Ampicillin + Sulbactam

Wirkstoff
Ampicillin + Sulbactam
Handelsname
Unasyn®
ATC-Code
J01CR21

Ampicillin + Sulbactam

Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Infektionen
    • Oral
      • ≤30 kg: Off-label
      • >30 kg: On-label
    • Intravenös
      • On-label
  • Prophylaxe von postoperativen Wundinfektionen
    • Intravenös
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Filmtabletten 375 mg
Trockenstechampullen 1,5 g; 3 g
Trockensubstanz zur Infusionsbereitung 3 g

Allgemein

Die Filmtabletten enthalten 375 mg Sultamicillin in Form von Sultamicillintosilat. Dies entspricht 220 mg Ampicillin und 147 mg Sulbactam. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Die Trockenstechampullen zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung und die Trockensubstanz zur Infusionsbereitung enthalten Ampicillin und Sulbactam jeweils als Natriumsalz in einem Mengenverhältnis von 2:1.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Darreichungsform Stärke Problematische Hilfsstoffe
UNASYN® Filmtabletten 375 mg Lactose

Die Fachinformationen wurden 07/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

 

Pharmakodynamik

Ampicillin/Sulbactam wirkt bakterizid durch Hemmung der Zellwandsynthese über Blockade von Penicillin-bindenden Proteinen. Sulbactam schützt Ampicillin vor Inaktivierung durch bestimmte Beta-Laktamasen. Die Wirksamkeit hängt im Wesentlichen von der Zeitdauer ab, während der der Wirkstoffspiegel über der minimalen Hemmkonzentration des Erregers liegt.

In der Regel empfindliche Spezies: Enterococcus faecalis, Staphylococcus aureus (Methicillin-sensibel), Streptococcus agalactiae, Streptococcus pneumoniae, Streptococcus pyogenes, Streptokokken der „Viridans“-Gruppe, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis, Neisseria gonorrhoeae, Bacteroides fragilis, Gardnerella vaginalis, Fusobacterium nucleatum, Prevotella spp.

Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können: Enterococcus faecium, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus haemolyticus, Staphylococcus hominis, Escherichia coli, Klebsiella oxytoca, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis, Proteus vulgaris

Von Natur aus resistente Spezies: Staphylococcus aureus (Methicillin-resistent), Citrobacter freundii, Enterobacter cloacae, Legionella pneumophila, Morganella morganii, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens, Stenotrophomonas maltophilia, Chlamydia spp., Chlamydophila spp., Mycoplasma spp., Ureaplasma urealyticum

Pharmakokinetik

Folgende Parameter wurden von Nahata et al. (1999) und Sutton et al. (1986) ermittelt:

  Cl (ml/min/kg) V (steady-state) (L/kg) t1/2 (h)
Neugeborene    

Sulbactam: 7,9
Ampicillin: sh. Monographie Ampicillin

Kinder 1 - 12 Jahre

Ampicillin: 4.76 ± 1.67
Sulbactam: 4.95 ± 1.70

Ampicillin: 0.32 ± 0.11
Sulbactam: 0.34 ± 0.12

Ampicillin: 0.77 ± 0.14
Sulbactam: 0.81 ± 0.12

Dosierungen

Bakterielle Infektionen
  • Oral
    • ≥ 30 kg
      [2]
      • 750 - 1.500 mg/Tag in 2 Dosen. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Sultamicillin.
  • Intravenös
    • Früh- und Neugeborene Postnatales Alter < 7 Tage
      [1]
      • 50/25 mg/kg/Tag in 2 Dosen

    • ≥ 1 Woche
      [1]
      • 100/50 mg/kg/Tag in 3 – 4 Dosen

Prophylaxe von postoperativen Wundinfektionen bei Eingriffen im Bauch- und Beckenraum
  • Intravenös
    • ≥ 1 Jahr
      [5]
      • 50/25 mg/kg pro Dosis 60 Minuten vor dem Eingriff. Maximal 2000/1000 mg/Dosis.

      • Eine zweite Dosis kann bei exzessivem Blutverlust oder wenn der Eingriff länger als zwei Halbwertszeiten (siehe „Allgemein“: Pharmakokinetik) dauert gegeben werden.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Keine Anpassung erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Keine Anpassung erforderlich.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 12 Stunden
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
100 Prozent der Einzeldosis und Dosierungsintervall: 24 Stunden
GFR <5ml/min/1.73 m2: 100% der Normdosis alle 48 h

BETALACTAM-ANTIBIOTIKA, PENICILLINE

Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum

Amoxicillin

Ospamox®, diverse Generika
J01CA04

Ampicillin

Standacillin®
J01CA01
Beta-Lactamase-sensitive Penicilline

Benzylpenicillin

Penicillin G
J01CE01
J01CE02, J01CE10
Kombinationen von Penicillinen, inkl. Beta-Lactamase-Inhibitoren

Amoxicillin + Clavulansäure

Augmentin®, diverse Generika
J01CR02

Piperacillin + Tazobactam

diverse Generika
J01CR05

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Es sind derzeit keine speziellen unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei Kindern bekannt.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Bei parenteraler Verabreichung: Anämie, Thrombozytopenie, Eosinophilie, Phlebitis nach intravenöser Verabreichung, Diarrhoe, Magendrücken, Appetitlosigkeit, Blähungen, Hyperbilirubinämie, Schmerzen an der Injektionsstelle, Erhöhung der Transaminasen (ALT und AST)

Bei peroraler Applikation: Diarrhoe, weicher Stuhl, Candida-Infektion, Kopfschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Juckreiz

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen Penicilline
  • Bei infektiöser Mononukleose und lymphatischer Leukämie, da diese Patienten häufiger zu masernähnlichen Hautreaktionen neigen.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren sollte eine intramuskuläre Verabreichung nur dann in Betracht gezogen werden, wenn andere Verabreichungswege nicht das gewünschte Ergebnis erwarten lassen.

Insbesondere bei Früh- und Neugeborenen sowie Kleinkindern empfiehlt es sich während einer langdauernden Behandlung, die Funktion von Leber, Niere und des hämatopoetischen Systems zu kontrollieren.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und anaphylaktischer Schock sind aufgetreten. Vorsicht bei Patienten mit allergischer Diathese und Asthma bronchiale in der Anamnese.
  • Schwere Hautreaktionen, wie toxische epidermale Nekrolyse (TEN), Stevens-Johnson Syndrom (SJS), exfoliative Dermatitis, Erythema multiforme und akute generalisierte exanthematöse Pustulose (AGEP) wurden bei Patienten unter Ampicillin/Sulbactam-Behandlung beobachtet.
  • Superinfektionen mit resistenten Keimen oder Pilzen sind möglich.
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe und pseudomembranöse Colitis sind bis zu 2 Monate nach Therapieende aufgetreten.
  • Arzneimittel-induzierte Leberschädigungen, wie cholestatische Hepatitis und Ikterus, wurden mit der Anwendung von Ampicillin / Sulbactam in Zusammenhang gebracht.
  • Bei der Behandlung einer Gonorrhoe bei gleichzeitigem Luesverdacht sollte vor Behandlungsbeginn eine Dunkelfelduntersuchung vorgenommen werden; während der Behandlung sollten monatlich serologische Tests durch mindestens 4 Monate durchgeführt werden.
  • Um die Entwicklung einer Resistenz und Nebenwirkungen zu vermeiden, soll die Kombination Ampicillin und Sulbactam nur dann verwendet werden, wenn die Wirksamkeit der einzelnen Substanzen nicht ausreichend ist.
     

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Bei gleichzeitiger Gabe von Allopurinol besteht ein erhöhtes Risiko für Hautreaktionen.
  • Die gleichzeitige Gabe von bakteriostatischen Antibiotika sollte vermieden werden, da die bakterizide Wirkung von Ampicillin/Sulbactam beeinträchtigt werden kann.
  • Penicilline können die Clearance von Methotrexat reduzieren und so zu erhöhten Plasmaspiegeln führen. Eine Methotrexat Spiegelkontrolle wird empfohlen.
     

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden
  • Aminoglykoside und Beta-Laktame können durch chemische Reaktion inaktive Amide bilden. Deshalb dürfen sie nicht über denselben Infusionszugang verabreicht werden.
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.
     

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Pfizer, SmPC Unasyn 1,5 g Tr.st.amp. (1-18599), https://www.univadis.at/, 11/2018
  2. Pfizer, SmPC Unasyn Ftbl. (1-18707), https://www.univadis.at/, 11/2018
  3. Sutton, AM, et al., Pharmacokinetic study of sulbactam and ampicillin administered concomitantly by intraarterial or intravenous infusion in the newborn, Rev Infect Dis, 1986, 8 Suppl 5, 518-22
  4. Nahata, M, et al., Pharmacokinetics of ampicillin and sulbactam in pediatric patients, Antimicrob Agents Chemother, 1999, 43(5), 1225–1229
  5. Bratzler, D, et al., Clinical practice duidelines for antimicrobial prophylaxis in surgery, Surg Infect (Larchmt), 2013, 14(1), 73-156
  6. Daschner, M., Tabellarium Nephrologicum, 3. Auflage, 2009
  7. Astro, SmPC Ampicillin/Sulbactam 1,5 g Plv. z. Herst. e. Inj./Inf.lsg. (1-18599-P1), https://www.univadis.at/, 01/2019
  8. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557), https://www.univadis.at/, 03/2019

Änderungsverzeichnis

  • 21 August 2019 14:55: Neue Monographie "Ampicillin + Sulbactam"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung