Alteplase (r-tPA)

Wirkstoff
Alteplase (r-tPA)
Handelsname
Actilyse®
ATC-Code
B01AD02
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Rekombinanter, menschlicher Gewebsplasminogenaktivator (recombinant tissue-type plasminogen activator, r-tPA); Glykoprotein, welches Plasminogen direkt zu Plasmin aktiviert. Bei intravenöser Verabreichung bleibt Alteplase im Kreislauf relativ inaktiv. Nach Bindung an Fibrin aktiviert Alteplase das ebenfalls an Fibrin gebundene Plasminogen zu Plasmin, welches das Fibringerinnsel abbaut, so dass es zu einer Auflösung kommt.

Pharmakokinetik bei Kindern

Es sind keine spezifischen Informationen für Kinder vorhanden.

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Thrombolyse
    • Intravenös
      • Off-label
  • Zur thrombolytischen Behandlung von verschlossenen zentralen Venenkathetern
    • Lokal
      • On-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Intravenös, zur fibrinolytischen Therapie
- bei akutem Herzinfarkt
- bei akuter massiver Lungenembolie mit hämodynamischer Instabilität
- bei akutem ischämischen Schlaganfall

Kinder und Jugendliche:
Zur Anwendung von Alteplase bei Kindern und Jugendlichen liegen begrenzte Erfahrungen vor. Alteplase ist bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren zur Behandlung eines akuten ischämischen Schlaganfalls kontraindiziert. 

(SmPC Actilyse Plv+Lsgm z.Herst.e. Inj-/Inf-Lsg)

Lokal, zur thrombolytischen Behandlung von verschlossenen zentralen Venenkathetern, einschließlich solcher, die für die Hämodialyse verwendet werden

Kinder und Jugendliche:
Bis zu 2 mg/Dosis bis zu 2 x pro Verschluss in einen verschlossenen zentralen Venenkatheter instillieren.
Körpergewicht ≥30 kg: Gesamtdosis: max. 2 mg/Dosis. Empfohlene Endkonzentration 1 mg/ml.
Körpergewicht < 30 kg: Volumen der in den verschlossenen zentralen Venenkatheter zu instillierenden Lösung entspricht 110 % des inneren Lumens des Katheters. Max. 2 mg/Dosis pro Instillation

Erneute Verabreichung einer 2., gleich großen Dosis innerhalb von 120 Minuten, falls die Funktionsfähigkeit des verschlossenen zentralen Venenkatheters nicht nach Verabreichung der ersten Dosis wiederhergestellt ist.

(SmPC Actilyse Cathflo Plv z.Herst.e. Inj-Lsg) 

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Präparate im Handel

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- bzw. Infusionslösung 20 mg (entsprechend 11.600.000 I.E.), 50 mg (entsprechend 29.000.000 I.E.) pro Durchstechflasche
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung Cathflo® 2 mg (entsprechend 1.160.000 I.E.) pro Durchstechflasche

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Pulver zur Herstellung einer Injektions- bzw. Infusionslösung: Polysorbat 80

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Dosierungen

Thrombolyse
  • Intravenös
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [2]
      • Initialdosis: 0,01 - 0,1 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion.
      • Erhaltungsdosis: Wenn der Thrombus nicht kleiner wird und keine Blutungsneigung besteht : alle 6-12 Stunden erhöhen auf max. 0,5 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion.
      • Behandlungsdauer:

        Thrombolyse bis der Thrombus kleiner und weniger bedrohlich ist. Mit therapeutischen Dosen von LMWH oder unfraktioniertem Heparin 2 Stunden nach Absetzen von Alteplase beginnen.

        • Verabreichung vorzugsweise über einen Zentralvenenkatheter
        • Bei Neugeborenen aufgrund des physiologisch niedrigen Plasminogens: Frischplasma (fresh frozen plasma (FFP) 10 mL/kg vor Beginn des r-tPA und danach 1x täglich während des r-tPA.
        • Bei Blutungen: r-tPA absetzen, Plasma (FFP) 10-20 mL/kg, evtl. Tranexamsäure 50 mg/kg/Tag i.v. in 4 Dosen
Zur thrombolytischen Behandlung von verschlossenen zentralen Venenkathetern
  • Art der Anwendung nicht spezifizierbar
    • 1 Monat bis 18 Jahre und < 30 kg
      [3]
      • Instillation in einen verschlossenen zentralen Venenkatheter: Infusionslösung 1 mg/mL:
        Pro Verschluss ein Volumen entsprechend 110% des inneren Lumens des Katheters (max. 2 mg/Dosis) langsam in den verschlossenen zentralen Venenkatheter instillieren. Falls erforderlich, Dosis nach 120 Minuten wiederholen. 

    • 1 Monat bis 18 Jahre und ≥ 30 kg
      [3]
      • Instillation in einen verschlossenen zentralen Venenkatheter: Infusionslösung 1 mg/mL:
        Pro Verschluss eine Dosis von bis zu 2 mg langsam in den verschlossenen zentralen Venenkatheter instillieren. Falls erforderlich, Dosis nach 120 Minuten wiederholen. 

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Blutungen. Wiederholt auftretende Ischämie/Angina-pectoris-Anfälle, Blutdruckabfall, Herzversagen/Lungenödem. Bei der Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls: intrazerebrale Blutung

Häufig (1-10%): Blutungen im Bereich des Rachens. Gastrointestinale Blutungen. Ekchymosen. Blutungen im Urogenitaltrakt. Blutungen im Bereich der Injektionsstelle. Kardiogener Schock, Herzstillstand und Reinfarkte. Bei der Behandlung des akuten Herzinfarkts und akuter massiver Lungenembolie: Intrazerebrale Blutungen. 

Gelegentlich (0,1-1%): Blutungen im Bereich der Lunge. Nasenbluten. Blutungen im Bereich des Ohres. Reperfusionsarrhythmien. Mitralklappeninsuffizienz, Lungenembolie, andere systemische Embolien/zerebrale Embolien, Ventrikelseptumdefekt. Blutdruckabfall

Selten (0,1-0,01%): Blutungen im Bereich des Auges. Hämoperikard. Retroperitoneale Blutungen. Überempfindlichkeitsreaktionen. Embolie, die zu entsprechenden Schäden in den betroffenen Organen führen kann. Übelkeit

Sehr selten (< 0,01%): Schwere Anaphylaxie. Ereignisse, die das Nervensystem betreffen, häufig im Zusammenhang mit gleichzeitigen ischämischen oder hämorrhagischen zerebrovaskulären Ereignissen

Häufigkeit nicht bekannt: Blutungen parenchymatöser Organe. Erbrechen. Erhöhung der Körpertemperatur. Fettembolie, die zu entsprechenden Schäden in den betroffenen Organen führen kann. Notwendigkeit der Gabe einer Bluttransfusion

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

(Relative) Kontraindikationen:

  • Großer chirurgischer Eingriff in den letzten 10 Tagen
  • Intrakraniale Blutung in den letzten 10 Tagen
  • Großer chirurgischer Eingriff in den nächsten 3 Tagen
  • Aktive Blutung
  • Sehr schwere Asphyxie
  • Sehr frühgeborene Neugeborene mit hohem Risiko einer intraventrikulären Hämorrhagie (IVH)
  • Thrombozytopenie

 

Kontraindikationen allgemein

  • Behandlung eines akuten ischämischen Schlaganfalls bei Kindern unter 16 Jahren

Bei akutem Herzinfarkt, akuter massiver Lungenembolie und akutem ischämischem Schlaganfall: 

  • schwerwiegende Blutungsstörungen (akut oder innerhalb der vergangenen 6 Monate)
  • bekannte hämorrhagische Diathese
  • Patient*innen unter wirksamer oraler Antikoagulanzientherapie (z. B. Warfarin-Natrium mit INR > 1,3)
  • manifeste oder kurz zurückliegende schwere oder lebensgefährliche Blutung
  • bestehende, anamnestisch bekannte oder Verdacht auf eine intrakranielle Blutung
  • Verdacht auf Subarachnoidalblutung oder Zustand nach aneurysmatischer Subarachnoidalblutung
  • Schädigung des Zentralnervensystems in der Anamnese (z. B. Neoplasma, Aneurysma, intrakranielle oder spinale Operation)
  • kurz zurückliegende (weniger als 10 Tage) traumatische externe Herzmassage, Entbindung, kurz zurückliegende Punktion eines nicht komprimierbaren Blutgefäßes (z. B. Punktion der Vena subclavia oder der Vena jugularis)
  • unkontrollierbare, schwere arterielle Hypertonie
  • bakterielle Endokarditis, Perikarditis
  • akute Pankreatitis
  • nachgewiesene ulzerative Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt innerhalb der vergangenen 3 Monate, Ösophagusvarizen, arterielle Aneurysmata, arteriovenöse Missbildungen
  • Neoplasie mit erhöhtem Blutungsrisiko
  • schwere Lebererkrankung einschließlich Leberversagen, Zirrhose, Pfortaderhochdruck (Ösophagusvarizen) und akuter Hepatitis
  • größere Operationen oder schwere Traumen innerhalb der vergangenen 3 Monate

Zusätzliche Gegenanzeigen bei akutem Herzinfarkt/bei akuter massiver Lungenembolie:

  • Hämorrhagischer Schlaganfall oder Schlaganfall unklarer Genese in der Anamnese
  • bekannter ischämischer Schlaganfall oder transiente ischämische Attacke (TIA) in den vergangenen 6 Monaten, ausgenommen akuter ischämischer Schlaganfall innerhalb der letzten 4,5 Stunden

Zusätzliche Gegenanzeigen bei akutem ischämischen Schlaganfall:

  • Beginn der Symptome des ischämischen Insultes mehr als 4,5 Stunden vor der Verabreichung der Infusion oder Symptome, für die der zeitliche Beginn nicht bekannt ist und möglicherweise mehr als 4,5 Stunden zurück liegt
  • geringfügige neurologische Defizite oder Symptome, die sich vor Infusionsbeginn rasch bessern
  • klinisch (z. B. NIHSS > 25) bzw. durch geeignete bildgebende Verfahren nachgewiesener schwerer Schlaganfall
  • Krampfanfall zu Beginn des Schlaganfalls
  • Nachweis für eine intrakranielle Blutung (ICH) im Computertomogramm
  • Symptome, die auf eine Subarachnoidalblutung hinweisen, selbst bei normalem Computertomogramm
  • Heparingabe innerhalb der vergangenen 48 Stunden und Thromboplastinzeit oberhalb des Normalwertes
  • Patient*innen mit Schlaganfall in der Anamnese und begleitendem Diabetes
  • Schlaganfall innerhalb der letzten 3 Monate
  • Thrombozytenzahl unter 100.000/mm3
  • systolischer Blutdruck über 185 mm Hg bzw. diastolischer Blutdruck über 110 mm Hg oder Erfordernis aggressiver Maßnahmen (intravenöse Gabe von Arzneimitteln), um den Blutdruck auf diese Grenzwerte zu senken
  • Blutglukosespiegel unter 50 mg/100 ml oder über 400 mg/100 ml (< 2,8 mM oder > 22,2 mM)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Vor Beginn der Behandlung:
- Ultraschall des Cerebrums bei Säuglingen
- Laborkontrolle: aPTT, PT, VBB, D-Dimer, Fibrinogen
Bedingungen:
- Thrombozyten >50-100 x 109/L bei kranken Kindern
- Thrombozyten >50 x 109/L bei stabilen Patient*innen
- Fibrinogen >1 mg/L
- Normale oder minimal verlängerte PT und aPTT
Niedrige Thrombozytenzahl: Thrombozyten-Transfusion
Niedriges Fibrinogen: Plasmatransfusion
Bei Säuglingen aufgrund von physiologisch niedrigem Plasminogen: 10 cm³/kg Plasma vor Beginn des r-tPA und danach eine Dosis während des r-tPA.

Kontrollen während der Behandlung:
Echo(kardio)graphie zur Kontrolle der Größe des Thrombus zumindest einmal täglich. Täglicher Ultraschall des Cerebrums bei Neugeborenen. 1x tägliche Laborkontrolle: VBB, D-Dimere, eventuell Fibrogen, Plasminogen.

Es gibt keinen geeigneten Laborparameter für den Grad der Thrombolyse. Die Evaluierung erfolgt hauptsächlich anhand des klinischen Verlaufs und Ultraschalls. Ein Anstieg der D-Dimere zeigt einen Abbau des Fibrins an und kann deshalb als Indikator dienen. Die Fibrinolyse kann ebenso mittels ROTEM® deutlich sichtbar gemacht werden.

Während der Thrombolyse keine invasiven Eingriffe wie Messung der rektalen Temperatur, intramuskuläre Injektionen usw. durchführen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

ANTITHROMBOTISCHE MITTEL

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Vitamin-K-Antagonisten

Phenprocoumon

Marcoumar®
B01AA04
Heparingruppe

Dalteparin

Fragmin®
B01AB04

Enoxaparin

Lovenox®, Inhixa®, diverse Generika
B01AB05

Nadroparin

Fraxiparin®
B01AB06

Unfraktioniertes Heparin

Heparin Gilvasan®
B01AB01
Thrombozytenaggregationshemmer, exkl. Heparin

Acetylsalicylsäure

Thrombo ASS®, Aspirin Protect®, Herzschutz ASS®, Thrombostad®, ASS Hexal®; Syn: ASS
B01AC06

Clopidogrel

Plavix®
B01AC04

Epoprostenol

Flolan®, Dynovas®
B01AC09
Direkte Thrombininhibitoren

Dabigatran

Pradaxa®
B01AE07
Direkte Faktor-Xa-Inhibitoren

Rivaroxaban

Xarelto®
B01AF01
Andere antithrombotische Mittel

Defibrotid

Defitelio®
B01AX01

Referenzen

  1. NVK, Werkboek kinderhematologie [Arbeitsbuch Kinderhämatologie], www.hematologienederland.nl , 30 sept 2012
  2. Nederlandse Vereniging voor Kindergeneeskunde, sectie kinderhematologie [Niederländische Gesellschaft für Kinderheilkunde, Arbeitsgruppe Kinderhämatologie], Richtlijn Diagnostiek en behandeling van veneuze trombo-embolische complicaties bij neonaten en kinderen tot 18 jaar [Leitlinie zur Diagnose und Behandlung venöser thromboembolischer Komplikationen bei Neugeborenen und Kindern bis zu 18 Jahren], https://hematologienederland.nl/kwaliteit/werkboek-kinderhematologie/, 2020, Jan, Rev1
  3. Boehringer Ingelheim BV, SmPC Actilyse Cathflow (RVG 103374) 03-08-2022, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl

Änderungsverzeichnis

  • 30 Oktober 2023 10:40: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung