Rufinamid

Wirkstoff
Rufinamid
Handelsname
Inovelon®
ATC-Code
N03AF03
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Adjuvante Behandlung von Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom: OHNE VALPROAT
    • Oral
      • On-label
  • Adjuvante Behandlung von Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom: IN KOMBINATION MIT VALPROAT
    • Oral
      • On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://ema.europa.eu abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen

Filmtabletten 200 mg, 400 mg
Suspension zum Einnehmen 40 mg/ml

Allgemein

Die Einnahme der Filmtabletten und der Suspension soll zu einer Mahlzeit erfolgen. 

Im Fall von Schwierigkeiten beim Schlucken, können die Tabletten zerdrückt und in einem halben Glas Wasser eingenommen werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Filmtabletten enthalten Lactose (als Monohydrat).

Die Suspension zum Einnehmen enthält Methyl-4-hydroxybenzoat, Propyl-4-hydroxybenzoat, Sorbitol. 

Die Fachinformationen wurden am 06.07.2021 aufgerufen (https://ema.europa.eu)

Pharmakodynamik

Antiepileptikum; Rufinamid moduliert die Aktivität von Natriumkanälen und verlängert deren inaktivierten Zustand. 

Pharmakokinetik

Kinder haben im Allgemeinen eine geringere Rufinamid-Clearance als Erwachsene; diese Differenz steht in Bezug zur Körpergröße.

Dosierungen

Adjuvante Behandlung von Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom: OHNE VALPROAT
  • Oral
    • 1 Jahr bis 4 Jahre
      • Initialdosis: 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis alle 3 Tage je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von max. 10 mg/kg/Tag erhöhen auf 10 - 45 mg/kg/Tag in 2 Dosen, max: 45 mg/kg/Tag.
    • ≥ 4 Jahre und < 30 kg
      [1]
      • Initialdosis: 200 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis alle 3 Tage je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 200 mg/Tag erhöhen auf 200 - 1.000 mg/Tag in 2 Dosen, max: 1.000 mg/Tag.
      • Höhere Dosen von bis zu 3600 mg/Tag wurden bei einer begrenzten Anzahl von Patient*innen geprüft

    • ≥ 4 Jahre und 30 bis 50 kg
      [1]
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf   400 - 1.800 mg/Tag in 2 Dosen, max: 1.800 mg/Tag.
      • Höhere Dosen von bis zu 4000 mg/Tag wurden bei einer begrenzten Anzahl von Patient*innen geprüft

    • ≥ 4 Jahre und 50 bis 70 kg
      [1]
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf   400 - 2.400 mg/Tag in 2 Dosen, max: 2.400 mg/Tag.
      • Höhere Dosen von bis zu 4800 mg/Tag wurden bei einer begrenzten Anzahl von Patient*innen geprüft

    • ≥ 4 Jahre und ≥ 70 kg
      [1]
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf   400 - 3.200 mg/Tag in 2 Dosen, max: 3.200 mg/Tag.
      • Höhere Dosen von bis zu 4800 mg/Tag wurden bei einer begrenzten Anzahl von Patient*innen geprüft

Adjuvante Behandlung von Anfällen bei Lennox-Gastaut-Syndrom: IN KOMBINATION MIT VALPROAT
  • Oral
    • 1 Jahr bis 4 Jahre
      • Initialdosis: 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis alle 3 Tage je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von max. 10 mg/kg/Tag erhöhen auf 10 - 30 mg/kg/Tag in 2 Dosen, max: 30 mg/kg/Tag.
    • ≥ 4 Jahre und < 30 kg
      [1]
      • Initialdosis: 200 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis alle 3 Tage je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 200 mg/Tag erhöhen auf 200 - 600 mg/Tag in 2 Dosen.
    • ≥ 4 Jahre und 30 bis 50 kg
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf   400 - 1.200 mg/Tag in 2 Dosen, max: 1.200 mg/Tag.
    • ≥ 4 Jahre und 50 bis 70 kg
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf   400 - 1.600 mg/Tag in 2 Dosen, max: 1.600 mg/Tag.
    • ≥ 4 Jahre und ≥ 70 kg
      • Initialdosis: 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Initialdosis jeden zweiten Tag je nach klinischem Ansprechen und Verträglichkeit in Schritten von 400 mg/Tag erhöhen auf 400 - 2.200 mg/Tag in 2 Dosen, max: 2.200 mg/Tag.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

ANTIEPILEPTIKA

Barbiturate und Derivate
N03AA02
Succinimid-Derivate

Ethosuximid

Petinimid®, Ethosuximid neuraxpharm
N03AD01
Carboxamid-Derivate

Carbamazepin

Tegretol®, Neurotop®
N03AF01

Oxcarbazepin

Trileptal®
N03AF02
Fettsäure-Derivate

Valproinsäure (Natriumvalproat)

Convulex®, Depakine®
N03AG01

Vigabatrin

Sabril®
N03AG04
Andere Antiepileptika

Lacosamid

Vimpat®
N03AX18

Lamotrigin

Lamictal®, diverse Generika
N03AX09

Levetiracetam

Keppra®, diverse Generika
N03AX14

Topiramat

Topamax®, diverse Generika
N03AX11

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10%): Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit
Häufig (1-10%): Pneumonie, Influenza, Nasopharyngitis, Infektion des Ohrs, Sinusitis, Rhinitis, Anorexie, Essstörung, Appetitminderung, Angst, Schlaflosigkeit, Status epilepticus, Krampfanfall, Anomale Koordination, Nystagmus, Psychomotorische Hyperaktivität, Tremor, Diplopie verschwommenes Sehen, Schwindel, Epistaxis, Schmerzen im Oberbauch, Obstipation, Dyspepsie, Diarrhoe, Hautausschlag, Akne, Rückenschmerzen, Oligomenorrhoe, Gangstörungen, Gewichtsabnahme, Kopfverletzung, Contusio
Gelegentlich (0,1-1%): Überempfindlichkeit, Erhöhung der Leberenzyme

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Überempfindlichkeit gegen Triazolderivate

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Die Behandlung mit Rufinamid stand in Zusammenhang mit Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Ataxie und Gangstörungen, die zu einem gehäuften Auftreten versehentlicher Stürze in dieser Population führen können. Patienten und Pflegekräfte müssen vorsichtig sein, bis sie mit den potenziellen Wirkungen dieses Arzneimittels vertraut sind.
  • Rufinamid muss schrittweise abgesetzt werden, um das Auftreten eventueller Entzugsanfälle zu reduzieren. In klinischen Studien wurde Rufinamid abgesetzt, indem die Dosis alle zwei Tage um etwa 25 % reduziert wurde. Es stehen nur unzureichende Daten zur Verfügung, was das Absetzen begleitender antiepileptischer Arzneimittel nach erfolgreicher Kontrolle der Anfälle durch Hinzufügen von Rufinamid anbelangt.
  • Bei der Behandlung mit Rufinamid sind schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Antiepileptika, einschließlich DRESS (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms) und Stevens-Johnson-Syndrom, aufgetreten. Die Symptomatik war verschiedenartig; typischerweise, jedoch nicht ausschließlich, stellten sich die Patienten mit Fieber und Ausschlag mit Beteiligung anderer Organe vor. Weitere mit einer Überempfindlichkeit gegen Antiepileptika in Zusammenhang stehende Nebenwirkungen waren Lymphadenopathie, Anomalien bei Leberfunktionstests und Hämaturie. Da sich diese Erkrankung verschiedenartig ausdrückt, können Anzeichen und Symptome in anderen Organsystemen auftreten, die hier nicht angegeben sind. Die Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Antiepileptika traten in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Einleitung einer Rufinamid-Therapie und in der pädiatrischen Population auf. Wird diese Reaktion vermutet, muss Rufinamid abgesetzt und eine andere Therapie eingeleitet werden. Alle Patienten, die unter der Rufinamid-Behandlung einen Ausschlag entwickeln, müssen engmaschig überwacht werden.
  • In einer eingehenden Studie zur QT-Zeit bewirkte Rufinamid eine Abnahme des QTc-Intervalls proportional zur Konzentration. Auch wenn der grundlegende Mechanismus und die Sicherheitsrelevanz dieses Ergebnisses nicht bekannt sind, sollten Kliniker ihr klinisches Urteilsvermögen walten lassen bei der Einschätzung, ob Rufinamid Patienten verordnet werden kann, bei denen das Risiko einer weiteren Verkürzung ihrer QTc-Dauer (z. B. angeborenes kurzes QT-Syndrom oder Patienten mit diesem Syndrom in der Familienanamnese) besteht.
  • Suizidale Gedanken und Verhaltensweisen wurden bei Patienten beobachtet, die Antiepileptika für verschiedene Indikationen erhielten. Eine Metaanalyse von randomisierten Placebo-kontrollierten Studien mit Antiepileptika hat ferner gezeigt, dass das Risiko für Suizidneigung und suizidale Verhaltensweisen leicht erhöht ist. Die Patienten müssen daher auf Anzeichen für suizidale Gedanken und Verhaltensweisen überwacht werden und eine angemessene Behandlung ist in Erwägung zu ziehen. Patienten (und deren Betreuungspersonen) ist zu raten, bei Anzeichen für suizidale Gedanken oder Verhaltensweisen ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
  • Frauen im gebärfähigen Alter müssen während einer Rufinamid-Therapie Maßnahmen zur Empfängnisverhütung anwenden. Die Ärzte sollten sich darum bemühen, sicher zu stellen, dass eine geeignete Form der Empfängnisverhütung angewendet wird, und ihre klinische Erfahrung einsetzen, um zu beurteilen, ob orale Kontrazeptiva oder die Dosen der Komponenten oraler Kontrazeptiva angesichts der klinischen Situation der einzelnen Patientin angemessen sind
  • Fälle von Status epilepticus wurden während der Behandlung mit Rufinamid in Studien zur klinischen Entwicklung beobachtet, hingegen wurden keine derartigen Fälle mit Placebo beobachtet. Entwickeln Patienten neue Anfallsformen und/oder tritt ein Status epilepticus mit einer größeren Häufigkeit auf als es in der Ausgangserkrankung des Patienten der Fall war, sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Therapie neu beurteilt werden.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. Eisai Limited, SPC Inovelon (EU/1/06/378/001-005) 03-05-2017, www.ema.europa.eu
  2. Eisai GmbH, SmPC Inovelon Suspension zum Einnehmen 40 mg/ml (EU/1/06/378/017), deutsche Version, aufgerufen am 06.07.2021, www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

  • 24 September 2021 13:40: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung