Fentanyl (parenteral)

Wirkstoff
Fentanyl (parenteral)
Handelsname
diverse Generika
ATC-Code
N01AH01

Fentanyl (parenteral)

Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Schmerzen
    • Intravenös
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Injektionslösung 50 microg./ml
Injektions-/Infusionslösung 50 microg./ml

Allgemein

Die im Handel befindlichen Darreichungsformen enthalten Fentanylcitrat. Der Wirkstoffgehalt bezieht sich auf Fentanyl.

Pharmakodynamik

Fentanyl ist ein synthetisches Opioid mit μ-agonistischer pharmakologischer Wirkung. Fentanyl ist ein hochwirksames Opioidanalgetikum. Fentanyl kann als analgetische Komponente bei Allgemeinanästhesien oder als Anästhetikum allein eingesetzt werden. Eine Dosis von 100 Mikrogramm (2 ml) hat eine analgetische Wirkung, die einer Dosis von 10 mg Morphin entspricht. Fentanyl hat einen raschen Wirkungseintritt. Der maximale analgetische Effekt und die atemdepressive Wirkung werden innerhalb weniger Minuten erreicht. Die durchschnittliche Dauer der analgetischen Wirkung nach einer intravenösen Einzeldosis von bis zu 100 Mikrogramm beträgt ca. 30 Minuten. Die Stärke der Analgesie ist dosisabhängig und kann der Schmerzbelastung des chirurgischen Eingriffs angepasst werden.

Pharmakokinetik

Die Clearance (11,5 ml / min / kg) bei Neugeborenen korreliert signifikant mit dem Gestationsalter und dem Geburtsgewicht. (Saarenmaa 2000: intravenöse Dauerinfusion, N = 38, Gestationsalter 26-42 Wochen).

Die folgenden pharmakokinetischen Parameter werden in der SmPC angegeben:

  Cl (ml/kg/min)* Vss (l/kg)* Beta t½ (Stunden)*
Säuglinge 1-26 Tage post partum 3,4 - 58,7 1,3 - 30,3 1,3 - 15,9
Säuglinge 48-71 Tage post partum 21,9 - 32,3 6,0 - 9,5 3,1 - 15,5
Kinder 3,17 ± 0,68 Jahre 11,5 ± 4,19 3,06 ± 1,02 4,1 ± 1,3
Jugendliche 12 ± 1,73 Jahre 7,05 ± 1,24 1,92 ± 1,04 3,5 ± 1,2

*Die Werte für die Steady-state-Clearance und das Verteilungsvolumen wurden für das Körpergewicht normalisiert.

Dosierungen

Schmerzen
  • Intravenös
    • Frühgeborene Gestationsalter < 37 Wochen
      [9]
      • Initialdosis: 0,5 - 3 microg./kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: 0,5 - 3 microg./kg/Stunde, Dauerinfusion.
    • Neugeborene
      [1] [2] [7] [8]
      • Initialdosis: 0,5 - 3 microg./kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: 0,5 - 2 microg./kg/Stunde, Dauerinfusion.
    • 1 Monat bis 2 Jahre
      [2] [3] [4] [5] [6]
      • Initialdosis: 1 - 2 microg./kg/Dosis, Bolus.
      • Erhaltungsdosis: 1 microg./kg/Stunde, Dauerinfusion.
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [3] [4] [5] [6]
      • 1,25 microg./kg/Dosis alle 30-45 Minuten.
      • ALTERNATIV: Dauerinfusion: 1 microg./kg/h

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ALLGEMEINANÄSTHETIKA

Andere Allgemeinanästhetika

Esketamin

Ketanest® S, diverse Generika
N01AX14

Propofol

Propofol Lipuro®, diverse Generika
N01AX10

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Nach Beendigung länger dauernder Infusionen von Fentanyl sind bei Kindern Bewegungsstörungen, außerordentliche Reizempfindlichkeit und opioatentzugsartige Symptome aufgetreten. 

(SmPC Fentanyl Hexal, SmPC Fentanyl-Piramal)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Übelkeit, Erbrechen, Steifheit der Muskeln, einschließlich der Thoraxmuskeln, Dyskinesie, Sedierung, Schwindel, Sehstörungen, Bradykardie, Tachykardie, Arrhythmie, Hypotonie, Hypertonie, Venenschmerzen, Laryngospasmen, Bronchospasmen, Apnoe, allergische Dermatitis, postoperative Verwirrtheit, euphorische Stimmung, Kopfschmerzen, Phlebitis, Blutdruckschwankungen, Hyperventilation, Schluckauf, Schüttelfrost, Hypothermie, Atemwegskomplikation durch Anästhesie, Postoperative Agitiertheit

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Hypersensitivität (z.B. anaphylaktischer Schock), Delir, Krämpfe, Herzstillstand

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  •  Überempfindlichkeit gegen andere Opioide
  • Patienten mit Atemdepression ohne assistierte Beatmung,
  • erhöhter intrakranieller Druck, Schädel-Hirntrauma
  • Hypovolämie und Hypotension

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Starke CYP3A4-Inhibitoren wie Erythromycin, Ketoconazol, Itraconazol, Fluconazol oder Ritonavir können den Plasmaspiegel von Fentanyl erhöhen.

Brustwandrigidität kann bei Kindern <2 Jahren, die mit niedrig dosiertem Fentanyl behandelt werden, auftreten.

Eine Clearance von Fentanyl ist bei Neugeborenen in den ersten 0-4 Lebenstagen nahezu nicht gegeben. Vorsichtiges (niedriges) Dosieren ist in der ersten Lebenswoche nach Geburt angezeigt, insbesondere bei Frühgeborenen mit einem Gestationsalter <32 Wochen.

Die wiederholte Gabe in kurzen Abständen über längere Zeiträume kann nach Beendigung der Behandlung zur Entwicklung eines Entzugssyndroms führen (SmPC).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Fentanyl darf nur in einer Umgebung verabreicht werden, in der die Atemwege kontrolliert werden können, und nur von Fachpersonal, das die Atemwege kontrollieren kann.
  • Atemdepression ist dosisabhängig und ist nach Gabe eines spezifischen Opioidantagonisten (wie z.B. Naloxon) reversibel.
  • Muskuläre Rigidität, die auch die Muskeln des Thorax betreffen kann, kann auftreten, lässt sich jedoch durch folgende Maßnahmen vermeiden: langsame i.v.-Injektion (normalerweise bei niedrigeren Dosen ausreichend), Vorabmedikation mit Benzodiazepinen und Anwendung von, bei Bedarf, Muskelrelaxantien.
  • Nicht-epileptische myoklonische Bewegungen können auftreten.
  • Wie bei anderen Opioiden kann es aufgrund der anticholinergen Effekte nach Fentanylgabe kurzfristig zu einer Erhöhung des Gallengangdrucks und in Einzelfällen zu einem Spasmus des Sphincter Oddi kommen.
  • Fentanyl kann, wie alle Opioide, einen hemmenden Einfluss auf die Darmmotorik ausüben. Dies ist bei der Schmerzbehandlung in der Intensivmedizin von Patienten mit entzündlichen oder obstruktiven Darmerkrankungen zu beachten.
  • Bradykardie und ein möglicher Herzstillstand können auftreten, wenn dem Patienten eine zu niedrige Menge eines Anticholinergikums verabreicht wurde, oder wenn Fentanyl mit nicht-vagolytischen Muskelrelaxantien kombiniert wird.
  • Opioide können, vor allem bei hypovolämischen Patienten und Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz, Hypotonie induzieren.
  • Patienten unter chronischer Opioidtherapie oder mit einer Vorgeschichte eines Opioidmissbrauchs benötigen möglicherweise höhere Dosen.
  • Bei wiederholter Gabe von Opioiden können sich Toleranz sowie physische und psychische Abhängigkeit entwickeln. Die wiederholte Gabe in kurzen Abständen über längere Zeiträume kann nach Beendigung der Behandlung zur Entwicklung eines Entzugssyndroms führen.
  • Opioide müssen bei Patienten mit einer der folgenden Erkrankungen mit Vorsicht titriert werden: nicht kontrollierte Hypothyreose, Lungenerkrankung, verringerte Atemreserve oder eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion. Solche Patienten benötigen auch eine längere postoperative Überwachung.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Saquinavir
Additive Kardiotoxizität durch QT-Verlängerung. Zudem Erhöhung der Plasmakonzentration von Fentanyl durch Hemmung des Metabolismus. Kombination vermeiden. Wenn unvermeidbar, sorgfältigste elektrokardiographische und eventuell stationäre Überwachung sowie Anwendung der niedrigst wirksamen Dosierung. Elektrolytstörungen sollen vor der Anwendung korrigiert werden. Bei einer Verlängerung der frequenzkorrigierten QTc-Zeit über altersnorme Werte sollen die gefährdenden Arzneimittel abgesetzt werden.  Engmaschiges Monitoring der Fentanyl-Wirkung und bei Bedarf Dosisreduktion bzw. Verlängerung des Dosierungsintervalls.
Linezolid Erhöhtes Risiko eines Serotonin-Syndroms. Kombination vermeiden.
Azol-Antimykotika (Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, Voriconazol, Isavuconazol) Erhöhung der Plasmakonzentration von Fentanyl durch Hemmung des Metabolismus. Kombination vermeiden. Wenn unvermeidbar, engmaschiges Monitoring der Fentanyl-Wirkung und bei Bedarf Dosisreduktion bzw. Verlängerung des Dosierungsintervalls.
CYP3A4-Induktoren (wie Phenobarbital, Primidon, Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin, Efavirenz, Johanniskraut) Verringerte Plasmaspiegel von Fentanyl durch gesteigerten Abbau. Kombination vermeiden. Wenn unvermeidbar, sorgfältiges Monitoring der Wirksamkeit von Fentanyl und bei Bedarf Erhöhung der Opioid-Dosis. Beim Absetzen des Enzyminduktors muss die Opioid-Dosis wieder gesenkt werden.
CYP3A4-Inhibitoren (wie Clarithromycin, Erythromycin, Diltiazem, Verapamil, Amiodaron, Aprepitant, Fosaprepitant, Cobicistat, Indinavir, Ritonavir) Erhöhung der Plasmakonzentration von Fentanyl durch Hemmung des Metabolismus. Engmaschiges Monitoring der Fentanyl-Wirkung und bei Bedarf Dosisreduktion bzw. Verlängerung des Dosierungsintervalls.
Imatinib Erhöhung der Plasmakonzentration von Fentanyl ist durch Hemmung des Metabolismus über CYP3A4 möglich. Kombination vermeiden. Wenn unvermeidbar, sorgfältige klinische Überwachung. Bei Bedarf Dosisreduktion von Fentanyl.
Benzodiazepine Additive oder synergistische sedierende und atemdepressive Effekte. Die gleichzeitige Behandlung ist nur bei Patienten angebracht, für die keine Alternativen in Frage kommen. Wenn die gleichzeitige Behandlung nötig ist, soll die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich sein. Die Patienten sollen engmaschig auf Atemdepression und Sedierung überwacht werden.
Letermovir Möglicherweise Erhöhung der Plasmakonzentration von Fentanyl durch Hemmung des Metabolismus. Bei gleichzeitiger Verabreichung ist Vorsicht geboten. Überwachen Sie konzentrationsabhängige Nebenwirkungen von Fentanyl. Die Fentanyl-Dosis muss möglicherweise verringert werden. Erwägen Sie eine alternative Medikation.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Anand KJ, et al., Consensus statement for the prevention and management of pain in the newborn, Arch Pediatr Adolesc Med, 2001, 155(2), 173-80
  2. Johnson KL, et al, Fentanyl pharmacokinetics in the pediatric population., Anesthesiology, 1984, 61, A441
  3. Mercadante S, Cancer pain management in children., Palliat Med, 2004, 18, 654-62
  4. Mukherjee K. et al, Adenotonsillectomy in children: a comparison of morphine and fentanyl for peri-operative analgesia., Anaesthesia, 2001, 56(12):, 1193-7
  5. Pasero C, Fentanyl for acute pain management., J Perianesth Nurs, 2005, 20(4), 279-84
  6. Rajamani A, et al, A comparison of bilateral infraorbital nerve block with intravenous fentanyl for analgesia following cleft lip repair in children, Paediatr Anaesth, 2007, 17(2), 133-9
  7. Saarenmaa E, et al, Gestational age and birth weight effects on plasma clearance of fentanyl in newborn infants, J Pediatr., 2000, 136(6), 767-70
  8. Santeiro ML, et al, Pharmacokinetics of continuous infusion fentanyl in newborns, J Perinatol, 1997, 17(2), 135-9
  9. Werkgroep Neonatale Farmacologie NVK sectie Neonatologie., Expertenmeinung, 13 November 2018
  10. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 31.07.2020
  11. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 31.07.2020
  12. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 31.07.2020
  13. hameln, SmPC Fentanyl hameln 50 microg./ml Inj.lsg. (1-22909), 04/2020
  14. Kalceks, SmPC Fentanyl Kalceks 50 microg./ml Inj.lsg., (140215) , 07/2020

Änderungsverzeichnis

  • 17 Dezember 2020 09:01: Neue Monographie "Fentanyl (parenteral)"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung