Topiramat

Wirkstoff
Topiramat
Handelsname
Topamax®, diverse Generika
ATC-Code
N03AX11
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Epilepsie, adjuvante Therapie
    • Oral
      • <2 Jahre: Off-label
      • ≥2 Jahre: On-label
  • Epilepsie, Monotherapie
    • Oral
      • <6 Jahre: Off-label
      • ≥6 Jahre: On-label
  • Migräne-Prophylaxe
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Filmtabletten 25 mg, 50 mg, 100 mg, 200 mg
Granulat in Kapseln 15 mg, 25 mg

Allgemein

Die im Handel befindlichen Präparate enthalten Topiramat in der Reinform. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Präparate mit für Kinder potentiell problematischen Hilfsstoffen:

Präparate Arzneiform Stärke Problematische Hilfsstoffe
TOPAMAX® Filmtabletten 25 / 50 / 100 mg Lactose
TOPILEX® Filmtabletten 25 / 200 mg Lactose
TOPILEX® Filmtabletten 50 mg Lactose, Propylenglykol
TOPILEX® Filmtabletten 100 mg Propylenglykol
TOPIRAMAT 1A® Filmtabletten 25 / 50 /, 100 / 200 mg Lactose
TOPIRAMAT RATIOPHARM® Filmtabletten 25 / 50 / 100 / 200 mg Lactose
TOPIRAMAT SANDOZ® Filmtabletten 25 / 50 / 100 / 200 mg Lactose
TOPIRAMAT STADA® Filmtabletten 25 / 50 / 100 / 200 mg Lactose

Die Fachinformationen wurden 09/2020 aufgerufen (https://aspregister.basg.gv.at/aspregister/).

Pharmakodynamik

Topiramat ist ein Antiepileptikum und Migräneprophylaktikum und ist als sulfatsubstituiertes Monosaccharid klassifiziert. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt. Er ergibt sich möglicherweise aus Natriumkanal-Blockade, Verstärkung der Aktivität von GABA und Antagonisierung der Wirkung von Glutamat.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Topiramat bei Kindern ist linear, ebenso wie bei Erwachsenen, die eine adjuvante Therapie erhielten. Die Clearance ist unabhängig von der Dosis und den Steady-state-Plasmakonzentrationen, die dosisabhängig ansteigen. Kinder haben jedoch eine höhere Clearance und eine kürzere Eliminationshalbwertszeit. Aus diesem Grund kann die Plasmakonzentration von Topiramat nach Gabe derselben mg/kg-Dosis niedriger sein als bei Erwachsenen. Ebenso wie bei Erwachsenen senken enzyminduzierende Antiepileptika die Steady-state-Plasmakonzentrationen.

Rosenfeld et al. 1999 ermittelten ein Tmax von 1-3 Stunden und die folgenden Halbwertszeiten bei einer Dosis von 3-9 mg/kg/Tag:

Alter n= t1/2
4-7 Jahre 11 7,7-8 Stunden
8-11 Jahre 12 11,3-11,7 Stunden
12-17 Jahre 12 12,3-12,8 Stunden

Ferrari et al. 2003 ermittelten die folgende Clearance:

Alter n= Mittlere Dosis Cl/F
< 10 Jahre 14  6,5±2,2 mg/kg/Tag 112±82 ml/kg/Stunde
10-15 Jahre 11 7,2±2,0 mg/kg/Tag  66±22 ml/kg/Stunde
16-30 Jahre 17  4,7±1,9 mg/kg/Tag 42±16 ml/kg/Stunde

 

Dosierungen

Epilepsie, adjuvante Therapie
  • Oral
    • 2 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [17]
      • Initialdosis: 1 - 3 mg/kg/Tag in 1 Dosis über 1 Woche.
      • Erhaltungsdosis: Alle 1-2 Wochen um 1-3 mg/kg/Tag erhöhen auf   5 - 9 mg/kg/Tag in 2 Dosen , max: 400 mg/Tag.
      • Auf die niedrigst mögliche wirksame Dosis titrieren.

Epilepsie, Monotherapie
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre
      [2] [17]
      • Initialdosis: 0,5 - 1 mg/kg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Alle 1-2 Wochen in Schritten von 0,5-1 mg/kg/Tag in 2 Einzeldosen erhöhen auf ca. 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen. (ungefähr 100 mg/Tag).
Migräne-Prophylaxe
  • Oral
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [1] [3] [4] [5] [6] [8] [9] [11] [12] [13]
      • Initialdosis: 25 mg/Tag in 1 Dosis
      • Erhaltungsdosis: Alle 1-2 Wochen um 25 mg/Tag erhöhen auf   50 - 200 mg/Tag in 2 Dosen , max: 200 mg/Tag.
      • Gängige Erhaltungsdosis: 100-200 mg/Tag

        Nur in schweren Fällen oder wenn über mehr als 3 Monate mehr als 2 Anfälle pro Monat auftreten, kann eine medikamentöse Prophylaxe in Erwägung gezogen werden. Diese sollte für maximal 6 Monate erfolgen, danach sollte versucht werden, die Medikation auszuschleichen.

        Eine Studie von Powers (2017) zeigt, dass die Wirksamkeit von Topiramat in der Migräneprophylaxe im Vergleich zu Placebo nicht größer ist. Dennoch sind Experten der Ansicht, dass eine Behandlung mit Topiramat im Einzelfall in Betracht gezogen werden kann.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:

GFR 50-80 ml/min/1.73 m2
Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.
GFR 30-50 ml/min/1.73 m2
50% der üblichen Einzeldosis (sowohl der Initial- als auch der Erhaltungsdosis)
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
50% der üblichen Einzeldosis (sowohl der Initial- als auch der Erhaltungsdosis)
GFR < 10 ml/min/1.73 m2
Eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden.
Klinische Konsequenzen

Bei eingeschränkter Nierenfunktion erhöhen sich die Halbwertszeit und die AUC von Topiramat. Dies steigert das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen. 

ANTIEPILEPTIKA

Carboxamid-Derivate

Oxcarbazepin

Trileptal®
N03AF02
Fettsäure-Derivate

Valproinsäure

Convulex®, Depakine®
N03AG01
Andere Antiepileptika

Lamotrigin

Lamictal®, diverse Generika
N03AX09

Levetiracetam

Keppra®, diverse Generika
N03AX14

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Folgende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden bei Kindern häufiger (≥ 2×) als bei Erwachsenen beobachtet: Veränderter Appetit, hyperchlorämische Azidose, Hypokaliämie, Verhaltensänderungen, Aggression, Apathie, Schlafstörungen, suizidales Verhalten, Aufmerksamkeitsstörung, Lethargie, gesteigerte Tränenbildung, Sinusbradykardie, Gangstörungen.

Folgende unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden nur bei Kindern beobachtet: Eosinophilie, psychomotorische Hyperaktivität, Schwindel, Erbrechen, Hyperthermie, Fieber, Lernschwierigkeiten.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):
Nasopharyngitis, Depression, Parästhesien, Schwindel, Somnolenz, Nausea, Diarrhoe, Fatigue, Gewichtsabnahme, Anämie, Hypersensitivität, Anorexie, verminderter Appetit, Bradyphrenie, Insomnie, Beeinträchtigung des sprachlichen Ausdrucksvermögens, Angst, Verwirrtheit, Desorientierung, Aggression, veränderte Stimmung, Agitiertheit, Stimmungsschwankungen, depressive Stimmung, Wut, anormales Verhalten, Aufmerksamkeitsstörung, Gedächtnisstörung, Amnesie, kognitive Störung, Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, eingeschränkte psychomotorische Fähigkeiten, Konvulsion, anomale Koordination, Tremor, Lethargie, Hypästhesie, Nystagmus, Dysgeusie, Gleichgewichtsstörung, Dysarthrie, Intentionstremor, Sedierung, verschwommenes Sehen, Diplopie, Sehstörung, Vertigo, Tinnitus, Ohrenschmerzen, Dyspnoe, Epistaxis, verstopfte Nase, Rhinorrhoe, Husten, Erbrechen, Obstipation, Oberbauchschmerz, Dyspepsie, abdominaler Schmerz, Mundtrockenheit, Magenbeschwerden, orale Parästhesie, Gastritis, abdominale Beschwerden, Alopezie, Hautausschlag, Pruritus, Arthralgie, Muskelspasmen, Myalgie, Muskelzittern, Muskelschwäche, muskuloskelettaler Brustschmerz, Nephrolithiasis, Pollakisurie, Dysurie, Nephrokalzinose, Pyrexie, Asthenie, Gereiztheit, Gangstörung, anomales Gefühl, Malaise, Gewichtszunahme, Leukopenie, Thrombozytopenie, Lymphadenopathie, Eosinophilie, metabolische Azidose, Hypokaliämie, erhöhter Appetit, Polydipsie, Suizidgedanken, Suizidversuch, Halluzination, psychotische Störung, akustische Halluzination, visuelle Halluzination, Apathie, Verlust der Spontansprache, Schlafstörung, Affektlabilität, verminderte Libido, Ruhelosigkeit, Weinen, Dysphemie, euphorische Stimmung, Paranoia, Perseveration, Panikattacken, Traurigkeit, Leseschwäche, Einschlafstörung, Affektverflachung, anomales Denken, Verlust der Libido Teilnahmslosigkeit, Durchschlafstörung, Ablenkbarkeit, frühes morgendliches Erwachen, Panikreaktion, gehobene Stimmung, Bewusstseinseinschränkung, Grand mal Anfall, Gesichtsfeldausfall, komplex fokale Anfälle, Sprachstörung, psychomotorische Hyperaktivität, Synkope, sensorische Störung, Sabbern, Hypersomnie, Aphasie, repetitive Sprache, Hypokinesie, Dyskinesie, Haltungsschwindel, schlechte Schlafqualität, brennendes Gefühl, Verlust des Empfindungsvermögens, verändertes Geruchsempfinden, zerebellares Syndrom, Dysästhesie, Hypogeusie, Stupor, Ungeschicklichkeit, Aura, Ageusie, Schreibstörung, Dysphasie, periphere Neuropathie, Präsynkope, Dystonie, Formicatio, verminderte Sehschärfe, Skotom, Myopie, Fremdkörpergefühl im Auge, trockenes Auge, Photophobie, Blepharospasmus, erhöhter Tränenfluss, Photopsie, Mydriasis, Presbyopie, Taubheit, unilaterale Taubheit, neurosensorische Taubheit, Ohrenbeschwerden, eingeschränktes Hören, Bradykardie, Sinusbradykardie, Palpitationen, Hypotension, orthostatische Hypotension, Flush, Hitzewallungen, Belastungsdyspnoe, paranasale Sinushypersekretion, Dysphonie , Pankreatitis, Flatulenz, gastroösophageale Refluxkrankheit, Unterbauchschmerz, orale Hypästhesie, Zahnfleischbluten, geblähter Bauch, epigastrische Beschwerden, schmerzhafte Bauchspannung, vermehrter Speichelfluss, oraler Schmerz, Mundgeruch, Glossodynie, Anhidrose, faziale Hypästhesie, Urtikaria, Erythem, generalisierter Pruritus, makulärer Hautausschlag, Hautverfärbung, allergische Dermatitis, Gesichtsschwellung, Gelenkschwellung, muskuloskelettale Steifheit, Flankenschmerz, Muskelschwäche, Harnstein, Harninkontinenz, Hämaturie, Inkontinenz, Harndrang, Nierenkolik, Nierenschmerz, erektile Dysfunktion, sexuelle Dysfunktion, Hyperthermie, Durst Influenza-ähnliche Krankheit, Trägheit, periphere Kälte, Gefühl der Trunkenheit, nervöses Gefühl, Kristalle im Urin, anomaler Zehen-Fersen-Gehtest, verminderte Zahl weißer Blutzellen, Anstieg der Leberenzyme, Lernschwäche

Folgende schwerwiegende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:
hyperammonämische Enzephalopathie, Leberversagen, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen

  • Prophylaxe von Migräne-Kopfschmerzen in der Schwangerschaft oder bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden.

Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Bei Symptomen einer metabolischen Azidose (Kussmaul-Atmung, Dyspnoe, Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, extremer Müdigkeit, Tachykardie oder Arrhythmie) und eventuell bei Erkrankungen oder Therapien, die eine metabolische Azidose begünstigen (wie z.B. Nierenerkrankungen, Status epilepticus, Diarrhö, chirurgische Eingriffe, ketogene Diät), wird die Bestimmung der Serum-Bicarbonat-Werte während der Behandlung mit Topiramat empfohlen. Eine chronische metabolische Azidose bei Kindern kann Osteomalazie verursachen und das Wachstum verlangsamen. Die Auswirkungen auf das Wachstum und das Knochengerüst wurden jedoch nicht systematisch untersucht.

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird empfohlen, um das Risiko von Nierensteinen und hitzebedingten Nebenwirkungen zu reduzieren. Über vermindertes Schwitzen und Hyperthermie wurde insbesondere bei kleinen Kindern und bei hohen Temperaturen berichtet.

Bei Erwachsenen gab es Berichte über eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen, die es notwendig machten, die Dosis zu reduzieren oder zu stoppen; bei Kindern ist die Datenlage in diesem Bereich noch immer unzureichend.

Die Behandlung soll nicht plötzlich abgebrochen werden. Die Dosisreduktion soll schrittweise über 2-8 Wochen erfolgen (SmPC).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • In Situationen, in denen ein schnelles Absetzen von Topiramat medizinisch erforderlich ist, ist eine geeignete Überwachung empfohlen.
  • Wie bei anderen Antiepileptika kann es bei Behandlung mit Topiramat bei manchen Patienten zu einer erhöhten Anfallshäufigkeit oder Auftreten neuer Arten von Krampfanfällen kommen.
  • Vor dem Beginn der Behandlung mit Topiramat ist bei Frauen im gebärfähigen Alter ein Schwangerschaftstest durchzuführen. Darüber hinaus ist die Patientin in Hinblick auf eine hochwirksame Verhütungsmethode zu beraten.
  • In doppelblinden klinischen Studien traten suizidbezogene Ereignisse (Suizidgedanken, Suizidversuche und Suizide) bei mit Topiramat behandelten Patienten mit einer Häufigkeit von 0,5% (46 von 8652 behandelten Patienten) und einer nahezu 3-mal höheren Inzidenz als bei den mit Placebo behandelten Patienten (0,2%; 8 von 4045 behandelten Patienten) auf. Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden.
  • Vorsicht bei Patienten mit Risikofaktoren für Nephrolithiasis.
  • Vorsicht bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, die Clearance von Topiramat kann reduziert sein.
  • Das Risiko für eine Hyperammonämie unter Topiramat scheint dosisabhängig zu sein. Bei Patienten, die eine nicht zu erklärende Lethargie oder Veränderungen des mentalen Zustands im Zusammenhang mit einer Topiramat-Monotherapie oder -Zusatztherapie entwickeln, wird empfohlen eine hyperammonämische Enzephalopathie in Betracht zu ziehen und die Ammoniumspiegel zu messen.
  • Über ein Syndrom bestehend aus akuter Myopie assoziiert mit sekundärem Engwinkelglaukom wurde bei Patienten, die Topiramat erhielten, berichtet. Die Symptome treten üblicherweise im ersten Monat nach Beginn der Topiramat-Therapie auf. Im Gegensatz zu dem primären Engwinkelglaukom, das selten in einem Alter unter 40 Jahren auftritt, wurde das sekundäre, mit Topiramat assoziierte Engwinkelglaukom sowohl bei pädiatrischen Patienten als auch bei Erwachsenen berichtet.
  • Gesichtsfeldstörungen unter Topiramat sind nach dem Absetzen meist reversibel.
  • Eine hyperchlorämische, metabolische Azidose ohne Anionenlücke tritt meist zu Beginn der Behandlung auf und beruht auf der Hemmung der renalen Carboanhydrase durch Topiramat. Der Abfall ist in der Regel gering bis mäßig. Wenn sich eine metabolische Azidose entwickelt und persistiert, sollte in Erwägung gezogen werden die Dosis zu reduzieren oder Topiramat abzusetzen (durch schrittweise Dosisreduktion).

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Zonisamid Additives Hyperthermie-Risiko, besonders bei Kindern und heißer Witterung. Erhöhtes Risiko einer Nephrolithiasis. Kombination vermeiden.
Orale Kontrazeptiva Steigerung des Metabolismus von Estrogenen und Gestagenen durch schwache CYP-3A4 Induktion durch Topiramat. Erniedrigte Serumkonzentration und verringerte Wirkung oraler Kontrazeptiva ist möglich. Patientinnen, die hormonale Kontrazeptiva einnehmen, sollten aufgefordert werden, jede Änderung ihrer Menstruationsblutung zu berichten. Die kontrazeptive Wirksamkeit kann jedoch auch bei Abwesenheit von Durchbruchblutungen vermindert sein. Alternative, nicht hormonelle Verhütungsmittel können in Erwägung gezogen werden.
Valproinsäure Verstärktes Nebenwirkungsrisiko von Valproinsäure, insbesondere einer hyperammonämischen Enzephalopathie. Sorgfältiges Monitoring auf Anzeichen einer hyperammonämischen Enzephalopathie; Überwachung des Plasma-Ammoniaks. Topiramat sollte bei Patienten, die bereits Valproinsäure erhalten, mit sukzessiven Dosiserhöhungen eingeschlichen werden. Treten Symptome einer Enzephalopathie auf, soll Valproinsäure, eventuell auch Topiramat, abgesetzt werden.
4-Hydroxybutansäure Erhöhtes Risiko einer ZNS-Depression. Sorgfältige Überwachung der kognitiven Funktion. Eine alternative Medikation soll in Betracht gezogen werden.
Carbamazepin Steigerung des Metabolismus von Topiramat durch CYP-3A4 Induktion durch Carbamazepin. Erniedrigte Serumkonzentration und verringerte Wirkung von Topiramat ist möglich. Bei Patienten, die bei Beginn der Gabe von Topiramat die maximale Dosis Carbamazepin einnahmen, wurden Symptome einer Antiepileptika-Intoxikation berichtet. Topiramat-Dosis entsprechend des therapeutischen Ansprechens anpassen. Überwachung auf Anzeichen einer Intoxikation, wenn bei einem Patienten, der die maximale Carbamazepin-Dosis erhält, mit einer Topiramat-Behandlung begonnen wird. Eine Dosisanpassung von Carbamazepin kann in diesem Fall ebenso erwogen werden.
Phenytoin Steigerung des Metabolismus von Topiramat durch CYP-Induktion durch Phenytoin. Erniedrigte Serumkonzentration und verringerte Wirkung von Topiramat ist möglich. Hemmung des Metabolismus von Phenytoin durch CYP-2C19 Inhibition durch Topiramat. Erhöhte Serumkonzentration und verstärkte Wirkung von Phenytoin ist möglich. Überwachung des therapeutischen Ansprechens auf Topiramat und gegebenenfalls Dosisanpassung von Topiramat. Phenytoin-Spiegel überwachen und Dosis gegebenenfalls anpassen, vor allem bei hoher Topiramat-Dosis.

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen [Arzneimittel-Formularium für Kinder], 2007
  2. Janssen-Cilag BV, SPC Topamax RVG 24165, 24167 24168, www.cbg-meb.nl, Letzte vollständige Überarbeitung: 16. April 2013, http://db.cbg-meb.nl/IB-teksten/h24165.pdf (aufgerufen am 05Feb2010)
  3. Powers SW, et. al, Trial of Amitriptyline, Topiramate, and Placebo for Pediatric Migraine, NEJM, 2017, 376(2), 115-24
  4. Le K, et al., Is topiramate effective for migraine prevention in patients less than 18 years of age? A meta-analysis of randomized controlled trials., J Headache Pain, 2017, 18(1), 69
  5. Winner, P. et al, Topiramate for migraine prevention in children: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial., Headache, 2005, 45(10), 1304-12
  6. Nederlande Vereniging voor Neurologie [Niederländische Gesellschaft für Neurologie], Medicamenteuze behandeling van migraine, medicatie-overgebruikshoofdpijn en spanningshoofdpijn [Medikamentöse Behandlung von Migräne, Medikamenteninduzierter Kopfschmerz und Spannungskopfschmerz], 2017
  7. Ferrari, A.R. et al, Influence of dosage, age, and co-medication on plasma topiramate concentrations in children and adults with severe epilepsy and preliminary observations on correlations with clinical response., Ther Drug Monit 25 (6):700-8., 2003, 25(6), 700-8
  8. Szperka, C. L. et al, Pharmacologic Acute and Preventive Treatment for Migraine in Children and Adolescents, JAMA Neurol, 2019
  9. Lewis, D. et al, Randomized, double-blind, placebo-controlled study to evaluate the efficacy and safety of topiramate for migraine prevention in pediatric subjects 12 to 17 years of age., Pediatrics, 2009, 123(3), 924-34
  10. Rosenfeld, W.E. et al, A study of topiramate pharmacokinetics and tolerability in children with epilepsy, Pediatr Neurol , 1999, 20(5), 339-44
  11. Lewis, D. et al, A double-blind, dose comparison study of topiramate for prophylaxis of basilar-type migraine in children: a pilot study., Headache, 2007, 10, 1409-17
  12. Winner, P. et al, Topiramate for migraine prevention in adolescents: a pooled analysis of efficacy and safety., Headache, 2006, 46(10), 1503-10
  13. Rascher, W. , Summary: Negative assessment by the off-label expert group of the BfArM (Federal Institute for drugs and medical deviceds), Topiramate in migraine prophylaxis in children and adolescents, 19-09-2019
  14. Diagnosia, https://premium.diagnosia.com/check/interactions/search, aufgerufen am 25.09.2020
  15. ABDA, ABDA-Interaktionsdatenbank, aufgerufen am 25.09.2020
  16. wechselwirkungscheck.de, http://www.wechselwirkungscheck.de/index.php, aufgerufen am 25.09.2020
  17. Janssen-Cilag, SmPC Topamax 15 mg Granulat in Kps. (1-23233), 11/2019

Änderungsverzeichnis

  • 28 Dezember 2020 11:55: Neue Monographie "Topiramat"

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung