Dabigatran

Wirkstoff
Dabigatran
Handelsname
Pradaxa®
ATC-Code
B01AE07
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE) und Prophylaxe von rezidivierenden venösen Thromboembolien (VTE)
    • Oral
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://www.ema.europa.eu abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Hartkapseln 75 mg, 110 mg, 150 mg

Dabigatran liegt in den Hartkapseln in Form von Dabigatranetexilat (als Mesilat) vor. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Dabigatranetexilat (Mesilat).

Die Einnahme der Kapseln erfolgt zu oder unabhängig von den Mahlzeiten. Die Kapseln dürfen nicht geöffnet werden, da dies das Risiko für Blutungen erhöhen kann.

Pharmakodynamik

Dabigatranetexilat ist ein Prodrug, das mittels Esterasen in Plasma und in der Leber in Dabigatran umgewandelt wird. Dabigatran ist ein stark wirksamer, kompetitiver, reversibler direkter Thrombininhibitor. Da Thrombin (Serinprotease) in der Gerinnungskaskade die Umwandlung von Fibrinogen zu Fibrin bewirkt, verhindert seine Hemmung folglich die Thrombusentstehung. Dabigatran hemmt sowohl freies als auch fibringebundenes Thrombin und die thrombininduzierte Thrombozytenaggregation.

Pharmakokinetik

Keine Informationen

Dosierungen

Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE) und Prophylaxe von rezidivierenden venösen Thromboembolien (VTE)
  • Oral
    • Hartkapsel
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 11 bis 13 kg
        [1]
        • 150 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 13 bis 21 kg
        [1]
        • 220 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 21 bis 31 kg
        [1]
        • 300 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 31 bis 41 kg
        [1]
        • 370 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 41 bis 51 kg
        [1]
        • 440 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und 51 bis 61 kg
        [1]
        • 520 mg/Tag in 2 Dosen.
      • 8 Jahre bis 18 Jahre und ≥ 61 kg
        [1]
        • 600 mg/Tag in 2 Dosen.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
Nicht anwenden.
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Nicht anwenden.
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Nicht anwenden.

ANTITHROMBOTISCHE MITTEL

Vitamin-K-Antagonisten

Phenprocoumon

Marcoumar®
B01AA04
Heparingruppe

Enoxaparin

Lovenox®, Inhixa®, diverse Generika
B01AB05

Unfraktioniertes Heparin

Heparin Gilvasan®
B01AB01
Thrombozytenaggregationshemmer, exkl. Heparin

Acetylsalicylsäure

Thrombo ASS®, Aspirin Protect®, Herzschutz ASS®, Thrombostad®, ASS Hexal®; Syn: ASS
B01AC06

Epoprostenol

Flolan®, Dynovas®
B01AC09
Direkte Faktor-Xa-Inhibitoren

Rivaroxaban

Xarelto®
B01AF01

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Häufig (1-10%): Anämie, Thrombozytopenie, Hautausschlag, Urtikaria, Hämatom, Epistaxis, Durchfall, Dyspepsie, Übelkeit, gastroösophageale Refluxkrankheit, Erbrechen, erhöhte Leberenzyme, Alopezie

Gelegentlich (0,1-1%): vermindertes Hämoglobin, verminderter Hämatokrit, Neutropenie, Überempfindlichkeit, Juckreiz, intrakranielle Blutung, Hämoptyse, gastrointestinale Blutung, Bauchschmerzen, rektale Blutung, Gastroösophagitis, Dysphagie, erhöhte ALT und / oder AST, Hyperbilirubinämie, Hautblutung, Urogenitalblutung einschließlich Hämaturie, traumatische Blutung

Weiters wurden berichtet: Agranulozytose, anaphylaktische Reaktion, Angioödem, Bronchospasmus, andere Blutungen, Magen-Darm-Geschwür, einschließlich
Geschwüre der Speiseröhre, Hämarthrose, abnorme Leberfunktionstests

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Hämoglobin vermindert, abnorme Leberfunktion / abnormer Leberfunktionstest, Anämie, Hämatokrit vermindert, Arzneimittel-Überempfindlichkeit, Hämatom, Wundblutung, Nasenbluten, gastrointestinale Blutung, rektale Blutung, hämorrhoidale Blutung, Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen, ALT erhöht, AST erhöht, Leberenzyme erhöht, Hyperbilirubinämie, Hautblutung, Hämarthrose, Urogenitale Blutung, einschließlich Hämaturie, traumatische Blutung, Hämatom (postoperativ), Blutung (postoperativ), Absonderung (postoperativ), Wundsekretion

Folgende ausgewählte UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Thrombozytopenie, anaphylaktische Reaktion, Angioödem, Urtikaria, Hautausschlag, Pruritus, intrakranielle Blutungen, Blutung, Hämoptyse, gastrointestinale Ulzera, einschließlich ösophagealer Ulzera, Gastroösophagitis, gastroösophageale Refluxkrankheit, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Blutung an einer Injektionsstelle, Blutung an der Eintrittsstelle eines Katheters, blutige Absonderung, Dysphagie, Blutung am Inzisionsort, Anämie, postoperativ, Wunddrainage, Drainage, postoperativ, Neutropenie, Agranulozytose, Bronchospasmus, Alopezie

 

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

eGFR < 50 ml/min/1,73 m2 bei Kindern und Jugendlichen (SmPC Pradaxa)

Kontraindikationen allgemein

  • schwere Beeinträchtigung der Nierenfunktion (CrCl < 30 ml/min) bei Erwachsenen
  • Akute, klinisch relevante Blutung
  • Beeinträchtigung der Leberfunktion oder Lebererkrankung, die Auswirkungen auf das Überleben erwarten lässt
  • Patienten mit künstlichen Herzklappen, die eine gerinnungshemmende Therapie benötigen
  • Läsionen oder klinische Situationen, die als signifikanter Risikofaktor einer schweren Blutung angesehen werden wie z.B.: akute oder kürzlich aufgetretene gastrointestinale Ulzerationen, maligne Neoplasien mit hohem Blutungsrisiko, kürzlich aufgetretene Hirn- oder Rückenmarksverletzungen, kürzlich erfolgte chirurgische Eingriffe an Gehirn, Rückenmark oder Augen, kürzlich aufgetretene intrakranielle Blutungen, bekannte oder vermutete Ösophagusvarizen, arteriovenöse Fehlbildungen, vaskuläre Aneurysmen oder größere intraspinale oder intrazerebrale vaskuläre Anomalien
  • gleichzeitige Anwendung von anderen Antikoagulanzien, z. B. unfraktionierte Heparine, niedermolekulare Heparine (Enoxaparin, Dalteparin etc.), Heparinderivate (Fondaparinux etc.), orale Antikoagulanzien (Warfarin, Rivaroxaban, Apixaban etc.), außer unter besonderen Umständen. Dazu gehören die Umstellung der Antikoagulationstherapie, wenn unfraktioniertes Heparin in Dosen gegeben wird, die notwendig sind, um die Durchgängigkeit eines zentralvenösen oder arteriellen Katheters zu erhalten, oder wenn unfraktioniertes Heparin während der Katheterablation von Vorhofflimmern gegeben wird.
  • Gleichzeitige Behandlung mit den folgenden starken P-Glykoproteinhemmern: systemisch verabreichtes Ketoconazol, Ciclosporin, Itraconazol, Dronedaron und die Fixkombination aus Glecaprevir und Pibrentasvir

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Für einige sehr spezifische pädiatrische Patienten, wie solche mit einer Erkrankung des Dünndarms, bei der die Resorption möglicherweise beeinträchtigt ist, sollte die Anwendung eines parenteral zu verabreichenden Antikoagulans in Erwägung gezogen werden.

Regeln zum Absetzen vor elektiven invasiven oder chirurgischen Eingriffen bei Kindern und Jugendlichen:
Nierenfunktion (eGFR in ml/min/1,73 m2) > 80: 24 Stunden vorher
Nierenfunktion (eGFR in ml/min/1,73 m2) > 50–80: 2 Tage vorher
Nierenfunktion (eGFR in ml/min/1,73 m2) < 50: Diese Patienten wurden nicht in Studien untersucht

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Dabigatranetexilat ist bei erhöhtem Blutungsrisiko sowie bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, welche die Hämostase durch Hemmung der Thrombozytenaggregation beeinträchtigen, mit Vorsicht anzuwenden. Blutungen können während der Behandlung überall auftreten. Im Falle eines unerklärlichen Abfalls des Hämoglobin- und/oder Hämatokritwertes oder des Blutdrucks sollte nach einer Blutungsstelle gesucht werden.
  • Faktoren, die das Blutungsrisiko erhöhen können:
    • Erhebliche Risikofaktoren: Mäßig beeinträchtigte Nierenfunktion (CrCl 30-50 ml/min) bei erwachsenen Patienten, Geringfügige Risikofaktoren: Niedriges Körpergewicht (< 50 kg) bei erwachsenen Patienten; angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, Thrombozytopenie oder funktionelle Thrombozytendefekte, kürzlich durchgeführte Biopsie oder kürzlich aufgetretenes schweres Trauma, bakterielle Endokarditis, Ösophagitis, Gastritis oder gastroösophagealer Reflux
  • Läsionen, klinische Situationen, Eingriffe und/oder pharmakologische Behandlungen, welche das Risiko einer schweren Blutung signifikant erhöhen, erfordern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abschätzung. Dabigatranetexilat sollte nur gegeben werden, wenn der Nutzen das Blutungsrisiko überwiegt.
  • Eine engmaschige Überwachung auf Anzeichen für eine Blutung oder Anämie wird über den gesamten Behandlungszeitraum hinweg empfohlen, insbesondere wenn mehrere Risikofaktoren zusammen vorliegen.
  • Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Dabigatranetexilat zusammen mit Verapamil, Amiodaron, Chinidin oder Clarithromycin (P-Glykoproteinhemmern) angewendet wird und insbesondere beim Auftreten von Blutungen, speziell bei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion. Eine engmaschige Überwachung auf Anzeichen für eine Blutung wird bei Patienten empfohlen, die gleichzeitig mit NSARs behandelt werden.
  • Die Messung der Gerinnungshemmung in Verbindung mit Dabigatran kann sinnvoll sein, um eine übermäßig hohe Exposition gegenüber Dabigatran bei Vorliegen von zusätzlichen Risikofaktoren festzustellen. Eine quantitative Bestimmung der Thrombinzeit in verdünnten Plasmaproben (dTT), der Ecarinclotting-Zeit (ECT) und der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) kann hilfreiche Informationen liefern, die gemessenen Werte sollten jedoch aufgrund der Variabilität zwischen den einzelnen Tests mit Vorsicht interpretiert werden. Bei Patienten, die Dabigatranetexilat erhalten, ist die Messung des International-Normalised-Ratio- (INR-)Wertes unzuverlässig und es liegen Berichte von falsch positiv erhöhten INR-Werten vor. INR-Werte sollten deshalb nicht gemessen werden.
  • Für Patienten, die mit Dabigatranetexilat behandelt werden und bei denen ein chirurgischer oder invasiver Eingriff durchgeführt wird, besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. Deshalb kann bei solchen Eingriffen ein vorübergehendes Absetzen von Dabigatranetexilat erforderlich sein. Bei vorübergehendem Absetzen der Behandlung wegen medizinischer Eingriffe ist Vorsicht geboten, eine Überwachung der Gerinnungshemmung ist sicherzustellen. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz kann die Dabigatran-Clearance verlängert sein.
  • Der Gebrauch von Fibrinolytika zur Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls kann bei Patienten, die vor Beginn der Behandlung eine quantitative Bestimmung der Thrombinzeit in verdünnten Plasmaproben, Ecarin-clotting-Zeit oder aPTT unter dem oberen Grenzwert des Normbereichs (ULN) bezogen auf die jeweiligen laborspezifischen Normwerte aufweisen, in Erwägung gezogen werden
  • Bei Patienten mit Erhöhung der Leberenzym-Werte über das 2fache des oberen Grenzwertes gibt es keine Therapieerfahrungen. Die Anwendung von Dabigatranetexilat bei dieser Patientengruppe wird daher nicht empfohlen. Eine Beeinträchtigung der Leberfunktion oder Lebererkrankungen, die einen Einfluss auf das Überleben haben, sind Kontraindikationen.
  • Direkt wirkende orale Antikoagulanzien, einschließlich Dabigatranetexilat, werden nicht für Patienten mit einer Thrombose in der Krankheitsgeschichte, bei denen ein Antiphospholipid-Syndrom diagnostiziert wurde, empfohlen. Insbesondere bei dreifach positiven Patienten (für LupusAntikoagulans, Anticardiolipin-Antikörper und Anti-Beta-2-Glykoprotein I-Antikörper) könnte eine Behandlung mit direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien im Vergleich mit einer Vitamin-K-Antagonisten-Therapie mit einer erhöhten Rate rezidivierender thrombotischer Ereignisse verbunden sein.
  • Dabigatranetexilat sollte, wenn möglich, mindestens 24 Stunden vor einem invasiven oder chirurgischen Eingriff abgesetzt werden. Bei Patienten mit einem höheren Blutungsrisiko oder bei größeren Eingriffen, bei denen eine komplette Blutstillung erforderlich ist, kann es notwendig sein, die Anwendung von Dabigatranetexilat 2-4 Tage vor dem Eingriff zu beenden.
    • Regeln zum Absetzen vor invasiven oder chirurgischen Eingriffen bei Kindern und Jugendlichen: Nierenfunktion: eGFR > 80 ml/min/1,73 m2: Dabigatran 24 Stunden vorher absetzen, eGFR 50–80 ml/min/1,73 m2: Dabigatran 2 Tage vorher absetzen
  • Das Risiko von Spinal- oder Epiduralhämatomen kann bei traumatischer oder wiederholter Punktion und bei längerem Einsatz von Epiduralkathetern erhöht sein. Nach dem Entfernen eines Katheters sollte bis zur Einnahme der ersten Dabigatranetexilat-Dosis ein Abstand von mindestens 2 Stunden eingehalten werden. Bei diesen Patienten sind häufige Kontrollen auf neurologische Anzeichen und Symptome von Spinal- oder Epiduralhämatomen erforderlich.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.



Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Boehringer Ingelheim International GmbH, SmPC Pradaxa (EU/1/08/442/001-017) 19-01-2021, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  2. Boehringer Ingelheim International, SmPC Pradaxa Hartkapseln 75/110/150 mg (EU/1/08 442/001-017), deutsche Version, aufgerufen am 25.05.2021, www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 06 Oktober 2021 08:57: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung