Deferasirox

Wirkstoff
Deferasirox
Handelsname
Exjade®
ATC-Code
V03AC03
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Transfusionsbedingte Eisenüberladung
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
  • Nicht-transfusionsabhängige Thalassämie-Syndrome
    • Oral
      • <10 Jahre: Off-label
      • ≥10 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 90 mg, 180 mg, 360 mg
(Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen 125 mg, 250 mg, 500 mg: in Österreich nicht verfügbar, können ev. importiert werden)

Filmtabletten zeigen eine höhere Bioverfügbarkeit als Tabletten zur Herstellung einer Suspension. Bei einer Umstellung von Filmtabletten auf Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen sollte die Dosis an Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen um 40% höher sein als die Dosis an Filmtabletten bzw. bei einer Umstellung von Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen auf Filmtabletten sollte die Dosis der Filmtabletten um 30% geringer sein als die Dosis der Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen.

Die Filmtabletten können auf nüchternen Magen oder mit einer leichten Mahlzeit eingenommen werden. Patienten, die Tabletten nicht im Ganzen schlucken können, können die Filmtabletten zerkleinert und die gesamte Dosis auf weiche Speisen gestreut, z. B. Joghurt oder Apfelmus (pürierte Äpfel), gegeben werden. Die Dosis sollte sofort und komplett eingenommen und nicht für eine spätere Verwendung aufbewahrt werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die Filmtabletten enhalten: -

Pharmakodynamik

Eisenchelatbildner; Deferasirox ist ein oral wirksamer Chelator mit hoher Selektivität für dreiwertiges Eisen. Es handelt sich um einen dreiarmigen Liganden, der mit hoher Affinität Eisen im Verhältnis 2:1 bindet. Deferasirox fördert die Ausscheidung von Eisen, vorwiegend über die Fäzes. Deferasirox hat eine geringe Affinität zu Zink und Kupfer und verursacht keine dauerhaft niedrigen Serumspiegel dieser Metalle.

Pharmakokinetik

Die Gesamtbioverfügbarkeit war bei Jugendlichen (12 bis ≤ 17 Jahre) und Kindern (2 bis < 12 Jahre) nach einmaliger und mehrfacher Gabe von Deferasirox geringer als bei erwachsenen Patienten. Bei Kindern unter 6 Jahren war die Exposition ungefähr 50% geringer als bei Erwachsenen. Da individuell nach dem Ansprechen dosiert wird, sind keine klinischen Konsequenzen zu erwarten.

Dosierungen

Transfusionsbedingte Eisenüberladung
  • Oral
    • Filmtablette
      • 2 Jahre bis 18 Jahre
        [1]
        • Initialdosis 14 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 28 mg/kg/Tag. Initialdosis in Schritten von 3,5 - 7 mg/kg/Tag entsprechend des Serumferritin-Wertes titrieren.
          • Falls keine Reduktion der Eisenspiegel im Körper erforderlich ist und bei Patienten, die außerdem <7 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat erhalten:
            Initialdosis: 7 mg/kg/Tag in 1 Dosis
          • Falls eine Reduktion erhöhter Eisenspiegel im Körper erforderlich ist und bei Patienten, die außerdem >14 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat erhalten:
            Initialdosis: 21 mg/kg/Tag in 1 Dosis
          .
          • Bei Umstellung von Deferoxamin auf Deferasirox: 33 % der Deferoxamin-Dosis = Deferasirox-Dosis
          • Bei Kindern im Alter zwischen 2 und 5 Jahren können höhere Dosen als bei Erwachsenen erforderlich sein (siehe Pharmakokinetik)
    • Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
      • 2 Jahre bis 18 Jahre
        [1]
        • Initialdosis: 20 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 40 mg/kg/Tag. Initialdosis in Schritten von 5 - 10 mg/kg/Tag entsprechend des Serumferritin-Wertes titrieren.
          • Falls keine Reduktion der Eisenspiegel im Körper erforderlich ist und bei Patienten, die außerdem <7 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat erhalten:
            Initialdosis: 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis
          • Falls eine Reduktion erhöhter Eisenspiegel im Körper erforderlich ist und bei Patienten, die außerdem >14 ml/kg/Monat Erythrozytenkonzentrat erhalten:
            Initialdosis: 30 mg/kg/Tag in 1 Dosis
          • Bei Umstellung von Deferoxamin auf Deferasirox: 50 % der Deferoxamin-Dosis = Deferasirox-Dosis
          .
        • Bei Kindern im Alter zwischen 2 und 5 Jahren können höhere Dosen als bei Erwachsenen erforderlich sein (siehe Pharmakokinetik).

Nicht-transfusionsabhängige Thalassämie-Syndrome
  • Oral
    • Filmtablette
      • 10 Jahre bis 18 Jahre
        [1]
        • 7 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 14 mg/kg/Tag. Dosisanpassung alle 3 - 6 Monate basierend auf der Lebereisenkonzentration (LIC) und dem Serumferritin-Wert: LIC ≥ 7 mg Fe/g Trockengewicht (TG) oder Serumferritin > 2000 microg./L: schrittweise Dosiserhöhung um 3,5 - 7 mg/kg/Tag,
          LIC < 7 mg Fe/g Trockengewicht oder Serumferritin ≤ 2000 microg./L: schrittweise Dosisreduktion um 3,5 - 7 mg/kg/Tag..
        • Chelattherapie nur beginnen, wenn Anzeichen einer Eisenüberladung vorliegen (LIC ≥ 5 mg Fe/g TG oder dauerhaftes Serumferritin > 800 microg./L)
          Therapie beenden, wenn ein zufriedenstellender Eisenspiegel im Körper erreicht wurde (LIC < 3 mg Fe/g TG oder dauerhaftes Serumferritin < 300 microg./L)

    • Tablette zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
      • 10 Jahre bis 18 Jahre
        [1]
        • 10 mg/kg/Tag in 1 Dosis, max: 20 mg/kg/Tag. Dosisanpassung alle 3 - 6 Monate basierend auf der Lebereisenkonzentration (LIC) und dem Serumferritin-Wert:
          • LIC ≥ 7 mg Fe/g Trockengewicht (TG) oder Serumferritin > 2000 microg./L: schrittweise Dosiserhöhung um 5 - 10 mg/kg/Tag
          • LIC < 7 mg Fe/g Trockengewicht oder Serumferritin ≤ 2000 microg./L: schrittweise Dosisreduktion um 5 - 10 mg/kg/Tag
          .
        • Chelattherapie nur beginnen, wenn Anzeichen einer Eisenüberladung vorliegen (LIC ≥ 5 mg Fe/g TG oder dauerhaftes Serumferritin > 800 microg./L)
          Therapie beenden, wenn ein zufriedenstellender Eisenspiegel im Körper erreicht wurde (LIC < 3 mg Fe/g TG oder dauerhaftes Serumferritin < 300 microg./L)

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Anpassung nicht erforderlich
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Nicht verabreichen
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Nicht verabreichen
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Nicht verabreichen

ALLE ÜBRIGEN THERAPEUTISCHEN MITTEL

Antidote

Flumazenil

Anexate®, diverse Generika
V03AB25
Mittel zur Behandlung der Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie

Sevelamer

Renvela®, Sevelamercarbonat, diverse Generika
V03AE02
Entgiftungsmittel für die Behandlung mit Zytostatika

Folinsäure

Calciumfolinat, Leucovorin, diverse Generika
V03AF03

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Diarrhö wird bei pädiatrischen Patienten im Alter von 2 bis 5 Jahren häufiger berichtet als bei älteren Patienten.

Eine renale Tubulopathie wurde hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen mit einer Beta-Thalassämie berichtet, die mit Deferasirox behandelt wurden. Berichten nach der Markteinführung zufolge trat die Mehrzahl der Fälle von metabolischer Azidose bei Kindern im Zusammenhang mit einem Fanconi-Syndrom auf.

Akute Pankreatitis wurde insbesondere bei Kindern und Jugendlichen berichtet.

In zwei klinischen Studien wurden Wachstum und sexuelle Entwicklung von pädiatrischen Patienten, die bis zu 5 Jahre mit Deferasirox behandelt wurden, nicht beeinflusst.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): erhöhtes Serumkreatinin

Häufig (1-10%): Diarrhö, Obstipation, Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Dyspepsie, Kopfschmerz, erhöhte Transaminasen, Hautausschlag, Juckreiz, Proteinurie

Gelegentlich (0,1-1%): gastrointestinale Blutungen, Magenulkus (einschließlich multipler Ulzera), Zwölffingerdarmgeschwür, Gastritis, Hepatitis, Cholelithiasis, Angstzustände, Schlafstörungen, Schwindel, Katarakt, Makulopathie, Taubheit, laryngeale Schmerzen, Pigmentierungsstörung, renal-tubuläre Störung (erworbenes Fanconi-Syndrom), Glukosurie, Fieber, Ödeme, Müdigkeit

Selten (0,1-0,01%): Ösophagitis, Entzündung des Sehnervs, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)

Nicht bekannte Häufigkeit: Panzytopenie, Thrombozytopenie, verschlimmerte Anämie, Neutropenie, Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich anaphylaktischer Reaktionen und Angioödem), metabolische Azidose, gastrointestinale Perforation, akute Pankreatitis, Leberversagen, Stevens-Johnson-Syndrom, Hypersensitivitätsvaskulitis, Urtikaria, Erythema multiforme, Alopezie, toxische epidermale Nekrolyse (TEN), akutes Nierenversagen, tubulointerstitielle Nephritis, Nephrolithiasis, renale tubuläre Nekrose

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 60 ml/min
  • Kombination mit anderen Eisenchelat-Therapien, da die Sicherheit solcher Kombinationen nicht belegt ist

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei pädiatrischen Patienten mit nicht-transfusionsbedingten Thalassämiesyndromen darf die Dosis nicht über 10 mg/kg liegen. Bei diesen Patienten ist eine sorgfältige Kontrolle der Lebereisenkonzentration (LIC) und des Serumferritins erforderlich, um einer starken Chelatbildung vorzubeugen. Neben den monatlichen Bestimmungen des Serumferritins muss bei diesen Patienten alle 3 Monate die LIC kontrolliert werden, wenn das Serum-Ferritin ≤800 microg./L beträgt.

Die Tagesdosis sollte um 7 mg/kg (Filmtablette) oder 10 mg/kg (dispergierbare Tablette) reduziert werden, wenn bei zwei aufeinanderfolgenden Kontrolluntersuchungen folgende Nierenparameter bestimmt werden und es keine andere Erklärung gibt: Ein Serumkreatinin über dem altersentsprechenden ULN und/oder eine Kreatinin-Clearance < 90 ml/min.

Die Therapie ist zu unterbrechen, wenn diese nicht zu einem Serumkreatininwert ≤ 33 % über dem Mittelwert der Messungen vor der Behandlung und einer berechneten Kreatinin-Clearance > 90 ml/min führt.

Bei Kindern ist jährlich das Wachstum und die (sexuelle) Entwicklung zu kontrollieren. Bei Kindern zwischen 2-5 Jahren wurde häufiger Diarrhoe verzeichnet als bei älteren Patienten. Bei Patienten, die unter einem Flüssigkeitsverlust (wie Durchfall oder Erbrechen) leiden, insbesondere bei akut erkrankten Kindern, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Die Erfahrung mit Kindern mit nicht-transfusionsbedingter Thalassämie ist beschränkt und eine sorgfältige Kontrolle erforderlich.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen (https://aspregister.basg.gv.at/)

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Novartis Pharma BV, SPC Exjade (EU/1/06/356/001-003) 16-12-2016, www.ema.europa.eu
  2. Novartis Europharm Limited, SmPC Exjade Filmtabletten (EU/1/06/356/011-019), aufgerufen am 02.09.2021, http://www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 28 Oktober 2021 10:53: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung