Rocuronium

Wirkstoff
Rocuronium
Handelsname
Esmeron®, diverse Generika
ATC-Code
M03AC09
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Erschlaffung der Skelettmuskulatur bei Beatmung
    • Intravenös
      • Off-label
  • Erschlaffung der Skelettmuskulatur bei chirurgischen Eingriffen
    • Intravenös
      • 0 – 18 Jahre: On-label
        • Initialdosis > oder < 0,6 mg/Dosis: Off-label
        • Frühgeborene: Off-label
  • Intubation
    • Intravenös
      • Routinemäßig bei der Allgemeinnarkose
        • 0 – 18 Jahre: On-label
          • Frühgeborene: Off-label
      • Blitzeinleitung der Narkose
        • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Injektions-/Infusionslösung 10 mg/ml

Allgemein

Rocuronium liegt in der im Handel erhältlichen Injektions- bzw. Infusionslösung als Rocuroniumbromid vor. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Rocuroniumbromid.

Pharmakodynamik

Rocuroniumbromid ist ein mittellang wirkendes, nicht depolarisierendes Muskelrelaxans mit raschem Wirkungseintritt, das alle typischen pharmakologischen Wirkungen dieser Arzneimittelklasse (curare-wirksame Gruppe) besitzt. Es hat eine kompetitive Wirkung im Bereich der cholinergischen Nikotinrezeptoren an der motorischen Endplatte.

Pharmakokinetik

Die mittlere Anschlagszeit bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern ist bei einer Intubationsdosis von 0,6 mg/kg etwas kürzer als bei Erwachsenen. Die mittlere Anschlagszeit ist bei Neugeborenen und Jugendlichen (1,0 min) geringfügig länger als bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern (0,4, 0,6 und 0,8 min). Die Wirkdauer und die Regenerationszeit sind bei Kindern gewöhnlich kürzer als bei Neugeborenen, Säuglingen und Erwachsenen.
Es wurden folgende pharmakokinetische Parameter ermittelt:

  Cl (l/kg/Stunde) Vd (l/kg) t½ (Stunden)
0-27 Tage 0,31 0,42 1,1
1-2 Monate 0,3 0,31 0,9
3-23 Monate 0,33 0,23 0,8
2-11 Jahre 0,35 0,18 0,7
12-17 Jahre 0,29 0,18 0,8

Dosierungen

Relaxation der Muskulatur bei Beatmung auf der Intensivstation (ICU)
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [6]
      • Initialdosis: 0,6 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 0,3 - 2,2 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion.
        • Meist (bei 90 %) reicht eine Dosierung zwischen 0,3-1,0 mg/kg/h aus.
        • Bei jeder Dosiserhöhung ist eine Loading Dose von 0,6 mg/kg zu verabreichen.
        • Um einer Überdosierung vorzubeugen wird empfohlen, die Erhaltungsdosis auf Basis des Train of Four (TOF) Tests zu titrieren. Hierbei soll 1 Reizantwort erzielt werden. Darüber hinaus ist der regelmäßige Stopp der Verabreichung (z.B. 1/Tag) sinnvoll, um den positiven Effekt der Relaxierung zu kontrollieren und um das Maß der Sedierung beurteilen zu können.
Relaxation der Muskulatur bei chirurgischen Eingriffen
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [8]
      • Initialdosis: 0,3 - 1,2 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • Erhaltungsdosis: 0,15 mg/kg/Dosis, bei Bedarf. Bei längerer Inhalationsanästhesie Dosis auf 0,075-0,1 mg/kg senken. Erhaltungsdosis auf Basis des Train of Four (TOF)-Tests titrieren.
      • Alternative Erhaltungsdosis: bei intravenöser Anästhesie 0,3-0,6 mg/kg/h als Dauerinfusion; bei Inhalationsanästhesie 0,3-0,4 mg/kg/h als Dauerinfusion.

        Für Kindern zwischen 2-11 Jahren kann eine höhere Infusionsgeschwindigkeit erforderlich sein.

Intubation
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [3] [5] [7] [8]
      • 0,6 mg/kg/Dosis, einmalig.
        • Bei Rapid Sequence Induction: 0,9-1,2 mg/kg einmalig.
        • Bei Neugeborenen und Säuglingen kann die Wirkungsdauer der einzelnen Intubationsdosen länger sein als bei älteren Kindern.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

MUSKELRELAXANZIEN, PERIPHER WIRKENDE MITTEL

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Tachykardie bei 1,4% der Patienten (SmPC)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Tachykardie, Hypotonie, Arzneimittelunwirksamkeit, verminderte Arzneimittel-/Therapiewirkung, erhöhte Arzneimittel-/Therapiewirkung, Schmerzen/Reaktionen an der Injektionsstelle, verlängerter neuromuskulärer Block, verzögerte Erholung nach Anästhesie

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Wirkung von Rocuronium kann mit Sugammadex antagonisiert werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Intubationsschwierigkeiten sind einzukalkulieren, besonders wenn Rocuroniumbromid zur Blitzintubation angewandt wird. Bei Intubationsschwierigkeiten mit der Notwendigkeit einer sofortigen Aufhebung der durch Rocuroniumbromid induzierten neuromuskulären Blockade sollte die Anwendung von Sugammadex in Betracht gezogen werden.
  • Da Rocuroniumbromid eine Lähmung der Atemmuskulatur hervorruft, ist bei Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, eine künstliche Beatmung unerlässlich, bis wieder eine ausreichende Spontanatmung eingetreten ist.
  • Über Restlähmung wurde berichtet. Eine Extubation wird demnach erst nach genügender Erholung des Patienten vom neuromuskulären Block empfohlen. Es sollten auch andere Faktoren, die eine Restlähmung nach Extubation in der postoperativen Phase (wie Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln oder der Zustand des Patienten) bewirken können, berücksichtigt werden. Der Einsatz eines Antagonisten (wie z.B. Sugammadex oder ein anderer Acetylcholinesterase-Hemmer) kann vor allem für jene Fälle erwogen werden, in denen das Auftreten einer Restlähmung wahrscheinlich ist.
  • Anaphylaktische Reaktionen können auftreten. Allergene Kreuzreaktionen auf andere neuromuskuläre Blocker wurden beobachtet.
  • Nach der Langzeitanwendung von neuromuskulären Blockern in der Intensivmedizin wurde eine verlängerte Paralyse und/oder Skelettmuskelschwäche beobachtet. Um eine mögliche Verlängerung des neuromuskulären Blocks und/oder Überdosierung auszuschließen, wird eine Überwachung der neuromuskulären Übertragung mittels Nervenstimulator während der Anwendung von neuromuskulären Blockern dringend empfohlen. Zusätzlich sollten die Patienten angemessene Analgesie und Sedierung erhalten.
  • Im Rahmen der Arzneimittelüberwachung wurden nach Markteinführung seltene Fälle einer malignen Hyperthermie unter Rocuroniumbromid beobachtet, ein kausaler Zusammenhang wurde jedoch nicht nachgewiesen.
  • Vorsicht bei Patienten mit klinisch signifikanten Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz. Bei diesen Patientengruppen wurde eine verlängerte Wirkungsdauer mit Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid beobachtet.
  • Zustände, die mit einer verlängerten Kreislaufzeit einhergehen, wie etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, hohes Alter und Ödemstatus, die zu einem vergrößerten Verteilungsvolumen führen, tragen bisweilen zu einem langsameren Wirkungseintritt bei. Die Wirkdauer kann auch aufgrund einer reduzierten Plasmaclearance verlängert sein.
  • Vorsicht bei Patienten mit einer neuromuskulären Erkrankung oder nach Poliomyelitis, da diese Patienten auf neuromuskuläre Blocker verändert reagieren können. Bei Patienten mit Myasthenia gravis oder mit myasthenischem Syndrom (Eaton-Lambert) haben kleine Dosen von Rocuroniumbromid manchmal ausgeprägte Effekte. Rocuroniumbromid sollte dann entsprechend der mit Hilfe des Nervenstimulators ermittelten Zuckungsreaktion dosiert werden.
  • Bei Operationen unter Hypothermie ist die muskelrelaxierende Wirkung von Rocuroniumbromid verstärkt und die Wirkungsdauer verlängert.
  • Rocuroniumbromid kann bei adipösen Patienten eine verlängerte Wirkungsdauer haben. Auch die Spontanerholung kann verlängert sein, wenn die verabreichten Dosen aufgrund des tatsächlichen Körpergewichts berechnet wurden.
  • Von Patienten mit Verbrennungen ist bekannt, dass diese eine Resistenz gegen nicht depolarisierende neuromuskuläre Blocker entwickeln. Es wird empfohlen, die Dosierung entsprechend der Wirkung einzustellen.
  • Zur Wirkungssteigerung führen: Hypokaliämie, Hypermagnesiämie, Hypokalzämie, Hypoproteinämie, Dehydratation, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie. Schwere Störungen des Elektrolythaushalts, veränderter Blut-pH oder Dehydratation sollten daher möglichst korrigiert werden. 

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Die neuromuskuläre Blockade wird von Acetylcholinesterasehemmern wie Neostigmin antagonisiert. Eine solche Wirkung wird auch von zentral wirkenden Cholinesterasehemmern wie Rivastigmin erwartet.
  • Eine vorangegangene chronische Einnahme von Carbamazepin oder Phenytoin kann die Wirkung von Rocuroniumbromid abschwächen.
  • Aminoglykoside, Lincosamide wie Clindamycin und Polypeptid-Antibiotika wie Colistin können die Wirkung von neuromuskulären Blockern steigern. Nach postoperativer Verabreichung wurde über Rekurarisierung berichtet.
  • Halogenierte flüchtige Anästhetika, Chinidin, Chinin, vorherige Verabreichung von Suxamethonium und Magnesiumsalze können die Wirkung von Rocuroniumbromid verstärken. Die Gabe von Suxamethonium nach der Verabreichung von Rocuroniumbromid kann die neuromuskuläre Blockade verstärken oder abschwächen.
  • Langzeitanwendung von Corticosteroiden und Rocuroniumbromid kann zu einer verlängerten neuromuskulären Blockade oder Myopathie führen. Aus diesem Grund soll der neuromuskuläre Blocker bei Patienten, die gleichzeitig Corticosteroide erhalten, so kurz wie möglich angewendet werden.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. NV Organon, SPC Esmeron (RVG 16946) 07-08-2014, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  3. Cheng CA et al, Comparison of rocuronium and suxamethonium for rapid tracheal intubation in children, Paediatr Anaesth, 2002, Feb;12(2), 140-5
  4. Lemson J et al., The effect of neuromuscular blockade on oxygen consumption in sedated and mechanically ventilated pediatric patients after cardiac surgery., Intensive Care Med. , 2008, Dec;34(12), 2268-72
  5. Mazurek AJ et al, Rocuronium versus succinylcholine: are they equally effective during rapid-sequence induction of anesthesia?, Anesth Analg. , 1998, Dec;87(6), 1259-62
  6. Tobias JD et al, Continuous infusion of rocuronium in a paediatric intensive care unit., Can J Anaesth., 1996, Apr;43(4), 353-7
  7. Woolf RL et al, Dose-response of rocuronium bromide in children anesthetized with propofol: a comparison with succinylcholine., Anesthesiology., 1997, Dec;87(6), 1368-72
  8. Merck, Esmeron 10 mg/ml Inj.lsg. (1-21548), 11/2017

Änderungsverzeichnis

  • 14 Mai 2021 07:51: Neue Information zur Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
  • 13 November 2019 09:55: Neue Monographie "Rocuronium"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung