Clopidogrel

Wirkstoff
Clopidogrel
Handelsname
Plavix®
ATC-Code
B01AC04
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Thrombozytenaggregationshemmer; Clopidogrel ist ein Prodrug und muss durch CYP450-Enzyme metabolisiert werden, um den aktiven Metaboliten zu bilden. Der aktive Metabolit von Clopidogrel hemmt selektiv die Bindung von Adenosindiphosphat (ADP) an dessen Thrombozytenrezeptor (P2Y12) und die nachfolgende ADP-vermittelte Aktivierung des Glykoprotein-(GP-)IIb/IIIa-Komplexes, sodass es zu einer Hemmung der Thrombozytenaggregation kommt. Aufgrund der irreversiblen Bindung sind Thrombozyten für den Rest ihrer Lebenszeit (ungefähr 7–10 Tage) beeinträchtigt und die Wiederherstellung der normalen Thrombozytenfunktion entspricht der Geschwindigkeit der Thrombozytenneubildung. Darüber hinaus hemmt Clopidogrel auch die durch andere Substanzen ausgelöste Thrombozytenaggregation, indem die Verstärkung der Thrombozytenaktivierung durch das freigesetzte ADP gehemmt wird.

Pharmakokinetik bei Kindern

Es wurden keine pharmakokinetischen Studien mit Kindern durchgeführt.

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Prävention von thrombotischen Ereignissen (einschließlich Kawasaki Syndrom)
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Keine Arzneispezialität für Kinder in Österreich zugelassen

Erwachsene:
- Oral, Sekundärprävention atherothrombotischer Ereignisse
- Oral, Prävention atherothrombotischer und thromboembolischer Ereignisse bei Vorhofflimmern

Kinder und Jugendliche:
Clopidogrel darf bei Kindern nicht angewendet werden, da Bedenken zur Wirksamkeit vorliegen

(SmPC Plavix)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ bzw. https://www.ema.europa.eu abgerufen werden.

Präparate im Handel

Filmtabletten 75 mg, 300 mg

Clopidogrel ist in den verfügbaren Filmtabletten je nach Hersteller in Form von Clopidogrel-Hydrogensulfat, Clopidogrel-Hydrochlorid oder Clopidogrel-besilat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Clopidogrel.

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Filmtabletten kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Filmtabletten enthalten je nach Hersteller: Lactose, Rizinusöl, Lecithin

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Dosierungen

Prävention von thrombotischen Ereignissen (einschließlich Kawasaki-Syndrom)
  • Oral
    • Neugeborene
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      • 1 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Max: 75 mg/Tag.
        • Bei Therapieversagen oder Blutungen: Dosisanpassung basierend auf Thrombozytenfunktionstest sowie Konsultation von fachärztlichem Personal für pädiatrische Hämatologie in Betracht ziehen.
        • CAVE: Im Allgemeinen wird bei Patient*innen, die mit Clopidogrel behandelt werden, eine hohe interindividuelle Variabiliät in Bezug auf die Wirkung beschrieben. CYP2C19-langsame und intermediäre Metabolisierer können ein schlechtes Ansprechen aufweisen (Clopidogrel ist ein Prodrug).
    • 1 Monat bis 18 Jahre
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      • 1 mg/kg/Tag in 1 Dosis. Max: 75 mg/Tag.
        • Bei Therapieversagen oder Blutungen: Dosisanpassung basierend auf Thrombozytenfunktionstest sowie Konsultation von fachärztlichem Personal für pädiatrische Hämatologie in Betracht ziehen.
        • CAVE: Im Allgemeinen wird bei Patient*innen, die mit Clopidogrel behandelt werden, eine hohe interindividuelle Variabilität in Bezug auf die Wirkung beschrieben. CYP2C19-langsame und intermediäre Metabolisierer können ein schlechtes Ansprechen aufweisen (Clopidogrel ist ein Prodrug).

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufig (1-10%): Hämatome, Epistaxis, gastrointestinale Blutungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Dyspepsie, Bluterguss, Blutung an Punktionsstellen

Gelegentlich (0,1-1%): Thrombozytopenie, Leukopenie, Eosinophilie, intrakranielle Blutungen (einige Fälle mit tödlichem Ausgang), Kopfschmerzen, Parästhesien, Schwindel/ Benommenheit, Augenblutungen (konjunktival, okular, retinal), Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni, Gastritis, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung, Flatulenz, Ausschlag, Juckreiz, Blutungen der Haut (Purpura), Hämaturie, Blutungszeit verlängert, Neutrophilenzahl vermindert, Thrombozytenzahl vermindert

Selten (0,1-0,01%): (schwere) Neutropenie, Vertigo, retroperitoneale Blutungen, Gynäkomastie

Sehr selten (< 0,01%): thrombotischthrombozytopenische Purpura (TTP), aplastische Anämie, Panzytopenie, Agranulozytose, schwere Thrombozytopenie, erworbene Hämophilie A, Granulozytopenie, Anämie, Kounis-Syndrom (allergische vasospastische Angina/allergischer Myokardinfarkt) im Zusammenhang mit einer Überempfindlichkeitsreaktion durch Clopidogrel, Halluzinationen, Verwirrtheit, Geschmacksstörungen, Ageusie, schwere Blutungen, Blutungen operativer Wunden, Vaskulitis, Hypotonie, Atemwegsblutungen (Hämoptyse, Lungenblutungen), Bronchospasmen, interstitielle Pneumonie, eosinophile Pneumonie, gastrointestinale und retroperitoneale Blutungen mit tödlichem Ausgang, Pankreatitis, Kolitis (einschließlich ulzeröser und lymphozytärer Kolitis), Stomatitis, akutes Leberversagen, Hepatitis, Leberwerte außerhalb der Norm, bullöse Dermatitis (toxische epidermale Nekrolyse, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, akut generalisiertes pustulöses Exanthem [AGEP]), Angioödem, Arzneimittelinduziertes Hypersensitivitätssyndrom, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), erythematöses oder exfoliatives Exanthem, Urtikaria, Ekzem, Lichen planus, Blutungen im Muskel- bzw. Skelettbereich (Hämarthrose), Arthritis, Arthralgie, Myalgie, Glomerulonephritis, Anstieg des Serumkreatinins, Fieber

Häufigkeit nicht bekannt: Serumkrankheit, anaphylaktische Reaktionen, kreuzreaktive Arzneimittelüberempfindlichkeit unter Thienopyridinen (wie z. B. Ticlopidin, Prasugrel), Insulinautoimmunsyndrom, das zu schwerer Hypoglykämie führen kann, insbesondere bei Patienten mit HLA-DRA4-Subtyp (häufigeres Vorkommen in der japanischen Bevölkerung)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • schwere Leberfunktionsstörungen
  • akute pathologische Blutung, wie bei Magen-Darm-Geschwüren oder intrakraniellen Blutungen

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/ bzw. https://www.ema.europa.eu).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

ANTITHROMBOTISCHE MITTEL

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Vitamin-K-Antagonisten

Phenprocoumon

Marcoumar®
B01AA04
Heparingruppe

Dalteparin

Fragmin®
B01AB04

Enoxaparin

Lovenox®, Inhixa®, diverse Generika
B01AB05

Nadroparin

Fraxiparin®
B01AB06

Unfraktioniertes Heparin

Heparin Gilvasan®
B01AB01
Thrombozytenaggregationshemmer, exkl. Heparin

Acetylsalicylsäure

Thrombo ASS®, Aspirin Protect®, Herzschutz ASS®, Thrombostad®, ASS Hexal®; Syn: ASS
B01AC06

Epoprostenol

Flolan®, Dynovas®
B01AC09
Enzyme

Alteplase (r-tPA)

Actilyse®
B01AD02
Direkte Thrombininhibitoren

Dabigatran

Pradaxa®
B01AE07
Direkte Faktor-Xa-Inhibitoren

Rivaroxaban

Xarelto®
B01AF01
Andere antithrombotische Mittel

Defibrotid

Defitelio®
B01AX01

Referenzen

  1. Finkelstein Y, et al., Clopidogrel use in children., J Pediatr., 2005, 147(5), 657-61
  2. Johnson PN, et al., Combination thrombolytic and anti-platelet therapies in an infant with incomplete kawasaki disease and coronary aneurysms., J Pediatr Pharmacol Ther., 2008, 13(4), 242-50
  3. Mondelo García C, et al, [What is the optimal dose of clopidogrel in pediatric patients?], An Pediatr (Engl Ed), 2019, 90(4), 219-23
  4. Wessel DL, et al. , Clopidogrel in infants with systemic-to-pulmonary-artery shunts., N Engl J Med. , 2013, 368(25), 2377-84
  5. Rowley AH, et al., Pathogenesis and management of Kawasaki disease. , Expert Rev Anti Infect Ther. , 2010, 8(2), 197-203
  6. Hanke CA, et al., Prophylactic use of clopidogrel in paediatric cardiac patients., Klin Padiatr., 2012, 224(3), 166-9
  7. Maltz LA, et al., Clopidogrel in a pediatric population: prescribing practice and outcomes. from a single center, Pediatr Cardiol., 2009, 30(2), 99-105
  8. Ramly B., Lymph-node-first Kawasaki disease and giant coronary artery aneurysm. , BMJ Case Rep, 2019, 12(2)
  9. Mertens L, et al, Safety and efficacy of clopidogrel in children with heart disease., J Pediatr., 2008, 153(1), 61-4
  10. Soman T, et al., The risks and safety of clopidogrel in pediatric arterial ischemic stroke, Stroke, 2006, 37(4), 1120-2
  11. Rosenthal DN, et al. , Impact of a modified anti-thrombotic guideline on stroke in children supported with a pediatric ventricular assist device., J Heart Lung Transplan, 2017, 36(11), 1250-7
  12. van Stijn D, et al. , Myocardial infarction due to thrombotic occlusion despite anticoagulation in Kawasaki disease - a case report, BMC Pediatr., 2022, 22(1), 85
  13. Wang L, et al., Kawasaki Disease Complicated by Late-Onset Fatal Cerebral Infarction: A Case Report and Literature Review., Front Pediatr., 2021, 9, 598867

Änderungsverzeichnis

  • 07 Juni 2023 10:32: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung