Diazoxid

Wirkstoff
Diazoxid
Handelsname
ATC-Code
V03AH01
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Nicht-diuretisch wirksames Benzothiadiazid-Derivat. Oral verabreichtes Diazoxid greift an den Beta-Zellen des Pankreas an und verursacht eine reversible Hemmung der Insulinausschüttung. Weiterhin kommt es zu einer vermehrten Freisetzung biogener Katecholamine, was zu einer Anreicherung von zyklischem AMP im Gewebe führt, das die Glykogensynthetase inaktivieren und die Glykogenphosphorylase aktivieren kann. Diese verschiedenen Mechanismen können synergistisch die Glucoseassimilation beeinflussen und führen zur oben beschriebenen Hyperglykämie.

Pharmakokinetik bei Kindern

Die Halbwertszeit bei Kindern im Alter von 4 Monaten bis 6 Jahren variiert bei langfristiger Anwendung der oralen Dosis zwischen 9,5 und 24 Stunden. Bei Erwachsenen beträgt die Halbwertszeit nach oraler Verabreichung 24 bis 36 Stunden (SmPC Proglicem).
Darüber hinaus ergab ein populationspharmakokinetisches Modell eine Halbwertszeit von 15 ± 5,3 Stunden (Range 5,9 – 27,7) nach oraler Verabreichung bei Kindern im Alter von 0,1 bis 15,2 Jahren (Median 4,3 Jahre) mit hyperinsulinämischer Hypoglykämie (Kizu et al. 2017).

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Hyperinsulinismus
    • Oral
      • Keine Arzneispezialität in Österreich zugelassen

 

 

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Keine Arzneispezialität in Österreich zugelassen

Präparate im Handel

Hartkapseln 25 mg, 100 mg (als Import)

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Kapseln sollte möglichst nach den Mahlzeiten erfolgen (SmPC Proglicem)

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Weitere praktische Informationen/ Verfügbarkeit

Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)

Allgemeine Informationen zur Dosierung

In Kombination mit einem Diuretikum (Hydrochlorothiazid, Furosemid) bei Flüssigkeitsretention


Dosierungen

Hyperinsulinismus
  • Oral
    • Neugeborene
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      • Initialdosis: 8 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Je nach Blutzuckerspiegel können höhere oder niedrigere Anfangsdosen verabreicht werden.
      • Erhaltungsdosis: Danach je nach Wirkung 3 - 15 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Max: 20 mg/kg/Tag.
      • Maximale Dosis nur in Ausnahmefällen verabreichen; Verabreichung in 3 Dosen

    • 1 Monat bis 2 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [11] [16] [17] [18] [19]
      • Initialdosis: 8 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Je nach Blutzuckerspiegel können höhere oder niedrigere Initialdosen verwendet werden.
      • Erhaltungsdosis: Danach je nach Wirkung 3 - 15 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Max: 20 mg/kg/Tag.
      • Maximale Dosis nur in Ausnahmefällen verabreichen, Verabreichung in 3 Dosen

    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [11] [19]
      • Initialdosis: 3 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Je nach Blutzuckerspiegel können höhere oder niedrigere Initialdosen verwendet werden.
      • Erhaltungsdosis: Je nach Wirkung 3 - 8 mg/kg/Tag in 2 - 3 Dosen. Max: 15 mg/kg/Tag. Max. 800 mg/Tag.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Klinische Konsequenzen

Da sich die Halbwertszeit bei eingeschränkter Nierenfunktion verlängert, sollte eine Dosisreduktion in Betracht gezogen und die Serumelektrolyte überwacht werden. (SmPC Proglicem)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Flüssigkeitsretention, Hypertrichose, pulmonale Hypertonie, Herzinsuffizienz und Neutropenie; die meisten Symptome verschwinden nach Absetzen der Therapie. Hirsutismus vom Lanugo-Typ, gastrointestinale Reaktionen, Thrombozytopenie, Stimmveränderungen und Gesichtsveränderungen (bei Langzeittherapie), verminderte Immunglobuline (IgG), nekrotisierende Enterokolitis
(SmPC Proglicem) (SmPC Eudemine) (Chen et al. 2021) (Duggal et al. 2024)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Häufigkeit nicht bekannt: Schmerzen in der Brust, Fieber, Unwohlsein, Schwächegefühl , Kopfschmerzen, allergische Reaktionen, Angstgefühl, Schwindel, Schlaflosigkeit, Polyneuritis, Parästhesie, Störungen des extrapyramidalen Systems, Anorexie, diabetische Ketoazidose (schwerwiegend), hyperosmolares, nicht-ketotisches Koma (schwerwiegend), erhöhte Serum-Harnsäure-Spiegel, Hyperglykämie, Glucosurie, akute Pankreatitis, pankreatische Nekrose, Thrombozytopenie mit oder ohne Purpura, Neutropenie, Leukopenie, Eosinophilie, reduzierter Hämoglobin-Wert oder verminderter Hämatokrit-Wert, exzessive Blutungen, Lymphadenopathie, Immunglobulinverminderung Typ IgG, vorübergehender Katarakt, subkonjunktivale Hämorrhagien, Ringskotom, verschwommenes Sehen, Diplopie, Tränenfluss, Hypotonie, Tachykardie, Palpitation, vorübergehende Hypertonie, Kardiomyopathie, Herzinsuffizienz, Perikarderguss, pulmonale Hypertonie bei Neugeborenen, Kleinkindern und Kindern, Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerzen, Ileus, Diarrhö, vorübergehender Geschmacksverlust, nekrotisierende Enterokolitis beim Neugeborenen, Erhöhung der Glutamin-Oxalessigäure-Transaminase im Serum, Erhöhung der alkalischen Phosphatase, übermäßiger Haarwuchs des Lanugo-Typs v. a. bei Frauen u. Kindern, moniliale Dermatitis, Herpes, Verlust an Stirnhaar, Hautrötung, Pruritus, Alopezie bei Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft langzeitig mit Diazoxid behandelt wurden, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Manifestationen (DRESS), vorangeschrittene Knochenalterung, Gicht, Azotämie, verminderte Kreatinin-Clearance, Natrium-Wasser-Retention (manchmal schwerwiegend), reversibles nephrotisches Syndrom, verminderte Harnausscheidung, Hämaturie, Albuminurie, Galaktorrhö, Brustknotenvergrößerung (nicht spezifiziert)

(SmPC Proglicem)

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Herzinfarkt
  • eingeschränkteReservekraft des Herzens (eine Stauungs-Herzinsuffizienz könnte hervorgerufen werden)
  • idiopathische, postprandiale Hypoglykämie (kein Vorliegen eines erhöhten
    Insulinspiegels)

(SmPC Proglicem)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Kindern, Säuglingen und Neugeborenen wurde über pulmonale Hypertonie berichtet; in den meisten Fällen klang diese nach Absetzen der Behandlung wieder ab. Neugeborene während der Behandlung engmaschig überwachen, insbesondere bei Risikofaktoren wie Mekoniumaspirationssyndrom, Hyaliner Membran-Krankheit, neonataler Tachypnoe, Pneumonie, Sepsis, angeborener Zwerchfellhernie und angeborener Herzerkrankung. Behandlung abbrechen, wenn eine pulmonale Hypertonie diagnostiziert wird. Eltern/Betreuungspersonen anweisen, sich sofort mit ärztlichem Personal in Verbindung zu setzen, wenn Kinder Anzeichen von Atemnot zeigen.

Es gibt Berichte über nekrotisierende Enterokolitis (NEC) bei Neugeborenen, in einigen Fällen mit tödlichem Ausgang. Neugeborene während der Behandlung engmaschig auf Symptome wie Erbrechen, aufgeblähten Bauch, Blut im Stuhl und Lethargie überwachen, insbesondere bei erhöhtem NEC-Risiko (z. B. bei Frühgeborenen). Bei Verdacht auf NEC ist die Behandlung abzubrechen.

Vorsicht ist bei der Anwendung bei Neugeborenen mit erhöhtem Bilirubinspiegel geboten, da Diazoxid das Bilirubin aus seiner Eiweißbindung verdrängen kann. (SmPC Proglicem)

Medizinisches Personal muss sich der Risiken bewusst sein und auf Neutropenie und Thrombozytopenie achten. Zu Beginn der Behandlung, 5 bis 7 Tage nach Beginn der Behandlung mit Diazoxid und danach alle 3 bis 6 Monate sollte ein großes Blutbild mit Differentialblutbild erstellt werden. (Brar 2020)

Patient*innen sollten hinsichtlich ihres Gewichts, ihrer Elektrolyte und Ödeme sowie ihrer Herz-Lungen-Funktion überwacht werden, insbesondere zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung. (Chen et al. 2021)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://www.fachinfo.de/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

ALLE ÜBRIGEN THERAPEUTISCHEN MITTEL

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Antidote

Flumazenil

Anexate®, diverse Generika
V03AB25
V03AB33

Kaliumjodid

Kaliumjodid G.L.®
V03AB21
V03AB17

Naloxon

Nyxoid®
V03AB15

Natriumthiosulfat

Pedmarqsi®
V03AB06

Physostigmin

Anticholium®
V03AB19
V03AB14

Sugammadex

Bridion®
V03AB35
Eisen-Chelatbildner

Deferasirox

Exjade®
V03AC03

Deferipron

Ferriprox®
V03AC02

Deferoxamin

Desferal®
V03AC01
Mittel zur Behandlung der Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie
V03AE07

Polystyrolsulfonsäure

Resonium A®
V03AE01

Sevelamer

Renvela®, Sevelamercarbonat, diverse Generika
V03AE02
Entgiftungsmittel für die Behandlung mit Zytostatika

Folinsäure

Calciumfolinat, Leucovorin, diverse Generika
V03AF03

Rasburicase

Fasturtec®
V03AF07

Referenzen

  1. Fafoula O, et al, Prolonged hyperinsulinaemic hypoglycaemia in newborns with intrauterine growth retardation, Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed, 2006, Nov;91(6), F467
  2. Hoe FM, et al, Clinical features and insulin regulation in infants with a syndrome of prolonged neonatal hyperinsulinism, J Pediatr, 2006, Feb;148(2), 207-1
  3. Giurgea I, et al, [Congenital hyperinsulinism in newborn and infant] L'hyperinsulinisme congenital du nouveau-ne et du nourrisson. , Arch Pediatr., 2005, Nov;12(11), 1628-3
  4. Tyrrell VJ, et al, Ten years' experience of persistent hyperinsulinaemic hypoglycaemia of infancy, J Paediatr Child Health., 2001, Oct;37(5), 483-8
  5. Ortqvist E, et al, Temporary preservation of beta-cell function by diazoxide treatment in childhood type 1 diabetes, Diabetes Care, 2004, Sep;27(9), 2191-7
  6. Yildizdas D, et al, Pulmonary hypertension, heart failure and neutropenia due to diazoxide therapy, Adv Ther, 2008, May;25(5), 515-9
  7. Nebesio TD, et al, Development of pulmonary hypertension in an infant treated with diazoxide, J Pediatr Endocrinol Metab, 2007 , Aug;20(8), 939-44
  8. MSD BV, SPC Proglicem (RVG 06865), www.cbg-meb.nl, 28-01-2024, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h06865.pdf
  9. FDA Drug safety communications, FDA warns about a serious lung condition in infants and newborns treated with Proglycem (diazoxide), www.fda.gov, 16-7-2015
  10. MSD Sharp & Dohme GmbH, SmPC PROGLICEM® 25/100 mg Hartkapseln (6426992.01.00), 02/2024
  11. Chen X, et al., Efficacy and safety of diazoxide for treating hyperinsulinemic hypoglycemia: A systematic review and meta-analysis., PLoS One, 2021, 16(2)
  12. RPH Pharamceuticals AB, SmPC (UK) Eudemine , 12-05-2021
  13. Kizu R, et al., Population Pharmacokinetics of Diazoxide in Children with Hyperinsulinemic Hypoglycemia, Horm Res Paediatr. , 2017, 88(5), 316-23
  14. Duggal M, et al., Pulmonary Hypertension and Necrotizing Enterocolitis in Neonates Treated with Diazoxide., Am J Perinatol., 2024, 41(S01)
  15. Brar PC, et al., Management and Appropriate Use of Diazoxide in Infants and Children with Hyperinsulinism., J Clin Endocrinol Metab., 2020, 105(12)
  16. Balachandran B, et al., Randomised controlled trial of diazoxide for small for gestational age neonates with hyperinsulinaemic hypoglycaemia provided early hypoglycaemic control without adverse effects. , Acta Paediatr. , 2018, 107(6), 990-5
  17. Chandran S, et al. , Safety and efficacy of low-dose diazoxide in small-for-gestational-age infants with hyperinsulinaemic hypoglycaemia., Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed., 2022, 107(4), 359-63
  18. Yoshida K, et al., High prevalence of severe circulatory complications with diazoxide in premature infants., Neonatology, 2014, 105(3), 166-71
  19. Teva Pharmaceuticals, SmPC (USA) Proglycem , 7/2024

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung