Nitrofurantoin

Wirkstoff
Nitrofurantoin
Handelsname
Furadantin®, diverse Generika
ATC-Code
J01XE01
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfektionen
    • Oral
      • <3 Monate: Off-label
      • ≥3 Monate: On-label
  • Prophylaxe bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen
    • Oral
      • Off-label
  • Kurzzeitprophylaxe bei Harnwegseingriffen (Katheterisierung oder Diagnostik)
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Retardkapseln 100 mg
Tabletten 50 mg

Allgemein

Retardkapseln und Tabletten enthalten Nitrofurantoin in der makrokristallinen Reinform. Die Einnahme erfolgt zu oder nach den Mahlzeiten.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
FURADANTIN RETARD® Kapseln 100 mg Lactose
NITROFURANTOIN Agepha® Tabletten 50 mg Lactose

Die Fachinformationen wurden 09/2019 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Nitrofurantoin ist ein Harnwegstherapeutikum aus der Gruppe der Nitrofurane. Nitrofurantoin hat keine eigene antimikrobielle Aktivität. Es wird von bakteriellen Nitroreduktasen zur aktiven Verbindung metabolisiert. Die Reduktionsmetaboliten führen durch Adduktbildung mit der DNS zu teilweise deletären Strangbrüchen bzw. hemmen zahlreiche Stoffwechselaktivitäten durch Elektronenentzug.

In der Regel empfindliche Spezies: Enterococcus faecalis, Staphylococcus saprophyticus, Escherichia coli 

Von Natur aus resistente Spezies: Morganella morganii, Proteus mirabilis, Proteus vulgaris, Pseudomonas aeruginosa, Serratia marcescens

Pharmakokinetik

Neugeborene/Kinder

Bei Neugeborenen im ersten bis dritten Lebensmonat wird Nitrofurantoin aufgrund der Enzymunreife schlechter verstoffwechselt, sodass hämolytische Anämien vermehrt auftreten können.

Dosierungen

Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfektionen
  • Oral
    • Normales Präparat (keine modifizierte oder retardierte Wirkstofffreisetzung)
      • 1 Monat bis 18 Jahre
        • 5 - 6 mg/kg/Tag in 4 Dosen , max: 200 mg/Tag.
        • Anwendungshinweis:

          Während oder nach einer Mahlzeit

    • Hartkapsel mit modifizierter Wirkstofffreisetzung
      • ≥ 12 Jahre
        • 200 mg/Tag in 2 Dosen.
Prophylaxe bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen
  • Oral
    • Normales Präparat (keine modifizierte oder retardierte Wirkstofffreisetzung)
      • 1 Monat bis 18 Jahre
        • 2 mg/kg/Tag in 1 Dosis , max: 100 mg/Tag.
        • Anwendungshinweis:

          Einnahme am Abend während oder nach einer Mahlzeit.

Kurzzeitprophylaxe bei Harnwegseingriffen (Katheterisierung oder Diagnostik)
  • Oral
    • Normales Präparat (keine modifizierte oder retardierte Wirkstofffreisetzung)
      • ≥ 12 Jahre
        • 200 mg/Tag in 4 Dosen.
        • Anwendungshinweis:

          Während oder nach einer Mahlzeit

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich obwohl Nitrofurantoin eventuell weniger wirksam ist, da die Sekretion in den Harntrakt und somit die Konzentration im Urin abnimmt.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Kontraindiziert
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Kontraindiziert
Klinische Konsequenzen

Durch Kumulation im Blut und im Gewebe kann eine periphere Neuropathie auftreten. Parästhesien (mit Kribbel- oder Taubheitsgefühl) und Schwäche wurden meist einige Tage nach Behandlungsbeginn verzeichnet. In diesem Fall Behandlung stoppen. Gelegentlich führt dies zu peripherer Polyneuropathie, meist innerhalb von 2 Monaten. Diese kann irreversibel sein und sogar fatal ablaufen. Nitrofurantoin wird im Urin konzentriert, wodurch lokal antibakterielle Konzentrationen erreicht werden. Ab einer Kreatininclearance unter 50 ml/min nimmt die antibakterielle Konzentration ab und bei einer Clearance unter 30 ml/min wird im Urin keine antibakterielle Wirkung erreicht, was zu einem Therapieversagen führt.

Bei Dialyse

Kontraindiziert

ANDERE ANTIBIOTIKA

Glycopeptid-Antibiotika

Teicoplanin

Targocid®, diverse Generika
J01XA02

Vancomycin (parenteral)

Vancocin®, Generika
J01XA01
Imidazol-Derivate

Metronidazol

Anaerobex®, diverse Generika
J01XD01
Andere Antibiotika

Fosfomycin

Monuril®, diverse Generika
J01XX01

Linezolid

Zyvoxid®, diverse Generika
J01XX08

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

  • Am häufigsten treten gastrointestinale Nebenwirkungen auf.
  • Bei Kindern können die Nebenwirkungen seltener auftreten als bei Erwachsenen, möglicherweise aufgrund der geringeren Dosen und dem Mangel an Begleiterkrankungen/Begleitmedikation.
  • Parästhesien sind möglich.
  • Eine periphere Neuropathie, die schwer oder irreversibel sein kann, kann auftreten (meist innerhalb von 2 Monaten). Diese kann lebensbedrohlich sein. Die Behandlung ist unverzüglich zu stoppen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Nausea, Ataxie, Nystagmus, Kopfschmerzen (besonders zu Therapiebeginn), Lungenreaktionen, allergisches Lungenödem, interstitielle Pneumonie, gastrointestinale Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen (besonders zu Therapiebeginn), allergische Reaktionen wie Arzneimittelfieber, urtikarielle Hautveränderungen, Pruritus und angioneurotisches Ödem

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

Aufgrund der noch nicht ausgereiften Erythrozyt-Enzymsysteme nicht bei Neugeborenen (unter 1 Monat) anwenden.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen andere Nitrofurane
  • Niereninsuffizienz (eGFR unter 45 ml/min)
  • Oligurie, Anurie
  • Akute und chronische Leberfunktionsstörung
  • Neuritiden und Polyneuritis
  • Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD)-Mangel (Symptom: hämolytische Anämie)
  • Akute Porphyrien
  • Schwangerschaft im letzten Trimenon
  • Frühgeborene und Säuglinge bis Ende des 3. Lebensmonats (wegen Gefahr der hämolytischen Anämie)

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Eine makrokristalline Verabreichungsform ist vorzuziehen. Die makrokristalline Form (=MC) hat eine niedrigere Auflöse- und Absorptionsgeschwindigkeit als die mikrokristalline Form und führt daher zu geringeren Magenbeschwerden.

Tritt periphere Neuropathie (meist innerhalb von 2 Monaten) auf, ist die Behandlung unverzüglich zu beenden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Akute, subakute und chronische Lungenreaktionen wie interstitielle Pneumonie, bis hin zu tödlich verlaufenden Lungenfibrosen wurden bei Patienten beobachtet. Beim Auftreten von Lungenreaktionen sofort absetzen. Chronische pulmonale Reaktionen können sich schleichend entwickeln. Häufigkeit und Schwere dieser Reaktionen nimmt mit der Anwendungsdauer zu. Bei Langzeittherapie: Überwachung der Lungenfunktion.
  • Schwerwiegende und irreversible Polyneuropathien, die lebensbedrohlich sein können, sind aufgetreten. Beim Auftreten von Neuropathiesymptomen (u.a. Schmerz, Kribbeln, Brennen, Benommenheit, Schwäche) ist die Behandlung abzubrechen. Risikofaktoren wie Anämie, Diabetes mellitus, Elektrolytstörungen und Vitamin B Mangel (insbesondere Folat) können das Auftreten verstärken.
  • Über Hämolyse wurde bei Patienten mit Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel berichtet. Bei Hämolyse absetzen.
  • Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse) sind aufgetreten.
  • Leberreaktionen, einschließlich Hepatitis, autoimmune Hepatitis, cholestatische Gelbsucht, chronisch aktive Hepatitis und Lebernekrose, treten selten auf. Es wurden Todesfälle berichtet. Tritt Hepatitis auf, ist Nitrofurantoin abzusetzen.
  • Vor der Verordnung von Nitrofurantoin sollten Nieren- und Leberfunktion überprüft werden, da bei Störung dieser Funktionen mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen ist. Unter der Therapie sind Kontrollen von Blutbild, Leber- und Nierenwerten notwendig. Bei Langzeitbehandlung sind die Patienten hinsichtlich Hinweisen auf Hepatitis (oder Leberschädigung), pulmonalen oder neurologischen Symptomen bzw. anderen Hinweisen auf Toxizität eng zu überwachen.
  • Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen, einschließlich anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen, können bereits nach einer Einzeldosis auftreten und lebensbedrohlich sein.
  • Bei alkalischem Urin (pH > 8) ist Nitrofurantoin unwirksam.
  • Der Urin kann sich während der Therapie bräunlich verfärben. Die Verfärbung ist ohne klinische Bedeutung.
  • Nitrofurantoin ist hämodialysierbar.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Metoclopramid reduziert die Resorption von Nitrofurantoin
  • Harnalkalisierende Substanzen vermindern die Wirksamkeit von Nitrofurantoin.
  • Orale Antazida auf Magnesium- und Aluminium-Basis sollten frühestens 2 h nach Nitrofurantoin eingenommen werden, da sie die Resorption verschlechtern

Antibiotika-Wechselwirkungen allgemein:

  • Antibiotika können die Immunantwort auf bakterielle Lebendimpfstoffe reduzieren (z.B. Vivotif®: 3 Tage vor und nach Antibiotikatherapie sollte Vivotif® nicht angewendet werden, bei Antibiotika mit Langzeitwirkung, z.b. Azithromycin, muss ein längerer Abstand eingehalten werden)
  • Die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten kann beeinflusst werden. Eine Kontrolle der Gerinnungsparameter (INR) wird empfohlen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Lohr JA, et al, Three-day therapy of lower urinary tract infections with nitrofurantoin macrocrystals: a randomized clinical trial., J Pediatr, 1981, 99, 980-3
  2. Karpman E, et al, Adverse reactions of nitrofurantoin, trimethoprim and sulfamethoxazole in children, J Urol., 2004, 172, 448-53
  3. Brendstrup L, et al, Nitrofurantoin versus trimethoprim prophylaxis in recurrent urinary tract infection in children, Acta Paediatr Scand, 1990, 79, 1225-34
  4. Carlsen NL, et al, Comparison of long-term, low-dose pivmecillinam and nitrofurantoin in the control of recurrent urinary tract infection in children, J Antimicrob Chemother, 1985, 16, 509-17
  5. Jojart G, Comparison of 3-day versus 14-day treatment of lower urinary tract infection in children, Int Urol Nephrol, 1991, 23, 129-34
  6. Lohr JA, et al, Prevention of recurrent urinary tract infections in girls, Pediatrics, 1977, 59, 562-5
  7. Smellie JM, et al, Controlled trial of prophylactic treatment in childhood urinary-tract infection, Lancet, 1978, 22, 175-8
  8. Van Pinxteren B. et al, NHG-Standaard Urineweginfecties(derde herziening) [Leitlinie zu Harnwegsinfektionen (dritte Revision)], Huisarts Wet , 2013, 56(6), 270-80
  9. Mercury Pharmaceuticals Ltd, SmPC Furadantine MC (RVG 05748/05749) 05-01-2015, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  10. Williams G et al., Long-term antibiotics for preventing recurrent urinary tract infection in children., Cochrane Database Syst Rev, 2011, Mar 16;(3), CD001534
  11. Amdipharm, SmPC Furadantin retard Kps. (14328), 02/2019
  12. Agepha, SmPC Nitrofurantoin Agepha Tbl. (1-15045), 02/2019
  13. Emergent Netherlands B.V., SmPC Vivotif 2x10^9 - 2x10^10 CFU magensaftresistente Hartkapsel (2-38557), 03/2019 (für Wechselwirkungen)

Änderungsverzeichnis

  • 25 Januar 2021 12:11: Neue Monographie "Nitrofurantoin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung