Esketamin

Wirkstoff
Esketamin
Handelsname
Ketanest® S, diverse Generika
ATC-Code
N01AX14
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Anästhesie
    • Rektal
      • Off-label
    • Intravenös
      • On-label
    • Intramuskulär
      • On-label
  • Schmerz, postoperativ
    • Intravenös
      • Analgesie bei intubierten Patienten sowie Analgesie in der Notfallmedizin: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Injektions-/Infusionslösung 5 mg/ml; 25 mg/ml

Allgemein

Die Injektions- und Infusionslösung enthält Esketamin in Form von Esketamin-Hydrochlorid. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Esketamin.

Pharmakodynamik

Esketamin (rechtsdrehendes Isomer des Ketamin) ist ein Anästhetikum mit analgetischen Eigenschaften. Gleichzeitig bewirkt es eine sogenannte dissoziative Anästhesie. Die analgetische Wirkung tritt bereits bei subdissoziativen Dosen auf und überdauert die Anästhesie. Diese erwünschten pharmakologischen Effekte werden in erster Linie auf die Blockade der NMDA-Rezeptoren durch Esketamin zurückgeführt.
Trotz der direkt negativ kardial inotropen Wirkung wirkt Ketamin dosisabhängig direkt anregend auf das ZNS mit gesteigertem Sympathikotonus. Dadurch führt Ketamin zu kardiovaskulären Wirkungen, die einer Stimulation des sympathischen Nervensystems gleichen (erhöhter Blutdruck und erhöhter Druck im Lungenkreislauf, Steigerung der Herzfrequenz, des Herzzeitvolumens, der Herzarbeit und des myokardialen Sauerstoffbedarfs). Der systemische Gefäßwiderstand und der linksventrikuläre enddiastolische Druck bleiben normalerweise unverändert. Ketamin bewirkt keine signifikante Atemdepression, wenn es alleine angewendet wird. Außerdem bleibt der Skelettmuskeltonus der oberen Atemwege erhalten, genau wie auch die Atemwegsreflexe. Esketamin besitzt lokalanästhetische Eigenschaften.

Pharmakokinetik

Keine Informationen

Dosierungen

Anästhesie
  • Rektal
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 3 - 5 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • In Kombination mit Benzodiazepinen oder Propofol

  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 0,5 - 1 mg/kg/Dosis, Bolus in 1 Minute.
      • In Kombination mit Benzodiazepinen oder Propofol

  • Intramuskulär
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • 3 - 5 mg/kg/Dosis, einmalig.
      • In Kombination mit Benzodiazepinen oder Propofol

Schmerz, postoperativ
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      • Initialdosis: 0,25 - 0,5 mg/kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: 0,1 - 0,2 mg/kg/Stunde, Dauerinfusion, max: 0,4 mg/kg/Stunde.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Keine Informationen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung vorhanden.

ALLGEMEINANÄSTHETIKA

Opioidanästhetika

Fentanyl (parenteral)

diverse Generika
N01AH01
Andere Allgemeinanästhetika

Propofol

Propofol Lipuro®, diverse Generika
N01AX10

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Stimulation der Atmung und Herzfunktion. Erhöht den intrakraniellen und intraokulären Druck. Dysphorie. Führt zu Speichelproduktion. Bei Anwendung bei diagnostischen oder therapeutischen Verfahren in den oberen Atemwegen wurden vor allem bei Kindern Laryngospasmen und andere Formen der Atemwegsobstruktion sowie Hyperreflexie verzeichnet. Während der Genesungsphase können psychische Störungen (unangenehme Träume mit oder ohne psychomotorische Aktivität, irrationales Verhalten, Verwirrung) auftreten. Bei Kindern bis 15 Jahren tritt dies seltener auf als bei Erwachsenen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Aufwachreaktionen, wie z.B. lebhafte Träume, auch unangenehmer Art, Schwindel und motorische Unruhe, Sehstörungen (verschwommenes Sehen), temporäre Tachykardie, Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz (ein Anstieg von 20% über den Ausgangswert ist häufig), Erhöhung des Gefäßwiderstandes im Lungenkreislauf und erhöhte Mucussekretion. Erhöhter Sauerstoffverbrauch, Laryngospasmus und temporäre Atemdepression(Das Risiko einer Atemdepression ist normalerweise abhängig von Dosis und Geschwindigkeit der Injektion.), Übelkeit und Erbrechen, erhöhter Speichelfluss (Hypersalivation), tonische und klonische Kontraktionen, die Krämpfen gleichen können (durch erhöhten Muskeltonus), Nystagmus, Hirndrucksteigerung, Doppeltsehen (Diplopie), Zunahme des intraokularen Drucks, morbilliforme Hautrötung, Exanthem, Schmerzen und Erythem an der Injektionsstelle

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
Anaphylaktische Reaktionen, Hypotonie in Verbindung mit Kreislaufschock

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • bei Patienten, für die ein erhöhter Blutdruck oder ein gesteigerter Hirndruck ein ernsthaftes Risiko darstellt
  • als alleiniges Anästhetikum bei Patienten mit manifesten ischämischen Herzerkrankungen
  • in Kombination mit Xanthinderivaten (z.B. Aminophyllin, Theophyllin)

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

  • Aufgrund der Speichelproduktion stets in Kombination mit Atropin verwenden.
  • Bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen im Bereich der oberen Atemwege ist, insbesondere bei Kindern, mit Reflexsteigerung (Hyperreflexie) und Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) zu rechnen. Bei Eingriffen an Pharynx, Larynx und Bronchialbaum kann daher eine Muskelrelaxation mit entsprechender Beatmung erforderlich sein. [SmPC Ketanest]

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Esketamin darf als Narkotikum nur durch einen in der Anästhesie oder Notfallmedizin erfahrenen Arzt eingesetzt werden. Esketamin darf nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden:
    • bei Herzinsuffizienz und unbehandelter Hypertonie
    • bei gesteigertem Hirndruck und Schädigungen oder Erkrankungen des Zentralnervensystems, da ein Anstieg des zerebrospinalen Drucks unter der Anwendung von Esketamin beobachtet wurde
    • bei erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) und perforierenden Augenverletzungen sowie in Verbindung mit Augenuntersuchungen oder augenchirurgischen Eingriffen, bei denen der Augeninnendruck nicht steigen darf
    • an Patienten unter chronischem oder akutem Alkoholeinfluss
    • an Patienten, die an schweren psychischen Störungen leiden/litten
    • bei unzureichend behandelter Hyperthyreose
  • Bei Patienten mit Leberzirrhose oder anderen Formen von eingeschränkter Leberfunktion kann eine Verlängerung der Wirkungsdauer auftreten. Bei diesen Patienten sollte eine Dosisreduktion in Erwägung gezogen werden.
  • Bei Gaben von hohen Dosen und schneller i.v. Injektion kann es zum Auftreten einer Atemdepression kommen.
  • Die Möglichkeit zur Intubation und Beatmung des Patienten muss bei Anwendung von Esketamin gegeben sein.
  • Das Risiko psychischer Reaktionen, die während des Erwachens aus der Anästhesie auftreten, kann in hohem Maße durch die zusätzliche Gabe von Benzodiazepinen verringert werden.
  • Vorsicht bei Anwendung bei schwersten Schockzuständen.
  • Bei Patienten, die razemisches Ketamin über einen längeren Zeitraum (ein Monat bis mehrere Jahre) erhielten, wurden Fälle von Zystitis, einschließlich hämorrhagischer Zystitis, akuter Nierenschädigung, Hydronephrose und Erkrankung der Harnleiter berichtet, insbesondere bei Missbrauch von Ketamin.
  • Hepatotoxizität wurde bei länger dauernder Anwendung (>3 Tage) beobachtet.
  • Personen mit Arzneimittelmissbrauch oder –abhängigkeit (auch in der Anamnese) können eine Abhängigkeit oder Toleranz von Esketamin entwickeln. Besondere Vorsicht ist daher sowohl für das Verordnen als auch für die Verabreichung geboten.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Theophyllin, Aminophyllin Herabsetzung der Krampfschwelle. Bei Patienten mit einem erhöhten Krampfanfall-Risiko zu vermeiden. Erwägen Sie, die Behandlung mit Aminophyllin/Theophyllin zwei bis drei Tage vor der Anwendung von (Es)Ketamin auszusetzen.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. CBO, Richtlijn postoperatieve pijn [Leitlinie Postoperativer Schmerz], www.diliguide.nl, 2012, http://www.diliguide.nl/document/2995/postoperatieve-pijnstilling.html
  3. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 13.08.2020
  4. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 13.08.2020
  5. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 13.08.2020
  6. Pfizer, SmPC Ketanest S 5 mg/ml Amp. (1-22524), 04/2020
  7. Eurocept, SmPC Esketiv 5 mg-ml Inj.lsg. (1-38999), 07/2019

Änderungsverzeichnis

  • 17 Dezember 2020 08:15: Neue Monographie "Esketamin"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung