Ampicillin

Wirkstoff
Ampicillin
Handelsname
Standacillin®
ATC-Code
J01CA01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen <18 Jahren:

  • Infektionen
    • Intravenös
      • On-label
  • Endokarditis-Prophylaxe
    • Intravenös
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Trockenstechampullen 1 g, 2 g

Allgemein

Ampicillin liegt in den Trockenstechampullen als Natriumsalz vor.

Pharmakodynamik

Ampicillin ist ein nicht Betalaktamase-festes Aminopenicillin, dessen Wirkung auf einer Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese über Bindung an Penicillin-bindende Proteine beruht. Ampicillin wirkt bakterizid. Die Wirksamkeit hängt im Wesentlichen von der Zeitdauer ab, während der der Wirkstoffspiegel über der minimalen Hemmkonzentration des Erregers liegt.

In der Regel empfindliche Spezies: Enterococcus faecalis, Listeria monocytogenes Staphylococcus aureus (Penicillin-sensibel), Streptococcus pneumoniae (inkl. Penicillin-intermediärer Stämme), Streptococcus agalactiae, Streptococcus pyogenes, Streptokokken der „Viridans“-Gruppe, Helicobacter pylori, Fusobacterium nucleatum

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Campylobacter jejuni, Escherichia coli, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Neisseria gonorrhoeae, Neisseria meningitidis, Proteus mirabilis, Salmonella enterica (Enteritis-Salmonellen), Shigella spp., Prevotella spp.

Von Natur aus resistente Spezies: Staphylococcus aureus (Penicillin-resistent), Acinetobacter baumannii, Citrobacter freundii, Enterobacter aerogenes, Enterobacter cloacae, Klebsiella spp., Morganella morganii, Proteus vulgaris, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens, Stenotrophomonas maltophilia, Yersinia enterocolitica, Bacteroides spp., Chlamydia spp., Chlamydophila spp., Legionella pneumophila, Mycoplasma spp.

Pharmakokinetik

Tremoulet 2014:

Frühgeborene:
Halbwertszeit PNA ≤7 Tage: 3,2 – 5 h
Halbwertszeit PNA ≥8 - ≤ 28 Tage: 2,4 – 4 h

Kaplan 1974:
Neugeborene:
Halbwertszeit: Zu Therapiebeginn 3,1 – 4,7 h
Therapieende: 1,1 – 2,9 h

Ampicillin wird vorwiegend unverändert renal eliminiert. In den ersten zwei Lebenswochen steigt die Ampicillin-Clearance durch Reifung der Nierenfunktion an. Dadurch sinkt die Plasmahalbwertszeit.

Nahata 1999:
Kinder 1 bis 12 Jahre:
Clearance: 4,76 ± 1,67 ml/min/kg
Verteilungsvolumen im Steady-State: 0.32 ± 0.11 L/kg
Halbwertszeit: 0,77 ± 0,14 h

Die Werte in dieser Altersgruppe entsprechen im Wesentlichen denen von Erwachsenen.

 

Dosierungen

Bakterielle Infektionen
  • Intravenös
    • < 7 Tage
      [1]
      • 60 - 120 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
    • 7 Tage bis 21 Tage
      [1]
      • 90 - 180 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
    • 21 Tage bis 28 Tage
      [1]
      • 120 - 240 mg/kg/Tag in 4 Dosen.
    • 1 Monat bis 12 Jahre
      [1]
      • 100 - 200 mg/kg/Tag in 4 Dosen.
    • ≥ 12 Jahre
      [1]
      • 2 - 6 g/Tag in 2 - 4 Dosen.
Schwere bakterielle Infektionen
  • Intravenös
    • < 7 Tage
      [1]
      • 200 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
    • 7 Tage bis 21 Tage
      [1]
      • 300 mg/kg/Tag in 3 Dosen.
    • 21 Tage bis 28 Tage
      [1]
      • 400 mg/kg/Tag in 4 Dosen.
    • 1 Monat bis 12 Jahre
      [1]
      • 200 - 300 mg/kg/Tag in 4 - 6 Dosen.Maximal 2 g alle 4 h.
    • ≥ 12 Jahre
      [1]
      • 8 - 16 g/Tag in 3 - 4 Dosen.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Keine Anpassung erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Keine Anpassung erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
2/3 der Normdosis bei gleichbleibendem Dosierungsintervall
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
1/3 der Normdosis und Intervall zwischen zwei Verabreichungen: 12 h
Bei Anurie 15% der Normdosis in 1 – 2 Dosen (Daschner, 2009).

BETALACTAM-ANTIBIOTIKA, PENICILLINE

Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum

Amoxicillin

Ospamox®, diverse Generika
J01CA04
Beta-Lactamase-sensitive Penicilline

Benzylpenicillin

Penicillin G
J01CE01
J01CE02, J01CE10
Kombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren

Amoxicillin + Clavulansäure

Augmentin®, diverse Generika
J01CR02
J01CR21

Piperacillin + Tazobactam

diverse Generika
J01CR05

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Frühgeborene <750 g oder <28. Schwangerschaftswoche haben ein höheres Risiko, Krampfanfälle zu entwickeln. (ADKA Arbeitsgruppe Pädiatrie)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Hautreaktionen, die sich in Form von Juckreiz, Hautrötung mit Hitzegefühl (Rash) und Nesselausschlag zeigen.

Das typische "Ampicillin"-Exanthem ist meist morbilliform/makulopapulös und tritt nach 8 – 10 Tagen bei erstmaliger Anwendung auf, bei wiederholter Anwendung tritt es am 2. bis 3. Tag auf. Das Exanthem klingt im Allgemeinen trotz Fortsetzung der Therapie innerhalb weniger Tage ab.

Exantheme scheinen bei Virusinfekten, bei Niereninsuffizienz oder bei Dosen über 6 g/Tag häufiger als sonst vorzukommen.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen

  • Erwiesene und vermutete Überempfindlichkeit gegenüber β-Laktam-Antibiotika, wie z.B. Penicilline und Cephalosporine.
  • Anamnese eines Ikterus oder eingeschränkter Leberfunktion aufgrund der Anwendung von Ampicillin.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Anwendung bei Patienten mit Mononucleosis infectiosa, Cytomegalievirus-Infektionen oder lymphatischer Leukämie treten Hautreaktionen häufiger auf.
  • Schwere und mitunter tödliche Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie sind aufgetreten. Vorsicht bei Patienten mit allergischer Diathese, Asthma bronchiale oder Mykosen.
  • Kreuzreaktion mit Cephalosporinen ist möglich (10 – 15%).
  • Die alleinige Verabreichung von Antibiotika zur Behandlung von Cholangitis und Cholecystitis ist nur in leichteren Fällen ohne stärkere Cholestase geeignet.
  • Bei Langzeitanwendung hoher Dosen werden Leberfunktionskontrollen und bei vorgeschädigter Niere oder auftretenden Hautaffektionen Harnanalysen und Nierenfunktionstests empfohlen. Blutbildkontrollen werden empfohlen, um das Auftreten einer hämolytischen Anämie zu erfassen.
  • Bei Infusion ist die Applikationsstelle alle 48 h zu wechseln.
  • Bei Langzeittherapie ist auf das Überwuchern resistenter Keime und Pilze zu achten. Das Auftreten von Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhoe und pseudomembranöser Colitis wurde beobachtet.
  • Bei sehr hohen Ampicillin-Konzentrationen im Serum, die z.B. durch eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Anwendung sehr hoher Dosen bedingt sein können, kann es zu zentralnervösen Erregungszuständen, Myoklonien und Krämpfen kommen.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Ampicillin soll nicht mit bakteriostatischen Antibiotika kombiniert werden, da es dadurch in seiner bakteriziden Wirkung gehemmt werden kann.
  • Bei gleichzeitiger Verabreichung von Allopurinol ist das Risiko für Hautreaktionen erhöht.
  • Ampicillin kann die renale Clearance von Methotrexat reduzieren und dadurch zu erhöhten Serumspiegeln führen. Die Kontrolle des Methotrexat-Spiegels wird empfohlen.

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Aminoglykoside und Beta-Laktame können durch chemische Reaktion inaktive Amide bilden. Deshalb dürfen sie nicht über denselben Infusionszugang verabreicht werden.
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.
     

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Sandoz, SmPC Standacillin 1 g Trstamp. (17200), 12/2016, https://www.univadis.at/
  2. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557), 03/2019 (für Wechselwirkungen), https://www.univadis.at/
  3. Tremoulet, A, et al., Characterization of the population pharmacokinetics of ampicillin in neonates using an opportunistic study design, Am Soc Microbiol, 2014, 58, 6, 3013-20
  4. Daschner, M., Tabellarium Nephrologicum, 3. Auflage, 2009
  5. Kaplan, M, et al., Pharmacologic studies in neonates given large doses of ampicillin, J Pediatr, 1974, 84, 4, 571-577
  6. Nahata, M, et al., Pharmacokinetics of ampicillin and sulbactam in pediatric patients, Antimicrob Agents Chemother, 1999, 43, 5, 1225–1229
  7. ADKA Arbeitsgruppe Pädiatrie, PÄD i.v.: Sichere Anwendung von intravenösen Arzneimitteln bei Kindern, 3. Auflage, Zuckschwerdt Verlag München, 2009

Änderungsverzeichnis

  • 21 August 2019 09:25: Neue Monographie "Ampicillin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung