Lacosamid

Wirkstoff
Lacosamid
Handelsname
Vimpat®
ATC-Code
N03AX18
Zulassung, Pharmakodynamik und -kinetik
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen
Ähnliche Wirkstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Wechselwirkungen
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

Zulassungsstatus bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren:

  • Epilepsie, Monotherapie
    • Oral, Intravenös
      • <4 Jahre: Off-label
      • >4 Jahre: On-label
  • Epilepsie, adjuvante Therapie
    • Oral, Intravenös
      • <4 Jahre: Off-label
        >4 Jahre: On-label

Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://aspregister.basg.gv.at/ abgerufen werden.

Verfügbare Darreichungsformen und Stärken

Darreichungsformen und Stärken

Filmtabletten 50 mg, 100 mg, 150 mg, 200 mg
Sirup 10 mg/ml
Infusionslösung 10 mg/ml

Allgemein

Die Einnahme der Filmtabletten und des Sirups kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Der Sirup enthält Sorbitol, Acesulfam, Natriummethyl-4-hydroxybenzoat, Propylenglykol und Aspartam.

Pharmakodynamik

Das Antiepileptikum Lacosamid ist eine funktionalisierte Aminosäure. Der genaue Wirkmechanismus, über den Lacosamid seine antiepileptische Wirkung beim Menschen ausübt, muss noch vollständig aufgeklärt werden. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Lacosamid selektiv die langsame Inaktivierung der spannungsabhängigen Natriumkanäle verstärkt und dadurch zur Stabilisierung hypererregbarer Neuronalmembranen beiträgt.

Pharmakokinetik

Cl:
20 kg: 1,04 L/h
30 kg: 1,32 L/h
50 kg: 1,86 L/h
70 kg (Erwachsene): 1,92 L/h

Dosierungen

Epilepsie, Monotherapie
  • Oral
    • ≥ 4 Jahre und < 40 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 12 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 40 bis 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und ≥ 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 100 - 200 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 100 mg/Tag bis 600 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

  • Intravenös
    • ≥ 4 Jahre und < 40 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis  12 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 40 bis 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und ≥ 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 100 - 200 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 100 mg/Tag bis  600 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

Epilepsie, adjuvante Therapie
  • Oral
    • ≥ 4 Jahre und < 20 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 12 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 20 bis 30 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 30 bis 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis  8 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und ≥ 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 100 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 100 mg/Tag bis 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

  • Intravenös
    • ≥ 4 Jahre und < 20 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 12 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 20 bis 30 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 10 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und 30 bis 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 2 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 2 mg/kg/Tag bis 8 mg/kg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

    • ≥ 4 Jahre und ≥ 50 kg
      [1] [2]
      • Initialdosis: 100 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Erhaltungsdosis: Wöchentlich erhöhen um 100 mg/Tag bis 400 mg/Tag in 2 Dosen.
      • Bei Behandlungsabbruch ist die Dosis schrittweise zu verringern.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

Bei reduzierter Nierenfunktion nimmt die AUC von Lacosamid zu. Hierdurch erhöht sich das Risiko von Nebenwirkungen.

Kinder ≥ 4 Jahre und ≥ 50 kg
GFR 10-30 ml/min/1.73 m2
Erhaltungsdosis max. 250 mg pro Tag
GRF <10 ml/min/1.73 m2
eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht gegeben werden

Kinder ≥ 4 Jahre und < 50 kg
GRF 10-30 ml/min/1.73 m2
Maximale Dosis um 25 % senken
GRF <10 ml/min/1.73 m2
eine allgemeingültige Empfehlung kann nicht erteilt werden

ANTIEPILEPTIKA

Barbiturate und Derivate
N03AA02
Succinimid-Derivate

Ethosuximid

Petinimid®, Ethosuximid neuraxpharm
N03AD01
Carboxamid-Derivate

Carbamazepin

Tegretol®, Neurotop®
N03AF01

Oxcarbazepin

Trileptal®
N03AF02

Rufinamid

Inovelon®
N03AF03
Fettsäure-Derivate

Valproinsäure (Natriumvalproat)

Convulex®, Depakine®
N03AG01

Vigabatrin

Sabril®
N03AG04
Andere Antiepileptika

Lamotrigin

Lamictal®, diverse Generika
N03AX09

Levetiracetam

Keppra®, diverse Generika
N03AX14

Topiramat

Topamax®, diverse Generika
N03AX11

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Das bei pädiatrischen Patienten beobachtete Sicherheitsprofil ähnelt dem bei Erwachsenen, obwohl die Häufigkeit einiger unerwünschter Ereignisse (Schläfrigkeit, Erbrechen und Konvulsionen) höher war und zusätzliche unerwünschte Ereignisse berichtet wurden: Nasopharyngitis (15,7%), Erbrechen (14,7%), Schläfrigkeit (14,0%), Schwindel (13,5%), Pyrexie (13,0%), Konvulsionen (7,8%), verminderter Appetit (5,9%), Pharyngitis (4,7%), Lethargie (2,7%) und abnormales Verhalten (1,7%).

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Folgende UAW wurden sehr häufig, häufig oder gelegentlich beobachtet (≥ 0,1 %):

Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Diplopie, Übelkeit, Depression, Verwirrtheitszustand, Schlaflosigkeit, myoklonische Anfälle, Ataxie, Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnisstörungen, kognitive Störungen, Somnolenz, Tremor, Nystagmus, Hypästhesie, Dysarthrie, Aufmerksamkeitsstörungen, Parästhesie, verschwommenes Sehen, Vertigo, Tinnitus, Erbrechen, Obstipation, Flatulenz, Dyspepsie, Mundtrockenheit, Diarrhö, Pruritus, Rash, Muskelspasmen, Gehstörung, Asthenie, Müdigkeit, Reizbarkeit, Gefühl der Betrunkenheit, Schmerzen oder Beschwerden an der Injektionsstelle, Irritation, Stürze, Hautwunden, Kontusion, Arzneimittelüberempfindlichkeit, Aggression, Agitation, euphorische Stimmung, psychotische Erkrankungen, suizidale Gedanken, suizidales Verhalten, Halluzination, Synkope, Koordinationsstörungen, atrioventrikulärer Block, Bradykardie, Vorhofflimmern, Vorhofflattern, abnormer Leberfunktionstest, erhöhte Leberenzymwerte (> 2x ULN), Angioödem, Urtikaria

Folgende UAW wurden zudem selten, sehr selten (< 0,1 %) oder mit unbekannter Häufigkeit beobachtet:

Agranulozytose, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom), Konvulsion, ventrikuläre Tachyarrhythmie, Stevens-Johnson Syndrom, Toxische epidermale Nekrolyse

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Bekannter atrioventrikulärer (AV-)Block 2. oder 3. Grades.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

  • Suizidale Gedanken und suizidales Verhalten
    • Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine Metaanalyse randomisierter, placebokontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt und die verfügbaren Daten schließen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von Lacosamid nicht aus. Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung sollte in Erwägung gezogen werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden, medizinische Hilfe einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.
  • Herzrhythmus und Erregungsleitung
    • In klinischen Studien wurde unter Lacosamid eine dosisabhängige Verlängerung des PR-Intervalls beobachtet. Lacosamid darf daher nur mit besonderer Vorsicht bei Patienten mit zugrunde liegenden Erkrankungen angewendet werden, die Herzrhythmusstörungen auslösen können, wie bekannte Störungen der Erregungsleitung oder eine schwere Herzerkrankung (z. B. Myokardischämie/Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, strukturelle Herzerkrankung oder kardiale Natriumkanalopathien). Dies gilt auch für Patienten, die mit Arzneimitteln behandelt werden, die die kardiale Erregungsleitung beeinflussen, wie Antiarrhythmika und Antiepileptika zur Natriumkanalblockade, sowie für ältere Patienten. Bei diesen Patienten sollte die Durchführung eines EKGs erwogen werden, bevor die Lacosamid-Dosis über 400 mg/Tag gesteigert wird und nachdem die Steady-State-Titration von Lacosamid abgeschlossen wurde.
    • Über Vorhofflimmern oder -flattern wurde nicht in placebokontrollierten Lacosamidstudien bei Epilepsiepatienten berichtet, allerdings wurde darüber in nicht verblindeten Epilepsiestudien und seit Markteinführung berichtet.
    • Seit Markteinführung wurde über AV-Block (einschließlich AV-Block zweiten oder höheren Grades) berichtet. Bei Patienten mit Erkrankungen, die Herzrhythmusstörungen auslösen können, wurde über ventrikuläre Tachyarrhythmien berichtet. In seltenen Fällen führten diese Ereignisse zu Asystolie, Herzstillstand und Tod bei Patienten mit zugrunde liegenden Erkrankungen, die Herzrhythmusstörungen auslösen können.
    • Patienten sollten über die Symptome von Herzrhythmusstörungen (z. B. langsamer, schneller oder unregelmäßiger Puls, Palpitationen, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl, Ohnmacht) unterrichtet werden. Den Patienten sollte geraten werden, unverzüglich ärztlichen Rat einzuholen, wenn diese Symptome auftreten.
  • Schwindel
    • Die Behandlung mit Lacosamid wurde mit dem Auftreten von Schwindelgefühl in Verbindung gebracht, was die Häufigkeit von unbeabsichtigten Verletzungen und Stürzen erhöhen kann. Patienten sollen daher angewiesen werden, besonders vorsichtig zu sein, bis sie mit den potenziellen Auswirkungen des Arzneimittels vertraut sind.
  • Mögliches neues Auftreten oder Verschlechterung myoklonischer Anfälle
    • Über ein neues Auftreten oder eine Verschlechterung myoklonischer Anfälle wurde sowohl bei erwachsenen als auch bei pädiatrischen Patienten mit PGTKA (primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen) berichtet, insbesondere während der Titration. Bei Patienten mit mehr als einer Anfallsart sollte der beobachtete Nutzen einer Kontrolle der einen Anfallsart gegen jede beobachtete Verschlechterung einer anderen Anfallsart abgewogen werden.
  • Mögliche elektroklinische Verschlechterung bestimmter pädiatrischer Epilepsiesyndrome
    • Die Sicherheit und Wirksamkeit von Lacosamid bei pädiatrischen Patienten mit Epilepsiesyndromen, bei denen fokale und generalisierte Anfälle auftreten können, wurde nicht untersucht.

Die vollständige Auflistung aller Warnhinweise ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

Referenzen

  1. UCB Pharma S.A., SmPC Vimpat (EU/1/08/470/001-031) 22-09-2017, www.ema.europa.eu
  2. UCB, SmPC Vimpat (EU-1-08-470-001-035), deutsche Version, www.ema.europa.eu, aufgerufen am 05.07.2021

Änderungsverzeichnis

  • 24 September 2021 13:39: Neue Monographie
  • 25 August 2021 12:05: Ergänzung von Information zur schrittweisen Dosisreduktion bei Absetzen von Lacosamid

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung