Posaconazol

Wirkstoff
Posaconazol
Handelsname
Noxafil®, div. Generika
ATC-Code
J02AC04
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Behandlung invasive Pilzinfektion
    • Oral
      • Suspension zur oralen Einnahme
        • Off-label 
      • magensaftresistente Tablette
        • On-label
  • Prophylaxe invasive Pilzinfektion
    • Oral
      • Suspension zur oralen Einnahme
        • Off-label
      • magensaftresistente Tablette
        • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral, zur Behandlung der folgenden Pilzerkrankungen bei pädiatrischen Patienten ab 2 Jahren, die mehr als 40 kg wiegen, und Erwachsenen:
Invasive Aspergillose bei Patienten, deren Erkrankung therapierefraktär gegenüber Amphotericin B oder Itraconazol ist bzw. bei Patienten, die eine Unverträglichkeit gegen diese Arzneimittel haben; Fusariose bei Patienten, deren Erkrankung therapierefraktär gegenüber Amphotericin B ist bzw. bei Patienten, die eine Unverträglichkeit gegen Amphotericin B haben; Chromoblastomykose und Myzetom bei Patienten, deren Erkrankung therapierefraktär gegenüber Itraconazol ist bzw. bei Patienten, die eine Unverträglichkeit gegen Itraconazol haben; Kokzidioidomykose bei Patienten, deren Erkrankung therapierefraktär gegenüber Amphotericin B, Itraconazol oder Fluconazol ist bzw. bei Patienten, die eine Unverträglichkeit gegen diese Arzneimittel haben.

Oral, zur Prophylaxe invasiver Pilzerkrankungen bei pädiatrischen Patienten ab 2 Jahren, die mehr als 40 kg wiegen, und Erwachsenen: Patienten, die eine Remissions-induzierende Chemotherapie bei akuter myeloischer Leukämie (AML) oder myelodysplastischen Syndromen (MDS) erhalten, die erwartungsgemäß zu einer längerfristigen Neutropenie führt, und bei denen ein hohes Risiko für die Entwicklung invasiver Pilzerkrankungen besteht; Empfänger einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSZT), die eine Hochdosis-Immunsuppressions-Therapie bei einem Graft-versus-Host-Syndrom (GVHD) erhalten und bei denen ein hohes Risiko für die Entwicklung invasiver Pilzerkrankungen besteht

Tabletten: Dosierung: Initialdosis: 300 mg (drei 100 mg-Tabletten) zweimal täglich am ersten Tag, danach 300 mg (drei 100 mg-Tabletten) einmal täglich.

(SmPC Noxafil magensaftresistente Tabletten) 

2 Jahre bis < 18 Jahre mit einem Körpergewicht von 10–40 kg:
magensaftresistentes Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen:
10 - < 12 kg: 90 mg
12 - < 17 kg: 120 mg
17 - < 21 kg: 150 mg
21 - < 26 kg: 180 mg
26 - < 36 kg: 210 mg
36 – 40 kg: 240 mg

An Tag 1 wird die empfohlene Dosis zweimal gegeben. Nach Tag 1 wird die empfohlene Dosis einmal täglich gegeben.

Kinder < 2 Jahre: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Posaconazol sind nicht erwiesen. Es liegen keine klinischen Daten vor.

(SmPC Noxafil magensaftresistentes Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

magensaftresistente Tabletten 100 mg
Suspension zum Einnehmen 40 mg/mL
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung 18 mg/mL

CAVE: Keine Austauschbarkeit zwischen verschiedenen Darreichungsformen von Posaconazol!

Posaconazol Tabletten erreichen im Allgemeinen höhere Plasmaspiegel des Wirkstoffs als Posaconazol Suspension zum Einnehmen, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Deshalb sind die Tabletten die bevorzugte Darreichungsform, um die Plasmakonzentrationen zu optimieren.

Anwendungshinweis:

Die magensaftresistenten Tabletten können zusammen mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die Tabletten sind im Ganzen mit Wasser zu schlucken und sollten nicht zerkleinert, zerkaut oder zerbrochen werden.

Die Suspension zum Einnehmen muss vor der Anwendung kräftig geschüttelt werden. Wann immer möglich ist Posaconazol-Suspension während einer oder unmittelbar nach einer Nahrungsaufnahme bzw. einem Nahrungsergänzungsmittel-Getränk einzunehmen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Suspension zum Einnehmen enthält: Glucose, Natriumbenzoat, Benzylalkohol, Propylenglycol, Polysorbat 80

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Pharmakodynamik

Triazol-Derivat. Posaconazol hemmt das Enzym Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51), das eine wichtige Reaktion bei der Ergosterolbiosynthese katalysiert.

Posaconazol ist in vitro wirksam gegen die folgenden Mikroorganismen: Aspergillus-Spezies (Aspergillus fumigatus, A. flavus, A. terreus, A. nidulans, A. niger, A. ustus), Candida-Spezies (Candida albicans, C. glabrata, C. krusei, C. parapsilosis, C. tropicalis, C. dubliniensis, C. famata, C. inconspicua, C. lipolytica, C. norvegensis, C. pseudotropicalis), Coccidioides immitis, Fonsecaea pedrosoi und Spezies von Fusarium, Rhizomucor, Mucor und Rhizopus. Die mikrobiologischen Daten deuten darauf hin, dass Posaconazol gegen Rhizomucor, Mucor und Rhizopus wirksam ist, jedoch sind die klinischen Daten derzeit zu begrenzt, um die Wirksamkeit von Posaconazol gegen diese Erreger bewerten zu können.

Pharmakokinetik

Folgende pharmakokinetische Parameter wurden nach oraler Verabreichung (Suspension) von 13,8 mg/kg/Tag in 3 Dosen (Steady state) an 14 Kinder (2-13 Jahre) ermittelt (Vanstraelen et al. 2016):

Cmax: 0,96 ± 0,63 mg/L
Cl: 0,8 L/kg/Stunde

Allgemeine Anmerkungen

Tabletten sind das bevorzugte Präparat zur Optimierung der Plasmakonzentrationen und bieten im Allgemeinen eine höhere Plasma-Exposition gegenüber dem Medikament als die Suspension zur oralen Anwendung. Die Tabletten und die orale Suspension sind aufgrund der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit nicht austauschbar.

Dosierungen

Behandlung invasive Pilzinfektion
  • Oral
    • Suspension zur oralen Einnahme
      • 8 Jahre bis 18 Jahre
        [2] [4]
        • 800 mg/Tag in 4 Dosen. Dosis je nach Spiegel titrieren.
        • Alternativ: 800 mg/Tag in 2 Dosen

    • Magensaftresistente Tablette
      • 13 Jahre bis 18 Jahre
        [4]
        • Initialdosis: Tag 1: 600 mg/Tag in 2 Dosen.
        • Erhaltungsdosis: Dosis je nach Spiegel titrieren, Start Erhaltungstherapie:  300 mg/Tag in 1 Dosis
Prophylaxe invasive Pilzinfektion
  • Oral
    • Suspension zur oralen Einnahme
      • 10 bis 40 kg
        [4] [6]
        • 15 - 24 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Je nach Spiegel.
      • ≥ 40 kg
        [4] [5] [6]
        • 600 mg/Tag in 2 Dosen. Max: 800 mg/Tag. Je nach Spiegel.
        • Maximaldosis in 2 Dosen pro Tag

    • Magensaftresistente Tablette
      • 13 Jahre bis 18 Jahre
        [4] [6]
        • Initialdosis: Tag 1: 600 mg/Tag in 2 Dosen.
        • Erhaltungsdosis: Dosis je nach Spiegel titrieren, Start Erhaltungstherapie: 300 mg/Tag in 1 Dosis

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANTIMYKOTIKA ZUR SYSTEMISCHEN ANWENDUNG

Antibiotika

Amphotericin B (parenteral/inhalativ)

Amphotericin B Cheplapharm®, Ambisome®
J02AA01
Triazol-Derivate

Fluconazol

Diflucan®, diverse Generika
J02AC01

Voriconazol

Vfend®, div. Generika
J02AC03
Andere Antimykotika zur systemischen Anwendung

Caspofungin

Cancidas®, div. Generika
J02AX04

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. Ausschlag. Abweichende Leberfunktionstestwerte.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Übelkeit

Häufig (1-10%): Neutropenie, Störung des Elektrolythaushalts, Anorexie, Appetitverlust, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Parästhesien, Schwindel, Somnolenz, Kopfschmerzen, Geschmacksstörung, Hypertonie, Erbrechen, Abdominalschmerzen, Durchfall, Dyspepsie, Mundtrockenheit, Flatulenz, Verstopfung, anorektale Beschwerden, erhöhte Leberfunktionswerte (ALT erhöht, AST erhöht, Bilirubin erhöht, alkalische Phosphatase erhöht, GGT erhöht), Ausschlag, Pruritus, Pyrexie (Fieber), Asthenie, Müdigkeit

Gelegentlich (0,1-1%): Thrombozytopenie, Leukopenie, Anämie, Eosinophilie, Lymphadenopathie, Milzinfarkt, allergische Reaktion, Hyperglykämie, Hypoglykämie, abnorme Träume, Verwirrtheitszustand, Schlafstörung, Konvulsionen, Neuropathie, Hypästhesie, Tremor, Aphasie, Schlaflosigkeit, verschwommenes Sehen, Photophobie, verminderte Sehschärfe, langes QT-Syndrom, abnormes Elektrokardiogramm, Palpitationen, Bradykardie, supraventrikuläre Extrasystolen, Tachykardie, Hypotonie, Vaskulitis, Husten, Nasenbluten, Schluckauf, Nasensekretstauung, Pleuraschmerz, Tachypnoe, Pankreatitis, aufgetriebener Bauch, Enteritis, epigastrische Beschwerden, Aufstoßen, gastroösophageale Refluxerkrankung, Ödem des Mundes, Leberzellschädigung, Hepatitis, Gelbsucht, Hepatomegalie, Cholestase, hepatische Toxizität, Leberfunktionsstörung, Mundulzera, Alopezie, Dermatitis, Erythema, Petechien, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Schmerzen der Skelettmuskulatur, Schmerz in einer Extremität, akutes Nierenversagen, Niereninsuffizienz, Kreatinin im Blut erhöht, Menstruationsstörungen, Ödem, Schmerz, Schüttelfrost, Unwohlsein, Brustkorbbeschwerden, Arzneimittelunverträglichkeit, Gefühl der Zerfahrenheit, Schleimhautentzündung, veränderter Arzneimittelspiegel, niedrige Phosphorspiegel im Blut, auffälliges Röntgenbild des Thorax

Selten (0,1-0,01%): hämolytisch-urämisches Syndrom, thrombotisch-thrombozytopenische Purpura, Panzytopenie, Koagulopathie, Blutung, Überempfindlichkeitsreaktion, Nebenniereninsuffizienz, Gonadotropin-Abfall im Blut, Pseudoaldosteronismus, Psychose, Depression, zerebrovaskuläres Ereignis, Enzephalopathie, periphere Neuropathie, Synkope, Doppeltsehen, Gesichtsfeldausfall (Skotom), vermindertes Hörvermögen, Torsade de Pointes, plötzlicher Herztod, ventrikuläre Tachykardie, Herz- und Atemstillstand, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Lungenembolie, tiefe Venenthrombose, pulmonale Hypertonie, interstitielle Pneumonie, Pneumonitis, Magen-Darm-Blutung, Ileus, Leberversagen, cholestatische Hepatitis, Hepatosplenomegalie, Druckschmerz der Leber, Flattertremor, Stevens-Johnson-Syndrom, vesikulärer Ausschlag, renal-tubuläre Azidose, interstitielle Nephritis, Schmerzen in der Brustdrüse, Zungenödem, Gesichtsödem

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Gleichzeitige Anwendung mit Mutterkornalkaloiden
  • Gleichzeitige Anwendung mit den CYP3A4-Substraten Terfenadin, Astemizol, Cisaprid, Pimozid, Halofantrin oder Chinidin, da dies zu erhöhten Plasmaspiegeln dieser Arzneimittel führen kann, was wiederum zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls und selten zum Auftreten von Torsade de Pointes führen kann
  • Gleichzeitige Anwendung mit den HMG-CoA-Reduktase-Hemmern Simvastatin, Lovastatin und Atorvastatin
  • Gleichzeitige Anwendung mit Venetoclax während des Therapiebeginns und der Aufdosierungsphase bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Bioverfügbarkeit von Posaconazol wird stark von der Nahrungsaufnahme und dem Säuregehalt beeinflusst. Ein therapeutisches Drug Monitoring (TDM) sollte deshalb erwogen werden. Die SWAB (Antibiotic Policy Working Group) empfiehlt folgende Referenzwerte (bei Erwachsenen):
Therapie: Talspiegel >1 mg/L
Rescue-Therapie: Talspiegel >1,5 mg/L, Spiegel nach 5 - 7 Tagen bestimmen (steady state)
Prophylaxe: Talspiegel >0,7 mg/L

Cave: Keine Austauschbarkeit zwischen magensaftresistentem Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen und Suspension zum Einnehmen!

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (ema.europa.eu).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Döring M et al. , Analysis of posaconazole as oral antifungal prophylaxis in pediatric patients under 12 years of age following allogeneic stem cell transplantation. , BMC Infect Dis. , 2012 , Oct 19;12:, 263
  2. Krishna G et al. , Posaconazole plasma concentrations in juvenile patients with invasive fungal infection., Antimicrob Agents Chemother., 2007 , Mar;51(3):, 812-8
  3. Merck Sharp & Dohme Ltd. , SmPC Noxafil (EU/1/05/320/001-005) 26-01-2022, www.ema.europa.eu, www.ema.europa.eu
  4. Merck Sharp & Dohme Ltd. , Full prescribing information Noxafil. April 2015. , www.merck.com
  5. Segal BH et al. , Posaconazole as salvage therapy in patients with chronic granulomatous disease and invasive filamentous fungal infection., Clin Infect Dis. , 2005 , Jun 1;40(11):, 1684-8
  6. Welzen ME et al. , A twice daily posaconazole dosing algorithm for children with chronic granulomatous disease. , Pediatr Infect Dis J., 2011, Sep;30(9):, 794-7
  7. Vanstraelen K et al, Pharmacokinetics of Posaconazole Oral Suspension in Children Dosed According to Body Surface Area, Pediatr Infect Dis J., 2016 Feb, 35(2), 183-8
  8. Gwee A et al, Posaconazole: promising but problematic in practice in pediatric patients, Pediatr Infect Dis J., 2015 Jun, 34(6), 604-6
  9. Merck Sharp & Dohme B.V., SmPC Noxafil (EU/1/05/320/001-005), aufgerufen am 23.05.2022, https://www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 25 August 2022 13:57: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung