 %): Schmerzen an der Infusionsstelle, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, vorübergehende Rötung von Gesicht und Hals, Hypotonie, Tachykardie, Hautausschlag, Juckreiz, erhöhte Leberwerte (AST, ALT), erhöhte Eosinophilenzahl, vermindertes Serum-Kalium, Hypomagnesiämie, erhöhtes und erniedrigtes Phosphat, erhöhte Glucosewerte. Darüber hinaus wurde über Schwellungen an der Infusionsstelle, periphere Ödeme, Hypocalcämie und Leberfunktionsstörungen berichtet. Nephrotoxizität.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10%): erniedrigtes Hämoglobin, erniedrigter Hämatokrit, erniedrigte Leukozytenzahl, Hypokaliämie, Kopfschmerzen, Phlebitis, Dyspnoe, Übelkeit, Diarrhö, Erbrechen, erhöhte Leberwerte (ALT, AST, alkalische Phosphatase, direktes und Gesamt-Bilirubin), Ausschlag, Pruritus, Erythem, Hyperhidrose, Arthralgie, Fieber, Schüttelfrost, Juckreiz an der Infusionsstelle, erniedrigtes Serum-Kalium, erniedrigtes Serum-Albumin

Gelegentlich (0,1-1%): verstopfte Nase, Schmerzen in Rachen und Kehlkopf, Tachypnoe, Bronchospasmus, Husten, paroxysmale nächtliche Dyspnoe, Hypoxie, Rasseln, Giemen, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, trockener Mund, Dyspepsie, Magenbeschwerden, Blähungen, Aszites, Obstipation, Dysphagie, Flatulenz, Cholestase, Hepatomegalie, Hyperbilirubinämie, Gelbsucht, Leberfunktionsstörung, Hepatotoxizität, Lebererkrankung, erhöhte Gamma-Glutamyltransferase, Erythema multiforme, makulärer Ausschlag, makulo-papulöser Ausschlag, juckender Ausschlag, Urtikaria, allergische Dermatitis, generalisierter Juckreiz, erythematöser Ausschlag, generalisierter Ausschlag, morbiliformer Ausschlag, Hautläsionen, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Gliedmaßen, Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Myalgie, Nierenversagen, akutes Nierenversagen, Schmerzen, Schmerzen am liegenden Katheter, Erschöpfung, Frösteln, Hitzegefühl, Erythem an der Infusionsstelle, Verhärtung an der Infusionsstelle, Schmerzen an der Infusionsstelle, Schwellung an der Infusionsstelle, Phlebitis an der Injektionsstelle, peripheres Ödem, Schmerzhaftigkeit, Beschwerden im Brustkorb, Schmerzen im Brustkorb, Gesichtsödem, Gefühl einer veränderten Körpertemperatur, Verhärtung, Extravasation an der Infusionsstelle,  Reizungen an der Infusionsstelle, Phlebitis an der Infusionsstelle, Ausschlag an der Infusionsstelle, Urtikaria an der Infusionsstelle, Erythem an der Injektionsstelle, Ödem an der Injektionsstelle, Schmerzen an der  Injektionsstelle, Schwellung an der Injektionsstelle, Unwohlsein, Ödem, erhöhtes Serum-Kreatinin, Nachweis von Erythrozyten im Urin, vermindertes Gesamtprotein, Protein im Urin, verlängerte Prothombinzeit, verkürzte Prothrombinzeit, vermindertes Serum-Natrium, erhöhtes Serum-Natrium, erniedrigtes Serum-Calcium, erhöhtes Serum-Calcium, vermindertes Serum-Chlorid, erhöhte Serum-Glucose, Hypomagnesiämie, erniedrigtes Serum-Phosphat, erhöhtes Serum-Phosphat, erhöhter Serum-Harnstoff, Verlängerung der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit, erniedrigtes Serum-Bicarbonat, erhöhtes Serum-Chlorid, erhöhtes Serum-Kalium, erhöhter Blutdruck, erniedrigte Serum-Harnsäure, Blut im Urin, anomale Atemgeräusche, erniedrigtes Kohlendioxid, erhöhte Konzentration immunsuppressiver Arzneimittel, erhöhte INR, Harnzylinder, positiver Nachweis von Leukozyten im Urin, erhöhter pH-Wert des Urins

Häufigkeit nicht bekannt: toxische epidermale Nekrolyse und Stevens-Johnson-Syndrom

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Neben Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil sind keine weiteren Kontraindikationen bekannt.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Nur nach Rücksprache mit fachärztlichem Personal (Infektiologie/Mikrobiologie) verschreiben. Die Dosierung muss bei Erwachsenen mit mäßiger Leberfunktionsstörung angepasst werden. Es wurden keine Studien an Kindern mit Leberfunktionsstörungen durchgeführt, daher ist bei schweren Leberfunktionsstörungen Vorsicht geboten.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://www.ema.europa.eu/en).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

ANTIMYKOTIKA ZUR SYSTEMISCHEN ANWENDUNG

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Antibiotika

Amphotericin B (parenteral/inhalativ)

Amphotericin B Cheplapharm®, Ambisome®
J02AA01
Triazol-Derivate

Fluconazol

Diflucan®, diverse Generika
J02AC01

Itraconazol

Sporanox®, Itrabene®, Itraderm®, Mytra®
J02AC02

Posaconazol

Noxafil®, div. Generika
J02AC04

Voriconazol

Vfend®, div. Generika
J02AC03
Andere Antimykotika zur systemischen Anwendung

Micafungin

Mycamine®
J02AX05

Referenzen

  1. Walsh TJ, et al, Pharmacokinetics, safety, and tolerability of caspofungin in children and adolescents., Antimicrob Agents Chemother., 2005, 49(11), 4536-45
  2. Fisher BT, et al, Caspofungin for the treatment of pediatric fungal infections., Pediatr Infect Dis J., 2008, 27, 1099-102
  3. Lehrnbecher T, et al, Experiences with the use of caspofungin in paediatric patients., Mycoses., 2008, 51, 58-64
  4. Koo A, et al, Efficacy and safety of caspofungin for the empiric management of fever in neutropenic children., Pediatr Infect Dis J., 2007, 26, 854-6
  5. Merlin E, et al, Efficacy and safety of caspofungin therapy in children with invasive fungal infections, Pediatr Infect Dis J., 2006, 25, 1186-8
  6. Neely M, et al, Pharmacokinetics and safety of caspofungin in older infants and toddlers., Antimicrob Agents Chemother., 2009, 53, 1450-6
  7. Sáez-Llorens X, et al, Pharmacokinetics and safety of caspofungin in neonates and infants less than 3 months of age., Antimicrob Agents Chemother., 2009, 53, 869-75
  8. Zaoutis TE, et al, A prospective, multicenter study of caspofungin for the treatment of documented Candida or Aspergillus infections in pediatric patients., Pediatrics, 2009, 123, 877-84
  9. Zaoutis T, et al, Safety Experience With Caspofungin in Pediatric Patients., Pediatr Infect Dis J., 2009, [Epub ahead of print]
  10. Jeon GW et al. , Successful caspofungin treatment of persistent candidemia in extreme prematurity at 23 and 24 weeks’ gestation, J Formos Med Assoc, 2014 , Mar;113(3), 191-4
  11. Mohamed WA et al, A randomized, double-blind, prospective study of caspofungin vs. amphotericin B for the treatment of invasive candidiasis in newborn infants., J Trop Pediatr. , 2012, Feb;58(1), 25-30
  12. Natarajan G et al., Experience with caspofungin in the treatment of persistent fungemia in neonates. , J Perinatol, 2005, Dec;25(12), 770-7
  13. Odio CM et al, Caspofungin therapy of neonates with invasive candidiasis, Pediatr Infect Dis J, 2004, Dec;23(12), 1093-7

Änderungsverzeichnis

  • 26 August 2022 11:44: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung